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06.02.2024 | Onkologie | Nachrichten

Langzeitstudie

Nach plötzlichem Gewichtsverlust: Krebs des oberen GI-Trakts besonders häufig

verfasst von: Joana Schmidt

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Unbeabsichtigtes Abnehmen zählt zu den häufigsten Symptomen einer Krebserkrankung. Es sind aber nur bestimmte Krebsarten damit assoziiert, zeigt eine US-Analyse.

Gewichtskontrolle © MarioVh / Getty Images / iStockUnbeabsichtigtes Abnehmen zählt zu den häufigsten Symptomen einer Krebserkrankung.

Eine ungewollte Abnahme des Körpergewichts kann auf eine maligne Ursache hindeuten. Eine prospektive Studie bestätigt das erhöhte Krebsrisiko bei solchen Symptomen – ihr zufolge dauert es im Durchschnitt etwa sechs Monate bis zur Diagnose, wenn eine Krebserkrankung dahintersteckt.

Ein Forscherteam analysierte Daten aus den vergangenen vier Jahrzehnten aus der Nurses' Health Study und der Health Professionals Follow-Up Study. Die Teilnehmenden (71% Frauen) arbeiteten im Medizinsektor und waren mindestens 40 Jahre alt. Sie hatten im Abstand von zwei Jahren über ihr Körpergewicht und ihren Lebensstil berichtet. Die Absicht abzunehmen galt als stark, wenn sich Ernährung und Bewegungspensum verbessert hatten, als moderat, wenn sich eines davon zum Positiven verändert hatte, und als gering bei gar keiner Verbesserung.

Signifikant erhöhtes Krebsrisiko im Folgejahr

Die Forschenden verglichen die Raten von Krebsdiagnosen innerhalb von zwölf Monaten nach einer Gewichtsreduktion mit denen von Personen, die zuvor nicht abgenommen hatten. Unter fast 157.500 Teilnehmenden kam es während der Nachbeobachtungszeit zu rund 15.800 neu aufgetretenen Krebserkrankungen, die Inzidenz lag bei 964 pro 100.000 Personenjahren.

Bei Teilnehmenden, die mehr als 10% ihres Körpergewichts verloren hatten, traten in den folgenden zwölf Monaten signifikant mehr Krebserkrankungen auf als bei Menschen ohne kürzlichen Gewichtsverlust (1.362 vs. 869 pro 100.000 Personenjahre). Wurden nur diejenigen mit einer geringen Absicht zur Gewichtsabnahme einbezogen, ergaben sich noch höhere Raten für Personen mit einem Gewichtsverlust von mehr als 10% verglichen mit denen ohne Gewichtsreduktion (2.687 vs. 1.220 pro 100.000 Personenjahre).

Assoziationen mit bestimmten Krebsarten

Krebserkrankungen des oberen Gastrointestinaltrakts, darunter Ösophagus-, Magen-, Leber-, Gallengang- und Pankreaskarzinome, waren besonders häufig unter Menschen, die kürzlich abgenommen hatten. Die entsprechenden Raten bei einem mehr als 10%igen gegenüber keinem Gewichtverlust lagen bei 173 vs. 36 Krebserkrankungen pro 100.000 Personenjahre. Aber auch das Risiko für Blut-, Darm- und Lungenkrebs war bei vorherigem Gewichtsverlust signifikant erhöht. Im Durchschnitt dauerte es etwa sechs Monate von der Gewichtsabnahme bis zur Krebsdiagnose.

Die Daten bestätigen, dass es wichtig ist, bei einem plötzlichen Gewichtsverlust auch an ein erhöhtes Krebsrisiko zu denken. Gleichzeitig könne es aber auch viele andere Ursachen dafür geben, erinnern die Forschenden um Dr. Qiao-Li Wang vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston.

Quelle: Springer Medizin

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Literatur

Wang QL et al. Cancer Diagnoses After Recent Weight Loss. JAMA 2024;331(4):318-328. https://doi.org/10.1001/jama.2023.25869

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