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Stabilisierung in der Traumabehandlung

Ein ganzheitliches methodenübergreifendes Praxisbuch

Über dieses Buch

​Stabilisierung gilt als die erste der drei Phasen der Traumabehandlung und als Voraussetzung für eine gelingende Traumakonfrontation. Was bedeutet aber Stabilisierung, welche Wirkung hat sie und vor allem: welche Vielfalt an stabilisierenden Interventionen gibt es?

Das Praxisbuch stellt verschiedene Zugänge und eine Fülle an unterschiedlichen in der Praxis bewährten Interventionen und Übungen vor. Darüber hinaus zeigt es anschaulich, dass Stabilisierung weitaus mehr bewirken kann, als man vermuten mag: sie bringt eine Vielfalt an weiteren Wirkungen mit sich, sodass sie zu einer umfassenden Stärkung und Heilung unserer Klienten beiträgt. Damit erleichtert, beschleunigt und erweitert sie den Prozess der Traumabehandlung. Ein großes Repertoire an Interventionen, Übungen und Anregungen sowie zahlreiche Beispiele veranschaulichen die Umsetzung in der Praxis. Das Buch richtet sich an Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Angehörige anderer helfender Berufe.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. 1. Stabilisierung – Notwendigkeit, Wirkung, Nutzen

    Regina Lackner
    Zusammenfassung
    Die Stabilisierung ist das Fundament und das Herzstück jeder Traumabehandlung. Sie steht an ihrem Beginn und sollte den gesamten Behandlungsprozess bestimmen; gleichsam wie ein kontinuierliches Band, das sich durch diesen zieht und ihn dabei gleichzeitig einbettet.
  3. Teil I

    1. Frontmatter

    2. 2. Traumatisierung in ihrer Vielfalt

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Traumatisierungen können durch eine Vielfalt unterschiedlicher Ereignisse und Umstände ausgelöst werden, die unser Leben oder unsere Unversehrtheit bedrohen und bei denen wir keine oder kaum Handlungsmöglichkeiten haben, unsere Verteidigungsimpulse nicht ausführen oder abschließen können und uns ohnmächtig und hilflos fühlen. Sie können eine Vielfalt an Auswirkungen mit sich bringen, die, gleich einem Kontinuum, von einzelnen Symptomen bis zu komplexen Symptombildern reichen. So wie sie in ihrer Komplexität variieren, können sie auch in ihrer Intensität und Tragweite unterschiedlich erlebt werden.
    3. 3. Neurowissenschaftliche Einblicke

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Damit wir traumatisierten Menschen wirksam helfen können, ist es notwendig, uns mit den physiologischen, insbesondere den neurophysiologischen Auswirkungen von traumatischen Erfahrungen zu befassen. Wenn wir wissen, was bei einem bedrohlichen Ereignis in unserem Körper vor sich geht, können wir nachvollziehen, wie bzw. warum es zu den typischen traumaspezifischen Symptomen kommen kann. Dann können wir auch erkennen, was unser Körper und unsere Seele brauchen, um wieder in eine Stabilität zu finden, und warum und wie die einzelnen Stabilisierungstechniken unterstützend und heilsam wirken können.
    4. 4. Unser Körper und seine Bedeutung für die Stabilisierung

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Unser Körper drückt Traumatisierungen auf unterschiedliche Weise aus: in Form von Symptomen wie z. B. Unruhe, Angst oder Anspannung, in Form von körperlichen Beschwerden wie chronischen Schmerzen oder Verdauungsproblemen sowie in Form von bestimmten Körperhaltungen, Bewegungsmustern oder Verhaltensweisen.
    5. 5. Embodiment – die Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Der Begriff Embodiment, der sich mit Verkörperung übersetzen lässt, gilt zum einen als interdisziplinärer Überbegriff für ein neues Verständnis des Zusammenspiels von Körper und Psyche bzw. Körper und Geist (Bermeitinger et al. 2011). Zum anderen bedeutet Embodiment die Verkörperung einer bestimmten Emotion (Tschacher 2006); einerseits als „Umsetzung einer konkreten Emotion“ in unserem Körper (Storch et al. 2006, S. 130), etwa durch eine bestimmte Körperhaltung, andererseits als Körperempfinden, das wir in Zusammenhang mit einem bestimmten Gefühl wahrnehmen. Ein Teilbereich der Embodiment-Forschung widmet sich den sog. Embodied Emotions, dabei wird die physiologische Wirkung unserer Emotionen auf unseren Körper erforscht.
    6. 6. Resilienz

