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Potenziell inadäquate Medikation in einem deutschen Praxisnetz – Wer verordnet was an wen?

  • 26.11.2019
  • Originalien
Erschienen in:

Zusammenfassung

Hintergrund

Potenziell inadäquate Medikation (PIM) birgt für ältere Menschen das Risiko erhöhter Arzneimittelnebenwirkungen. Daten zur Prävalenz sind bekannt, jedoch gibt es bisher keine beschreibende Analyse der Verordnungen, die einen Ansatzpunkt zur Reduktion von PIM liefert.

Ziel der Arbeit

Ziel der Untersuchung ist es, die Verordnungen von PIM im ambulanten Sektor zu analysieren und Risikogruppen zu identifizieren, in denen eine verstärkte Sensibilisierung für das Thema notwendig ist.

Material und Methoden

Untersuchungsgrundlage ist ein Datensatz der AOK Bayern, der anonymisierte Verordnungsdaten eines Praxisnetzes an Patienten ab 65 Jahren von 2010 bis 2014 beinhaltet. Zur Identifikation der PIM wird die Priscus-Liste verwendet.

Ergebnisse

Für den Untersuchungszeitraum liegen 410.934 Verordnungen vor. Die Prävalenz von PIM-Verordnungen lag bei 5,60 %. Hausärzte verordneten 5,39 % PIM; Fachärzte für Neurologie/Psychiatrie/Psychotherapie (NPP) verordneten 16,36 % PIM. Arztgruppenübergreifend wurden am häufigsten PIM aus den Arzneimittelgruppen der Psycholeptika, Psychoanaleptika oder Antihypertonika verordnet. Bei Männern und Frauen entfielen in dem Zeitraum 4,50 % bzw. 6,31 % der Verordnungen auf PIM. Hinsichtlich der Altersgruppen erhielten hochbetagte Frauen am häufigsten PIM.

Diskussion

Bei Fachärzten für NPP ist zwar eine hohe Verordnungsprävalenz von PIM festzustellen, jedoch verordnen Hausärzte, absolut gesehen, insgesamt deutlich mehr PIM. Davon sind v. a. Frauen, v. a. zwischen 80 und 84 Jahren, betroffen. Zukünftig sollten Hausärzte stärker sensibilisiert werden, was ihre Verordnungen an ältere Frauen im Bereich Psychopharmaka und Antihypertonika betrifft.
Titel
Potenziell inadäquate Medikation in einem deutschen Praxisnetz – Wer verordnet was an wen?
Verfasst von
Dr. rer. pol. Katharina Gudd
Prof. Dr. rer pol. Florian Meier
Jörg Lindenthal, MBA
Dr. med. Veit Wambach
Prof. Dr. rer pol. Oliver Schöffski, MPH
Publikationsdatum
26.11.2019
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie / Ausgabe 7/2020
Print ISSN: 0948-6704
Elektronische ISSN: 1435-1269
DOI
https://doi.org/10.1007/s00391-019-01660-x
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