Zum Inhalt

Achtsamkeit und Selbstmitgefühl

Anwendungen in der psychotherapeutischen Praxis

Über dieses Buch

Dieses Buch gibt einen Überblick über Konzepte und Praxis von Achtsamkeit und Selbstmitgefühl in der Psychotherapie, stellt störungsspezifische Anwendungen in der Erwachsenenpsychotherapie und in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie vor und skizziert Entwicklungen in unterschiedlichen Settings (von Paartherapie bis Onlinetherapie).

Achtsamkeit und Selbstmitgefühl sind Prinzipien mit einer weit zurückreichenden Geschichte. Diese Traditionen erleben im psychosozialen Bereich eine Renaissance – vielleicht als sinnstiftendes Gegengewicht zu den unüberschaubar gewordenen komplexen Anforderungen einer multipel vernetzten Welt. Auch in die moderne, wissenschaftlich fundierte Psychotherapie haben Achtsamkeitskonzepte als theoretische Grundlage wie auch in praktischen Anwendungen Eingang gefunden.

Geschrieben für …

Psychologische und Ärztliche Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Psychiater, Ärzte aller Fachrichtungen, psychosoziale Berufe in Kliniken, Beratungsstellen und anderen komplementären Einrichtungen, Psychotherapeuten in der Ausbildung.

Die Herausgeber:

Dr. Hinrich Bents – Psychologischer Psychotherapeut, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Psychologische Psychotherapie der Universität Heidelberg (ZPP Heidelberg). Dr. Miriam Gschwendt – Psychologische Psychotherapeutin, Praxengemeinschaft Psychotherapie im Mathematikon, Heidelberg. Priv.-Doz. Dr. Johannes Mander – Psychologischer Psychotherapeut, stellvertretende Studienleitung und Psychotherapieforschung am ZPP Heidelberg.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. Kapitel 1. Einleitung

    Hinrich Bents, Miriam Gschwendt, Johannes Mander
    Zusammenfassung
    „Achtsamkeit“ und „Selbstmitgefühl“ sind Themen, die in vielen Bereichen der (westlichen) Gesellschaft eine hohe Aufmerksamkeit erhalten, man könnte von einem Trend oder einer Mode sprechen, diese Entwicklung aber auch als Ausdruck eines Bedürfnisses nach Sinnhaftigkeit und Individualität in einer sich verkomplizierenden und in Beliebigkeit verlierenden Welt verstehen. Auch in der Psychotherapie haben Achtsamkeit und Selbstmitgefühl inzwischen hohe Aktualität gewonnen, mancherorts wird gar von einem „Hype“ gesprochen. Die moderne, wissenschaftlich fundierte Psychotherapie fokussiert Fragen zur Selbstverwirklichung, Selbstfürsorge und Selbsterleben des Menschen, wenn es darum geht, die Entwicklung psychischer Störungen und, mehr noch, deren individuelle Bewältigung geht.
  3. Kapitel 2. Achtsamkeit und Selbstmitgefühl in der Psychotherapie – state of the art

    Elena Gruber, Hinrich Bents, Johannes Mander
    Zusammenfassung
    Achtsamkeit und Selbstmitgefühl sind zwei populäre Ansätze bei der Behandlung psychischer Störungen, die im folgenden Kapitel näher beleuchtet werden sollen. Beide Bereiche werden getrennt voneinander hinsichtlich geschichtlicher Hintergründe und wissenschaftlicher Konzeptionen vorgestellt. Anschließend werden jeweils die wichtigsten Gruppenprogramme, unter Beschreibung der Kerninterventionen, näher beleuchtet. Abschließend wird der wissenschaftliche Forschungsstand skizziert und kritisch diskutiert.
  4. Kapitel 3. Flexible Emotionsregulation als psychologische Grundlage von Achtsamkeit und Selbstmitgefühl

    Sven Barnow, Luise Prüßner
    Zusammenfassung
    Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit dem Konzept der flexiblen Emotionsregulation als eine psychologische Grundlage von Achtsamkeit und Selbstmitgefühl. Hierbei sollen insbesondere verschiedene theoretische Modelle emotionsregulatorischer Flexibilität kontrastiert sowie deren bisherige Integration in die klinische Forschung diskutiert werden. Im zweiten Teil leiten wir aus der bisherigen Literatur ab, welche Implikationen ein Verständnis flexibler Emotionsregulation für die klinische Praxis hat. Dabei werden wir insbesondere auf die Bedeutung emotionsregulatorischer Flexibilität für die sogenannte „dritte Welle“ der kognitiven Verhaltenstherapie eingehen sowie Bezüge zu Konzepten der Achtsamkeit und des Selbstmitgefühls herstellen.
  5. Kapitel 4. Achtsamkeit, Selbstmitgefühl und Liebevolle Güte - Grundlagen und Bedeutung in der Psychotherapie

