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2020 | Pflege bei Demenz | Buch

Nichtmedikamentöse Therapie von herausforderndem Verhalten bei Demenz

MIBUK für Pflegekräfte und Pflegemanager

verfasst von: Mag. Christine Moik

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

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Über dieses Buch

Herausforderndes Verhalten in Zusammenhang mit dementiellen Abbauprozessen (BPSD) führt Pflegepersonen häufig an ihre persönlichen Grenzen. Um mit BPSD professionell umzugehen sind ein hohes fachliches Wissen, systemisches Denken und passende strukturelle Rahmenbedingungen notwendig. Das von der Autorin entwickelte ganzheitliche MIBUK-Programm schließt diese Lücke in der nichtmedikamentösen Therapie von BPSD, indem es über fünf sinnstiftende Prinzipien (Milieugestaltung, Interaktion, Biografiearbeit, Uraschenanalyse, Kreativität) adäquat und professionell auf herausforderndes Verhalten antwortet. Das Programm zeigt Wege auf wie Pflegeinterventionen bei BPSD sinnvoll und pointiert eingesetzt sowie dokumentiert werden können. Gleichzeitig wird Führungskräften im zweiten Teil des Buches ein Managementkonzept präsentiert, welches die nichtmedikamentösen Therapieformen angemessen unterstützt, sodass Wirtschaftlichkeit und Humanismus verbunden werden. Pflegerisches Handeln bezogen auf nichtmedikamentöser Therapieformen wird sicht- und messbar, die Probleme des Langzeitpflegebereich könnten ein Stück weit mehr gelöst werden.Das Buch richtet sich an Pflege-, Betreuungs- und Führungskräfte in der Altenpflege, Entscheidungsträger im Umfeld der Langzeitpflege sowie pflegende Angehörige sowie Angehörige von Bewohnern in Pflegeheim werden darin viele wertvolle Informationen finden.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

MIBUK für Pflegekräfte

Frontmatter
Kapitel 1. Einleitung
Zusammenfassung
Im ersten Kapitel zum Thema nichtmedikamentöse Therapieformen erhalten Sie einen Überblick bezogen auf die Inhalte und die Beweggründe zur Entstehung dieses Buchs. Das Buch richtet sich einerseits an Pflegekräfte, die hier theoriegeleitetes Wissen bezogen auf nichtmedikamentöse Therapieformen bei Menschen erhalten, die ein herausforderndes Verhalten in Zusammenhang mit demenziellen Prozessen (BPSD) zeigen. Andererseits richtet sich dieses Buch ebenso an die Führungskräfte von stationären Langzeiteinrichtungen und Entscheidungsträgern, welche entsprechende Strukturen entwickeln sollten, damit nichtmedikamentöse Therapieformen angemessen eingesetzt werden können. Letztendlich richtet sich dieses Buch auch an alle Interessierten, die mehr über den Umgang mit Menschen, welche an einer Demenz erkrankt sind, erfahren möchten. Seien es Angehörige, Interessierte, alle sind gerne eingeladen, sich mit dem wichtigen Thema in zukünftigen stationären Langzeiteinrichtungen angemessen auseinanderzusetzen.
Letztendlich soll dieses Buch dazu beitragen, ein Umdenken in der Pflege und Betreuungsqualität bezogen auf herausforderndes Verhalten positiv zu beeinflussen und dieses stetig weiterzuentwickeln, sodass Menschen, welche an diesem Krankheitsbild leiden, jene nichtmedikamentöse Therapieformen vorfinden, welche ihnen hohe Autonomie, Selbstbestimmtheit und damit Lebensqualität ermöglichen. Anhand einer kleinen Geschichte soll im Kapitel eins das Dilemma von ganzheitlichem Pflegeverständnis und strukturellen Rahmenbedingungen verdeutlicht werden und uns den Einstieg in die Thematik erleichtern helfen. Mit dem Beispiel soll die Kohärenz oder Inkohärenz des Systems versus Pflegeverständnis verdeutlicht werden. Wie sehr uns Strukturen fördern aber auch einengen können und welch gravierende Auswirkungen dies auf den Berufsalltag und die Menschen hat, welche auf unsere Hilfe angewiesen sind, ist Teil des ersten Kapitels. Die „Gschicht“ dient uns als Einleitung ins Thema der nichtmedikamentösen Therapieformen bei BPSD und ist frei erfunden.
