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28.12.2020 | Originalien Open Access

Die Bedeutung von Gratifikationen bei der Aneignung neuer Medien im höheren Lebensalter

Ergebnisse einer qualitativen Studie mit hochaltrigen Nutzerinnen und Nutzern digitaler Medien

Zeitschrift:
Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie
Autoren:
Dr. phil. Julian Wangler, Univ.-Prof. Dr. med. Michael Jansky

Zusammenfassung

Hintergrund

Eine verbreitete Annahme geht davon aus, dass Menschen im Laufe der Jugend und des Erwachsenenlebens bestimmte Dispositionen des Umgangs mit Medien erlernen, die es ihnen später erschweren, neue mediale Nutzungsmuster zu entwickeln. Jenseits theoretischer Annahmen besteht bislang ein Mangel an explorierenden Untersuchungen, die der Frage nachgehen, unter welchen Bedingungen ältere Menschen digitale, ihnen bislang nicht vertraute Medien aufgreifen und in ihren Alltag einbeziehen.

Material und Methoden

Zwischen Oktober 2019 und März 2020 wurden 16 halbstandardisierte Einzelinterviews mit Personen zwischen 80 und 92 Jahren geführt, die sich in den letzten Jahren ein digitales Medium neu erschlossen und in ihren Alltag integriert haben.

Ergebnisse

Die Interviewten haben sich neue Medien zielgerichtet angeeignet. Dabei fällt auf, dass Aneignungsprozesse maßgeblich durch gravierende Veränderungen der Lebensumstände angestoßen wurden. Die Intention der Aneignung eines internetfähigen Mediums lag bei den meisten Interviewten im Wunsch begründet, wenige ausgewählte Funktionen nutzen zu wollen. Erst mit einiger Verzögerung sind neue Möglichkeiten der Onlinenutzung ausgekundschaftet worden. Im Hinblick auf die Motive und Gratifikationen der Aneignung wurden folgende Muster identifiziert: Neue Medien als … 1) Hobbyerweiterung, 2) Hilfsnetz, 3) Kompensationsinstrument, 4) Anschlussmöglichkeit, 5) Ausbruch aus dem Alltag.

Diskussion

Soweit gewinnbringende, alltagsnahe Nutzungspotenziale wahrgenommen werden, zeigen ältere Menschen ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit in Bezug auf neue Medien. Vor diesem Hintergrund erscheint ein gratifikationsorientiertes Modell als vielversprechender Ausgangspunkt, um Voraussetzungen für die Medienaneignung anhand von Motiven zu erklären, die sinnhafte Anreize schaffen, den Umgang mit neuen Medien im höheren Lebensalter zu erlernen.

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Literatur
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