    Thomas Heidenreich, Johannes Graser, Christoph Grober, Johannes Michalak
    Zusammenfassung
    Dieses Kapitel stellt die Bedeutung von Selbstmitgefühl und liebevoller Güte im Rahmen von Achtsamkeit in der Psychotherapie vor. Dafür wird nach einer kurzen Begriffseinführung und einer Einordnung von Achtsamkeit in die aktuelle Psychotherapie zunächst das Begriffsverständnis von Mitgefühl und Selbstmitgefühl differenziert. Anschließend werden aktuelle Entwicklungen und Behandlungskonzepte sowie ihre Evidenzbasierung vorgestellt. Zum Abschluss werden vor diesem Hintergrund zukünftige Entwicklungen und offene Fragen diskutiert.
  6. Kapitel 5. Achtsamkeitsbasierte Interventionen bei Zwängen

    Anne Katrin Külz
    Zusammenfassung
    Achtsamkeitsbasierte Interventionen gewinnen in der Behandlung von Zwangserkrankungen immer mehr an Bedeutung. In dem vorliegenden Buchkapitel werden Zusammenhänge zwischen der Phänomenologie von Zwangsstörungen und dem Achtsamkeitsprinzip beleuchtet, Ansatzpunkte von Achtsamkeitsinterventionen in der Therapie von Zwängen vorgestellt und erste Studienergebnisse einer Untersuchung zu achtsamkeitsbasierter kognitiver Therapie (MBCT) bei Zwangserkrankungen dargelegt. Die Studienlage deutet bislang nicht auf eine prinzipielle Überlegenheit achtsamkeitsbasierter Interventionen gegenüber klassischen verhaltenstherapeutischer Interventionen hin; allerdings fokussiert auch die Verhaltenstherapie bei Zwangserkrankungen zunehmend auf eine achtsamkeitsorientierte Haltung i.S. einer offenen, freundlichen Einstellung gegenüber mentalen Prozessen, welche eher die Akzeptanz schwieriger Gedanken und Emotionen als deren Reduktion zum Ziel hat.
  7. Kapitel 6. Selbstmitgefühl im jugendlichen Alter: Überblick über die aktuelle Forschung

    Karen Bluth, Jinyoung Park, Christine Lathren
    Zusammenfassung
    Im folgenden Kapitel verschaffen die Autoren einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu Selbstmitgefühl in der Jugend. Dazu stellen sie in mehreren Abschnitten Studien zu bestimmten Stichproben (z. B. Risikopopulationen) dar und nehmen Bezug zu assoziierten Konzepten wie psychischer Gesundheit, zwischenmenschlichen Beziehungen oder Selbstwirksamkeitserleben. Sie erläutern im Detail die aktuellen empirischen Befunde und geben zuletzt einen Ausblick auf zukünftige Ansätze und Forschungsfragen.
  8. Kapitel 7. Making Friends with Yourself: A Mindful Self-Compassion Program for Teens and Young Adults

    Mit sich selbst Freundschaft schließen: Ein Programm zur Einübung von achtsamem Selbstmitgefühl für Jugendliche und Junge Erwachsene Lorraine Hobbs
    Zusammenfassung
    Selbstmitgefühl hat sich zu einer wichtigen Komponente moderner Psychotherapie entwickelt. In der Erwachsenenpsychotherapie liegen dazu zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen vor. Im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie befinden sich selbstmitgefühlsbasierte Programme noch in den Kinderstiefeln. Die Entwicklung des „Making Friends with Yourself“ soll diese Lücke adressieren. Im Folgenden wird dieses achtwöchige Programm ausführlich beschrieben. Dabei wird auch darauf eingegangen, wie Lehrer vorbereitet werden sollten, um Selbstmitgefühlsübungen passend an Jugendliche zu vermitteln.
  9. Kapitel 8. Die Rolle des Körpers im Rahmen achtsamkeitsbasierter Ansätze

