- Herausgegeben von
- Dr. Helga Schloffer
- Ellen Prang
- Annemarie Frick-Salzmann
- Verlag
- Springer Berlin Heidelberg
Über dieses Buch
Das Fachbuch vermittelt nach aktuellem wissenschaftlichen Stand Grundlagen zu Kenntnissen über Gehirnfunktionen, Gedächtnis, Lernstrategien und Unterstützungen kognitiver Leistungen durch Bewegung, Musik, Humor und Entspannung. Den Lesern wird ein Überblick zur didaktischen Planung, Durchführung und Evaluation von Gedächtnistrainings mit Erwachsenen aller Altersgruppen sowie Jugendlichen und Kindern vermittelt. Auch für besondere Gruppen wie Menschen mit Demenz oder mit geistigen Behinderungen, Hirnverletzungen, Seh- und Hörbehinderungen werden von Experten wertvolle praktische Hinweise in kurzen Kapiteln vorgestellt.
Geschrieben für:
Bildungs-, Gesundheits- und Sozialexperten: Pflegepersonal in Altenheimen, Psychologen, Psychiater, Seniorenbetreuer, Aktivierungstherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Lehrer aller Schulformen, Gerontologen, Gedächtnistrainer (in Ausbildung und Praxis).
Die Autoren ...
sind erfahrene Fachleute aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.
Inhaltsverzeichnis
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Frontmatter
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Kapitel 1. Einführung – Grundprinzipien eines Ganzheitlichen Gedächtnistrainings
Helga Schloffer, Daniela Wolf, Ellen PrangZusammenfassungIm ganzheitlichen Gedächtnistraining stehen die Teilnehmer mit ihren individuellen Biografien, Ressourcen und Lernerfahrungen sowie ihren Emotionen im Mittelpunkt. Praktikable Hinweise für die Planung und Durchführung der Settings fördern das selbstständige Denkpotential, den Alltagstransfer und ermöglichen Erfolgserlebnisse sowie Spaß am Denken. Studien zur Effektivität von Gedächtnistrainings sind eher rar und kritisch zu betrachten. Das Resümee aus vielen vorgestellten wissenschaftlichen Untersuchungen ist, dass sich ein multimodales Training positiv auf die Gehirnleistungen auswirkt. Langzeiteffekte zeigen sich hinsichtlich alltagspraktischer Fertigkeiten und der trainierten Hirnleistungen. Präventionsempfehlungen zeigen, wie Körper, Geist und Seele günstig beeinflusst werden können. Dazu zählt ein aktiver Lebensstil. Gedächtnistraining und andere kognitive Herausforderungen, Bewegung, soziale Kontakte, gesunder Schlaf, wenig Stress, regelmäßige medizinische Vorsorge und gesunde Ernährung sind präventive Faktoren, die fit halten. Diese Erkenntnisse sind den Bewohnern der japanischen Insel Okinawa schon seit Generationen bekannt. Dort leben die meisten Hundertjährigen bei relativ geistiger und körperlicher Gesundheit. Von ihren Erfahrungen können wir lernen. -
Gehirn und Gedächtnis
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Frontmatter
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Kapitel 2. Gehirn
Annemarie Frick-SalzmannZusammenfassungDas Gehirnist das komlexeste Strukturgebilde des Universums, das wir kennen. Das Gehirn entwickelt sich ein Leben lang, Die Pastizität des Gehirns erlaubt sich inneren und äusseren Anforderungen anzupassen. Verschiedene Hirnsturkturen sind für unterschiedliche Aufgaben zuständig. Die Grosshirnrinde bildet die äusserste Schicht des Gehirns und ist in verschiedene Lappen unterteilt, die spezifische Aufgaben haben. wichtige Strukturen lieben unterhalb der Grosshirnrinde: Das limbische System, ein sehr alter Teil des Gehirns, ist u. a. an der Gedächtnisbildung beteiligt und die Basalganglien, die aus mehreren Kernen bestehen, sind gemeinsam mit dem Kleinhirn für die Vorbereitung und Ausführung willkürlicher Bewegungen zuständig. Das Neuron ist die strukturelle und funktionelle Grundeinheit des Nervensystems. an der Synapse, der Kontaktstelle zwichen den Nervenzellen, sind anatomische Veränderungsprozesse die Grundlage von Lernen. -