Christine Moik
Kapitel 2. Allgemeine Begriffsdefinitionen
Zusammenfassung
Ehe wir daran gehen, uns dem Konzept MIBUK und den nichtmedikamentösen Therapieformen eingehend zu widmen, ist es wichtig, eine Vielzahl an Begriffen zu erklären, welche uns in MIBUK immer wieder begegnen werden. Diese Grundbegriffe kreisen um das Pflegeverständnis, welches einer verstehenden Pflege entsprechen sollte. Dies wiederum beinhaltet eine forschende, neugierige Haltung gegenüber dem herausfordernden Verhalten eines Bewohners oder einer Bewohnerin. Wir beziehen hier auch den medizinischen Part mit ein, denn Schmerzen oder andere Verschlechterungen von bestehenden Krankheiten können die Ursache für ein BPSD sein. Wenn wir also gezielt nichtmedikamentöse Therapieformen anwenden wollen, werden wir uns der Ursachenforschung und Ursachenanalyse ausführlich widmen müssen.
Hierzu werden wir uns eines verstehenden Pflegeprozesses mit all seinen Teilschritten bedienen. Letztendlich lernen wir, im Rahmen der fallorientierten Arbeit jene nichtmedikamentösen Therapieformen im Team festzulegen, welche dann gemeinsam geplant und umgesetzt werden. Unsere Hypothesen werden überprüft. Im Rahmen dieses Prozesses suchen wir nach Bestätigungen für unsere Annahmen, welche wir letztendlich in Form einer psychosozialen Pflegediagnose zu Papier bringen, oder wir verwerfen unsere Annahme bzw. erweitern diese aufgrund unserer neuen Erkenntnisse. In einem nächstenSchrittwidmen wir uns den speziellen Begriffen aus MIBUK. Die fünf Begrifflichkeiten stellen jene fünf Kompetenzen dar, welche wir benötigen, um die Ursachen für das herausfordernde Verhalten herauszufinden. Diese fünf Kompetenzen begleiten uns in jeder Phase des Pflege-, Betreuungs- und Therapiekonzeptes. MIBUK steht also für fünf Begrifflichkeiten: M = Milieugestaltung, I = Interaktion, B = biografisches Arbeiten, U = Ursachenanalyse aus dem medizinisch-therapeutischen Bereich und die Analyse der Kompetenzen. Letztlich das K = Kreativität, welche wir durch unsere kontinuierliche Fallarbeit und dem damit erzeugten theoretischen Wissen, kombiniert mit unseren neuen praktischen Erfahrungen, zu neuen Erkenntnissen verhilft. Wir definieren spezielle Begriffe klären unser Pflegeverständnis, sodass ein breites und tiefes Verständnis für ein ganzheitliches Denken und Handeln bezogen auf die nichtmedikamentösen Therapieformen entstehen kann. Mit den fünf MIBUK-Kompetenzen ist es möglich, nichtmedikamentöse Interventionsmaßnahmen ganzheitlich und stets mehrdimensional (multimodal) anzuwenden. Unter dem Punkt spezielle Begriffsdefinition werden nicht nur die fünf MIBUK-Begriffe, sondern deren Zusammenhänge und gegenseitige Wechselwirkung vorgestellt. Jedes System steht in enger Verbindung mit dem anderen. Wird an einer dieser Kompetenzen etwas verändert, hat dies auch Auswirkungen auf alle anderen Systeme und Subsysteme. In diesem Kapitel lernen sie bereits wichtige Grundbegriffe von MIBUK kennen und entwickeln bereits eine dem Konzept zu Grunde liegenden „verstehen wollende“ Grundhaltung.
