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2018 | Sachbuch | Buch

Altern, Müdigkeit und Entzündungen verstehen

Wenn Immunsystem und Gehirn um die Energie im Körper ringen

verfasst von: Prof. Dr. Rainer H. Straub

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

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Über dieses Buch

In dem wissenschaftlichen Sachbuch erklärt der Rheumatologe und Professor für experimentelle Medizin Rainer H. Straub aus ganzheitlicher Sicht einen zentralen Konflikt im Körper: Warum der Streit um Energie uns altern lässt und zu Erschöpfung und Stresszuständen, Schlafstörungen und Gewichtsproblemen, Libidostörungen und Bluthochdruck führt. Und warum das vor allem Menschen mit chronisch entzündlichen Erkrankungen zu schaffen macht. Mit spannenden Erkenntnissen nimmt uns der Autor mit auf eine Reise zurück in die Evolutionsbiologie, in die Gegenwart der Energieregulation und in das zukunftsweisende Gebiet der Psychoneuroimmunolgie. Lernen Sie, die Zusammenhänge zwischen Entzündungsprozessen und Energieregulation im Körper zu verstehen und für Ihren Umgang mit Erkrankungen und Ihre therapeutischen Möglichkeiten Konsequenzen zu ziehen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Energie, Evolution und Medizin

Frontmatter
1. Energie und Körper
Zusammenfassung
Ausgehend von der physikalischen Definition der Energie wird in diesem Kapitel die Bedeutung derselben für den menschlichen Körper vorgestellt. Da ein Mensch energetisch betrachtet ein offenes System darstellt, das Energie durch Nahrung aufnimmt und über verschiedene Pfade wieder verliert, benötigt der menschliche Körper Energiespeicher und eine kontrollierte Energiefreisetzung. Hauptspeicher sind das Fettgewebe und die Muskeln. Speicherung und Freisetzung werden von Hormondrüsen, Nervenbahnen und Zytokinen – den Botenstoffen der Abwehrzellen – geregelt. So können wir Speicherfaktoren und Freisetzungsfaktoren klar voneinander unterscheiden. In diesem Kapitel werden diese wichtigen Faktoren genau dargestellt. Das Kapitel ist anspruchsvoll, aber es ist die wichtige Plattform für das ganze Buch.
Rainer H. Straub
2. Evolutionsmedizin
Zusammenfassung
Mit Hilfe der von Charles Darwin und Alfred Russel Wallace begründeten Evolutionsbiologie haben Mediziner nach und nach die Botschaft der Evolutionstheorie angenommen und daraus ein neues Arbeitsgebiet – die Evolutionsmedizin – geschaffen. In diesem Kapitel werden zunächst kurz die Geschichte und der Inhalt der modernen Evolutionstheorie besprochen. Dabei werden die großen Zeiträume dargestellt, die für die Evolution des Menschen und anderer Arten eine Bedeutung haben. Die Evolutionsmedizin ist ein neues Fachgebiet, das zur Erklärung von Krankheitsursachen beiträgt. Es werden drei typische Beispiele vorgestellt. Dieses Kapitel macht auch klar, warum man Gehirn und Immunsystem „egoistisch“ nennen darf, weil sie die Energieverteilung im Körper dominieren. Dies hat Gründe, die sich mit Hilfe der Evolutionsmedizin aufklären lassen.
Rainer H. Straub
3. Gehirn und Immunsystem – zwei konkurrierende Reiche
Zusammenfassung
Gehirn und Immunsystem brauchen sehr viel Energie, und sie sind egoistisch, weil sie die Energie im Gefahrenfall für sich selbst reklamieren, ohne jemand anderen zu fragen. Sie haben für diese egoistische Zuteilung der Energie eigene Faktoren, die bei Bedarf freigesetzt werden. Bei kurzfristigen Ereignissen helfen sich Gehirn und Immunsystem gegenseitig. Bei langfristigen Ereignissen werden sie egoistisch und schalten den jeweils andern unbeteiligten Konkurrenten ab. Beide besitzen ein eigenes Gedächtnis, das letztendlich dem Energiesparen dient. Ist die Energieausgabe für gefahrvolle Situationen abgeschlossen, sogenannte friedliche Zwischenphasen, dann wird die aufgenommene Energie für Wachstum, Reparatur und Fortpflanzung genutzt.
Rainer H. Straub

