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31.08.2017 | Nephrologie | Onlineartikel

Niereninsuffizienz: Medikamentendosis wird zu selten angepasst

Bei Einschränkungen der Nierenfunktion muss die Dosierung vieler Medikamente angepasst werden, um Komplikationen zu verhindern. Das geschieht aber noch zu selten, wie Studien zeigen.

© Viperfzk / iStock.com

Jeder fünfte Pflegeheimbewohner erhält Medikamente, die nicht an seine Nierenfunktion angepasst wurden oder von denen wegen einer bestehenden Nierenschwäche sogar abzuraten wäre. Das berichtet ein Team um den Oldenburger Versorgungsforscher Professor Falk Hoffmann in einer Untersuchung mit 852 Pflegeheimbewohnern aus Bremen und Niedersachsen. Erkenntnisse zur Nierenfunktion lagen den Forschern für 685 der berücksichtigten Heimbewohner vor. Demnach litt fast die Hälfte von ihnen an einer mittelgradigen, 15 Prozent sogar an einer hochgradigen Niereninsuffizienz. Fast 20 Prozent der Bewohner erhielten mindestens ein Medikament, das nicht der Nierenfunktion entsprechend dosiert oder sogar kontraindiziert war. Bezogen auf die Patienten mit bekannter Nierenschwäche waren es sogar 30 Prozent.

Viele Heimbewohner erhalten Medikamente in zu hoher Dosierung

Wie der Apotheker Dr. Michael Dörks, Co-Autor der Studie, betont, hängt die Dosierung vieler Arzneistoffe von der Nierenfunktion ab: „Die Niere hilft, Medikamente wieder auszuscheiden. Wenn sie nicht mehr richtig funktioniert, bleibt der Arzneistoff unter Umständen länger im Körper.“ Die übliche Wirkstoffmenge bedeute dann eine Überdosierung, die schwere Nebenwirkungen nach sich ziehen kann. Dass diesem Risiko jeder fünfte Pflegeheimbewohner ausgesetzt war, überraschte die Versorgungsforscher nicht. „Immerhin 90 Prozent der Bewohner in unserer Studie erhielten Medikamente, die bei Niereninsuffizienz in der Dosis anzupassen oder sogar kontraindiziert sind“, erklärt Hoffmann. Neben einer jährlichen Ermittlung der Nierenfunktion von Pflegeheimbewohnern mahnen die Autoren daher eine einheitliche und praktikable Handreichung für Ärzte an, die Dosisanpassungen bei Nierenschwäche auflistet.

Defizite in ambulanter und stationärer Pflege

Mit einer systematischen Literaturanalyse haben die Oldenburger Forscher jetzt nachgelegt und die allgemeine Verbreitung fehlender Dosisanpassungen ermittelt. Dafür hatten Dr. Michael Dörks und Kollegen 18 Studien ausgewertet. Drei davon stammten aus Deutschland. An neun der Studien hatten Patienten teilgenommen, die ambulant versorgt wurden. Hier unterblieb in 1 bis 37 Prozent der Fälle (median: 15 Prozent) eine Dosisanpassung an die Nierenfunktion. In Alten- und Pflegeheimen habe die Prävalenz in den entsprechenden Studien zwischen 6 Prozent und 43 Prozent gelegen.

Wie die Wissenschaftler weiter herausfanden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Dosisanpassung an die Nierenfunktion ausbleibt, zudem mit dem Alter des Patienten und der Zahl der benötigten Medikamente. Als häufigste nicht korrekt angewendete Medikamentengruppen konnten sie Antidiabetika, Hemmer des Renin-Angiotensin-Systems sowie Medikamente zur Senkung des Harnsäurespiegels ermitteln. Als häufigste Substanzen wurden Metformin, Allopurinol und Glibenclamid nicht adäquat dosiert.

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