Christine Moik
Kapitel 3. Die Teilschritte eines verstehenden Pflegeprozesses
Zusammenfassung
Im dritten Teil dieses Buches wird jeder Schritt des Pflegeprozesses und wir nennen diesen Prozess „verstehenden Pflegeprozess,“ weil wir ja verstehen wollen warum sich der Mensch so verhält wie er dies eben tut, genau erläutert. Wir beginnen in diesem Kapitel also mit dem ersten Schritt des Pflegeprozesses dem Pflegeassessment, welche sich ausschließlich der Ursachensuche für das Verhalten widmen will. Hierzu habe ich ihnen einen eigenen Assessmentbogen zur Verfügung gestellt, welcher ihnen bei der Ursachensuche und -analyse hilfreiche Unterstützung sein soll. Neben den theoretischen Grundlagen zum MIBUK-Assessment wird ihnen hier der Assessmentbogen und die Erhebung der fünf MIBUK Kompetenzen genau erklärt. Ein wichtiger Teilaspekt hierzu ist die Fallarbeit, die uns während des gesamten Prozesses begleitet. In diesem Kapitel werden nun alle fünf MIBUK Kompetenzen als mögliche Auslöser für ein BPSD erforscht, hierbei bedienen wir uns im Rahmen der Ursachenforschung zahlreicher Scores, die uns bei der Suche nach den Ursachen unterstützen könnten. Bleibt anzumerken, dass die Scores in diesem Buch eine Empfehlung darstellen, deren Verwendung nur mit Zustimmung der Autoren möglich ist. Die medizinische Abklärung ist ein wichtiger Teil des Assessments, denn nicht selten ist ein weiteres medizinisches Problem als Auslöser für ein BPSD zu identifizieren. Die Einbindung der entsprechenden medizinischen Fachdisziplinen ist unumgänglich. Wenn wir dann das Assessment abgeschlossen haben, geht es daran im Sinne der verstehenden Pflegediagnostik eine Pflege- und Betreuungsdiagnose zu erstellen. Anhand dieser Diagnose versuchen wir nun unsere Ziele abzuleiten und die Interventionsmaßnahmen gemeinsam zu erarbeiten. Die Interventionsmethoden ergeben sich bereits aus unserem Assessment und beziehen sich immer auf alle fünf – Kompetenzen wie: Milieugestaltung, Interaktion, einbeziehen der Biografie, notwendige medizinische Schritte aus der Ursachenanalyse durchführen und letztendlich aus unseren neuen Erkenntnissen aus der Fallarbeit die unsere Kreativität fördert. Bei der Auswahl an Interventionsmöglichkeiten lassen wir uns von den Empfehlungen diverser Studien, die in das Buch eingearbeitet wurden, leiten. Letztendlich erhalten wir so ein ganzheitliches auf den einzelnen Bewohner, die einzelne Bewohnerin abgestimmtes Interventionskonzept, welches wir nun dem gesamten können, erst danach geht es an die Umsetzung. Die Evaluierung erfolgt wöchentlich im Rahmen der Fallarbeit, die Ergebnisse hierzu werden entsprechend dokumentiert, die Auswertung erfolgt anhand unserer Zielsetzungen. Teamarbeit, Fallarbeit sind zentrale Säulen des Konzeptes, die es gilt kontinuierlich durchzuführen.
Christine Moik

MIBUK für PflegemanagerInnen – Ein Managementkonzept zur Umsetzung von MIBUK in stationären Pflegeeinrichtungen

Frontmatter
Kapitel 4. Allgemeines
Zusammenfassung
Das Kapitel vier leitet den zweiten Teil dieses Buches ein, der sich nun ausführlich mit den strukturellen Rahmenbedingungen bezogen auf die Umsetzung von MIBUK auseinandersetzt. Nichtmedikamentöse Therapieformen bei herausforderndem Verhalten erfordern nicht nur eine hohe fachliche Kompetenz von den Pflege- und Betreuungskräften, sonder vielmehr moderne Managementkonzepte, welche eine ganzheitliche Sicht auf die BewohnerInnen erst ermöglichen. Nichtmedikamentöse Therapieformen, so auch MIBUK, orientieren sich an systemischen Ansätzen, was flache Hierarchien und ein Denken in Systemen voraussetzt. Stationäre Pflegeeinrichtungen sind häufig linear ausgerichtet was einer ganzheitlichen Sicht auf den Bewohner entgegenwirkt. Bezeichnend für lineare Systeme ist eine ausgeprägte hierarchische Ordnung, hoher Bürokratismus, der das System sehr träge werden lässt. Veränderungen sind in diesem System eher von oben verordnet. MitarbeiterInnen werden als ausführende Organe angesehen. All das erzeugt ein starres unflexibles System. Interdisziplinarität, Teamarbeit, individuelles Eingehen auf Kundenbedürfnisse ist in diesem System kaum möglich (Senge 2011). In diesem Kapitel beschäftigen wir uns mit dem dringend notwendigen strukturellen Wandel des Systems „stationäre Langzeitpflege“. Einleitend werden wir uns mit Begriffe wie soziale Systeme, soziale Organisationen, Struktur, Agilität als Führungsstil und einer sehr moderne Managementmethode nämlich Objektiv and Key Results (OKR) kennenlernen. Einfach ausgedrückt soll durch die Analyse des Systems „stationäre Altenpflege“ bezogen auf die Möglichkeiten MIBUK umzusetzen analysiert werden. Um so den dringend notwendigen „Schulterschluss“ zwischen einem verstehenden Pflegeprozess im Sinne von MIBUK hin zu einer lernenden Organisation erlebbar zu machen.
