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01.09.2017 | Nephrologie | Onlineartikel

Die Niere: Lage, Funktion und Erkrankungen

Jeder gesunde Mensch hat zwei Nieren. Sie übernehmen im Körper vielfältige Aufgaben. Die wichtigste Funktion dieser Organe ist die Entgiftung. Die Nieren sorgen für die Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten und Giftstoffen über den Urin. Zudem regulieren sie den Wasser- und Elektrolythaushalt. Darüber hinaus werden hier lebenswichtige Hormone hergestellt. Obwohl die Nieren paarweise angelegt sind, kann man auch ohne Beschwerden mit nur einer Niere leben.

Das medizinische Fachgebiet, das sich mit den Nieren beschäftigt, ist die Nephrologie. Der Begriff Nephrologie geht auf das griechische Wort Nephros für Niere zurück. Ein weiterer geläufiger Fachbegriff im Pflegealltag ist renal. Renal bedeutet „die Niere betreffend“ und leitet sich vom lateinischen Wort Ren für Niere ab.

Aktuellen Untersuchungen zufolge werden in Deutschland etwa 80.000 Menschen mit Nierenersatzverfahren (Dialyse) behandelt, weil ihre Nieren nicht ausreichend arbeiten. Schätzungen zufolge sind hierzulande mindestens zwei Millionen Menschen von einer eingeschränkten Funktion der Nieren betroffen.

Lage: Wo sitzen die Nieren?

Die Nieren befinden sich links und rechts der Wirbelsäule in der Höhe der elften und zwölften Rippe. Dabei steht die linke Niere etwa 1,5 Zentimeter höher als die rechte. Bei Erwachsenen sind diese Organe elf bis zwölf Zentimeter lang und fünf bis sechs Zentimeter breit. Sie wiegen jeweils etwa 150 Gramm.

© Springer Medizin Verlag GmbH

Hauptfunktion: Entgiftung des Körpers

Die Hauptaufgabe der Nieren übernehmen winzige Einheiten, sogenannte Nephrone. Sie bestehen aus Nierenkörperchen und Nierenkanälchen (Tubuli).

In den Blutgefäßen der Nierenkörperchen, den Glomeruli, wird das Blut gefiltert. Es entsteht der sogenannte Primärharn. Schadstoffe werden so aus dem Blut entfernt und später über den Harn ausgeschieden. Aus dem Primärharn wird dann fast die komplette Wassermenge wieder dem Blut zugeführt. Bei diesem Prozess erhält der Körper auch wichtige Elektrolyte zurück. Diese Rückresorption findet in den Nierenkanälchen (Tubulussystem) statt. Ist die Nierenfunktion gestört, setzen innerhalb kurzer Zeit erste Vergiftungserscheinungen ein.

Die Nieren sind zudem beteiligt an:

  • der Einstellung des Blutdrucks, über die Produktion von Hormonen
  • der Regelung des Säure-Basen-Haushalts – sie sorgen dafür, dass Blut nicht zu „sauer“ oder zu „alkalisch“ wird
  • der Produktion weiterer Hormone, die unter anderem die Bildung roter Blutkörperchen anregen

Erkrankungen: Akutes Nierenversagen und chronische Niereninsuffizienz

Funktionieren die Nieren nicht richtig, sammeln sich Giftstoffe im Körper an. Der Wasser-, Mineral- und Säure-Basen-Haushalt ist gestört.

Viele Menschen leben mit einer leichten bis mittlgradigen Einschränkung ihrer Nierenfunktion, ohne es zu bemerken. Insbesondere bei älteren Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen, kann eine unbemerkte Niereninsuffizienz zu Überdosierungen von Arzneimitteln führen.

