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04.04.2018 | Darmerkrankungen | Onlineartikel

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Autor:
Lukas Schmülling

Die bekanntesten chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Die kollagene Colitis (auch: kollagene Kolitis) tritt nicht nur deutlich seltener auf, sondern unterscheidet sich auch aufgrund ihrer unterschiedlichen Krankheitsentstehung (Pathogenese) von anderen chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Chronisch entzündlichen Darmerkrankungen: typische Symptome

Typische Symptome von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) sind Durchfälle und Darmkrämpfe (Tenesmen). Die Krankheitsschübe treten bei CED wiederkehrend (rezidivierend). Mitunter leiden Patienten an anhaltenden, kontinuierlichen Krankheitsschüben.

Abzugrenzen von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ist das Reizdarmsyndrom, welches Durchfälle, aber auch Obstipationen verursachen kann. Hierbei liegt allerdings kein endoskopischer beziehungsweise histologischer Befund vor - das Reizdarmsyndrom wird durch Ausschluss anderer Erkrankungen diagnostiziert.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Ursachen

Die Entstehung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Vermutet wird jedoch eine autoimmune Ursache. Diese Theorie wird durch das gute Ansprechen der Erkrankung auf Immunsupressiva bestätigt. Eine virale Ursache, also eine späte Reaktion auf frühere Virusinfektionen, wird heute nicht mehr in Erwägung gezogen.

Patienten mit Colitis ulcerosa leiden zudem häufig unter einer hohen Stressbelastung. Dies ergaben Statistiken, wonach vor allem junge Betroffene unter starkem emotionalen wie gesellschaftlichen Druck stehen. Eine genetische Disposition ist bei beiden Krankheiten wahrscheinlich.

Morbus Crohn: Was ist das?

Der Beginn von Morbus Crohn liegt meistens im jungen Erwachsenenalter. Patienten sind bei der ersten Diagnose meist zwischen 20 und 30 Jahre alt. Typischerweise stellen sich Betroffene mit Magendarmkrämpfen und fünf- bis sechsmaligem Stuhlgang pro Tag beim Arzt vor.

Morbus Crohn: Welche Darmabschnitte sind betroffen?

Die Erkrankung nimmt ihren Anfang häufig im terminalen Ileum, dem letzten Abschnitt des Dünndarms. Grundsätzlich können von Morbus Crohn alle Abschnitte des Verdauungsrohres, von der Mundhöhle bis zum Mastdarm (Rektum) betroffen sein. Charakteristischerweise treten gesunde und entzündete Darmabschnitte im Wechsel auf.

Kontrastmittelgesteuerte Röntgenuntersuchungen zeigen entzündlich geschwollene Darmabschnitte, die durch muskuläre Einschnürungen im Dickdarm ein typisches Pflastersteinrelief zeigen.

Darm mit Morbus Crohn © Juan Gärtner / FotoliaDarm mit Morbus Crohn: Gut zu sehen ist das typische Pflastersteinrelief durch Einschnürungen im Dickdarm.

Beim Morbus Crohn sind alle Schichten des Darms betroffen, was sich bei einer mikroskopischen Untersuchung einer Probe (histologische Untersuchung) darstellen lässt. Des Weiteren können Granulome, entzündlich bedingte Gewebsneubildungen auftreten.

Morbus Crohn: Symptome

Entzündetes Gewebe kann seine physiologische Funktion nicht ausüben. Damit ist der Darm in seiner Funktion als Resorptionsorgan in den entzündeten Bereichen gestört. Es entsteht eine Malabsorption. Das bedeutet: Vorverdaute Nahrungsbestandteile werden nur vermindert aufgenommen.

Beispiel Vitamin B12: Dieses an verschiedenen Stoffwechselvorgängen beteiligte Element wird normalerweise im terminalen Ileum aufgenommen. Ist die Schleimhaut in diesem Bereich entzündet, wird kein Vitamin B12 resorbiert. Es entstehen Mangelsymptome, von glatter Zunge bis hin zur Blutarmut (Vitamin-B12-Mangelanämie).

Colitis Ulcerosa: Was ist das?

Bei Colitis Ulcerosa nimmt der entzündliche Prozess seinen Anfang immer im Mastdarm (Rektum, auch: Rectum). Die Entzündung breitet sich kontinuierlich aufwärts (aszendierend) aus. Herbei ist nur der Dickdarm (Kolon, auch: Colon) betroffen. Eine weitere Ausbreitung in höhere Dünndarmabschnitte ist nicht möglich.