Es sei hier festgehalten, dass das Kapitel um die Definition von Begrifflichkeiten Teil als Teil der Organisationsanalyse angesehen wird. Dies erschien mir zugunsten einer besseren Lesbarkeit sinnvoll. Außerdem werde ich ihnen die Methodik der Analyse näher erklären, umso meine These nämlich stationäre Langzeiteinrichtungen brauchen einen tiefgreifenden Wandel, um Menschen mit Demenz in einer hohen Lebensqualität die mit einer hohen Selbstbestimmtheit einhergeht zu pflegen und zu betreuen. Um diese These zu bestätigen führe ich eine Organisationsdiagnose im stationären Langzeitbereich durch. Wesentliche Bereiche des Unternehmens die zur Umsetzung von MIBUK relevant sind werden in die Analyse einbezogen. Auch hier nutzen wir die fünf MIBUK-Kompetenzen als strukturellen Rahmen im Analyseprozess. Dazu war es notwendig die fünf MIBUK -Kompetenzen in eine neuen Bezugsrahmen zu setzen. So werden die Begrifflichkeiten im Sinne eines Organisationsentwicklungsprozesses auch aus diesem Kontext heraus neu definiert. Zu jeder Kompetenz wurden bestimmte unternehmerische Bereiche zugeordnet. MIBUK als System mit seinen Subsystemen ermöglicht es uns nun eine Organisationsdiagnose bezogen auf die Frage, ob das derzeitige System MIBUK und damit nichtmedikamentöse Therapieformen unterstützt zu beantworten. Die Erkenntnisse aus der Diagnose ermöglichen uns nun den notwendigen Veränderungsbedarf detailliert zu beschreiben. Für unsere theoriegeleitete Analyse werden Daten und Fakten die öffentlich zugängig sind verwendet und mit der Fachliteratur bezogen auf Managementstrategien verglichen und die daraus entwickelten Erkenntnisse in den Maßnahmenplan einfließen. Mit dem Ziel das „Unternehmen Pflegeheim“ für die Herausforderungen der Zukunft, nämlich nichtmedikamentöse Therapieformen evidenzbasiert zu implementieren vorzubereiten.
Christine Moik
Kapitel 5. Organisationsanalyse
Zusammenfassung
In diesem Kapitel widmen wir uns nun der Frage, wie die derzeitige Organisationsstruktur in stationären Langzeiteinrichtungen aussieht und versuchen dies mit der notwendigen Theorie zu untermauern. Im Rahmen einer ausführlichen Organisationsanalyse der österreichischen stationären Langzeiteinrichtungen, versuche ich, Zusammenhänge und Problemfelder bezogen auf die Anwendung nichtmedikamentöser Therapieformen zu verdeutlichen. So werden zu jeder MIBUK-Kompetenz die für die Organisationsanalyse relevanten Subsysteme analysiert.
