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Psychotherapeutische Diagnostik

Kompendium für alle in Österreich anerkannten Therapieverfahren

Über dieses Buch

Die österreichische Psychotherapielandschaft erstreckt sich über 23 anerkannte Verfahren, die in vier Grundströmungen (Cluster) eingeteilt werden: psychodynamisch, humanistisch, systemisch und verhaltensorientiert.

In der aktuell diskutierten Neufassung des Psychotherapiegesetzes ist eine Schwerpunktsetzung vorgesehen, welche die psychotherapeutische Diagnostik im Rahmen der Cluster betont. Sie geht über eine herkömmliche klassifikatorische Diagnostik hinaus und ergänzt diese um Sichtweisen zur Entstehung und Aufrechterhaltung leidvoller Symptomatik sowie um Wege zur therapeutischen Hilfestellung in den einzelnen Verfahren. Psychotherapeutische Diagnostik wird somit zum zentralen Ausgangspunkt jeder psychotherapeutischen Tätigkeit.

Für dieses Buch konnten namhafte Expertinnen und Experten aller anerkannten Therapieverfahren gewonnen werden, die clusterspezifisch strukturiert die Besonderheiten ihres diagnostischen Vorgehens darstellen: Übersichtlich und systematisch werden die wichtigsten Aspekte jeder Therapieschule erklärt und in ihrer praktischen Umsetzung verdeutlicht. Fallbeispiele illustrieren die adäquate Vorgehensweise.

Das Buch bietet umfassenden Einblick in psychotherapeutisch-klinisches Denken und diagnostisches Handeln. Es dient als Nachschlagewerk im psychosozialen und medizinischen Arbeitsfeld, für praktisch Tätige ebenso wie zur Ausbildung in Gesundheitsberufen. Ein „Must-have“ für alle in Österreich tätigen Therapeutinnen und Therapeuten!

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. Grundlagen

    1. Frontmatter

    2. 1. Psychotherapeutische Diagnostik in der Behandlung psychisch Erkrankter

      Claudia Höfner, Markus Hochgerner, Christiana Maria Edlhaimb-Hrubec
      Zusammenfassung
      Das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO 1986) in der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung definierte aktuelle Gesundheits- und Krankheitsverständnis wird in den Dimensionen der biologischen, psychologischen und sozialen Bedingtheit des Menschen erfasst. Dieses Dokument fordert seitens der ratifizierenden Staaten den Anspruch auf eine umfassende Krankenbehandlung sowie die Pflicht zur Bereitstellung von Institutionen und Hilfsangeboten, die das Gleichgewicht der einzelnen Person in allen drei Bereichen präventiv unterstützt und behandelnd eingreifen kann, wenn krankheitswertiges Erleben und Verhalten entstehen (Frischenschlager 1995, S. 3 f.).
    3. 2. Diagnostik und Psychotherapie: Herausforderung und Verantwortung in der psychotherapeutischen Arbeit im Kontext des österreichischen Psychotherapiegesetzes

      Michael Kierein
      Zusammenfassung
      Zunächst wird das Verhältnis von Diagnostik und Psychotherapie aus rechtlicher Perspektive basierend auf der österreichischen Rechtsordnung beleuchtet, wobei insbesondere das Psychotherapiegesetz, das Psychologengesetz 2013 und das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz von Bedeutung sind.
      Die Anwendung und Umsetzung von Diagnostik in der Psychotherapie ist durch Psychotherapeuten im Kontext des Arbeitens nach bestem Wissen und Gewissen und vor dem Hintergrund kultureller und gesellschaftlicher Normen sowie ökonomischer Bedingungen zu bewerkstelligen.
      An der Schnittstelle von Recht und Ethik ist die Diagnostik-Leitlinie des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (ehemals Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz) – erstellt auf Grundlage eines Gutachtens des Psychotherapiebeirates – zu erwähnen.
      Abschließend wird ein Ausblick zur möglichen Stellung der psychotherapeutischen Diagnostik in einem neuen Psychotherapiegesetz gegeben.
    4. 3. Auf dem Weg zur Psychotherapeutischen Diagnostik: Notwendigkeit und Chance

