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08.09.2021 | Onkologie | Nachrichten

Schlechter Corona-Impfschutz bei hämatologischen Tumoren

Autor:
Thomas Müller

Die meisten Krebskranken erreichen nach der zweiten Covid-19-Impfung eine Serokonversion, nicht aber nach der ersten. Für Patienten mit hämatologischen Tumoren scheint die Impfung jedoch oft nicht auszureichen – hier zählt der Schutz der Angehörigen.

Eine einzige Impfdosis bietet nur einen unzureichenden Schutz gegen SARS-CoV-2, das gilt besonders für Krebskranke. Untersuchungen haben immer wieder eine recht geringe Serokonversionsrate nach einer einzigen Impfung ergeben. Welche Auswirkungen dies auf das Infektions- und Sterberisiko in der Praxis hat, ist aber unklar, schließlich zählt auch noch die T-Zell-Immunität. Onkologen um Dr. Pierre Heudel vom Centre Léon Bérard in Lyon in Frankreich haben in einer Untersuchung bei 1503 Krebspatienten geschaut, wie es ihnen nach der Corona-Impfung erging. Alle wurden aktiv gegen Tumoren behandelt und hatten zusätzlich zwischen Januar und April mindestens eine Impfung gegen SARS-CoV-2 bekommen, die meisten mit der BioNTech-Vakzine, ein Fünftel mit dem Moderna-Impfstoff und die übrigen mit dem Produkt von AstraZeneca. 80% waren an soliden Tumoren erkrankt, 72% hatten Metastasen. Die Mehrheit bekam nach etwa vier Wochen die zweite Impfdosis.

Durchbruchsinfektionen vor allem nach der ersten Impfung

24 Patienten (1,5%) erkrankten trotz Impfung an COVID-19, davon 20 nach der ersten und vier (0,4%) nach der zweiten Dosis. Fünf Erkrankte hatten einen hämatologischen Tumor, davon starben zwei, hingegen starb nur einer der 19 Erkrankten mit einem soliden Tumor. Zwei weitere Patienten starben ohne dokumentierten PCR-Test. Vier der fünf Verstorbenen hatten nach den Impfungen keine nachweisbaren Antikörper gegen das Spikeprotein. Daraus schließen die Forscher um Heudel zum einen, dass die zweite Impfung auch Krebspatienten mit einer aktiven Therapie gut schützt – sofern sie ausreichend Antikörper bilden. Zum anderen werden Durchbruchsinfektionen primär nach der ersten, kaum nach der zweiten Impfung beobachtet, und tödliche Infekte trotz Impfung treten vor allem bei hämatologischen Tumoren auf.

Dritte Impfung nach wenigen Monaten nötig?

Eine andere Erkenntnis aus bisherigen Studien ist eine fünf- bis zehnfach geringere Konzentration schützender IgG-Antikörper bei Krebspatienten mit aktiver Therapie und Serokonversion – verglichen mit gesunden Impflingen. Dies weckt Befürchtungen, der Impfschutz solcher Patienten könnte rasch nachlassen. Onkologen um Dr. Noa Eliakim-Raz vom Rabin Medical Center in Petah Tikva, Israel, berichten über Antikörpertiter in den ersten Monaten nach der zweiten BioNTech-Impfung bei 102 Patienten mit soliden Tumoren und 78 gesunden Kontrollpersonen. Rund fünf Wochen nach der Impfung erreichten die IgG-Titer gegen das Spikeprotein mediane Werte von jeweils 7160 und 1930 AU/ml, nach vier Monaten waren es noch 1220 und 417 AU/ml. Alle Gesunden waren nach vier Monaten noch seropositiv, ebenso 87% der Krebspatienten. Die niedrigsten Antikörpertiter nach vier Monaten zeigten Patienten mit einer Immunkombitherapie (94 AU/ml). Die Antikörpertiter von Krebspatienten scheinen nach diesen Daten ähnlich langsam zu sinken wie die Gesunder, allerdings von einem anderen Ausgangsniveau. Das könnte nach einigen Monaten eine dritte Impfung notwendig machen, geben die Ärzte um Eliakim-Raz zu bedenken.

Nur 40% mit hämatologischen Tumoren werden seropositiv

Deutlich schlechter ist der Immunschutz jedoch unter Patienten mit hämatologischen Tumoren. Dies bestätigt eine Analyse von Hämatoonkologen um Dr. Thomas Ollila von der Alpert Medical School in Rhode Island, USA. Sie analysierten die Antikörpertiter von 160 Patienten nach einer Impfung – fast alle hatten mRNA-Vakzinen erhalten, etwas mehr als die Hälfte war an einem B-Zell-Lymphom erkrankt, die übrigen hatten andere hämatologische Tumoren. Im Schnitt zwei Monate nach der ersten Impfung waren nur 39% seropositiv – die Ärzte differenzierten hier allerdings nicht nach Erst- und Zweitimpfung. Seronegative Patienten wiesen im Median lediglich 8 AU/ml IgG gegen das Spikeprotein auf, seropositive rund 4300 AU/ml.

Zwei Drittel der Patienten hatten eine B-Zell-depletierende Behandlung bekommen, von diesen erreichten nur 29% eine Serokonversion, ähnlich niedrige Konversionsraten wurden nach einer Chemotherapie in den zwölf Monaten vor der Impfung beobachtet, ebenso bei Patienten mit einer aktiven Erkrankung. Deutlich häufiger gelang die Serokonversion nach Remission, einer länger zurückliegenden Behandlung sowie ohne Therapie. Schließlich schaffte dieses Ziel ein Drittel der Patienten mit der BioNTech-Vakzine und etwa die Hälfte mit dem Moderna-Impfstoff, aber nur einer von elf Krebskranken mit dem Mittel von Johnson & Johnson. Drei Patienten erkrankten nach der Impfung an COVID-19, einer starb.

Die Ärzte um Ollila gehen davon, aus, dass der Immunschutz nach einer SARS-CoV-2-Impfung bei Patienten mit hämatologischen Tumoren nicht ausreichen könnte – vor allem bei solchen mit Chemo- und B-Zell-depletierenden Therapien sowie solchen mit aktiver Erkrankung. Hier sei es entsprechend wichtig, die Personen aus dem Umfeld rechtzeitig zu impfen und die Hygienemaßnahmen weiterhin einzuhalten. Sollte es trotz Impfung zu einer Infektion kommen, empfehlen die Ärzte eine Behandlung mit monoklonalen Antikörpern gegen SARS-CoV-2.


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