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Der Begriff Resilienz hat in den letzten 20 Jahren in der Psychologie und allmählich auch in der Psychotherapie zunehmend an Bedeutung gewonnen. Mittlerweile gibt es eine Fülle an Literatur zu Resilienz und eine Reihe von Programmen zu ihrer Stärkung. Dadurch entsteht der Eindruck, dass es ganz klar ist, was mit Resilienz gemeint ist und wie sie zu messen und zu fördern ist. Dem ist aber nicht so.
    7. 7. Posttraumatisches Wachstum

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Posttraumatische Wachstum bzw. Posttraumatic Growth (PTG) ist ein in den 1990er-Jahren von Richard Tedeschi geprägter Begriff. Er bezieht sich auf seine Beobachtung, dass nach einer traumatischen Erfahrung viele Betroffene eine positive persönliche Transformation, also eine positive posttraumatische Entwicklung durchleben (Tedeschi und Moore 2016).
  4. Teil II

    1. Frontmatter

    2. 8. Ressourcen – das Herzstück der Stabilisierung

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Ressourcen bilden das Herzstück der Stabilisierung und die Basis jeder Traumabehandlung. Sie stehen an ihrem Beginn und sind ein wesentlicher Bestandteil des gesamten Behandlungsverlaufs, gleichsam der Boden, auf dem dieser stattfindet. Zu ihnen zählt all das, was uns stärkt, guttut, uns sicher fühlen und stabiler werden lässt; somit auch alle Übungen, die stabilisierend wirken. Ressourcen rufen in uns positive Gefühle, Körperempfindungen und Gedanken hervor, stärken uns und geben uns Halt und Sicherheit. Sie erwecken in uns Zuversicht und Vertrauen. Und sie bereichern uns und machen unser Leben bunter und erfüllter.
    3. 9. Achtsamkeit und Selbstgewahrsein

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Im Hier und Jetzt präsent zu sein, ist eine der wichtigsten und hilfreichsten Fertigkeiten für traumatisierte Menschen (Fisher 1999). Um sie zu erlangen und zu entwickeln, sind Achtsamkeit und Selbstgewahrsein nötig. Beide bilden somit auch ganz grundlegende Elemente der Stabilisierung; sie ermöglichen uns, auf unseren Körper regulierend einzuwirken, so dass sich dieser und mit ihm auch unser Inneres beruhigen kann. Wir können uns durch sie zentrieren und in unsere Mitte finden. Und wir können mit ihrer Hilfe innere Distanz zu aufwühlenden, belastenden und bedrohlichen Emotionen, Gedanken, Erinnerungen, inneren Bildern und Körperempfindungen gewinnen.
    4. 10. Imagination – die Kraft innerer Bilder

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Der Begriff Imagination (von lat. „imago“, Bild) bezieht sich sowohl auf ein inneres Bild als auch auf unsere Vorstellungskraft. Nach Jeanne Achterberg ist sie ein gedanklicher Prozess, der unsere Sinne benutzt – „vision, audition, smell, taste, the senses of movement, position, and touch“ – und direkt mit unserer Wahrnehmung, unseren Gefühlen und unserem Körper verbunden ist (1985, S. 3). Somit haben Imaginationen unmittelbare Auswirkungen auf unsere psychische Befindlichkeit und unseren Organismus. Wenn wir uns z. B. vorstellen, an einem sicheren, angenehmen Ort zu sein, dann verlangsamt sich unser Herzschlag, unser Blutdruck sinkt und unser gesamter Organismus beruhigt sich (ebd.).
    5. 11. Innere Anteile

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Der Arbeit mit inneren Anteilen bzw. Selbstanteilen oder Ego-States kommt bei der Stabilisierung eine wichtige Bedeutung zu. Sowohl eine Aktivierung und Stärkung ihrer gesunden als auch eine Heilung ihrer verwundeten Selbstanteile trägt wesentlich zur Stabilität unserer Klientinnen bei.
    6. 12. Die Kraft positiver Gedanken