Bereits bei der Analyse des Systems Milieu werden zahlreiche Aspekte, die einer nichtmedikamentösen Therapieform entgegenwirken, deutlich gemacht. So zeigt sich, dass dort, wo eine sehr ausgeprägte Orientierung an Zahlen vorherrscht, weitere wichtige Unternehmensaspekte wie Qualität der Leistungen sowie Kundenorientierung vernachlässigt werden. Dies wiederum führt zu Frustration in der Pflege, da die Orientierung an Zahlen, welche aus der Vergangenheit in die Zukunft transportiert werden, den eigentlichen Pflegeaufwand nicht darstellen können. Dies führt zu hohem Zeitdruck, welcher in der Arbeit mit nichtmedikamentösen Therapieformen mehr als kontraproduktiv ist. Ein ständiges Abwägen und priorisieren von Leistungen, die gemacht, und andere, die man vielleicht unterlassen kann haben schwerwiegende Folgen. Dieses Abwägen belastet Pflegende und führt nicht selten zu Frustration bis hin zum Burnout. Verstärkt wird dieses Phänomen durch eine lineare Organisationsform, welche oft einhergeht mit starren Vorgaben, die wenig Raum für individuelle Entscheidungen ermöglichen. Die Kommunikation von oben nach unten ist durch kurze Wege gekennzeichnet, jedoch von unten nach oben sind die Wege lang und die Führungsspitze wird häufig als weit weg von der Realität erlebt. Veränderung erscheint schwer oder gar nicht möglich, was wiederum für Hilflosigkeit sorgt. Damit wird ein lineares Denken gefördert, Querdenken ist eher nicht gefragt, was wiederum ein Indiz für ein strenges und starres System ist, das wenig Raum für kreative Lösungen lässt. Selbstverständlich ist dies nicht immer und überall der Fall, doch fördert das System diese Entwicklungen. Leider fehlt es auch an einheitlichen Qualitätsmaßstäben für Österreich, was kaum einen Vergleich unterschiedlicher personeller Ausstattung und der daraus abzuleitenden Qualität der Leistung zulässt. Vieles liegt im Graubereich, die Unterschiede sind enorm.
Letztendlich wird die personelle Ausstattung, wie von zahlreichen Experten bestätigt, nicht ausreichen und sie ist je nach Bundesländer sehr unterschiedlich. Fehlendes einheitliches Vorgehen und fehlende einheitliche Qualitätsstandards lassen viele Fragen offen. Dies alles hat natürlich auch Auswirkungen auf die Interaktion, die Art und Weise, wie Beziehungen geführt und gelebt werden. Womit wir zum Pflegeverständnis kommen, welches durch Zeitdruck und fehlende Qualitätsstandards durchaus nicht dem entspricht was unser MIBUK Konzept für Pflegekräfte erwartet. Dass dies Auswirkungen auf das Team und auch den Teamentwicklungsprozess hat, liegt auf der Hand. Letztlich wird im Rahmen der Biografie die Personalentwicklung Fort- und Weiterbildung, bezogen auf nichtmedikamentöse Therapieformen, kritisch hinterfragt. Auch hier lassen sich deutliche Defizite ausmachen. Zusammengefasst sei festgehalten, dass ein tiefgreifender Wandel im Bereich der stationären Langzeitpflege dringend erforderlich ist, fehlt es doch hier bereits an vielen Grundlagen, um nichtmedikamentöse Therapieformen bei BPSD angemessen und evidenzbasiert umzusetzen. Dass dies auch auf die Berufszufriedenheit und damit auf das Recruiting Einfluss nimmt, konnte in der Analyse deutlich gezeigt werden.
Sehr schön konnte auch die Wechselwirkung der unterschiedlichen Kompetenzen deutlich gemacht werden. Im Rahmen der theoriegeleiteten Analyse werden die Themen mit evidenzbasierter Literatur verglichen und Argumente für den notwendigen Veränderungsprozess aufgezeigt. Die theoriegeleitete Analyse zeigt uns jene Erkenntnisse auf, die notwendig sind, um im Rahmen eines kreativen Prozesses das System stationäre Langzeitpflege völlig neu zu denken. Zusammenfassend und pointiert sind tief greifende Reformen in den stationären Einrichtungen durchaus sinnvoll und sollten ein einheitliches Verständnis von Pflege, Betreuung und Therapie von BPSD beinhalten. Die unterschiedlichen Personalschlüssel zeigen massive Unterschiede und müsste dieser längst vereinheitlicht und aufgestockt werden. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und multiprofessionelle Teams sind kaum vorhanden und könnten die Pflege deutlich entlasten. Die derzeitigen Rahmenbedingungen sind äußerst unterschiedlich und so unterschiedlich sind auch die Bedingungen zur Implementierung nichtmedikamentöser Therapieformen.
