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03.07.2017 | Mobilisation | Nachrichten

Mobilität fördern: Raus aus dem Sessel

Seit 20 Jahren kämpft Professor Angelika Zegelin für mehr Mobilität in der Langzeitpflege. In der Pflegezeitschrift zieht sie ein Resümee.

Sich bewegen zu können, bedeutet Freiheit. Eine Freiheit, die ein großer Teil der Bewohner von Pflegeeinrichtungen so nicht hat, wie die renommierte Pflegewissenschaftlerin Professor Angelika Zegelin in der aktuellen Ausgabe der Pflegezeitschrift feststellt. Demnach ist rund die Hälfte der Heimbewohner „ortsfixiert“. Sitzen sie erst einmal im Sessel oder Rollstuhl, sind sie unfähig zum Selbsttransfer und auf Hilfe angewiesen. Und das heißt oft: Warten. Mangelnde Mobilisierung bedeutet aber auch eine zunehmende Schwächung der Muskelkraft – ein Teufelskreis.

Seit 20 Jahren widmet sich die gelernte Krankenschwester Zegelin in ihrer Forschungstätigkeit dem Thema Mobilität und macht auf die Misere vieler Senioren in Pflegeeinrichtungen aufmerksam. Nicht ohne Grund lautete der Titel ihrer Dissertation „Festgenagelt sein“. Für sie steht fest: „Mobilitätsförderung sollte im Pflegealltag erfolgen“. Bleiben die Menschen daheim vergleichsweise aktiv, weil sie vieles selbst erledigen müssen, ändert sich das mit dem Umzug ins Heim oft schlagartig: „Viele Bewohner bauen nach dem Einzug körperlich und geistig ab“, so ihre Erfahrung. Dabei sei die enge Verzahnung von Bewegung und Kognition seit Jahren belegt. In Praxisprojekten untersucht Zegelin seit 2007, wie die Mobilität der Bewohnerinnen und Bewohner konkret verbessert werden kann.

Ein wichtiger Aspekt ist dabei für Zegelin, dass auch die „Seele der Pflegebedürftigen“ wieder bewegt wird. Viele Heimbewohner sähen sich auf dem „Abstellgleis“,  ein Mehr an Mobilität lohne sich für sie nicht.  Dabei sind es oft Alltagsaktivitäten, die die Heimbewohner antreiben. „Immer wieder habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Hausmeister eine Quelle von Gesprächen sein können: endlich wieder Alltag durch Reparaturarbeiten“ berichtet Zegelin.

Zum Nulltarif sei eine Bewegungsförderung im Pflegealltag jedoch nicht zu haben. In der Altenpflege müsste eine doppelte Besetzung her, um eine menschliche und professionelle Pflege zu gewährleisten.

In einem weiteren Beitrag berichten Lisa Gödecker und Stefanie Czemplik, was das Konzept der aktivierend-therapeutischen Pflege in der Geriatrie (ATP-G) gebracht hat und stellen Ergebnisse ihrer Evaluation vor.

Und Siegfried Huhn fasst die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen zum Thema Kontrakturprophylaxe zusammen und untersucht, inwiefern die Neuerungen in Fachliteratur, Lehre und Praxis eingegangen sind.

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