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Unsere Gedanken beeinflussen, wie wir dem Leben begegnen und unser Leben leben. Dabei sind sie eng mit unserer Lebenseinstellung verbunden, wobei beide einander wechselseitig beeinflussen. Beide, unsere Gedanken und unsere Lebenseinstellung, bestimmen, wie wir durch unser Leben gehen, anderen Menschen begegnen und Beziehungen führen, ebenso wie z. B. unsere Sicht auf unsere Zukunft und ob wir etwas wagen oder Neues und Herausforderungen scheuen. Unsere Gedanken stehen aber auch in Wechselwirkung mit unseren Gefühlen und unserer emotionalen Gestimmtheit sowie mit unserer körperlichen Befindlichkeit. Dieses Wechselspiel können wir in alltäglichen Momenten erleben. Denken wir beispielsweise, dass wir ein wichtiges Ziel nicht erreichen können, so spiegelt sich das in unserem Inneren sowie in unserem Körper wider; wir fühlen uns bedrückt und kraftlos. Denken wir jedoch, dass wir es schaffen werden, dann fühlen wir uns gestärkt und tatkräftig und gewinnen an Energie.
    7. 13. Bewegung – körperliche Aktivität und Sport

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Für die Wiedererlangung und Stärkung der Stabilität ist jegliche Form von Bewegung hilfreich. Bei einem traumatischen Erlebnis mobilisiert unser Körper alle Kräfte, um zu kämpfen oder zu fliehen, oder er erstarrt, wenn beides nicht möglich ist. Wenn unsere instinktiven Verteidigungsreaktionen nicht ausgeführt oder abgeschlossen werden und die Erstarrung sich nicht lösen kann, dann bleibt die enorme Aktivierung in unserem Körper bestehen. So ist es naheliegend, dass nach einem traumatischen Erleben jegliche Form der Bewegung und sportlichen Aktivität unseren Körper unterstützt, diese enorme Aktivierung und u. a. die ausgeschütteten Stresshormone wieder abzubauen. Dies ist umso wichtiger, wenn eine „zeitnahe Wiederherstellung der autonomen Homöostase“ ausbleibt und sich in unserem autonomen Nervensystem „immer mehr Streß“ ansammelt (Levine 2019, S. 40). Das ist im Besonderen bei wiederholten oder chronischen Traumatisierungen der Fall. Langfristig kann dies unsere Gesundheit beeinträchtigen und verschiedene Symptome wie z. B. Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Migräne hervorrufen und u. a. zu gastrointestinalen und Autoimmunerkrankungen führen (McLeay et al. 2017).
    8. 14. Spiritualität und Religion

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Spiritualität und Religion spielen im Leben vieler Menschen eine wichtige Rolle. Es gibt zwar keine allgemein gültige Definition dieser beiden Begriffe, zumeist wird Spiritualität jedoch als Erleben und Hinwendung zu einer übergeordneten, geistigen Welt beschrieben, während sich Religion in der Regel auf eine bestimmte Konfession und deren Ausübung bezieht.
    9. 15. Verlust und Trauer – Abschied nehmen und die Beziehung wandeln

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Traumatische Erfahrungen sind mitunter mit dem Tod eines geliebten Menschen verbunden bzw. kann dieser, insbesondere wenn er unerwartet und/oder auf tragische Weise erfolgt, zu einer Traumatisierung führen.
    10. 16. Wut und Aggression

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Wut und Aggression sind natürliche Folgen eines bedrohlichen Ereignisses. Dies gilt für alle traumatisierenden Geschehnisse; insbesondere jedoch für Gewalterfahrungen sowie für jene, bei denen wir durch andere Menschen in Gefahr geraten oder zu Schaden kommen, oder bei denen ein uns lieber Mensch durch jemanden anderen verletzt wird oder stirbt.
  5. Teil III

    1. Frontmatter

    2. 17. Unsere innere Haltung

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Unsere innere Haltung und das Verständnis, mit dem wir unsere Rolle als Traumatherapeutin bzw. -therapeut einnehmen, bilden die Grundlage unserer Arbeit mit traumatisierten Menschen. Sie bestimmen maßgeblich die Wirksamkeit unserer Begleitung. Dabei kommt einer Reihe von Faktoren eine wichtige Bedeutung zu.
    3. 18. Exkurs: Die Sicht auf das Positive und Stärkende

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Im Hinblick auf eine stärkende, ressourcenorientierte Haltung können wir in der positiven sowie der prospektiven Psychologie und Psychotherapie einige kostbare Anregungen finden.
    4. 19. Sicherheit und Halt geben