Christine Moik
Kapitel 6. Managementstrategie zur Implementierung nichtmedikamentöser Therapieformen
Zusammenfassung
Aus der Analyse wissen wir, dass eines der zahlreichen Probleme die unterschiedlichen Rahmenbedingungen in Österreich sind. Dass es hier, bezogen auf Personalausstattung, aber auch dem Verständnis von Pflege aus den unterschiedlichen Heimverordnungen äußerst unterschiedliche Zugänge gibt. Diese Unterschiede führen dazu, dass die nichtmedikamentösen Therapieformen bei BPSD in einem ganzheitlichen Setting wohl kaum bekannt oder durchgeführt werden.
Wir wollen uns daher in diesem Kapitel ausführlich den Rahmenbedingungen, bezogen auf die nichtmedikamentösen Therapieformen, annehmen mit dem Ziel, die Autonomie und damit die Selbstbestimmtheit der BewohnerInnen, die an BPSD leiden, zu erhöhen.
Wir beginnen mit dem General Management, welches die Weichen der Veränderung stellen wird müssen. Hierzu zählt die Festlegung einer tieferen Zweckbestimmung bezogen auf nichtmedikamentöse Therapieformenin stationären Langzeiteinrichtungen. Diese tiefere Zweckbestimmung dient als Grundlage zur Erarbeitung aller weiterführenden Strategien, sei es die finanzielle Ausstattung, die Definition von Qualitätskriterien, der hierarchische Aufbau gepaart mit Aspekten des Führungsverständnisses und der Unternehmenskultur und letztendlich dem Personalmanagement. In die Strategieentwicklung wäre die Einbindung der Länder und der gemeinsame Beschluss einen tiefgreifenden Wandel zu forcieren wichtige Grundvoraussetzung, die ein bundesweites einheitliches Vorgehen ermöglicht.
Auf Ebene der Organisationen gibt es ebenso eine Menge an notwendigen Veränderungen die ich nun kurz erläutere. Die Abflachung von Hierarchien wird hierbei ein zentrales Thema sein. Ebenso die Erweiterung von Kompetenzen für die Führungskräfte. Gilt es außerdem den Führungsstil neu zu definieren. Hierzu sind die Einführung von Objektives & Key Results, kraftvolles Instrumente den Veränderungsprozess in Gang setzen.
Ebenso wird sich die personelle Ausstattung völlig neu zu denken sein. Das Etablieren von interdisziplinären Teams mit unterschiedlichen Aufgabenschwerpunkten ein weiterer unerlässlicher Schritt. Die Ausbildung von Experten als Teil eines ganzheitlichen Personalentwicklungskonzeptes die Berufszufriedenheit untersützen. Letztendlich sind Dienstzeitmodelle und Pflegesystemen, welche sich an den Bedürfnissen der BewohnerInnen orientieren, zu etablieren. Ebenso werden Physio-, Ergo- und MusiktherapeutInnen, um nur einige zu nennen, wichtige Ergänzung sein MIBUK-Team sein. Prozesse im Unternehmen selbst wird man kritisch hinterfragen und neu gestalten. Bei all dieser Veränderung ist der hohe Einbindungsgrad der MitarbeiterInnen wichtige Grundvoraussetzung für das Gelingen eines tiefgreifenden Wandels in der stationären Langzeitpflege.
geht dem geplanten Wandel voraus. Wir werden Zahlen und Fakten benötigen, die uns zeigen, auf dem richtigen Weg zu sein und uns unterstützen, das Unternehmen in diesen stürmischen Zeiten zu navigieren. Diese Zahlen ergeben sich aus der Gegenwart und aus der Zukunft. Diese Zahlen werden sich aus dem Finanzwesen, der zu erbringenden Qualität der Leistung, den Bedürfnissen der Kunden, den Bedürfnissen der MitarbeiterInnen sowie den veränderten Umweltbedingungen zusammensetzen und aus diesen Erkenntnissen heraus werden die notwendigen Maßnahmen abgeleitet.