Kapitel 3. Gedächtnisbildung und -umbildung
Martina Piefke, Hans J. MarkowitschZusammenfassungDie fünf Systeme des menschlichen Langzeitgedächtnisses haben jeweils spezifische neurofunktionelle Grundlagen und sind unterschiedlich anfällig für anatomische und neurochemische Schädigungen des Gehirns. Die behavioralen und neurofunktionellen Charakteristika des episodisch-autobiographischen Gedächtnisses ermöglichen das Erinnern persönlicher Erlebnisse im Kontext der individuellen Lebensgeschichte eines Menschen. Das Kapitel fokussiert Prozesse des Lernens, der Gedächtnisbildung und die wichtigsten Gehirnstrukturen, die im Zusammenhang mit dem episodisch-autobiographischen Gedächtnis relevant sind. Das episodisch-autobiographische Gedächtnis basiert vorwiegend auf der Interaktion zwischen Gehirnregionen innerhalb eines komplexen fronto-temporalen neuronalen Netzwerks. Es erlaubt uns, eine Zeitreise in unsere persönliche Vergangenheit zu unternehmen und unsere Lebensgeschichte stets neu von einer aktuellen Situation aus zu rekonstruieren. Diese Form des Gedächtnisses hat daher auch eine besonders große Relevanz für die Entwicklung und Veränderung von Persönlichkeitsmerkmalen und Selbstkonzepten eines Individuums über die gesamte Lebensspanne hinweg. Kinder im Alter zwischen 3 und 4 Jahren können episodisch-autobiographische Erinnerungen abrufen. Sie zeigen jedoch eine stärkere Suggestibilität als ältere Kinder und Erwachsene und verwechseln nicht selten Orte, Menschen und Ereignisse. Die Kapazität des episodischen Gedächtnisses verstärkt sich deutlich bei Kindern bis zum Alter von 11 Jahren. Die Abrufgeschwindigkeit und -strategien entwickeln sich jedoch weiter bis in das frühe Erwachsenenalter. Im höheren Alter gesunder Menschen nimmt das episodisch-autobiographische Gedächtnis für rezente Ereignisse ab, bleibt jedoch in der Regel weitreichend unbeeinträchtigt für Kindheitserlebnisse. Es werden zudem Beeinträchtigungen episodischer Gedächtnisfunktionen bei Patienten mit Schädigungen bestimmter Strukturen des Gehirns diskutiert. Für eine erfolgreiche Behandlung beeinträchtigter Gedächtnisfunktionen bildet die neuronale Plastizität des Gehirns die ausschlaggebende Basis. Der Befund, dass Umweltbedingungen Konsequenzen für den Aufbau und die Funktion des Nervensystems haben, ist auch von zentraler Bedeutung für die Wirksamkeit therapeutischer Interventionen bei Personen mit Gedächtnisstörungen und anderen kognitiven Beeinträchtigungen infolge neurologischer oder psychiatrischer Erkrankungen. Dies ist auch insbesondere im Zusammenhang mit dem Auftreten von Posttraumatischen Belastungsstörungen und den damit typischerweise einhergehenden Gedächtnisdefiziten nach emotional belastenden Ereignissen von großer Bedeutung. Die neuronale Plastizität bildet insofern die Grundlage für die Wirksamkeit des Trainings von Gedächtnisleistungen. Wie jede andere Umwelterfahrung formt und re-modelliert das Gedächtnistraining funktionelle Systeme des Gehirns und ermöglicht durch die zielgerichtete Intervention eine Verbesserung von Gedächtnisleistungen. Sogar bei Patienten mit schwerwiegenden Gedächtnisdefiziten aufgrund neuroanatomischer Läsionen können andere intakte Gehirnstrukturen durch ein gezieltes Training viele Gedächtnisfunktionen übernehmen. -
Kapitel 4. Gedächtnis