      Alexander Schwetz
      Zusammenfassung
      Die Diagnose steht, darüber dürfte Einigkeit im psychotherapeutischen Feld herrschen, am Anfang jeder klinischen Überlegung und therapeutischen Planung. Nach einem kurzen Schlaglicht auf das (historisch abzuleitende) Verhältnis von Psychotherapie und Diagnostik wird die allgemeine Funktion der Diagnostik in der Psychotherapie untersucht. Dabei soll auf die Einbettung in und die Abgrenzung von Konzepten der klinisch-psychologischen und klinisch-psychiatrischen Diagnostik eingegangen sowie Relevanz und Bedeutung einer eigenständigen psychotherapeutischen Diagnostik und Begutachtung herausgearbeitet werden. Als Beispiele manualisierter psychotherapeutischer Diagnostik werden die OPD und die Diagnostik-Leitlinie des österreichischen Psychotherapiebeirates vorgestellt.
    5. 4. Geschlechtsspezifische Einflussfaktoren im diagnostischen Prozess

      Claudia Höfner, Maria Theresia Rohrhofer, Luise Zieser-Stelzhammer
      Zusammenfassung
      Claudia Höfner, Maria Theresia Rohrhofer und Luise Zieser-Stelzhammer heben in ihrem Beitrag geschlechtsspezifische Einflussfaktoren im diagnostischen Prozess hervor. Nach einer knappen Erklärung der Kategorie Geschlecht sowie anderer Diversitätsfaktoren wird kritisch hinterfragt, welchen Einfluss diese auf Gesundheit und Krankheit haben können. Es werden Forschungs- und Erkenntnisprobleme wie Androzentrismus und andere Formen des Gender Bias erläutert. Weiters wird erörtert, welche geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Häufigkeit psychischer Störungen vorhanden sind und worauf sich diese zurückführen lassen. Der Artikel schließt mit Empfehlungen für die psychotherapeutische Praxis, insbesondere bezüglich der Diagnostik.
    6. 5. Zwischenleibliche Diagnostik

      Thomas Fuchs
      Zusammenfassung
      Die Einführung operationalisierter Diagnosesysteme hat zwar zu einer Präzisierung der Diagnostik geführt, jedoch auch zu einem Rückgang psychopathologischer Erfahrung und Intuition. Daher sollten phänomenologische Ansätze der zwischenleiblichen, intuitiven Diagnostik künftig wieder stärker berücksichtigt und in der Ausbildung eingeübt werden. Der Aufsatz entwickelt zunächst das Konzept einer solchen Diagnostik auf der Basis der impliziten leiblichen Resonanz in der therapeutischen Begegnung. Er stellt weiter die Konzeption des Leibgedächtnisses und des resonanten Unbewussten vor, um schließlich die Möglichkeit korrektiver Erfahrungen durch leibliche Interaktion in der Therapie aufzuzeigen.
  3. Cluster- und verfahrensspezifische psychotherapeutische Diagnostik im psychodynamischen Cluster

    1. Frontmatter

    2. 6. Psychotherapeutische Diagnostik im tiefenpsychologisch-psychoanalytischen Cluster

      Henriette Löffler-Stastka, Eva Horvath
      Zusammenfassung
      Diagnostik dient als Grundlage für die Entscheidung einer differenzierten Behandlungsstrategie. Diese beinhaltet neben der Wahl der Methode die Wahl methodenspezifischer Techniken und damit verbunden die dafür erforderliche Frequenzdichte, die es ermöglicht, pathologische strukturelle Störungen zu erreichen und das Strukturniveau nachhaltig zu beeinflussen. Die Faktoren, die den tiefenpsychologisch-psychoanalytischen Cluster charakterisieren und den unterschiedlichen Methoden gemeinsam sind, die Arbeit mit der unbewussten Kommunikation, Übertragung und Gegenübertragung sowie ein Containment auf Basis der Reverie werden vorgestellt. Die von der Tiefenpsychologisch-Psychoanalytischen Dachgesellschaft (tpd) zusammengestellten Kriterien zur Indikationsstellung für psychoanalytische/psychodynamische Verfahren erfassen über die ICD-Diagnostik hinausgehende differenzierte strukturdiagnostische Parameter. Dabei wurde versucht, die indikationsbestimmenden strukturdiagnostischen Merkmale für nieder-, mittel und hochfrequente Behandlungen in einer allgemein verständlichen Fachsprache darzustellen, um die Schnittstelle zur Kassenunterstützung dieser Behandlungen zu erleichtern.
    3. 7. Diagnostik in der Analytischen Psychologie