Energieausgaben im Rampenlicht

Frontmatter
4. Entzündung und Energie
Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird die Energieausgabe des Immunsystems näher beleuchtet. Dabei wird der Bogen vom Normalen bis zur massiven Entzündung gespannt. Es wird gezeigt, dass es ein Kontinuum zwischen normal und einer Blutvergiftung gibt, wenn man beispielsweise auf das Zytokin Interleukin-6 im Blut schaut. Während des Alterungsprozesses kommt es zu einem ganz leichten Anstieg des Interleukin-6. Je höher die Entzündung ist, desto höher ist die Energieausgabe. Dieser Zusammenhang konnte durch gleichzeitige Injektion von Interleukin-6 und Messung der Energieausgabe dargestellt werden. Die experimentelle Injektion von Interleukin-6 hebt die Energieausgabe sofort und kurzfristig an. Bei chronischen Entzündungskrankheiten sind dagegen die Energieausgaben dauernd erhöht.
Rainer H. Straub
5. Schmerz und Energie
Zusammenfassung
Es wird dargestellt, wie Schmerzen entstehen, wie sie fortgeleitet werden und schließlich wo sie im Gehirn ankommen. Neben Säure, Hitze und Kälte verursachen Entzündungssituationen Schmerzen. Die Immunbotenstoffe können direkt die Schmerzempfänger aktivieren. Das Gesicht, die Zunge, der Rachen, die Hände und Füße sind am dichtesten mit Schmerznervenfasern versorgt. Dort kann eine Entzündungssituation ganz besonders gut erkannt werden („sechster Sinn“). Man unterscheidet akute und chronische Schmerzen; die Letzteren sind mit einer Art von Stabilisierung des Schmerzgeschehens vergesellschaftet. Schmerzen verursachen deutlich erhöhte Energieausgaben.
Rainer H. Straub
6. Psychologischer Stress und Energie
Zusammenfassung
Das Kapitel versucht, Stress zu definieren, und unterscheidet zwischen akutem und chronischem Stress. Es wird deutlich, dass akuter Stress gut sein kann, aber chronischer Stress ungesund ist. Die besonderen Beispiele von Pflegestress (Care Giver Stress) und Arbeitsplatzstress werden unter die Lupe genommen. Das Prinzip des Doppeltreffers mit zwei gleichzeitig vorhandenen Stressereignissen wird eingeführt. Schließlich wird dargestellt, dass psychologischer Stress erhöhte Energieausgaben bedingt. Es werden Beispiele vorgestellt wie Vortragsstress, Pflegestress, Stress durch Misshandlung, Stress durch Traumata und Stress durch Demenz und Herzkrankheit. Die Energieausgaben können um 10–35% ansteigen.
Rainer H. Straub
7. Andere energieaufzehrende Situationen
Zusammenfassung
In diesem Kapitel werden weitere wichtige Bedingungen genannt, die zu einer vermehrten Energieausgabe beitragen. Das sind zum einen Schlafprobleme mit erhöhter Wachheit, während derer man eine erhöhte körperliche Aktivität aufweist und deshalb mehr Energie ausgibt. Auch sind das chronisch schwelende Infekte ohne starke Entzündungsreaktion wie beispielsweise eine chronische Leberentzündung bei weitgehend normaler Leberfunktion (Hepatitis). Aber auch Angstzustände und chronische Angst erhöhen die Energieausgabe. Rauchen stellt eine weitere energieaufzehrende Situation dar. Oft kommen die Dinge gemeinsam vor, sodass das Prinzip des Doppeltreffers erneut gilt.
Rainer H. Straub
8. Was bedeuten nun erhöhte Energieausgaben für den Körper?
Zusammenfassung
In den vorausgehenden Kapiteln wurde die Energieausgabe durch unterschiedliche entzündliche und psychomotorische Situationen dargestellt. Nun wird hier die Bedeutung der höheren Energieausgabe durch das Immunsystems (Entzündung) einerseits und das Gehirn/die Muskeln (psychomotorisch) andererseits mit der Energieausgabe des jungen und alten gesunden Menschen in Beziehung gesetzt. Dabei wird klar, dass die Mehrausgaben durch entzündliche und psychomotorische Situationen zu einer Verringerung der körperlichen Aktivität führen müssen. Da beim Altern vorwiegend die Energieausgabe für die körperliche Aktivität absinkt, ist ein zusätzlicher Energieverbrauch durch Entzündung oder psychomotorische Aktivierung besonders ungünstig für die körperliche Aktivität. Die körperliche Inaktivität hat eine ursächliche Rolle in der Entstehung von Übergewicht und Adipositas und den damit verknüpften Folgekrankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall.
Rainer H. Straub