Annemarie Frick-SalzmannZusammenfassungIm Gedächtnis gespeicherte Informationen sind das Ergebnis von bewussten und unbewussten Lernprozessen. Unsere Sinnesorgane nehmen eine enorme Menge von Informationen auf. Aufgenommene Informationen verblassen, wenn sie nicht gespeichert werden. Lernvorgänge und Gedächtnisleistungen beeinflussen erwiesenermaßen die Stärke der synaptischen Verbindungen. DAS Gedächtnis gibt es nicht! Viele komplexe, untereinander netzwerkartig verbundenen Gedächtnissysteme verhalten sich unterschiedlich. Ihre gemeinsame Funktion ist die Speicherung und Verwaltung von Informationen. Für jedes Gedächtnissystem sind spezifische Hirnstrukturen zuständig. Sie können sich zeitlich und inhaltlich unterscheiden. -
Kapitel 5. Erinnern und Vergessen
Annemarie Frick-SalzmannZusammenfassungErinnerungen sind keine Kopien von Erlebnissen. Sie werden vom aktuellen Wissen beeinflusst. Erfahrungen werden vermischt und auch mit neuen Elementen versehen. -
Kapitel 6. Klinik der Demenzen
Elisabeth Stögmann, Eva Hilger, Walter PirkerZusammenfassungDemenz (ICD-10-Code: F00-F03) zeichnet ein klinisches Syndrom als Folge einer meist chronischen oder fortschreitenden Erkrankung des Gehirns mit Störung vieler höherer kortikaler Funktionen, wie zum Beispiel Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Sprache und Urteilsvermögen. Das Bewusstsein ist nicht getrübt. Meist sind die kognitiven Veränderungen begleitet von Veränderungen der emotionalen Kontrolle und des Sozialverhaltens (siehe Tabelle 6.1).
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Bedingungen eines optimalen Gedächtnistrainings
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Kapitel 7. Planung, Durchführung und Evaluation
Ellen PrangZusammenfassungDidaktisches Wissen ist die Grundlage für die Wirksamkeit ganzheitlichen Gedächtnistrainings und entscheidend für den Erfolg. Anhand eines Planungsmodells wird Schritt für Schritt von der Organisation bis zur Evaluation erklärt, wie Trainingsstunden konzipiert und durchgeführt werden. Erprobte Beispiele ergänzen die Ausführungen und ermöglichen leicht einen Transfer in die Praxis. Der Artikel ist für Gedächtnistrainer, die wenig Erfahrungen haben, und für Personen in der Ausbildung zum Gedächtnistrainer als begleitende Lektüre besonders geeignet. Auch Experten, die mit Menschen arbeiten, um die kognitiven Fähigkeiten professionell und zielgruppenorientiert zu fördern, erhalten theoretisches und handlungsorientiertes Wissen. Ausführlich werden effektive Lernstrategien zur Steigerung der Merkfähigkeit zum Beispiel von Namen und Zahlen vorgestellt. Abschließend erhalten die Leser thesenartig eine Zusammenfassung mit didaktischen Best-Practice-Hinweisen, die schnell einen Überblick vermitteln. -
Kapitel 8. Entspannung und Gedächtnis
Helga SchlofferZusammenfassungRegenerative Elemente sind Teil eines Ganzheitlichen Gedächtnistrainings, sie optimieren das Aktivierungsniveau und unterstützen die kognitiven Leistungen. Je nach Befindlichkeit und Bedürfnissen der Teilnehmenden können Bewegungsübungen oder verschiedene Entspannungsmethoden und Meditationstechniken eingesetzt werden. Ebenso ausgleichend wirken Kostproben, angenehme Düfte, Musik, Klangschalen u. Ä.; der Trainer sollte die Verfahren auswählen, von denen er ausreichend Kenntnis besitzt, und sie gezielt in die Planung mit einbeziehen. -
Kapitel 10. Musik und Gedächtnis
Katarzyna Grebosz-Haring, Günther Bernatzky, Michaela PreschZusammenfassungGedächtnisstörungen gehören zu vielen Krankheitsbildern, die die Lebensqualität der Menschen drastisch verschlechtern. Im folgenden Kapitel werden nach Darstellung einer allgemeinen Vorstellung über die Musikwirkung auf die kognitiven Prozesse und das Gehirn einige ausgewählte Krankheiten, bei denen mittels Musik Verbesserungen gefunden wurden, geschildert. Letztlich wird gezeigt, wie Musik richtig angewendet werden soll und warum Musik die Gedächtnisleistungen verbessern helfen kann. -