      Annika Bugge, Benedikt Lesniewicz
      Zusammenfassung
      Bereits im Erstgespräch ist die Diagnostik ein Erkenntnis- und Erfahrungsprozess, der den gesamten Therapieverlauf begleitet. Viele Analytikerinnen beziehen die Prozess- und Verlaufsdiagnostik in ihre Reflexionen über die Therapiestunden ein. Die Wahrnehmung und Reflexion der Übertragung und Gegenübertragung sowie der unbewussten Komplexphänomene, die im Beziehungsraum spürbar werden, geben Hinweise auf die Psychodynamik und die Psychopathologie. Die affektive Stärke von abgespaltenen/dissoziierten Komplexen lässt Rückschlüsse auf krankheitswertige Störungen zu. Der psychoenergetische Status und der Zugang zur Kreativität sind diagnostisch ebenfalls relevant.
    4. 8. Diagnostik in der Gruppenpsychoanalyse/Psychoanalytische Psychotherapie

      Gabriele Sachs, Bettina Fink, Günter Dietrich
      Zusammenfassung
      Für die Diagnostik zur Gruppenpsychoanalyse ist wesentlich, dass das psychische Störungsbild eines Menschen als Ausdruck eines psychopathologischen Prozesses gesehen wird, bei dessen Entstehung multipersonale Interaktionsmuster beteiligt sind. Die gruppenanalytischen Konzepte basieren auf den Arbeiten der Pioniere der Gruppenanalyse wie Burrow, Foulkes und Bion. Im Rahmen der diagnostischen Abklärung für eine Gruppenanalyse kann mithilfe der OPD die rein deskriptiv-phänomenologische Klassifikation der ICD und des DSM um eine psychodynamische Dimension erweitert werden. Die Zusammenstellung einer Gruppe erfolgt nach verschiedenen Gesichtspunkten wie Alter, Geschlecht, Art der Störung und Schweregrad. Gruppenpsychotherapie wird im ambulanten oder (teil-)stationären Setting durchgeführt. Als Parameter der Verlaufsdiagnostik im Gruppenprozess können bestimmte Entwicklungsmuster im Gruppenprozess, Ausmaß und Struktur der psychischen Abwehr in der Gruppe, die Entwicklung der Gruppenkohäsion und die Containerfunktion der Gruppe angesehen werden.
    5. 9. Diagnostik in der Individualpsychologie

      Nestor Kapusta, Peter Zumer
      Zusammenfassung
      Die Individualpsychologische Analyse versteht sich im deutschsprachigen Raum als eine zeitgenössische integrative psychoanalytische Strömung. Aufbauend auf Alfred Adlers Theorien knüpft sie unter anderem an die Objektbeziehungstheorie, Selbstpsychologie, Bindungstheorie und an das Mentalisierungskonzept an. Eine besondere Rolle in der individualpsychologischen Krankheitstheorie spielt das Verständnis der Ausgestaltung von Kompensationsmechanismen, welche sich aus einem zentralen Gefühl des Subjekts ableiten, das grundsätzlich als in Bezug zur Welt stehend verstanden wird. Die in dieser Dyade sich entfaltende Psychodynamik wird in der Theorie und in der praktischen Übertragungssituation über unbewusste Wünsche, Fantasien und Motiven zugänglich, die sodann in der therapeutischen Situation nacherlebt, verbalisiert und in das Selbst- und Objektbild integriert werden können.
    6. 10. Diagnostik in der Psychoanalyse

      Hemma Rössler-Schülein, Henriette Löffler-Stastka
      Zusammenfassung
      Für die psychoanalytische Diagnostik ist es wesentlich, dass ein Teil der Psychodynamik der Patienten im Erstinterview zur Darstellung kommen kann. Dieses szenische Verstehen kann im besten Fall der Patientin einen Eindruck von der psychoanalytischen Methode geben und der/m PatientIn ermöglichen, einen Aspekt psychoanalytischer Selbsterfahrung kennenzulernen (Argelander 1970; Wegner 1992). Damit ist die psychoanalytische Diagnostik als eine genuin persönlichkeitsspezifische zu sehen und führt zu personalisierten Behandlungsempfehlungen. Wesentlich ist dabei der prozesshafte Verlauf der psychoanalytischen Diagnostik: Gelingt es im Laufe der Erstgespräche, dass der Analytiker nicht nur einfühlend mit, sondern auch reflexiv über einen Patienten denken kann und eine so formulierte Probedeutung vom Patienten auch aufgenommen und verwendet werden kann, sind gute Voraussetzungen für das Gelingen eines psychoanalytischen Prozesses gegeben. Dies kann in einem oder in einer Reihe an Erstgesprächen gelingen. Für eine Kommunikation mit Dritten kann die Symptomatik und Psychodynamik nachvollziehbar mithilfe von standardisierter Diagnostik beschrieben werden. Die für eine psychoanalytische Diagnostik erforderlichen Kompetenzen, sich in gewissen Maßen emotional verunsichern zu lassen und das dabei Erlebte zu verstehen, sind vielfältig beschrieben worden und werden systematisch erforscht.
    7. 11. Diagnostik in der Psychoanalytisch orientierten Psychotherapie