Auch hier klagt der Patient über Durchfälle, jedoch bis zu 40-mal am Tag. Frische Blutbeimengungen sind häufig, da das Rektum immer betroffen ist. Allerdings beschränkt sich die Entzündung auf die Darmschleimhaut (Mukosa), welche sehr bald Defekte (Ulzerationen/Geschwüre) ausbildet.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Verlauf

Sowohl Morbus Crohn als auch Colitis Ulcerosa verlaufen in Schüben. Es gibt also Phasen der Gesundheit (keine Entzündungen) und Phasen des Schubes (Entzündung). In seltenen Fällen kommt es auch zu chronischen Verläufen.

Ein allgemeines Krankheitsgefühl kann einem akuten Schub vorrausgehen. Dies liegt daran, dass es sich bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen um einen autoimmunen Prozess handelt, der den Körper allgemein schwächt.

Durchfälle, abdominale Krämpfe sowie Fieber treten nur im Schub auf. Im Schub leidet der Patient besonders unter den häufigen Stuhlgängen. Diese beeinflussen das Privatleben massiv. Hinzu kommen große Flüssigkeits- und Elektrolytverluste, die bei manchen Betroffenen eine parenterale Ernährung nötig machen. In schubfreien Episoden ist der Patient beschwerdefrei.

Allgemein gilt, dass sich chronisch entzündliche Darmerkrankungen in vielen Fällen in Schach halten lässt. Positiv auf den Verlauf wirkt sich dabei zunehmendes Alter aus: Akute Schübe treten dann seltener auf.

Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa: Komplikationen

Eine Entzündung zieht immer eine Veränderung des Gewebes auf histologischer Ebene nach sich. Das gilt auch für chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Diese Veränderungen sind jedoch sehr unterschiedlich.

Beim Morbus Crohn entstehen häufig Fisteln, pathologische Gänge zwischen zwei normalerweise getrennten Räumen (zum Beispiel zwischen benachbarten Darmschlingen, Blase und Darm, Rektum sowie Anal- oder Vaginalbereich). Solche Gänge können als Keimreservoir dienen und Ausgangspunkt für bakterielle Infektionen sein.

Zudem verursacht die Entzündung Narben am Darm, die seine Beweglichkeit einschränken und das Lumen einengen. Das Lumen ist der freie Raum innerhalb der Darmschlingen. Ungünstige Drehungen des Darms können wegen der nun vorhandenen Engstellen zu einem Darmverschluss (genauer: mechanischer Bridenileus) führen.

Colitis ulcerosa: toxisches Megakolon

Die wahrscheinlich gefürchtetste Komplikation der Colitis ulcerosa ist das toxische Megakolon. Dabei ist der Darm maximal aufgeweitet (dilatiert); Flüssigkeit strömt ungehindert in das Darmlumen. Ohne sofortige Therapie - radikale Entfernung des Dickdarms - verläuft dieses Krankheitsbild tödlich.

Aufgrund der entzündlichen Veränderung der Darmschleimhaut haben Colitis-Ulcerosa-Patienten ein erhöhtes Risiko für Darmtumore. Frühe und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen werden empfohlen.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Diagnostik

Die wichtigste Diagnosemethode bei Darmerkrankungen ist die Darmspiegelung (Koloskopie). Allerdings kann dies bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa wegen der Darmentzündung mit Schwierigkeiten verbunden sein. Mit einem Endoskop ist es möglich, bis zum terminalen Ileum, dem letzten Abschnitt des Dünndarms, vorzustoßen. Dabei kann die Darmschleimhaut mit dem Endoskop betrachtet werden. Außerdem können Proben davon zur histologischen Untersuchung entnommen werden.

Da der Patient höchstwahrscheinlich mit Durchfällen und Magendarmbeschwerden zum Arzt kommt, ist die Differenzialdiagnostik von großer Bedeutung. Andere Ursachen für die Beschwerden können bakterielle oder virale Infektionen sein. Deshalb ist eine ausführliche Anamnese wichtig:

  • Was hat der Patient die letzten Tage gegessen?
  • Leiden andere im näheren Umfeld unter denselben Beschwerden?
  • Gibt es Fälle von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen in der Familie?