Kapitel 11. Humor und Gedächtnis
Helga SchlofferZusammenfassungHumor und Heiterkeit sind ein probates Mittel, um Stress und Nervosität abzubauen. Miteinander über die alltäglichen Missgeschicke oder über eigene Fehler zu lachen entschärft die Situation und zeigt andere Perspektiven auf. Die humorvolle Einstellung gegenüber „Gedächtnis“ und „Lernen“ beginnt beim Trainer selbst und überträgt sich auf das Gruppengeschehen. Lachen als sozialer Klebstoff schweißt die Gruppe zusammen und unterstützt die kognitiven Leistungen. In entspannter Atmosphäre gelingen die Übungen besser, Erfolgserlebnisse und die Motivation, weiter zu knobeln, sind garantiert. -
Kapitel 12. Gedächtnis und Ernährung
Erika SchaerffenbergZusammenfassungDie kontinuierliche Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Glucose ist entscheidend für kognitive Leistungen und die Prophylaxe neurodegenerativer Erkrankungen. Sobald sich aber in den Mikrokapillaren atherosklerotische Ablagerungen (Läsionen) entwickeln, kommt es zur Minderdurchblutung, die langfristig Fehlfunktionen der Neuronen und schließlich ihren Untergang auslöst. Die Schlüsselrolle dieses multifaktoriellen Geschehens spielt der Lebensstil. Doch die jahrzehntelange klinisch stumme Vorlaufzeit eröffnet uns ein großes Präventionsfenster, das den Weg für eine erfolgreiche Prophylaxe ermöglicht.
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Gedächtnistraining in jedem Alter
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Kapitel 13. Gedächtnistraining in der Erwachsenenbildung
Helga SchlofferZusammenfassungSowohl in der allgemeinen Erwachsenenbildung als auch im Rahmen der beruflichen Fort- und Weiterbildung können Inhalte des Gedächtnistrainings die persönliche Entwicklung fördern und das Wissen um Gehirn, Informationsverarbeitung bzw. „Lernen lernen“ erweitern. Die Zielgruppe der „Erwachsenen“ hat sich in den letzten Jahrzehnten allerdings aufgrund der veränderten demografischen Entwicklung verändert. Menschen in der nachberuflichen Lebensphase interessieren sich vor allem für ein variantenreiches Übungsprogramm und Tipps zur Prävention von Gedächtnisstörungen, Berufstätige profitieren von den angebotenen Lernstrategien und Merktechniken. -
Kapitel 14. Gedächtnistraining für Senioren
Helga SchlofferZusammenfassungDie „Senioren“ sind heute keine homogene Gruppe mehr, im Gegenteil, die Erscheinungsweisen des Alterns sind interindividuell sehr verschieden. Das Gedächtnistraining findet einerseits als präventive, informative Veranstaltung im Bereich der Erwachsenenbildung statt, andererseits ist es eine wichtige Intervention im Rahmen der mobilen und stationären Betreuung und Pflege. Zu den Übungen für alle Hirnleistungen kommen als Bausteine biografisches Arbeiten und Bewegungselemente. Ziel ist die Vorbeugung bzw. Stabilisierung kognitiver Funktionen, aber auch die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Übungsmaterial, Vermittlung und Milieu müssen an die altersbedingten Veränderungen adaptiert werden. -
Kapitel 15. Biografiearbeit
Daniela WolfZusammenfassungEin gut konzipiertes Gedächtnistraining sollte stets versuchen, die Lebensgeschichte eines jeden Teilnehmers zu integrieren. Dabei geht es nicht nur um die individuelle Biografie, sondern auch um die gesellschaftliche und tiefenpsychologische Ebene. Sorgfältig ausgewähltes Material kann Erinnerungen und damit verbundene Emotionen wecken. Ziele von Biografiearbeit sind unter anderem Ressourcenorientierung, Ermutigung, Akzeptanz und Bewältigung aktueller Lebensbedingungen, Stärkung der Identität, Förderung kommunikativer Fähigkeiten und Optimierung des Wohlbefindens. -
Kapitel 16. Nützt kognitives Training bei Kindern und Jugendlichen?