      Felicitas Datz, Henriette Löffler-Stastka
      Zusammenfassung
      Das vorliegende Kapitel stellt die Psychoanalytisch orientierte Psychotherapie (PoP) vor. Entsprechend der Entstehungsgeschichte von PoP wird hierfür auch die theoretische und technische Basis der Therapiemethode – die Psychoanalyse – ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Ausgehend von den psychoanalytischen Theorien, Konzepten und Techniken werden anhand spezifischer Aspekte Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Psychoanalyse und der Psychoanalytisch orientierten Psychotherapie herausgearbeitet. Dabei werden besonders das Setting, die therapeutische Haltung, die Behandlungsindikation, Behandlungsziele sowie der Gesundheits- und Krankheitsbergriff herausgearbeitet. Zudem erfolgt ein Überblick über geschichtliche Voraussetzungen und Entwicklungen, die für die Entwicklung der Psychoanalytisch orientierten Psychotherapie verantwortlich sind, um die Methode und ihre Eigenständigkeit auch aus ihrer Geschichte heraus, erklären zu können.
    8. 12. Diagnostik in der Hypnosepsychotherapie

      Michael E. Harrer, Wolfgang Oswald
      Zusammenfassung
      Hypnosepsychotherapie verbindet psychodynamisches Verstehen mit ericksonianischer Hypnotherapie, deren Bild vom Unbewussten, deren therapeutischer Haltung und deren in Teilemodellen konzeptualisierter Vorstellung von innerer Vielfalt. Der diagnostisch-therapeutische Prozess widmet sich auf Basis eines guten Rapports der Einzigartigkeit des Menschen, seinen Wirklichkeitskonstruktionen und seinen „Problemtrancen“, die möglichst bald mit Ressourcen verknüpft werden. Der Prozess ist geprägt durch eine explorative Grundhaltung, die alle Interventionen als Möglichkeit sieht, neue Informationen zu gewinnen. Alles in der Therapie Auftauchende wird möglichst auf zieldienliche Weise utilisiert.
    9. 13. Diagnostik in der Autogenen Psychotherapie

      Brigitte Bischof, Jadranka Dieter
      Zusammenfassung
      Die Autogene Psychotherapie, basierend vor dem Hintergrund der Objektbeziehungstheorie, ist eine ganzheitlich konzipierte psychodynamische Psychotherapiemethode. Sie ist sowohl für Entwicklungs- als auch für Konfliktstörungen besonders gut geeignet mit dem Ziel einer umfassenden Rekonstruktion der Persönlichkeit. Konzepte der intersubjektiven Begegnung im Hier und Jetzt, der Hirnforschung, der verschiedenen Bindungsformen sowie der Figurabilität (unerträgliche innere Zustände müssen ausgestoßen und im Außen figuriert werden) kommen in allen drei Stufen (Grundstufe-Mittelstufe-analytische Oberstufe) zur Anwendung. Symbolisierungs- und Mentalisierungsfähigkeit haben in Theorie und Praxis eine zentrale Funktion inne. Eine Fallvignette soll auf eindrückliche Weise die Umsetzung aller theoretischen Überlegungen in das psychotherapeutische Behandlungsmanual zeigen.
    10. 14. Diagnostik in der Daseinsanalyse

      Roland Strobl, Stephan Libisch, Charlotte Aigner
      Zusammenfassung
      Nach einem Abriss über das Menschenbild der Daseinsanalyse und dessen philosophische Grundlage wird das sich daraus ableitende Verständnis des Krankseins in der Daseinsanalyse beschrieben. Der Verlauf einer daseinsanalytischen Psychotherapie mit einer an einer schweren gehemmten Depression leidenden jungen Frau dient als Beispiel, wie das daseinsanalytische Verständnis des Krankheitsgeschehens als Zusammenbruch durch Überforderung eigener Seinsmöglichkeiten nicht nur für eine vertiefte Diagnostik, sondern auch für die Gestaltung der Psychotherapie erfolgreich genutzt werden kann.
    11. 15. Diagnostik in der Dynamischen Gruppenpsychotherapie