Von Energie und Evolution zum Symptom

Frontmatter
9. Tagesmüdigkeit und Depression

Man versteht unter Sickness Behavior die Summe aus verschiedenen Symptomen wie Unwohlsein, Tagesmüdigkeit, Abgeschlagenheit, Antriebslosigkeit, verstärktes Kältegefühl, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Appetitverlust, Ängstlichkeit, depressive Gefühle, Rückzug in vertraute Schutzbereiche und „Energielosigkeit.“ Dieses Programm wurde für kurzfristige Entzündungssituationen positiv selektioniert, damit das Immunsystem in seiner Aktivität nicht gehemmt wird. Leider wird es aber auch langdauernd bei chronischer Entzündung benutzt, und dann ist es sehr störend. Auch im Alter kommt es bei zunehmenden Energieausgaben verschiedener Art durch entzündliche und psychomotorische Aktivierungen zu einer Zunahme der chronischen Müdigkeit. Chronische Müdigkeit kann ein Vorläufer einer Depression sein.

Rainer H. Straub
10. Schlafstörungen und tageszeitabhängige Symptome
Zusammenfassung
Das Kapitel demonstriert zunächst die Schlafphysiologie und verschiedene Parameter zur Messung der Schlafqualität. Auf dem Boden dieser Überlegungen wird gezeigt, dass die chronische Entzündung mit Schlafproblemen einhergeht, die nach einer antientzündlichen Therapie gebessert sind. Ursache für Schlafprobleme sind nächtliche Schmerzen und eine verstärkte nächtliche Entzündung, was zu einem zerhackten Schlaf und zu einer geringeren Muskelentspannung und damit zu höheren Energieausgaben führt. Auch im Alter wird der Schlaf fragmentiert, wobei hier die psychomotorische Aktivierung im Rahmen von Schmerzen, chronischem Stress, Rauchen und Angst/Ängstlichkeit beitragen. Am Schluss ist das Endresultat während des Alterns ähnlich wie bei chronischer Entzündung; es kommt zu höheren unerwünschten Energieausgaben. Diese unerwünschten Energieausgaben verhindern tagsüber erwünschte Energieausgaben durch körperliche und geistige Aktivität.
Rainer H. Straub
11. Appetitlosigkeit, Fehl- und Mangelernährung
Zusammenfassung
Appetitverlust ist Teil des Sickness Behavior bzw. der Kampf-und-Flucht-Reaktion, ein positiv selektioniertes Programm zur Einsparung von Energie, wenn eine akute Entzündung oder eine akute stressvolle Lebenssituation gemeistert werden müssen. Da die Nahrungssuche energetisch aufwendig ist, wird dieselbe reduziert, um die dabei freiwerdende Energie dem Immunsystem oder dem Gehirn/den Muskeln zur Verfügung zu stellen. Dann können Probleme wie Fehl- und Mangelernährung, aber auch Abnahme der Muskelmasse (Proteinverlust) bei gleichzeitiger Zunahme der relativen Fettmasse die Folge sein. Bei chronischer Entzündung wird dieses Programm wieder benutzt, und auch im Alter gibt es das Phänomen der „Anorexie des Alterns.“ Die Anorexie des Alterns basiert auf verschiedenen Faktoren, unter anderem einer geringeren körperlichen und geistigen Aktivität. In beiden Fällen ist das Appetitmangel-Programm ungünstig.
Rainer H. Straub
12. Muskelschwund
Zusammenfassung
Der Muskel beinhaltet eine größere Menge an verfügbarer Energie. Beim Fasten wird für die ersten 2 Tage auf die Muskelproteine als Energieträger zugegriffen; später ab Tag 2–3 wird hauptsächlich Fett abgebaut. Es handelt sich also um ein positiv selektioniertes Programm zur Bereitstellung von Energie im Hungerzustand. Bei chronischen Entzündungen wird dieses Programm wieder benutzt, und Zytokine sind maßgeblich am Muskelabbau beteiligt. Des Weiteren fördern der körpereigene Androgenverlust und die Immobilität den Muskelschwund. Beim alternden Menschen kommt es auch zu einem Muskelschwund, der durch Immobilität, Androgenverlust, Verlust von Wachstumshormon und Appetitlosigkeit mit Mangelernährung erklärt werden kann. Muskelschwund ist im Alter mit Folgeproblemen wie Hinfälligkeit, zunehmender Immobilität, Knochenbrüchen, Bettlägerigkeit, geringerer Lebensqualität und höherer Sterblichkeit verknüpft.
Rainer H. Straub
13. Knochenschwund – Osteoporose
Zusammenfassung
Ganz ähnlich wie beim Muskelschwund ist der Knochenschwund ein Endresultat vielfältiger Ursachen. Das Sickness Behavior steht erneut im Mittelpunkt, da es Immobilität und Appetitlosigkeit bewirkt. Da es für kurzfristige entzündliche Reaktionen positiv selektioniert wurde, wird es auch bei chronischen Entzündungen wieder benutzt. Dazu kommt der Verlust der Wachstumshormone, Androgene und die Aktivierung der Stressachsen, die allesamt den Knochenabbau fördern. Bei chronischer Entzündung spielt die Aktivierung des Immunsystems die größte Rolle; im Alter sind die anderen Bedingungsfaktoren wesentlicher. Dazu gehört auch eine verminderte Sonnenexposition und damit ein geringerer Spiegel des aktiven Vitamin D. Körperliche Aktivität ist der entscheidende Faktor im Alter, da willkürlich gesteigerte Aktivität zu einer erhöhten Nahrungszufuhr und zu einem verstärkten Aufbau von Muskulatur und Knochen beiträgt.
Rainer H. Straub
14. Gewichtsveränderungen (Zunahme und Abnahme)
