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08.05.2018 | Ernährung | Nachrichten

Adipositas: Bündnis für bessere Prävention

Autor:
Helmut Laschet

Ein breites Bündnis aus 15 Ärzteverbänden, Fachorganisationen und Krankenkassen hat nun die Bundesregierung aufgefordert, wirksame, ressortübergreifende Maßnahmen gegen Fehlernährung zu ergreifen.

Fehlernährung und Adipositas: Ärzte machen Druck © HLGemeinsam aktiv (von links nach rechts): Oliver Huizinga, Foodwatch, Dr. Dietrich Garlichs, Deutsche Diabetes Gesellschaft, Dr. Eckart von Hirschhausen und Dr. Martin Litsch, AOK Bundesverband, überreichen den offenen Brief an die Bundesregierung.

Insgesamt 2061 Ärzte, darunter mehr als 1300 Pädiater, 222 Diabetologen und 58 Medizinprofessoren, haben Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Offenen Brief an die Bundesregierung  aufgefordert, "ernst zu machen" mit der Prävention von Fettleibigkeit, Diabetes und anderen chronischen Krankheiten. Initiiert worden war die Unterschriftenaktion vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, der Deutschen Diabetes Gesellschaft und Foodwatch. Unterstützt wird die Initiative unter anderen vom Verband der Diabetes Beratungs- und Schulungsberufe (VDBD).

Diese vier Maßnahmen soll die Bundesregierung demnach nun umsetzen:

  1. eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung in Form einer Nährwert-Ampel,
  2. Beschränkungen der an Kinder gerichteten Lebensmittelwerbung, insbesondere auch im Internet,
  3. die Durchsetzung verbindlicher Standards für die Schul- und Kitaverpflegung sowie
  4. steuerliche Anreize für gesunde Ernährung, etwa die Umsatzsteuerbefreiung für Obst und Gemüse sowie eine Sonderabgabe für Limonaden.

Die Autoren verweisen auf den WHO-Vorschlag, eine 20-prozentige Abgabe auf stark gesüßte Getränke zu erheben: Diese könnte den Konsum um ebenfalls ein Fünftel reduzieren. Deutschland solle sich bei der Besteuerung ungesunder Produkte Staaten wie Großbritannien anschließen, das seit April eine solche Steuer erhebt.

Als Kinderärzte werden wir heute mit Krankheiten konfrontiert, die ich in meiner Weiterbildung nie gesehen habe: Altersdiabetes, hoher Blutdruck, Muskel- und Skeletterkrankungen, die auf Übergewicht zurückgehen", konstatierte Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. "Wir haben die Geduld verloren", kritisierte er die Untätigkeit der Politik.

Nach der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KIGGS) des Robert Koch-Instituts sind 15 Prozent der Kinder zwischen drei und 17 Jahren übergewichtig, 6,3 Prozent adipös. Im aktuellen RKI-Gesundheitsbericht wird die Zahl der an Diabetes erkrankten Menschen auf 6,7 Millionen geschätzt. Als wesentliche Ursache gilt Fehlernährung. Nach dem KiGGS-Modul zur Ernährung trinken sechs- bis elfjährige Kinder doppelt so viel Süßgetränke und verzehren halb so wenig Obst und Gemüse wie vom Forschungsinstitut für Kinderernährung empfohlen. Bereits 2013 habe das RKI auf das "hohe Präventionspotenzial bezüglich des Konsums zuckerhaltiger Getränke insbesondere für Kinder und Jugendliche" hingewiesen.

Aus Sicht des Bündnis werde die Regierung mit ihrer Haltung, die vor allem auf Selbstverpflichtung der Industrie und Freiwilligkeit setzt, der Problematik nicht gerecht.

Steuersenkung für gesundes Essen?

Die zusätzlich eingenommenen Steuer sollen "Eins zu Eins der Förderung gesunder Ernährung beziehungsweise der Prävention chronischer Krankheiten zu Gute kommen", so der Offene Brief. Ausgewogene Lebensmittel könnte die Regierung beispielsweise geringer besteuern. (Mitarbeit ajo)

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