      Silvia Korlath, Karin Zajec
      Zusammenfassung
      Ausgehend vom Menschenbild, welches jede Person untrennbar in sozialer Wechselwirkung annimmt, wird auf die personenbezogene Diagnostik sowie auf die Prozessdiagnostik der Gruppe eingegangen. Dazu wird der Begriff der Gruppe im Sinne der Methode definiert, und die relevanten sozialpsychologischen sowie tiefenpsychologischen Grundannahmen werden beschrieben. Die gängigen Klassifikationsmodelle ICD, DSM und OPD werden in Bezug zur Diagnostik aus DG-Sicht gestellt. Erweiterungen und eine über die zu behandelnde Person hinausgehende Sichtweise machen es möglich, dass Diagnostik prozessdynamisch zur Anwendung kommt und zu einem Werkzeug wird, welches die therapeutischen Prozesse handlungsleitend begleitet. Dies wird anhand praktischer Anwendungsbeispiele dargestellt.
    12. 16. Diagnostik in der Katathym Imaginativen Psychotherapie

      Mathilde Pichler
      Zusammenfassung
      In der Katathym Imaginativen Psychotherapie basiert der diagnostische Prozess auf einem psychodynamischen Verständnis der Symptomatik. Die Diagnosekriterien richten sich nach entwicklungspsychologisch relevanten Positionen, die die Erfassung der Grundkonflikte nach Rudolf (2008) und die entsprechende strukturelle Zuordnung nach Ermann (2016) beinhalten. Eine besondere Bedeutung kommt der Diagnostik der Symbolisierungs- und Mentalisierungsfähigkeit zu, da diese auf die therapeutische Arbeit mit den Imaginationen einen grundlegenden Einfluss hat und die Art der Behandlungstechnik maßgeblich entscheidet. Der Einsatz von (Initial)-Imaginationen erweitert die diagnostischen Möglichkeiten erheblich.
    13. 17. Diagnostik in der Konzentrativen Bewegungstherapie

      Maria Stippler-Korp
      Zusammenfassung
      Die Konzentrative Bewegungstherapie (KBT) ist eine leib- und bewegungsorientierte psychotherapeutische Methode auf der Basis entwicklungspsychologischer und tiefenpsychologischer/psychodynamischer Theorien und Denkmodelle. Zentrale Grundannahme ist, dass der Körper der Ort des psychischen Geschehens ist. Von besonderer Bedeutung in der Diagnostik der KBT ist das Phänomen, das sich im Körper, im Ausdruck, im Verhalten zeigt und als Ausdruck psychischer Repräsentanzen verstanden wird. An einem Fallbeispiel wird beschrieben, wie das Phänomen zur Diagnostik und damit zur Therapieplanung genutzt wird.
    14. 18. Diagnostik in der Transaktionsanalytischen Psychotherapie

      Helga Krückl
      Zusammenfassung
      Die Transaktionsanalytische Psychotherapie (TAP) geht in ihren identitätsstiftenden Grundkonzepten vom Transaktionalen Austausch als dem zentralen Prozess aus. Die Beziehung zwischen dem Ich und Du wird dabei als die kleinste psychosoziale Einheit gesehen. In den Konzepten der TAP werden Konstrukte sichtbar, die die innere Ordnung und die ablaufenden Prozesse vorstellbar machen sollen. Dazu zählen vor allem das Modell des Transaktionalen Austausches, das Modell des Ich-Systems, das Trübungskonzept und das Konzept des Lebensskripts. Diese Konzepte werden genutzt, um diagnostische Hypothesen im Prozessverlauf zu entwickeln, die auf das Ausmaß der Einschränkung hinweisen.
  4. Cluster- und verfahrensspezifische psychotherapeutische Diagnostik im Humanistischen Cluster

    1. Frontmatter

    2. 19. Diagnostische Perspektiven in der humanistischen Psychotherapie

      Markus Hochgerner
      Zusammenfassung
      Das vorrangig vom subjektiven Erleben und interaktioneller Dynamik in wechselseitiger Bezogenheit geprägte Menschenbild der humanistischen Psychotherapie steht als eine der vier Grundströmung der Psychotherapie einerseits in Abgrenzung zu defizit- bzw. konfliktorientierten Grundannahmen der behavioralen und psychodynamischen Verfahren und vertritt anderseits einen grundsätzlich am menschlichen Entwicklungspotenzial ausgerichteten Zugang zum Erleben und Verhalten mit der Leitidee, die noch unvollständige oder leidvoll eingeschränkte Selbstentwicklung des Individuums zu unterstützen. Humanistische Diagnostik berücksichtigt wesentlich die diagnostische Expertise der leidenden Person im gemeinsamen dialogisch-therapeutischen Prozess, der weniger zuschreibend-festlegend, sondern vorrangig als gemeinsame hermeneutische Suchbewegung in einer diagnostisch gestützten, und begegnungsorientierten Arbeitssituation verstanden wird.
    3. 20. Diagnostik in der Existenzanalyse