Zusammenfassung
Im Laufe der Evolutionsgeschichte des Menschen sind mehrere wichtige Faktoren positiv selektioniert worden, die zu einem höheren Körpergewicht beitragen können. Im Vergleich zu Menschenaffen ist das z. B. die bessere Energiespeicherung im Fettgewebe. Daneben sind Engpässe im Mutterleib für eine nicht genetisch determinierte Gewichtszunahme im Kindesalter entscheidend (Barker-Phänomen). Bei chronischer Entzündung haben Patienten eher ein Normalgewicht oder allenfalls leichtes Übergewicht. Die Entzündung verhindert die Speicherung von Energiereserven. Beim alternden Menschen kommt es grundsätzlich zu einer Gewichtsabnahme ab dem 65. Lebensjahr. Bis dorthin kann aber auch die Gewichtszunahme dominieren, was heutzutage in der westlichen Welt offensichtlich ist. Es werden mehrere Gründe für diese Gewichtzunahme genannt. Der Teufelskreis der Gewichtszunahme wird genauer beschrieben.
Rainer H. Straub
15. Das Speicherhormon Insulin tut‘s nicht – Insulinresistenz
Zusammenfassung
Insulin ist das einzige Speicherhormon des Körpers, das die Aufnahme von Glukose und Fetten in die Speicherorgane Fettgewebe und Muskel fördert. Bei akuter Entzündung bzw. akuter Kampf- und Fluchtreaktion ist die Abschaltung der Insulinwirkung wichtig (Insulinresistenz), damit dem Immunsystem bzw. dem Gehirn/den Muskeln die nun vermehrt zirkulierenden Glukosemoleküle und Fettmoleküle zugeführt werden. Dieses evolutionäre konservierte Programm für akute Ereignisse wird aber auch bei chronischer Entzündung bzw. Dauerstress aktiviert. Beim alternden Menschen wird Insulinresistenz durch Immobilität, Überernährung (zu viel Zucker, zu viel Fett), Aktivierung der Stressachsen und leicht erhöhte Entzündung im Fettgewebe gefördert. Ein Altersdiabetes ist die Folge dieser langjährigen ungünstigen Entwicklung mit zunehmendem Untergang der Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse.
Rainer H. Straub
16. Schwindende Libido, geringere Fruchtbarkeit
Zusammenfassung
Das Liebesleben kostet viel Energie, und während der Zeit nimmt man weniger Nahrung auf. Man könnte dies auch Anorexia der Liebenden nennen. Es ist also günstig, wenn dieses energieverzehrende Liebesprogramm bei einer akuten Aktivierung des Immunsystems abgeschaltet wird. Dieses Abschaltprogramm wurde für akute inflammatorische Ereignisse positiv selektioniert. Die Abschaltung ist Teil des Sickness Behavior. Bei chronischer Entzündung ist das Programm allerdings ungünstig, weil es den Fortpflanzungserfolg und das Liebesleben massiv beeinträchtigt. Während des Alterns nimmt die Fruchtbarkeit bei Frauen und Männern deutlich ab. Bei Frauen fällt dies mit der Reduktion der Eizellreserve in den Ovarien zusammen, bei Männern mit der stetig geringeren Produktion von Geschlechtshormonen.
Rainer H. Straub
17. Sympathikus feuert und macht Bluthochdruck
Zusammenfassung
Das sympathische Nervensystem (Adrenalin/Noradrenalin) ist für die Steigerung des Blutdrucks sehr wichtig, indem Wasser im Körper zurückgehalten wird und Gefäße eng gestellt werden. Während akuter Entzündungssituationen und bei Kampf und Flucht werden das sympathische Nervensystem und die Cortisol-Stressachse gleichsam aktiviert, die Stresssysteme kooperieren. Diese Zusammenarbeit ist für kurzfristige Entzündungsprozesse angelegt worden. Bei chronischer Entzündung und langdauernder Stressreaktion erlahmt die Aktivität der Cortisol-Stressachse, und die Aktivität des sympathischen Nervensystems nimmt zu, um den Mangel der Cortisol-Stressachse auszugleichen. Etwas sehr Ähnliches sieht man auch während des Alterns. Die dauernde Aktivierung des sympathischen Nervensystems mit den davon abhängigen Hormonsystemen führt zu einer Steigerung des Blutdrucks. Eine chronische Steigerung des Blutdrucks kann Folgeprobleme wie Schlaganfall und Herzinfarkt verursachen.
Rainer H. Straub
18. Gesteigerte Blutgerinnung – Thrombosen/Embolien
Zusammenfassung
Da ein Blutverlust energetisch betrachtet sehr kostspielig ist, wird verständlich, dass die Blutgerinnung in einem Wund- und Verletzungsbereich funktionieren muss. Typische Aktivierungsfaktoren der Gerinnung sind die Hormone des sympathischen Nervensystems (Noradrenalin, Adrenalin) und Immunbotenstoffe wie Tumor-Nekrose-Faktor (TNF) und Interleukin-6. Für Kampf- und Fluchtreaktionen, aber auch für Entzündungssituationen im Kontext von lokalen Infekten ist eine gesteigerte Blutgerinnung äußerst sinnvoll. Bei chronischer Entzündung kann dieses Programm allerdings ungünstig sein, da es in dieser Situation die Gefahr der Thrombose und Embolie fördert. Während des Alterns sind die Stressachsen ebenfalls aktiv, die Entzündungssituation ist leicht erhöht, und die Gefäßinnenwand kann beim alternden Gefäß beschädigt sein. Alle drei Faktoren fördern im Alter die Bildung von Thrombosen und die Entstehung von Embolien.
Rainer H. Straub
19. Stress verschlechtert Entzündung, und Entzündung verändert Stressbelastbarkeit