    Johannes Michalak, Anna-Lena Lumma, Thomas Heidenreich
    Zusammenfussang
    Ein zentrales Kennzeichen der meisten Achtsamkeitsübungen, die in klinischen Programmen wie Mindfulness-based Stress Reduction (MBSR) oder Mindfulness-based Cognitive Therapy (MBCT) eingesetzt werden, ist ihr starker Körperbezug. Das Kapitel geht der Frage nach, warum Achtsamkeitsübungen diesen Körperbezug haben. In dem grundlagenorientierten Forschungsfeld zum Thema Embodiment geht man davon aus, dass zwischen körperlichen Prozessen, Emotionen und Kognitionen wechselseitige Beziehungen bestehen. Darauf aufbauend sollen die Zusammenhänge zwischen Achtsamkeit und Embodiment sowie die Relevanz dieser Zusammenhänge für achtsamkeitsbasierte Interventionen auch im klinischen Kontext erörtert werden. Zunächst gibt das Kapitel einen allgemeinen Überblick über die Kernideen der Achtsamkeit und des Embodiment. Darauffolgend wird die Rolle des Körpers im Rahmen von achtsamkeitsbasierten Interventionen diskutiert, um dann abschließend die Relevanz für die klinische Psychologie zu erörtern.
  10. Kapitel 9. Steigerung von Selbstfürsorge und Mitgefühl in der eigenen Beziehung: Ein Gruppentraining für Paare

    Corina Aguilar-Raab
    Zusammenfassung
    Der größte Teil der erwachsenen Bevölkerung lebt in einer Partnerschaft. Allein der Aspekt der sozialen Integration erhöht die Wahrscheinlichkeit für psychische und physische Gesundheit und beeinflusst darüber hinaus das individuelle Gesundheitsverhalten. Die reziproke Beeinflussung von Beziehungsqualität und psychischen Störungen werden im Rahmen von Paartherapeutischen Interventionen aufgegriffen: Einerseits führen diese zur Symptomreduktion, andererseits erhöhen sie auch die Beziehungsqualität. Interpersonelle Faktoren, welche die Beziehungsgestaltung mitbedingen, wie etwa Empathie und Mitgefühl, können z. B. bei der Depression beeinträchtigt sein. Sie können jedoch durch das Training von Mitgefühl gezielt gesteigert werden. Im vorliegen Kapitel wird das Konstrukt Mitgefühl eingeführt, exemplarisch anhand des Cognitively-Based Compassion Trainings CBCT® in seinem Ablauf skizziert, die aktuelle Befundlage diskutiert und auf den Paarkontext erweitert – welches in einer aktuellen Studie als adaptiertes Programm – CBCT-fC (for Couples) – in seiner Wirksamkeit multimodal evaluiert und abschließend erläutert wird.
  11. Kapitel 10. Internet-basierte Interventionen zur Förderung von Achtsamkeit und Selbstmitgefühl

    Tobias Krieger
    Zusammenfassung
    Das vorliegende Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene Formen von internet-basierten Interventionen und wie diese voneinander zu unterscheiden sind. Es wird unter anderem auf das Ausmaß der Begleitung (‘guidance’), die Nutzung resp. des Engagements der Nutzer (Adhärenz), als auch auf generelle Wirksamkeitsnachweise von internet-basierten Interventionen eingegangen. In einem zweiten Teil wird auf Achtsamkeit und auf Selbstmitgefühl, sowie internet-basierte Interventionen zur Förderung dieser Zustände eingegangen. Da es insbesondere erst wenig Forschung zu internet-basierten Ansätzen zur Steigerung von Selbstmitgefühl gibt, wird eine Übersicht über diese Studien gegeben und auf die einzelnen Studien und ihre Hauptbefunde eingegangen. Abschließend werden die Resultate zusammengefasst und kritisch diskutiert.
  12. Kapitel 11. Von gruppentherapeutischen Achtsamkeitsprogrammen zu Achtsamkeitsschulung von Therapeuten und Übungen für die Einzeltherapie