      Alfried Längle
      Zusammenfassung
      In der existenzanalytischen Diagnostik fokussiert phänomenologisch das, was die PatientInnen subjektiv bewegt. Dies wird durch die Klärung der Voraussetzungen für ganzheitliche Existenz (Grundmotivationen) und der Begegnungsfähigkeit mit sich und der Welt (Personale Existenzanalyse) abgeglichen. Damit wird das Phänomen hinsichtlich des Störungswertes (Behandlungsbedürftigkeit), der Störungsursache (Anthropologie, existenzielles Milieu), der Prognose (Therapieerwartung, mögliche Hindernisse) erfasst und die Erkenntnisse werden mit einer optimalen und ethisch vertretbaren Behandlung abgestimmt.
    4. 21. Diagnostik in der Existenzanalyse und Logotherapie

      Otmar Wiesmeyr
      Zusammenfassung
      Die Psychotherapeutisch-Existenzanalytische Diagnostik ist innovativer Teil eines Qualitätszirkels zur Weiterentwicklung der Existenzanalyse und Logotherapie. Viktor Frankls humanes Menschenbild bildet die Grundlage für die Diagnose von noogen verursachten psychischen Erkrankungen. Die TOP-Diagnostik nach Julius Kuhl und die Logo-Trauma-Diagnostik erweitern die diagnostischen Anwendungsbereiche. Auf die Stellungnahme und Mitgestaltung von Patienteninnen bei psychischen Erkrankungen verweist Elisabeth Lukas. Das methodenübergreifende Manual wird durch ein methodenspezifisches ergänzt. Methodik und Durchführung werden anhand einer kommentierten Fallvignette beschrieben.
    5. 22. Diagnostik in der Gestalttheoretischen Psychotherapie

      Doris Beneder, Bernadette Lindorfer
      Zusammenfassung
      Vor dem Hintergrund einer spezifischen erkenntnistheoretischen Position, dem Kritischen Realismus, wird die diagnostische Situation doppelt verstanden: wie sie sich der Klientin und wie der Therapeutin darstellt. Veränderungswirksam ist immer die Situation, wie sie die Klientin erlebt und wahrnimmt. Der respektvolle und feinfühlige Austausch und die Abstimmung zwischen diesen phänomenalen Welten sind das Kernelement gestalttheoretischer Psychotherapie und deren diagnostischer Methode, der veränderungsaktivierenden Kraftfeldanalyse.
    6. 23. Diagnostik in der Integrativen Gestalttherapie

      Petra Klampfl, Markus Hochgerner
      Zusammenfassung
      Aus ihren theoretischen Konzeptionen und ihrer grundsätzlichen Haltung ergibt sich für die Integrative Gestalttherapie (IG) die Notwendigkeit, verschiedene diagnostische Perspektiven einzunehmen. Die Integration von Strukturdiagnostik in der IG-Diagnostik durch die Einbeziehung von OPD-2 ermöglicht eine differenziertere Einschätzung der jeweiligen Person. Diese mehrperspektivische diagnostische Herangehensweise im unmittelbaren Beziehungsgeschehen ermöglicht eine differenzierte Sicht auf den ganzen Menschen. Das unterstützt eine auf die Person und ihre Verarbeitungsfähigkeit abgestimmte therapeutische Vorgehensweise und Beziehungsgestaltung. Menschen auf gutem Strukturniveau profitieren von anderen therapeutischen Angeboten als Personen mit strukturellen Defiziten.
    7. 24. Diagnostik in der Integrativen Therapie

