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13.01.2021 | Sars-CoV-2 | Nachrichten

Breite Ablehnung für Impfpflicht-Vorstoß

In Deutschland ist eine Diskussion um eine mögliche Impfpflicht für Pflegekräfte entbrannt. Angestoßen wurde sie vom bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). Pflegeorganisationen lehnen eine verpflichtende Impfung kategorisch ab.

Angesichts der hohen Zahl an Corona-Infektionen in Pflegeeinrichtungen hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder eine verpflichtende Impfung für Pflegekräfte ins Spiel gebracht. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung hatte er eine zu hohe Impfverweigerung unter Pflegekräften in Alten- und Pflegeheimen beklagt. Der deutsche Ethikrat solle deshalb Vorschläge machen, „ob und für welche Gruppen eine Impfpflicht denkbar wäre.“

„Politisches Ablenkungsmanöver“

Söders Vorschlag sorgt bei den Berufsverbänden in der Pflege für Empörung: „Deutschlands Pflegefachpersonen benötigen keine Impfpflicht gegen das Corona-Virus. Zwang schafft keine guten Lösungen“, machte der Präsident des Deutschen Pflegerats (DPR), Franz Wagner, am Dienstag deutlich. Angesichts des wachsenden Unmuts über die schleppende Umsetzung und Organisation der Impfungen vermutet der DPR in der Debatte ein „politisches Ablenkungsmanöver“. 

Schon in der vergangenen Woche hatte der Pflegedachverband auf Defizite bei den Impfkampagnen hingewiesen. Erneut betonte DPR-Präsident Wagner, wie wichtig für Pflegende verständlich aufbereitete Informationen sowie ein möglichst einfacher Zugang zur Impfung sind.

DBfK-Präsidentin Christel Bienstein lehnte Söders Vorstoß ebenfalls scharf ab. „Momentan können sich nicht einmal all die beruflich Pflegenden impfen lassen, die dies dringend wünschen“, erklärte sie. Darüber hinaus würde ein Generalverdacht gegenüber Pflegefachpersonen aufgebaut. Dies sei ungerecht und kontraproduktiv. Stattdessen müssten Fragen und Unsicherheiten gezielt aufgelöst werden. „Gute Informationen für die unterschiedlichen Zielgruppen und eine Aufklärungskampagne sind aus unserer Sicht die Mittel, mit denen die Impfbereitschaft in der gesamten Bevölkerung erhöht wird“, bekräftigte auch Bienstein.

DPR und DBfK vermissen zudem belastbare Zahlen zur tatsächlichen Impfbereitschaft der Berufsgruppe. Das gilt auch für die Gründe, weshalb manche Pflegende einer Impfung skeptisch gegenüberstehen. 

Pflegewissenschaftler beziehen Stellung

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, betonte am Dienstag, es solle „sicherlich keine Impfpflicht geben“. Er rief alle Pflegekräfte dazu auf, „ihre Impfentscheidung mit Professionalität und fachlichem Wissen“ zu treffen. Nur so sei es Pflegenden möglich, sich und die Menschen, mit denen sie arbeiten, zu schützen.

Westerfellhaus verwies auf eine aktuelle Stellungnahme führender Pflegewissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Diese betonen, dass eine Nutzen-Risiken-Abwägung zwischen Erkrankung und Impfung „eindeutig zugunsten der Impfung“ ausfalle.“ Gleichzeitig fordern sie Pflegende dazu auf, sich selbst ein Bild auf Basis qualitätsgesicherter Informationen zu machen. (ne)

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