Kommen eine stressvolle Situation und eine Entzündungssituation zusammen, kann es häufig zu einer Entzündungsverstärkung kommen. Entzündung ihrerseits kann die Hirnfunktion beeinflussen (Sickness Behavior). Die Entzündungsverstärkung kann günstig sein, wenn akute Infektionsprobleme vorhanden sind. Die gegenseitige Soforthilfe von Immunsystem und Gehirn erzeugt eine stärkere antiinfektiöse Antwort. Auch bei Kampf- und Fluchtreaktionen mit Verwundung und Infektion ist dieses Zusammenspiel günstig. Bei chronischen Entzündungskrankheiten sind Patienten mit stressvollen Ereignissen allerdings benachteiligt, weil Krankheitsschübe ausgelöst werden können. Außerdem ist die Hirnleistung bei chronischer Entzündung beeinträchtigt. Im Alter spielt chronischer Stress, z. B. bei der Pflege demenzkranker Angehöriger, eine wichtige Rolle, weil diese Situationen eine erhöhte Entzündungslage aufweisen. In diesem Kapitel werden kurz Anti-Stresstherapien angesprochen.

Rainer H. Straub

Die große Zusammenfassung

Frontmatter
20. Der Bogen wird gespannt
Zusammenfassung
Die Aktivierung des Immunsystems, psychologischer Stress, chronische Schmerzen, Schlafprobleme, chronisch schwelende Infekte, Ängste, Rauchen u. a. führen zu unerwünschten Energieausgaben. Anhand von einfachen physikalischen Überlegungen wird veranschaulicht, dass jede Form der unerwünschten Energieausgabe zu einer Beeinträchtigung der gewollten körperlichen/geistigen Aktivität führt. Dieser Zusammenhang wurde für chronische Entzündungskrankheiten und das Altern nachgewiesen. Die Einschränkung der körperlichen und geistigen Aktivität geht allerdings mit einem deutlich höheren Risiko für Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Altersdiabetes, Depression, Demenz, Krebs u. a. einher. Insofern ist jede unerwünschte Energieausgabe möglichst zu vermeiden bzw. abzustellen. Ein Ausflug in die molekulare Altersheilkunde – die Gerontologie – schließt das Kapitel ab.
Rainer H. Straub
Backmatter
Metadaten
Titel
Altern, Müdigkeit und Entzündungen verstehen
verfasst von
Prof. Dr. Rainer H. Straub
Copyright-Jahr
2018
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-55787-7
Print ISBN
978-3-662-55786-0
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-55787-7