Regula EvertsZusammenfassungEin Gedächtnistraining bei Kindern und Jugendlichen hat zum Ziel, das Gedächtnis und darüber hinaus idealerweise auch andere kognitive Bereiche zu verbessern, mit entsprechenden Auswirkungen nicht zuletzt auf den Schulerfolg. Ob es bei Gedächtnistrainingsprogrammen für Kinder tatsächlich, wie oftmals propagiert, zu einer Verbesserung der kognitiven Funktionen und des Schulerfolges kommt, wird bis heute in der Fachliteratur kontrovers diskutiert. Bei Kindern – wie auch bei Erwachsenen – gibt es unterschiedliche Arten von Gedächtnistrainings, deren Wirkungsweisen sich stark unterscheiden. Inwiefern ein gezieltes Arbeitsgedächtnistraining die Kognition zu verändern vermag und auf welche Art und Weise sich ein Gedächtnisstrategietraining auswirkt, wird in diesem Kapitel erläutert. Daneben werden die wichtigen Nebeneffekte von Gedächtnistrainings dargestellt und Leitlinien zur Durchführung von Gedächtnistrainings mit Kindern und Jugendlichen präsentiert. -
Kapitel 17. Gedächtnistraining für Männer
Ellen PrangZusammenfassungDas männliche Geschlecht ist in Gedächtnistrainingsveranstaltungen unterrepräsentiert. Mögliche Ursachen werden analysiert und Schlussfolgerungen für die Konzeption gezogen. Männer erleben eine andere Sozialisation, erfahren eine andere Umwelt und Kommunikation, sie denken, fühlen und handeln anders als Frauen. Eine gendersensible, zielgruppenspezifische Planung und Durchführung ist erforderlich, um Begeisterung und Erfolg bei den männlichen Zielgruppen zu erreichen. Nicht nur die biografieorientierte Themenauswahl ist zu berücksichtigen, auch die Methodik unterscheidet sich vom Gedächtnistraining mit Frauen.
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Zielgruppen mit besonderen Bedürfnissen
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Kapitel 18. Gedächtnistraining bei Demenz
Helga Schloffer, Daniela WolfZusammenfassungGedächtnistraining spielt als nichtmedikamentöse Intervention bei Demenzerkrankungen eine wichtige Rolle. Themenzentrierte Einheiten, die sich an der Biografie der Betroffenen orientieren und die aktuelle Befindlichkeit berücksichtigen, stärken die Ressourcen und somit die Identität. Mit adaptiertem Übungsmaterial, das sensorisch aktiviert und Erinnerungen bzw. Wortschatz fördert, sind auch Menschen mit kognitiven Einschränkungen motiviert und konzentriert bei der Sache. Bedürfnisse nach Wertschätzung, sozialer Teilhabe und individueller Zuwendung können so erfüllt und damit die Lebensqualität gesteigert werden. -
Kapitel 19. Gedächtnistraining bei Alkoholabhängigkeit
Anne KoopmannZusammenfassungAlkoholbedingte Veränderungen in sozialer Interaktion, Verhalten und Kognitionen zählen zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen. Ursächlich dafür, dass die Betroffenen ärztliche Behandlung aufsuchen, sind in der Regel die mit einer Alkoholabhängigkeit einhergehenden Syndrome wie der Alkoholentzug, psychotische Störungen und das amnestische Syndrom. Daher stellen die Alkoholabhängigkeit und die damit einhergehenden internistischen und neurologischen Folgeerkrankungen ein erhebliches medizinisches und soziales Problem dar. Gerade auch im Rahmen von neurologischen Folgeerkrankungen treten im Krankheitsverlauf Störungen des Kurz- und Langzeitgedächtnisses auf, deren spezifische Therapie sich oft schwierig gestaltet. -