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Das Erleben von Sicherheit ist die Voraussetzung für die Verarbeitung traumatischer Erfahrungen und die Heilung von Traumatisierungen. Sicherheit ist daher die Grundlage jeder Traumabehandlung. Wie schon erwähnt, setzt die Entwicklung einer heilsamen therapeutischen Beziehung das Erleben von Sicherheit voraus; diese ist notwendig, damit unsere Klientinnen neue positive Erfahrungen machen, Neues lernen und sich entfalten können. Wir sollten daher alles tun, damit sich unsere Klienten bei und mit uns sicher fühlen. Dabei sind gewisse Bedingungen erforderlich, die über die Beseitigung realer Bedrohungen hinausgehen (Porges 2019). Wesentlich sind hierbei Signale der Sicherheit, die auf ihr autonomes Nervensystem beruhigend wirken.
    5. 20. Die Bedeutung der Psychoedukation

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Der Psychoedukation kommt bei der Stabilisierung eine ganz entscheidende Bedeutung zu. Indem wir unsere Klienten über Traumatisierungen informieren, ihnen die Wirkung von traumatischen Erfahrungen auf unseren Körper und unsere Psyche aufzeigen, ihnen unterschiedliche Erklärungsansätze zu verschiedenen Symptomen vermitteln und ihnen die Bedeutung von Triggern, impliziten Erinnerungen und Schutzmechanismen erläutern, können sie ihre Symptome, Reaktionen und Verhaltensweisen sowie ihre Gefühle und Körperempfindungen – und damit sich selbst – besser verstehen (Fisher 2019).
  6. Teil IV

    1. Frontmatter

    2. 21. Stabilisierung erklären – Übungen und Interventionen auswählen, erläutern und anwenden

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Bereits zu Beginn unserer gemeinsamen Arbeit sollten wir unsere Klientinnen über die Bedeutung und Notwendigkeit der Stabilisierung aufklären. Dabei kann das bereits erwähnte Bild einer Balkenwaage die Bedeutung der Stabilisierung veranschaulichen; eine der beiden Waagschalen trägt die Last der traumatischen Erfahrung, die andere die ausgleichende Kraft der Stabilität und Stabilisierung. Je größer die Belastung durch die Traumatisierung ist, umso größer muss die Kraft der Stabilität und Stabilisierung sein, um dieser entgegenwirken zu können.
    3. 22. Ressourcen erkunden, aktivieren, stärken und erweitern

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Neben den ersten Informationen über Traumatisierungen und ihre Auswirkungen gilt der erste stabilisierende Interventionsschritt dem Erkunden der Ressourcen unserer Klientinnen. Wie in Kap. 8 beschrieben, können Ressourcen alles sein, was für uns stärkend, unterstützend, entspannend oder wohltuend ist, uns ein Gefühl der Sicherheit gibt, uns aus unseren kreisenden Gedanken führt oder uns von Spannungen und Aggressionen befreit.
    4. 23. Sich sicher und beschützt fühlen

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Das Erleben von Sicherheit ist die Grundlage jeder Traumabehandlung und das Herzstück der Stabilisierung. Deshalb sollten wir bereits zu Beginn unserer gemeinsamen Arbeit mit unseren Klientinnen erkunden, ob und wann sie sich sicher fühlen. Indem wir dieser Frage nachgehen, können wir Momente, Situationen oder Bedingungen ausfindig machen, die auf unsere Klienten regulierend und ausgleichend wirken und die sie zur Ruhe kommen und auftanken lassen. Bei manchen Menschen sind dies durchaus längere Zeiträume, etwa sobald sie bei sich zu Hause sind; bei anderen können dies kürzere Momente sein, z. B. wenn sie ein Bad nehmen, ein Glas Wein trinken oder eine bestimmte Musik hören. Andere teilen uns mit, dass sie sich nie ganz sicher fühlen und immer eine gewisse Anspannung oder Bedrohung verspüren. Wenn wir gemeinsam der Frage nachgehen, ob und wann es auch nur ganz kurze Momente gibt, in denen sie sich sicher fühlen, so finden jedoch die meisten Menschen die eine oder andere entsprechende Situation. Diese können wir aufgreifen und als Ressource nutzen.
    5. 24. An innerer Stärke gewinnen