Eine fortgeschrittene Nierenerkrankung verursacht eine Reihe typischer Symptome:

  • Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen
  • Konzentrationsschwäche
  • Juckreiz
  • erhöhter Blutdruck
  • graue Hautfarbe
  • Atemnot und Wasseransammlungen, vor allem Lid- und Unterschenkelödeme

Akutes Nierenversagen (ANV)

Beim akuten Nierenversagen (ANV) stellen die Nieren innerhalb von höchstens zwei Tagen ihre Arbeit ein. Dies kann infolge unterschiedlicher Grunderkrankungen oder einer Erkrankung der Nieren selbst auftreten. Abhängig von der Ursache kann eine ANV geheilt werden oder in einem bleibenden Nierenschaden enden. Man spricht von akutem Nierenversagen, wenn die Entgiftungsleistung der Organe unter einen bestimmten Grenzwert fällt. Dies wird anhand der Konzentration des sogenannten Serumkreatinins gemessen. Für die Beurteilung der Nierenfunktion wird ebenfalls die Menge des ausgeschiedenen Urins herangezogen.

Für die Behandlung von Patienten mit akutem Nierenversagen ist es entscheidend, ob neben den Laborbefunden bereits Komplikationen beobachtet wurden; etwa Atemnot, Verwirrung und Schläfrigkeit. Nicht mehr ausgeschiedenes Kalium können sich im Körper anreichern und zu Herzrhythmusstörungen führen. Bei diesen Hinweisen setzen Ärzte sofort auf eine Nierenersatztherapie, die das Blut wieder reinigt.

Chronische Niereninsuffizienz

Bei chronisch verlaufenden Erkrankungen nimmt die Nierenfunktion schleichend ab. Im Anfangsstadium werden Nierenerkrankungen von den Betroffenen oft nicht bemerkt. Häufige Auslöser von chronischem Nierenversagen sind Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Erkrankungen der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis), der Nierenröhrchen (tubulo-interstitielle Erkrankungen). Auch zu hoher Blutdruck kann Schäden der Nierengefäße verursachen.

In den Industrieländern steigt der Anteil älterer Menschen mit Bluthochdruck (Hypertonie) und Diabetes mellitus. Das führt auch zu einer Zunahme von Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz.

Chronische Niereninsuffizienz: Behandlung und Pflege

Eine chronische Nierenerkrankung im Anfangsstadium wird mit Medikamenten behandelt. Können die Nieren ihre Aufgaben nicht mehr ausreichend erfüllen, muss das Blut auf andere Weise gereinigt werden. Eine Möglichkeit ist die Transplantation einer gesunden Spenderniere. Eine andere Therapieform ist die maschinelle Reinigung des Bluts, die sogenannte Dialyse.

Nephrologische Fachpflegekräfte übernehmen bei der Dialyse nicht nur die technischen Abläufe der Behandlung. Durch gezielte Beratung und Begleitung helfen sie den Patienten auch bei der Alltagsbewältigung.

Für die Dialyse erhält der Patient einen speziellen Gefäßzugang. Dieser muss gut gepflegt und regelmäßig inspiziert  werden, um Infektionen und Komplikationen zu verhindern. Worauf Pflegende im Detail achten müssen, erfahren sie in diesem Text.

GFR und Kreatinin-Clearance: Welche Laborwerte sind wichtig?

Die wichtigsten Werte zur Beurteilung der Nierenfunktion sind die glomeruläre Filtrationsrate, abgekürzt GFR und die Kreatinin-Clearance. Vereinfacht gesagt wird bei beiden Messverfahren untersucht, wie viel von einer Substanz im Blut ist – und wie viel davon mit dem Harn ausgeschieden wird. In der Regel wird die Menge des Kreatinins, eines Abbauproduktes des Muskelstoffwechsels, überprüft.

Die GFR gibt an, welche Menge Flüssigkeit die Nierenkörperchen in einer bestimmten Zeit filtern. Bei einem gesunden Erwachsenen sind das 135 bis 180 Liter pro Tag. Als Faustformel gilt: Eine niedrige glomeruläre Filtrationsrate  deutet auf eine Einschränkung der Nierenfunktion hin. Zur Berechnung der GFR benötigt man Kreatinin-Wert, Alter und Geschlecht des Patienten. Um die Kreatinin-Clearance zu ermitteln, kommt noch das Körpergewicht hinzu. (jk)

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