Kapitel 20. Gedächtnistraining bei Hirnverletzungen
Peter O. Bucher, Marianne ManiZusammenfassungHirnverletzungen können zu mentalen Fehlleistungen führen. Das betrifft die kognitive Leistungsfähigkeit sowie das emotionale und soziale Verhalten. Es handelt sich dabei um Störungen neuropsychologischer Funktionen. Dabei können im kognitiven Bereich mehrere Funktionen primär betroffen sein, wie z. B. die Aufmerksamkeit, die Wahrnehmung, das Gedächtnis, das Handeln, die Sprache sowie exekutive Funktionen. Solche Störungen können selbst nicht geschädigte kognitive Funktionsbereiche negativ beeinflussen. Dementsprechend ist es wichtig, Störungen neuropsychologischer Funktionen mit ihren Auswirkungen auf die Gedächtnisleistung zu kennen. Hirnverletzte Menschen sind in ihrem Alltag noch mehr gefordert, wenn ihre mentalen Beeinträchtigungen vom sozialen Umfeld nicht erkannt oder nicht beachtet werden und das auffällige Verhalten der betroffenen Person fehlinterpretiert wird. Entsprechend sind für hirnverletzte Menschen spezielle Massnahmen und Bedingungsfaktoren bei Gedächtniskursen zu beachten. -
Kapitel 21. Gedächtnistraining mit älteren depressiven Menschen
Jutta StahlZusammenfassungDepressionen sind keine normalen Alterserscheinungen, sondern auch im höheren Erwachsenenalter ernst zu nehmende und behandlungsbedürftige psychische Erkrankungen. Für eine nachhaltige Besserung sollte, wann immer möglich, neben einer medikamentösen Therapie auf psychotherapeutische Interventionen wie die der Kognitiven Verhaltenstherapie sowie den Einbezug wichtiger Bezugs- und Betreuungspersonen nicht verzichtet werden. Die typische Hauptsymptomatik einer ausgeprägten Interessen- und Antriebslosigkeit führt zur Vernachlässigung von Aktivitäten, wodurch die depressive Stimmung zusätzlich verstärkt wird und die Dynamik einer Negativspirale antreibt. Die Förderung von angenehmen und ressourcenorientierten Aktivitäten ist daher ein zentraler Ansatzpunkt bei der Behandlung von Depressionen. Als Teil eines multimodalen Behandlungsangebots kann ein auf die besonderen Bedürfnisse dieser Klientel zugeschnittenes Gedächtnistraining durch geschulte Fachpersonen dazu einen wertvollen Beitrag leisten. -
Kapitel 22. Gedächtnistraining mit schizophren erkrankten Menschen
Olena Listunova, Daniela Roesch-ElyZusammenfassungSchizophrenie wird in folgende Symptomkategorien eingeteilt: Die Positivsymptomatik umfasst formale und inhaltliche Denkstörungen (Wahn), Wahrnehmungsstörungen (Halluzinationen), Ich-Störungen und Verhaltensstörungen, wohingegen die Negativsymptomatik durch sozialen Rückzug, Interessenverlust, Antriebsarmut, Rückzug, Interessenverlust, Antriebsarmut, Affektverflachung sowie sprachliche Verarmung gekennzeichnet ist. Kognitive Defizite, die bei etwa 73 % der Betroffenen auftreten können (Palmer et al. 1997), bilden eine dritte und für die Alltagsfunktionalität bedeutende Kategorie, welche eine besondere Berücksichtigung erfordert. Die sogenannte Prodromalphase (Vorphase), die Zeit vor Ausbildung des klinischen Vollbilds einer Psychose, ist durch unspezifische Symptome wie ein Leistungsknick im schulischen oder beruflichen Kontext, Rückzugsverhalten, depressive Stimmung, kognitive Einschränkungen etc. gekennzeichnet. Diese Phase kann mehrere Jahre andauern, bevor es zur Manifestation einer Psychose kommt. -