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Wir können unser Gefühl von Sicherheit und damit auch unsere Stabilität stärken, indem wir uns unsere innere Stärke bewusst machen und sie vertiefen.
    6. 25. Das Nervensystem beruhigen – zur Ruhe kommen und entspannen

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Indem wir auf unser Nervensystem und damit auf unseren gesamten Organismus regulierend und beruhigend einwirken, tragen wir ganz wesentlich zu unserer psychischen Stabilität bei.
    7. 26. Unruhe und innere Spannungen abbauen

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Viele unserer Klienten leiden an Unruhe, Nervosität und Anspannung. Manche können durch die eine oder andere Übung, die wir in Kap. 25 besprochen haben, ruhig werden. Anderen helfen diese jedoch wenig oder gar nicht; mitunter werden sie durch diese sogar noch angespannter und unruhiger. Dann brauchen sie Interventionen, mit denen sie ihre Spannungen gezielt abbauen können. Unabhängig davon ist es für unsere Klientinnen grundsätzlich unterstützend und trägt zu ihrer Stabilität bei, wenn wir gemeinsam überlegen und erkunden, wie sie ihre Anspannung reduzieren können.
    8. 27. Aus Dissoziationen herausfinden

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Für unsere Klientinnen ist es bereits entlastend und ein erster Schritt hin zur Veränderung, wenn wir sie darüber aufklären, dass Dissoziationen eine normale Folge von traumatischen Erfahrungen sind. Im Moment des Geschehens schützen sie uns vor seiner Wucht und danach vor der Heftigkeit der Erinnerung und der mit ihr verbundenen Gefühle und körperlichen Empfindungen. So kann z. B. Gefühlstaubheit ein Schutz vor dem unfassbaren, emotionalen Schmerz, der unkontrollierbaren Wut oder der unerträglichen Schuld sein, und es uns dadurch ermöglichen, unseren Alltag zu bewältigen und zu meistern. Aber diese Schutz- und Überlebensmechanismen haben ihren Preis; sie trennen uns u. a. von unserm Inneren, anderen Menschen und unserer Umwelt und geben uns das Gefühl, nicht wirklich am Leben zu sein.
    9. 28. Den Körper (wieder) spüren

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Den eigenen Körper zu spüren und sich verkörpert zu fühlen, ist ein wesentlicher Aspekt der psychischen Stabilität. Deshalb ist es im Rahmen der Stabilisierung wichtig, unsere Klientinnen dabei zu unterstützen, wieder Zugang zu ihrem Körper zu finden. Dabei sind einerseits „achtsamkeitsfördernde(n) Fragen“ (Odgen et al. 2010, S. 269) hilfreich, mit denen wir unsere Klienten anregen, ihre körperlichen Empfindungen und Reaktionen zu erkunden und zu beobachten, und andererseits eine Reihe von achtsamen Körperübungen.
    10. 29. Flashbacks stoppen und aus ihnen aussteigen

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Bereits unsere Information, dass Flashbacks eine ganz häufige und typische Folge von traumatischen Erfahrungen sind, kann für unsere Klienten entlastend sein.
    11. 30. Gedanken stoppen und hinter sich lassen

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Sich aufdrängende, bedrohliche Gedanken, Erinnerungen und Bilder tragen zumeist zur Destabilisierung unserer Klienten bei bzw. verstärken diese. Deshalb ist es wichtig, dass wir unsere Klientinnen dabei unterstützen, Möglichkeiten zu finden, diesen entgegenzuwirken, sie zu stoppen und hinter sich zu lassen.
    12. 31. Ängste reduzieren und bewältigen

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Verschiedene Übungen und Tools zu kennen, mit deren Hilfe sie ihre Ängste beeinflussen, reduzieren und damit bewältigen können, trägt wesentlich zur Stabilität unserer Klientinnen bei.
    13. 32. Panikattacken abfangen und auflösen

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Viele der Interventionen und Übungen aus Kap. 27 und Kap. 29 können auch bei Panikattacken hilfreich sein. Diejenigen, die meiner Erfahrung nach besonders wirksam und hilfreich sind, habe ich im Folgenden aufgelistet und kurz zusammengefasst.
    14. 33. Erstarrung lockern und lösen

