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21.06.2021 | Palliativpflege | Nachrichten

Unheilbarer Krebs: Frühe Palliativversorgung hilft Patienten

Autor:
Joana Schmidt

Eine unheilbare Krebserkrankung bedeutet für Patienten eine extreme Belastung. Welche Symptome auftreten und wie die Palliativmedizin die Betroffenen optimal unterstützen kann, zeigt eine Studie der Deutschen Krebsgesellschaft.

Deutsche und internationale Leitlinien empfehlen eine frühzeitige Integration der Palliativmedizin in die Behandlung von Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung. Dies hat Studien zufolge positive Effekte wie verbesserte Symptomkontrolle und Lebensqualität sowie weniger Ängste, Depressionen und Klinikaufenthalte. Trotzdem ist eine frühe Palliativversorgung noch nicht flächendeckend verfügbar, auch weil Informationen über Symptomlast und Unterstützungsbedarf dieser Patienten fehlen. In einer prospektiven Studie untersuchten Experten des Arbeitskreises Palliativmedizin der Deutschen Krebsgesellschaft deren Bedürfnisse genauer.

Für die Untersuchung befragte das Team um Dr. Jeanette Vogt vom Universitätsklinikum Leipzig 500 unheilbar erkrankte Krebspatienten im Alter von 25 bis 89 Jahren. Ihre Tumoren hatten metastasiert, waren lokal fortgeschritten oder rezidivierend und betrafen die Lunge (n = 217), den Gastrointestinaltrakt (n = 156), Kopf oder Hals (n = 55), Geschlechtsorgane (n =57) oder die Haut (n = 15). Die Patienten aus 20 verschiedenen Behandlungszentren füllten Fragebögen zu psychischer Belastung, Symptomlast, Lebensqualität und Bedarf an zusätzlicher Unterstützung aus, jeweils kurz nach der Diagnose sowie nach drei, sechs und zwölf Monaten.

Höchste Belastung kurz nach der Diagnose

Zwei Drittel der Patienten (67%) berichteten kurz nach der Diagnose über eine erhebliche körperliche und emotionale Belastung. Mit der Zeit nahm diese signifikant ab: Nach drei Monaten fühlten sich noch 52%, nach sechs Monaten 50% und nach einem Jahr 49% der Befragten stark belastet. Das Spektrum der Symptome war breit gefächert mit großen Unterschieden zwischen, aber auch innerhalb der einzelnen Krebsentitäten. Mehr als 30% der Erkrankten berichteten kurz nach der Diagnose über Ängste und Depressionen. Im weiteren Krankheitsverlauf sank die Zahl auf 20% und schließlich 15%, nach zwölf Monaten stieg sie wieder leicht auf 17%. Der Anteil der Patienten, die einen unerfüllten Bedarf an Unterstützung angaben, nahm im Laufe der Zeit ab: Er fiel von anfangs 72% auf 62%, 58% und schließlich 55%.

Stark geprägt waren die Beschwerden der Patienten auch von dem Gefühl, wenig Energie zu haben, Ernährungs- und Verdauungsproblemen sowie Schmerzen. Beim Vergleich von Personen mit verschiedenen Krebserkrankungen war die berichtete Belastung bei Patienten mit Magen-, Ösophagus-, Leber- oder Kopf-Hals-Tumoren über den gesamten Beobachtungszeitraum am höchsten. Trotz der schwierigen Lebenssituation sei das Interesse der Patienten an der Studie sehr hoch gewesen, was zeige, dass ihnen dieses Thema sehr wichtig sei, ergänzen die Forscher um Vogt.

Experten plädieren für frühe Palliativversorgung

Laut Vogt und Kollegen lassen sich aus den Studienergebnissen klare Forderungen für die Praxis ableiten. „Krebszentren brauchen eine kompetente Palliativversorgung, sowohl stationär als auch ambulant. Dazu gehören auch spezialisierte Ernährungsberatung, Schmerztherapie, Physiotherapie und psychosoziale Unterstützung“, so die Mediziner. Der Befund unterstreiche die Notwendigkeit, ein umfassendes Symptomscreening und eine frühe palliativmedizinische Versorgung einzuführen.

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