Kapitel 23. Förderung von geistig behinderten erwachsenen Menschen
Annemarie Frick-SalzmannZusammenfassungDer Begriff geistige Behinderung (auch „geistige Zurückgebliebenheit“ und „mentale Retardierung“) bezeichnet einen andauernden Zustand deutlich unterdurchschnittlicher kognitiver Fähigkeiten eines Menschen sowie die damit verbundenen Einschränkungen seines Gefühlslebens und Verhaltens. -
Kapitel 24. Sehbehinderte in Gedächtnistrainingskursen
Annemarie Frick-SalzmannZusammenfassungIn Gedächtnistrainingskursen mit älteren Menschen müssen Kursleiter damit rechnen, dass einzelne oder mehrere sehbehinderte Menschen unter den Teilnehmern sind, denn Sehbehinderungen sind im Alter weit verbreitet. Wenn alle Teilnehmer gut sehen, ist das eher Zufall. Kursleiter sollten mögliche Sehprobleme erkennen und das Übungsmaterial der Sehbehinderung entsprechend anpassen. -
Kapitel 25. Gedächtnistraining bei hörbehinderten Menschen
Edith EgloffZusammenfassungEine Hörbehinderung bringt eine Verminderung der Lebensqualität mit sich. Um mit der Hörbehinderung im Alltag einigermaßen zurechtzukommen, ist eine enorme Gedächtnisleistung gefordert. Elemente des Gedächtnistrainings sind deshalb ein wichtiger Bestandteil der Kurse Hörtrainings mit Lippenlesen mit hörbehinderten Menschen. -
Kapitel 26. Gedächtnistraining aus dem Blickwinkel der Logopädie
Eva Brigitte MayerZusammenfassungSprache und Sprechen sind Fähigkeiten des Menschen, die untrennbar mit den Funktionen des Gedächtnisses und des Bewusstseins verbunden sind. Aus dem Bewusstsein kommen Gedanken. Wörter und Sätze können als materialisierte Gedankeninhalte verstanden werden. Sie erzeugen Vorstellungen, innere Bilder und Emotionen. Im Gehirn werden sie als akustische Verschlüsselungen verarbeitet.
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Ausblick
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Kapitel 27. Ausblick
Ellen PrangZusammenfassungDas Gehirn ist zweifellos das wichtigste Organ des menschlichen Körpers, das trainiert werden muss, damit es ein Leben lang leistungsfähig bleibt. Je vielfältiger die kognitiven Anregungen, desto komplexere neuronale Strukturen entstehen. Es zahlt sich aus, lebenslang geistig aktiv zu sein. Bildung kann als entscheidende Einflussgröße auf die Gesundheit angesehen werden. Gedächtnistraining trägt nachweislich zum Erhalt und zur Verbesserung der geistigen Fitness bei, fördert die Neurogenese und kann sowohl als Prophylaxe wie auch als Therapie wirksam eingesetzt werden. Gedächtnistrainer bieten gezielte Einzel- und Gruppentrainings sowie kreative, interessante und wirkungsvolle Online-Formate an.
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Backmatter
- Titel
- Gedächtnistraining
- Herausgegeben von
-
Dr. Helga Schloffer
Ellen Prang
Annemarie Frick-Salzmann
- Copyright-Jahr
- 2021
- Verlag
- Springer Berlin Heidelberg
- Electronic ISBN
- 978-3-662-62300-8
- Print ISBN
- 978-3-662-62299-5
- DOI
- https://doi.org/10.1007/978-3-662-62300-8
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