Christine Moik
Kapitel 7. Abschluss
Zusammenfassung
Im letzten Kapitel werden die Ergebnisse dieses Buches pointiert zusammengefasst festgehalten. MIBUK für Pflegekräfte beschäftigt sich intensiv mit der Umsetzung eines ganzheitlichen Pflegekonzeptes zur nichtmedikamentösen Therapie von BPSD. Neben einem strukturierten Vorgehen im Sinne eines ganzheitlichen und verstehenden Pflegeprozesses wird dem interessierten Leser ein Assessmentinstrument zur Verfügung gestellt, welches die Suche nach den Ursachen für das Verhalten erleichtern soll. Die Ursachensuche und Analyse ist zentraler Kern des Konzeptes. Über die fünf MIBUK-Kompetenzen werden systematisch alle Bereiche des Mensch Seins in die Suche nach den Ursachen für das Verhalten einbezogen. Die Erkenntnisse aus der Analyse erfolgt über die Fallarbeit die stehts multiprofessionell durchgeführt werden soll. Dadurch können zahlreiche unterschiedliche Ansätze in den Pflege-Betreuungs- und Therapieprozess einfließen, was wiederum eine mehrdimensionale Therapie, also das Ansprechen unterschiedlicher Sinne in allem was wir tun, fördert.
Die systemische Erarbeitung der Problemstellung und deren Lösungsansätze erfolgt über den Pflege- und Betreuungsprozess und stellt sicher, dass auch hier eine strukturierte Vorgehensweise möglich ist.
Die nichtmedikamentösen Interventiosnformen können nun anhand der fünf MIBUK-Disziplinen erarbeitet werden. Die nichtmedikamentösen Therapieformen werden durch das Beachten der fünf MIBUK-Kompetenzen mehrdimensional angeboten, dies unterstützt das Erfolgskonzept. Da wir so stehts mehrere Sinne ansprechen können. Damit soll zahlreichen internationalen Forschungsergebnissen in der Behandlung von BPSD Rechnung getragen werden. Im zweiten Teil des Buches konnte anhand einer ausführlichen Analyse der österreichischen stationären Langzeitpflege Begründungen für die derzeitigen fehlenden Möglichkeiten die nichtmedikamentösen Therapieformen nach ganzheitlichen Prinzipien in die Umsetzung zu bringen. Diese theoriegeleitete Analyse befähigt uns nun jene Strukturen zu beschreiben und hoffentlich auch zu implementieren, welche nichtmedikamentöse Therapieformen auch in Österreich in den Mittelpunkt pflegerischedn Handelns rücken. Es gilt, die Hindernisse gemeinsam aus dem Weg zu räumen im Sinne eines geplanten und tiefgreifenden Wandels.
Abschließend möchte ich ein Danke bei den zahlreichen Pflegekräfte und Führungskräfte aussprechen, die unermüdlich darauf bedacht sind, jene Interventionen zu ermöglichen, die die Lebensqualität jener in den stationären Pflegeeinrichtungen deutlich zu verbessern helfen. Trotz zahlreicher Hürden sind sie bereit, jeden Tag aufs Neue Autonomie zu gewähren. Möchte ich hier auch auf die zahlreichen positiven Ansätze in der Pflege hinweisen. Trotzdem ist es so, dass es grundlegende Veränderungen in diesem Pflegesetting benötigt, sodass wir zuküftig, Bewohner und BewohnerInnen jene Pflege zu kommen, lassen die eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität beinhalten. Pflegende ihre Aufgaben nach ihren ganzheitlichen Berufsverständnis durchführen können.
Christine Moik
Backmatter
Metadaten
Titel
Nichtmedikamentöse Therapie von herausforderndem Verhalten bei Demenz
verfasst von
Mag. Christine Moik
Copyright-Jahr
2020
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-60647-6
Print ISBN
978-3-662-60646-9
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-60647-6