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Häufig fühlen sich unsere Klientinnen wie erstarrt, gelähmt oder eingefroren. Schon die Information, dass die Erstarrung eine natürliche, instinktive Überlebensreaktion unseres Körpers ist, die uns schützt, wenn Kämpfen und Fliehen nicht möglich sind und/oder wir unter Schock stehen, kann für sie entlastend sein. Ebenso unsere Information, dass wir im Allgemeinen dann auf einen Trigger mit Erstarrung reagieren, wenn wir auch im Moment des traumatischen Geschehens erstarrt sind. Dadurch können unsere Klienten ihre Erstarrungsreaktion eher nachvollziehen und sich selbst besser verstehen.
    15. 34. Bedrücktheit, Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit lindern

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Um Gefühle wie Bedrücktheit, Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit sowie depressive Verstimmungen zu mildern und zu wandeln, können die folgenden Interventionen hilfreich sein sowie alle, die wir in Kap. 22, 23 und 24 besprochen haben.
    16. 35. Mit Wut und Ärger umgehen

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Wut, Ärger, Gereiztheit und aggressive Reaktionen wirken in ihrer Unberechenbarkeit und Unkontrollierbarkeit auf unsere Klienten oft destabilisierend. Deshalb ist es wichtig, sie dabei zu unterstützen, Möglichkeiten zu finden, mit ihrer Wut auf eine positive Weise umzugehen bzw. sie abzubauen.
    17. 36. Grenzen erkunden und wahrnehmen

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Bei traumatischen Erfahrungen werden stets unsere Grenzen verletzt, oftmals unsere körperlichen, immer unsere seelischen. Deshalb ist das Wahrnehmen unserer Grenzen ein wichtiger stabilisierender und heilsamer Schritt.
    18. 37. Schuld ablegen

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Häufig leiden unsere Klientinnen aufgrund des Erlebten an Schuldgefühlen. Diese haben oft eine destabilisierende Wirkung; deshalb ist es wichtig, sie aufzugreifen, zu thematisieren und ihnen entgegenzuwirken.
    19. 38. Scham überwinden

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Traumatische Geschehnisse sind sehr oft mit dem Erleben von Scham verbunden; ganz besonders sexuelle, körperliche und psychische Gewalterfahrungen sowie Vernachlässigung. Dabei ist die Scham oft mit Schuldgefühlen verwoben und wird durch diese verstärkt.
    20. 39. Selbstverletzendes Verhalten verstehen und ersetzen

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Selbstverletzendes oder selbstdestruktives Verhalten basiert zumeist auf tiefgreifenden traumatischen Erfahrungen im Kindes- und/oder Jugendalter; insbesondere durch körperliche, sexuelle und/oder psychische Gewalt und Vernachlässigung.
    21. 40. Suizidgedanken verstehen und verändern

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Wenn unsere Klientinnen uns von Suizidgedanken oder Suizidversuchen erzählen, denken wir mitunter, dass sie „als Gesamtpersönlichkeit sterben“ wollen (Fisher 2019, S. 173). Suizidgedanken und -versuche „spiegeln“ jedoch zumeist „die Sichtweise und den Impuls eines Selbstanteils, aber nicht notwendigerweise aller Selbstanteile wider“ (ebd.). Häufig sind sie nicht Ausdruck des Wunsches, zu sterben, sondern vielmehr des Wunsches, nicht mehr so wie bisher weiterleben zu müssen bzw. des Gedankens und Gefühls, so nicht weiterleben zu können.
    22. 41. Sich noch etwas Gutes tun

      Regina Lackner
      Zusammenfassung
      Zum Abschluss möchte ich noch ein paar Übungen anführen, die unseren Klienten guttun können. So wie ich damit das Buch mit Positivem abrunde, sollten auch wir jede einzelne Stunde mit unseren Klientinnen mit etwas Positivem beenden; sei es mit einer zentrierenden Erdungsübung, einer kurzen stärkenden Imagination oder dem bewussten Wahrnehmen und Auf-sich-wirken-lassen einer neuen Erkenntnis oder einer inneren Stärke. Meistens gebe ich meinen Klienten auch die eine oder andere bekräftigende Anregung mit auf den Weg; beispielsweise sich einen stärkenden Gedanken immer wieder bewusst zu machen, erfreuliche Momente im Alltag zu sammeln oder sich etwas Gutes zu tun.
  7. Backmatter

Titel
Stabilisierung in der Traumabehandlung
Verfasst von
Dr. Regina Lackner
Copyright-Jahr
2021
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-62482-1
Print ISBN
978-3-662-62481-4
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-62482-1

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