      Peter Osten, Imke Wörmer, Claudia Höfner
      Zusammenfassung
      Der Artikel stellt im Grundzug Hintergrundtheorien und Strukturen der Integrativen Psychotherapeutischen Diagnostik (IPD) dar. Dabei wird auf eine Besonderheit des Verfahrens der Integrativen Therapie Bezug genommen, welche unterschiedliche Theorien und Methoden unter geistes- und humanwissenschaftlichen Prämissen zu integrieren versucht. Im Rahmen des Menschenbildes wird in leibphilosophische und anthropologische Aspekte dieser Besonderheit eingeführt. Es werden die klinischen Hintergrundtheorien der IPD aufgezeigt, wobei die Theorien der Ätiologie psychischer und psychosomatischer Dysfunktionalität besondere Beachtung erfahren. Zudem wird eine Position zum diagnostischen Determinismusproblem dargelegt, welche den sozialkonstruktivistischen Vorgaben des Verfahrens Rechnung trägt. Aspekte der therapeutischen Beziehung werden erläutert, der methodische Aufbau und die Durchführung der IPD werden in ihren zeitlichen und inhaltlichen Aspekten erklärt. Methoden der mediengestützten Diagnostik werden erwähnt. Zum Schluss wird auf die differenziellen Aspekte von initialer und prozessualer Diagnostik hingewiesen.
    8. 25. Diagnostik in der Personzentrierten Psychotherapie

      Sylvia Keil
      Zusammenfassung
      In der Personzentrierten Psychotherapie findet zum Stellenwert der Diagnose ein kontroverser Diskurs statt. Rogers hielt umfangreiche Statusdiagnosen für psychotherapeutische Zwecke für ungeeignet. Dadurch löste er innerhalb der Community eine differenzierte Auseinandersetzung aus. Inzwischen hat die Personzentrierte Psychotherapie ein positives Verhältnis zu einer Diagnostik entwickelt, die den therapeutischen und gesellschaftlichen Anforderungen entspricht. In diesem Beitrag wird eine konsensfähige personzentrierte Position zum Diagnoseproblem in der Psychotherapie dargelegt. Es wird gezeigt, welche diagnostischen Kriterien sich alleine aus dem Personzentrierten Konzept heraus ergeben und wie sie das therapeutische Handeln bestimmen. Konkret wird der hermeneutisch-empathische Reflexionsprozess beschrieben, der zu einer prozessualen Diagnostik der Inkongruenzdynamik führen kann. Das Fallbeispiel zum Abschluss scheint Rogers (1951/1972, S. 208) recht zu geben: Genaugenommen ist die Therapie selbst die Diagnose.
    9. 26. Diagnostik in der Psychodramatherapie

      Sabine Kern
      Zusammenfassung
      Psychodrama ist ein Verfahren, bei dem durch das Inszenieren der inneren oder äußeren subjektiven Realität von KlientInnen die Problemlagen erfasst und Lösungswege erarbeitet werden. Das theoretische Grundgerüst des Psychodramas basiert auf drei Strukturtheorien, der Rollentheorie, der Soziometrie und dem kreativen Zirkel, die kurz umrissen werden. Der kreative Zirkel und die Rollentheorie werden zur Erklärung von saluto- wie pathogenen Prozessen herangezogen. Die bedeutendsten der fachspezifischen diagnostischen Werkzeuge werden in diesem Kapitel vorgestellt, wie das soziale, kulturelle und soziokulturelle Atom sowie die psychodramatische Strukturdiagnostik.
  5. Cluster- und verfahrensspezifische psychotherapeutische Diagnostik im systemischen Cluster

    1. Frontmatter

    2. 27. Diagnostik in der Systemischen Therapie

      Corina Ahlers, Margarete Mernyi, Elisabeth Wagner
      Zusammenfassung
      In diesem Übersichtskapitel wird zunächst durch Bezugnahme auf systemtheoretische Metatheorie begründet, warum eine individualisierende und objektivierende Störungsdiagnostik für Systemische Familientherapie unpassend ist. Hier kommen der interaktionelle Fokus der frühen Familientherapie, verschiedene interaktionsdiagnostische Instrumentarien, aber auch die Auswirkungen der konstruktivistischen Wende und das Verständnis autopoietischer Systeme im Sinne der soziologischen Systemtheorie von Niklas Luhmann zur Sprache. In einem zweiten praxisorientierten Teil wird dargestellt, dass viele systemische Interventionen nicht nur eine Veränderungs-, sondern auch eine diagnostische Funktion haben, indem sie dazu dienen, problemaufrechterhaltende Interaktionen und Bedeutungskonstruktionen und den spezifischen Kooperationsstil des Klienten sichtbar zu machen.
    3. 28. Dialogisch diagnostizieren

