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Betätigungsorientierte Ergotherapie bei Morbus Parkinson

Über dieses Buch

Dieses Praxisbuch liefert Ergotherapeuten die optimale Grundlage für die Arbeit mit Bewegungsstörungen sowie psychischen und kognitiven Symptomen der Parkinson-Krankheit. Der betätigungsorientierte Ansatz liefert unterschiedliche Behandlungsalternativen, die entsprechend der Fähigkeiten des Klienten individuell gewählt und angepasst werden können. Bei der Problemidentifikation stehen die Bedürfnisse des Patienten im Vordergrund und die persönlichen Ziele werden im gesamten Behandlungsprozess berücksichtigt.
Aus dem Inhalt: Grundlagenwissen zum idiopathischen, sekundären und atypischen Parkinson-Syndrom, medikamentöse Behandlung und operative Eingriffe, Assessment und Analyse der unterschiedlichen Betätigungskomponenten, Zielsetzung und therapiebeeinflussende Faktoren, Differenzierung von Training, Kompensation und Adaptation in der Therapie.
Lernen Sie, wie Sie die Ressourcen Ihres Patienten optimal aktivieren und nutzen können und geben Sie ihm hilfreiche Tipps für einen fordernden und fördernden Alltag.
Plus: Videos veranschaulichen die Methodik optimal!

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. Medizinische Grundlagen

    1. Frontmatter

    2. Amy Orellana
      Zusammenfassung
      In Deutschland sind ca. 250.000 bis 280.000 Personen von M. Parkinson betroffen. Im Durchschnitt sind Patienten bei Diagnosestellung 60 Jahre alt. Mit zunehmendem Alter nimmt die Erkrankungswahrscheinlichkeit zu. Die Ursache für ein idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS )ist noch ungeklärt. Es spielen vermutlich eine Bandbreite unterschiedlicher Faktoren eine Rolle. Der M. Parkinson ist durch ein großes Spektrum an verschiedenen Symptomen gekennzeichnet. Sie werden in motorische-, kognitiv/psychische-, vegetative-, sensorische- und Schmerzsymptome eingeteilt.
    3. 2. Einteilung der Parkinson-Syndrome

      Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Die Parkinson-Syndrome werden in drei Gruppen unterteilt, je nach Bekanntheit der Ursache: primäre Parkinson-Syndrome (IPS, idiopathisches Parkinson-Syndrom und hereditäre Parkinson-Syndrome), sekundäre (symptomatische) Parkinson-Syndrome und atypische Parkinson-Syndrome. Das idiopathische Parkinson-Syndrom ist mit 80 % weitaus am häufigsten.
    4. 3. Medikamentöse Therapie und Operationen

      Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Um den Dopaminmangel im Gehirn zu kompensieren, werden Medikamente gegeben, die in Dopamin umgewandelt werden (L-Dopa), den Übertritt durch die Blut-Hirn-Schranke erleichtern (Dopa-Decarboxylase-Inhibitoren), die Dopaminrezeptoren stimulieren (Dopaminagonist) und den Abbau von Dopamin verhindern (MAO-B-Hemmer, COMT-Hemmer). Nach Einnahme der Medikamente besteht eine gute Beweglichkeit und die Mehrzahl der Symptome ist abgeschwächt oder nicht existent. Nach und nach nimmt die Wirkungsdauer der Medikamente ab, es kommt zu einer Wirkungsfluktuation. Um Fluktuationen zu minimieren, können Medikamentenpumpen eine Lösung sein. Manche Betroffene entscheiden sich im fortschreitenden Verlauf der Krankheit für eine tiefe Hirnstimulation.
  3. Ergotherapeutische Grundlagen

    1. Frontmatter

    2. 4. Grundsätze der Ergotherapie

      Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Zu den Grundsätzen der Ergotherapie zählt die Klientenzentrierung, der Fokus auf die Betätigung des Klienten, der Kontextbezug und die Partizipation. Klientenzentrierte Ergotherapie basiert auf der Grundüberzeugung, dass die Klientin fähig ist, über ihre Gesundheit zu entscheiden. Person, Betätigung und Kontext sind untrennbar miteinander verwoben und beeinflussen sich konstant gegenseitig. Folglich führt die Veränderung des Kontexts auch zur Veränderung der Betätigungsperformanz (Art und Qualität der Durchführung der Betätigung). Die aktive oder passive Teilhabe an Betätigungen ist für die Lebensqualität von Parkinson-Klienten beträchtlich.
  4. Assessmentphase

    1. Frontmatter

    2. 5. Betätigungsorientierte Informationssammlung

      Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Zum Einstieg in die therapeutische Beziehung mit den Klient werden Daten und Hintergrundinformationen gesammelt, um sich ein umfassendes Bild des Menschen, seiner Betätigung, dem situativen Kontext und der Partizipation zu machen. Dazu kann z. B. das Bio-psycho-soziales Modell, ein Betätigungsprofil, ein Gespräch, das COPM und das PDQ-39 verwendet werden.
    3. 6. und Hypothesenbildung

      Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Sobald der Therapeut den Betätigungswunsch der Klientin ermittelt hat, muss er die Betätigung analysieren. Die genaue Beobachtung der Klientin bei der Ausführung ihrer problematischen Betätigung im Rahmen einer Betätigungsanalyse ist für moderne Ergotherapeuten unumgänglich. Es ist der zentrale Inhalt des Top-Down-Ansatzes, denn nur bei der Betätigungsanalyse ist das komplexe Zusammenspiel zwischen der Betätigung und allen situativen Kontextfaktoren erkennbar. Zur Hypothesenbildung weitet der Therapeut den Fokus auf alle situativen Kontextfaktoren, die auf eine Betätigung einwirken aus.
    4. 7. Ergänzende Testungen

      Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Nach Durchführung der Betätigungsanalyse und der Hypothesenbildung ist meist schon ein sinnvoller therapeutischer Ansatz erkennbar. In einzelnen Fällen wird eine Untersuchung von zugrunde liegenden Einschränkungen auf der Körperfunktionsebene notwendig. Dazu dienen z. B. die Testung von Bradykinese, Rigor, Tremor und posturaler Stabilität. Zusätzlich können parkinsontypische körperliche Beschwerden, funktionelle Einschränkungen, Kognition, Lebensqualität, Alltagskompetenzen und die Medikamentenwirkungen erfasst werden.
    5. 8. Modifiziertes vereinbaren

      Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Schon zu Beginn des therapeutischen Prozesses hat der Therapeut die Klient*innenwünsche oder -ziele abgefragt und dokumentiert. Durch die zusätzliche Sammlung von Informationen über die Performanz der Betätigung, Ausprägung der Symptome, Gestaltung der Umwelt und sonstige wichtige Faktoren hat der Therapeut ein umfassendes Bild der Situation erfasst. Nun wird ein oder mehrere Ziele nach den SMART-Regeln erfasst. Sie sind S-pezifisch, M-essbar, A-kzeptiert, R-ealistisch und T-erminiert.
  5. Interventionsphase

    1. Frontmatter

    2. 9. Ergotherapie im Krankheitsverlauf

      Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Je nachdem, in welchem Stadium der Parkinson-Erkrankung der Klient sich befindet, wird die ergotherapeutische Intervention individuell angepasst. Im Frühstadium bei jüngeren motivierten Klienten, ist ein aktives Training von Betätigungen und Körperfunktionen, Aufklärung über die Krankheit und Unterstützung der Krankheitsverarbeitung sinnvoll. Im weiteren Verlauf der Erkrankung (fortgeschrittenes Stadium) verschiebt sich die Therapie in Richtung Kompensation und Adaptation. Im Spätstadium der Erkrankung, wenn der Klient auf maximale Unterstützung angewiesen ist, kann eine Therapie zur Erfüllung der Grundbedürfnisse und Unterstützung von pflegenden Angehörigen adäquat sein.
    3. 10. Positive auf Therapie

      Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Bestenfalls sollten die positiven Einflussfaktoren vorhanden sein, um die therapeutische Wirksamkeit zu unterstützen. Deswegen ist es sinnvoll, fehlende Einflussfaktoren im Rahmen der ergotherapeutischen Intervention zu fördern. Dazu gehören Selbstmanagement, Vertrauen in therapeutische Kompetenz, allgemeines Kraft- und Ausdauertraining, in On-Phase trainieren, Erholungsphasen und soziale Kontakte.
    4. 11. Interventionsarten

      Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Für ein besseres Verständnis der unterschiedlichen therapeutischen Möglichkeiten werden hier die fünf Interventionsarten getrennt beschrieben. Die fünf Interventionsarten sind: Performance-Skills (Performanzfertigkeiten) trainieren, Betätigung verändern, betätigungsspezifische Körperfunktionen trainieren, Kontextfaktoren verändern (Adaptation) und komplette Betätigung trainieren. Der Ergotherapeut wählt eine dieser Interventionsarten oder eine Mischung daraus aus, um gezielt am Betätigungsanliegen des Klienten zu arbeiten.
    5. 12. Entscheidung für Intervention

      Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Welche Interventionsmethoden in welcher Kombination und Reihenfolge umgesetzt werden, fällt in die Expertise des Therapeuten und kann nicht pauschal festgelegt werden. Die flexible und individuelle Kombination verschiedener Interventionen macht sogar die einzigartige ergotherapeutische Wirkungsweise aus und sollte ausdrücklich das Mittel der Wahl sein. Bei der Auswahl der Interventionsmethode sollte auf folgende Faktoren geachtet werden: Krankheitsphase, kognitive Kompetenzen der Klientin, prognostische Einschätzung des Therapeuten, Grad der Motivation, Zeitaufwand, Wunsch der Klientin und Wunsch betroffener Dritter (Angehörige, Pflege).
    6. 13. (Performanzfertigkeiten) trainieren

      Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Ein Performance-Skill (Performanzfertigkeit) ist die kleinste mögliche Bewegungseinheit innerhalb einer Betätigung.
      Hat die Therapeutin ein problematisches Performance-Skill identifiziert, spricht man vom Break-Down-Point. Es muss nicht zwingend die komplette Betätigung geübt werden, um eine zufriedenstellende Ausführung zu erreichen. Es kann genügen, nur am Break-Down-Point zu üben.
      Dabei sollten folgende Komponenten im Training enthalten sein: betätigungsspezifisch, repetitiv, intensiv, mit externen Referenzflächen.
    7. 14. Betätigungsorientierte Therapieansätze für parkinsonspezifische Themen

      Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Gegliedert nach den vielfältigen Symptomen der Parkinson-Erkrankung werden betätigungsorientierte Therapieansätze aufgearbeitet. Dazu gehören Cueing, Aufteilung der Betätigung in Sequenzen, Umgang mit Dual-Tasks, große Amplitude, Umgang mit Stress, Aktivitätsplanung, Angehörigenberatung, Aktivierung, Umgang mit Fatigue, Schreibtraining und vieles mehr. Anhand von detaillierten Beschreibungen und Beispielen sowie zahlreichen Abbildungen und Videos werden die therapeutischen Möglichkeiten anschaulich vermittelt.
    8. 15. verändern –

      Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Kontextfaktoren verändern – Adaptation
      Das idiopathische Parkinson-Syndrom ist eine progrediente Krankheit, die unaufhaltsam voranschreitet. Je nach Krankheitsphase, prognostischer Einschätzung der Therapeutin, kognitiven Kompetenzen und Grad der Motivation des Klienten und je nach Wünschen des Klienten und seiner Angehörigen sowie zeitlichem Rahmen wird die Entscheidung für Kompensation und Adaptation – statt aktivem Training – im Krankheitsverlauf zunehmen. Dazu gehören drei Bereiche: die Angehörigenberatung, Wohnraumanpassung und Hilfsmittelberatung.
    9. 16. Komplette Betätigung

      Amy Orellana
      Zusammenfassung
      In den meisten Fällen ist eine sofortige Beübung der kompletten Betätigung nicht zielführend. In einer punktuellen Intervention kann fokussiert am identifizierten Ursprung des Problems gearbeitet werden, um diesen dann später in die Gesamtbetätigung zu integrieren. Zum Beispiel nach dem repetitiven und intensiven Training eines Performance-Skill muss immer nochmal die gesamte Betätigung einige Male durchgeführt werden. Beim Training einer Körperfunktion (z. B. Körperausrichtung, Dehnung, Schmerzreduzierung, große Amplitude) ist es meist sinnvoll, noch in derselben Therapieeinheit die Verknüpfung zur Betätigung herzustellen, um die Übertragung in den Alltag sicherzustellen.
    10. Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Eigenübungen sind ein elementarer Teil der ergotherapeutischen Intervention. Dabei werden folgende Funktionen erfüllt: der Klient übernimmt Eigenverantwortung, Repetitionszahlen werden erreicht, Übertrag in den Alltag kann stattfinden, Zwischenprüfung des Erreichten. Eigenübungen richten sich meist nach dem Betätigungsziel; es kann aber auch sinnvoll sein, die Eigenübungen als eine Ergänzung der therapeutischen Intervention zu nutzen oder einen Teilaspekt der Betätigung als Eigenübung zu geben.
    11. 18. angebote

      Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Sowohl in der Klinik als auch in der ergotherapeutischen Praxis können Parkinsongruppen eine Bereicherung sein, in der soziale Interaktionen mit Themen, die den M. Parkinson betreffen, kombiniert werden. Es gibt eine Entwicklung im ergotherapeutischen Gruppenangebot, weg von funktionsfokussierten Gruppen, wie Feinmotorikgruppe oder Hirn-Leistungs-Trainingsgruppe, hin zu Betätigungsgruppen. Dabei sollten Themen gewählt werden, die den Klienten wichtig sind, z. B. Umgang mit Fatigue, Partnerschaft, Cueing im Alltag, Schreibtraining …
  6. Evaluationsphase

    1. Frontmatter

    2. Amy Orellana
      Zusammenfassung
      Im Laufe der therapeutischen Intervention sollte die Ergotherapeutin regelmäßig eine Evaluation über den Outcome der Therapie durchführen.
      Nach jeder Interventionseinheit wird analysiert, wie der Klient nun die komplette Betätigung durchführt. Dadurch kann die Therapeutin konstant abgleichen, ob Fortschritte gemacht werden, ob die gewählte Intervention effektiv ist und ob dem Klienten ein Übertrag in den Alltag gelingt.
      Zur Durchführung der Zwischenevaluation ist eine Betätigungsanalyse sinnvoll, bei der die Anstrengung, Effizienz, Sicherheit und benötigte Hilfe festgestellt wird.
  7. Backmatter

Titel
Betätigungsorientierte Ergotherapie bei Morbus Parkinson
Verfasst von
Amy Orellana
Copyright-Jahr
2021
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-62583-5
Print ISBN
978-3-662-62582-8
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-62583-5

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