    Johannes Mander
    Abstract
    Achtsamkeit ist eine absichtsvolle und nicht-wertende Aufmerksamkeitslenkung auf das Hier und Jetzt und kann schon in frühen, 2500 Jahre alten buddhistischen Schriften aufgefunden werden. Achtsamkeit hat insbesondere durch die beiden Gruppenprogramme „Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion“ und „Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie“ den Weg in die Psychotherapie gefunden. Die Wirksamkeit dieser Gruppenprogramme ist mittlerweile durch zahlreiche Studien belegt. Allerdings ist der Einsatz von Achtsamkeit in der Einzeltherapie und damit verbunden die Schulung von Therapeuten weniger gut untersucht. Im vorliegenden Manuskript wird zunächst eine Übersicht über Achtsamkeit in der Psychotherapie skizziert und dann auf die Vernetzung von Schulung, Selbsterfahrung und Einsatz in der Einzeltherapie bei Ausbildungstherapeuten eingegangen.
  13. Kapitel 12. Achtsamkeitsbasierte Verfahren in der Therapie für Kinder und Jugendliche mit internalisierenden Störungen

    Miriam Gschwendt, Julia Kalmar
    Zusammenfassung
    Die Anwendung von Verfahren zu Achtsamkeit und Selbstmitgefühl haben in der Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen stark zugenommen. Dieses Buchkapitel stellt zwei gängige manualbasierte gruppentherapeutische Verfahren zu Achtsamkeit und Selbstmitgefühl mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor. Es werden aus beiden Manualen einzelne Übungen für den Einsatz in der Praxis beschrieben. In letzter Zeit werden außerdem zunehmend Interventionen aus den Manualen isoliert in der Einzelpsychotherapie mit Kindern und Jugendlichen durchgeführt, obwohl die Wirksamkeit solcher Einzelinterventionen jedoch noch nicht ausreichend erforscht ist. Daher wird zum Abschluss eine Studie vorgestellt, die diese Forschungslücke schließen und den Einfluss von achtsamkeitsbasierten Einzelinterventionen auf die Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen untersuchen möchte.
  14. Kapitel 13. Im Hier und Jetzt für morgen sorgen. Der Einfluss von Achtsamkeit auf emotionale Prozesse in der Depressionsbehandlung

    Carina Remmers
    Zusammenfassung
    Emotionale Kompetenz kann als Ergebnis der frühen Eltern-Kind Interaktion gesehen werden. Wenn eine Person ihre Gefühle wahrnehmen, differenzieren und funktional mit diesen umgehen kann, verfügt sie über eine Ressource, die sich positiv auf die psychische Gesundheit auswirkt. Patienten, die wiederkehrend unter Depressionen leiden fällt es oft schwer, auf der eigenen inneren Bühne die Regie zu führen. Insbesondere die emotionalen Darsteller werden im inneren Bühnenbild von Patienten mit Depression verzerrt oder nur unzureichend wahrgenommen. Des Weiteren, haben Patienten mit wiederkehrenden Depressionen Schwierigkeiten, mit Gefühlen umzugehen. Die Folge ist, dass sie sich von den emotionalen Darstellern verstricken lassen und automatisch in depressionstypische Kreisläufe geraten. Im vorliegenden Kapitel wird gezeigt, wie Achtsamkeit das emotionale Prozessgeschehen günstig beeinflussen kann. Nach einem theoretischen und empirischen Überblick werden die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie zur Rückfallprävention und aktuelle Forschungsbefunde vorgestellt.
  15. Kapitel 14. Zusammenfassung und Fazit

    Johannes Mander, Louisa D´Errico, Paul Blanck, Hinrich Bents
    Zusammenfassung
    Achtsamkeit und Selbstmitgefühl sind Prinzipien mit mehr als zweitausend Jahre Tradition. Die moderne westliche Welt hat diese als ein potenzielles Gegengewicht zu den Anforderungen einer schnelllebigen, multipel vernetzten Welt wiederentdeckt. Diesem Trend hat sich die Psychotherapie angeschlossen, worüber das vorliegende Werk einen kleinen Überblick bieten möchte. In diesem Kapitel werden die Kernaspekte der einzelnen Buchkapitel zusammengefasst. Dabei werden sowohl störungsspezifische Anwendungen in der Erwachsenenpsychotherapie und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie skizziert als auch auf Entwicklungen in unterschiedlichen Settings (von der Paartherapie bis Onlinetherapie) eingegangen.
  16. Backmatter

Titel
Achtsamkeit und Selbstmitgefühl
Herausgegeben von
Dr. Hinrich Bents
Dr. Miriam Gschwendt
Dr. Johannes Mander
Copyright-Jahr
2020
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-60318-5
Print ISBN
978-3-662-60317-8
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-60318-5

Informationen zur Barrierefreiheit für dieses Buch folgen in Kürze. Wir arbeiten daran, sie so schnell wie möglich verfügbar zu machen. Vielen Dank für Ihre Geduld.