      Karin Brem-Gintenstorfer, Margarete Mernyi
      Zusammenfassung
      Dieser Artikel versucht, ausgehend von einer ehemals diagnosekritischen Position der Systemischen Familientherapie, den Sinn und das Risiko der Vergabe von Diagnosen zu beleuchten. Dazu werden zuerst unterschiedliche Perspektiven zur Bedeutung und Funktion von Diagnostik im Rahmen der Psychotherapie beschrieben. Diagnosestellung wird hier nicht als ein besonderer Akt im Rahmen der psychotherapeutischen Behandlung verstanden, sondern als ein permanentes Einnehmen einer Beobachterinnenperspektive im psychotherapeutischen Dialog. Diese Vorgehensweise beschreiben die Autorinnen anhand eines Fallbeispiels und führen dazu den Begriff „Dialogisch diagnostizieren“ als Instrument zur Steuerung von gelingenden Psychotherapieprozessen in die Theoriediskussion ein.
    4. 29. Stellenwert des Diagnostizierens in der emotionsbasierten systemischen Therapie

      Elisabeth Wagner
      Zusammenfassung
      Nach einer einführenden Beschreibung der traditionell diagnosekritischen Haltung der Systemischen Therapie wird das diagnostische Selbstverständnis der Systemischen Kurztherapie dargestellt. Neben Ressourcen, Zielen und dem spezifischen Kooperationsstil der KlientInnen stehen dabei die Wirklichkeitskonstruktionen rund um das Problem im Zentrum des diagnostischen Interesses. Der zweite Teil des Artikels fokussiert die Erweiterung des diagnostischen Selbstverständnisses in der emotionsbasierten systemischen Therapie. Durch ein synergetisches Verständnis psychischer Prozesse können Störungen der Emotionsverarbeitung, dysfunktionale Schemata und strukturelle Beeinträchtigungen systemtheoretisch konsistent konzeptualisiert werden, sodass nun auch die Eigendynamik leidvoller Erlebnisweisen differenziert im Fallverständnis berücksichtigt werden kann.
    5. 30. Systemische Diagnostik als Prozess: Von der Familientherapie zum Problemsystem

      Corina Ahlers
      Zusammenfassung
      Die Stigmatisierung durch eine medikalisierte Diagnostik wird mit drei Alltagsbeispielen kontrastiert, deren Kontext völlig andere Kommunikationsspiele mit der Diagnose zulassen. Ausgehend von einem Störungsverstehen, welches die Kommunikation zwischen Menschen über die Krankheit Einzelner einschließt, wird das systemische Konzept des Problemsystems erläutert. Systemische Diagnostik wird als zirkulärer und stets evaluierender Prozess verstanden, die sich deutlich von einer naturalistischen Sichtweise abhebt.
  6. Cluster- und verfahrensspezifische psychotherapeutische Diagnostik im Verhaltenstherapeutischen Cluster

    1. Frontmatter

    2. 31. Der diagnostische Prozess in der Verhaltenstherapie – Grundlage der Therapieplanung und erste Intervention

      Bibiana Schuch
      Zusammenfassung
      Diagnostik begleitet eine verhaltenstherapeutische Behandlung von Beginn bis zu deren Ende, gegebenenfalls darüber hinaus, wenn Katamnesen möglich sind. Üblicherweise besteht sie aus einer klinischen Diagnostik sowie einer psychotherapiebezogenen verhaltenstherapeutischen Diagnostik.
    3. 32. Diagnostik in der Verhaltenstherapie

      Erwin Parfy
      Zusammenfassung
      Im vorliegenden Beitrag wird im Rahmen eines aktuellen Menschenbildes mit Verweis auf klinisch relevante Hintergrundtheorien ein verhaltenstherapeutisches Verständnis von Gesundheit und Krankheit skizziert. Die Offenheit für allfällige Klassifikationssysteme einerseits und die Niederschwelligkeit von Behandlungsangeboten für die diversesten menschlichen Problemstellungen andererseits finden sich ebenso gewürdigt wie die zentrale Bedeutung einer reflektierten Beziehungsgestaltung, welche therapeutische Wirkungen mit diagnostischen Einsichten verknüpft. Anhand einer konkreten Falldarstellung werden solche diagnostischen Überlegungen, angelehnt an bewährte verhaltenstherapeutische Binnenkonzepte, greifbar gemacht.
  7. Backmatter

Titel
Psychotherapeutische Diagnostik
Herausgegeben von
Dr. Claudia Höfner
Markus Hochgerner
Copyright-Jahr
2022
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-61450-1
Print ISBN
978-3-662-61449-5
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-61450-1

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