Fragen wie diese können als anamnestischer Wegweiser dienen.

Stuhluntersuchungen geben nützliche Hinweise auf mikrobiologische Ursachen (Bakterien oder Viren). Blutuntersuchungen sind wenig hilfreich, da sich nur das Bild einer unspezifischen Entzündung zeigt. Dabei sind die Werte für CRP (C-reaktives-Protein), die Blutsenkungsgeschwindigkeit und die Leukozyten erhöht.

Um die Folgen einer Absorptionsstörung (vor allem bei Morbus Crohn) absehen zu können, müssen die entsprechenden Parameter zusätzlich erhoben werden. Im Vordergrund stehen hier das Blutbild, Leberwerte, Spiegel von Vitamin B12 und Eisen und den Elektrolyten Kalium, Natrium und Chlorid.

Behandlung von Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa

Da sowohl Morbus Crohn als auch Colitis Ulcerosa eine autoimmune Ursache zugrunde liegt, setzt die konservative, medikamentöse Therapie auch hier an. Das bedeutet Immunsubpression, also das gezielte Schwächen des Immunsystems mit allen seinen Risiken.

  • Leichte Schübe: Behandlung mit dem Wirkstoff Mesalazin oral, und, bei Beteiligung des Rektums rektal.
  • Schwerere Schübe: Therapie mit stärkeren Zytostatika wie Metotrexat und Azatioprin. In den ersten drei bis vier Tagen der Therapie wird zusätzlich hochdosiert Kortison gegeben, um die Entzündungsreaktion zu dämpfen.
  • Um spätere Komplikationen zu verhindern, die ein chirurgisches Eingreifen nötig machen, kann auch eine Dauertherapie mit dem Wirkstoff Azatioprin in Erwägung gezogen werden.

Sind die Schübe aber nicht mehr kontrollierbar und ist der Tod des Patienten zu befürchten - durch ein toxisches Megakolon oder eine Bauchfellentzündung aufgrund einer Fistel, ist eine Operation oft die letzte Möglichkeit. Dabei kann sowohl die Entfernung des Dickdarms samt Rektum (Kolon-Resektion) als auch eine sofortige Sanierung des Fistelganges angezeigt sein. Dieses Vorgehen gilt als ultima ratio, sollte aber nicht unnötig hinausgezögert werden.

Ernährung bei Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa

Der Patient kann seinen Lebensstil der Krankheit dadurch anpassen, dass er besonders auf seine Ernährung achtet. Eine leichte Vollkost hat sich hier als vorteilhaft erwiesen. Auch tierische Eiweiße und Fette, besonders die Arachidonsäure (enthalten zum Beispiel in Schweinschmalz, Schweineleber und Eigelb) sollten vermieden werden, da aus diesen Substanzen Entzündungsmediatoren produziert werden, mit denen der Körper eine Entzündungsreaktion koordiniert.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Aufgaben der Pflege

Die Aufgabe Pflegender ist die Akutversorgung und die postoperativen Behandlung von Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Darüber hinaus gehört zur Tätigkeit von Pflegenden die psychische und soziale Betreuung des Patienten. Die zumeist jungen Betroffenen stehen wegen ihrer Erkrankung unter einem hohen Leidensdruck. Vor allem das Thema Ausscheidung und Sexualität sind besonders schambehaftete Themen.

Dabei können Selbsthilfegruppen und Onlineportale unterstützen wie das Kompetenznetz Darmerkrankungen, www.kompetenznetz-ced.de/darmerkrankungen.html, hilfreich sein. Jedoch erübrigen Internetquellen nicht eine professionelle Beratung von ärztlicher und pflegerischer Seite.

Weiterbildung: CED-Fachassistenz

Pflegekräfte, die viel mit Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zusammenarbeiten, können sich in diesem Bereich gezielt weiterbilden. Beispielsweise organisiert das Kompetenznetz Darmerkrankungen Basiskurse zur CED-Fachkraft. Diese qualifizieren die fachgerechte Betreuung von CED-Patienten. Hauptzielgruppe dieser Kurse sind allerdings medizinische Fachangestellte, die in CED-Zentren, Spezialambulanzen sowie in Fach- und Rehakliniken arbeiten. Weitere Informationen finden sich unter www.kompetenznetz-ced.de/weiterbildung.html.

Literatur

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.04.2018 | Darmerkrankungen | PflegeKolleg | Ausgabe 4/2018

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