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Erschienen in:

01.01.2022 | Nebenwirkungsmanagement | Pflege Praxis Zur Zeit gratis

Mit Haarausfall umgehen

verfasst von: Marisol Azuara

Erschienen in: Heilberufe | Ausgabe 1/2022

Begleitmaterial
Hinweise

Supplementary Information

Zusatzmaterial online: Zu diesem Beitrag sind unter https://​doi.​org/​10.​1007/​s00058-021-2194-x für autorisierte Leser zusätzliche Dateien abrufbar.
Chemotherapie-induzierte Alopezie Diese Nebenwirkung einiger antineoplastischer Therapien bedeutetet für viele Patient*innen eine starke psychische Belastung, ruft Angst hervor und kann die Lebensqualität bedeutend einschränken. Pflegende sind dann oft die wichtigsten Ansprechpartner.
Um eine hochqualifizierte und evidenzbasierte pflegerische Unterstützung und Beratung onkologischer Patient*innen mit Alopezie anbieten zu können, ist es nötig, die objektiven und die subjektiven Aspekte der CIA zu kennen bzw. erkennen. Die objektive Perspektive beinhaltet Kenntnisse über die Pathophysiologie der Alopezie, die Faktoren der Zytostatika, die die Entstehung der Alopezie beeinflussen, die Klassifikation der CIA sowie die Prävention und Therapiemöglichkeiten. Die subjektive Perspektive ist die Perspektive der Patient*innen. Um diese Perspektive zu erreichen, muss die Person in ihren multidimensionalen Aspekten und ihrer Komplexität als ein bio-, psycho-, sozial- und spirituelles Wesen betrachtet werden. Die Krankheit und ebenso die CIA, ist nicht nur physisch, sondern multidimensional. Der Verstand, die Psyche, die Familie usw. haben einen positiven oder negativen Effekt auf den Heilungsprozess der Patient*innen, auf die Wahrnehmung der Krankheit und der miteinhergehenden Alopezie.

Objektive Perspektive: Physiologisches Haarwachstum

Der Haarzyklus besteht aus drei Phasen: Anagen-, Katagen- und Telogenphase. Die Anagenphase ist die aktive hochmitotische Wachstumsphase, die von Wachstumsfaktoren (u.a. "epithelial growth factor receptor" EGFR) gesteuert wird. Diese dauert zwei bis sechs Jahre und betrifft ca. 85% der Kopfhaare. Die Katagenphase, die zwei bis drei Wochen dauert und in der sich 1-3% der Haare befinden, ist die Übergangsphase, in welcher die Zellteilung vonstatten geht. Hier werden einige Strukturen der Haarfollikel eliminiert und das Haar löst sich von der Papille. Die Ruhephase, Telogenphase (ca. 7-14% der Haare), dauert ein bis drei Monate und endet mit dem Haarausfall.

Zytostatika und Entstehung der Alopezie

Die Chemotherapie ist eine der Säulen der Tumorbehandlung. Einige zytostatische Substanzen verursachen die Alopezie, weil sie die Proliferation und Differenzierung der hohen teilungsaktiven Zellen (schnelle Mitose und Metabolismus), wie die Tumorzellen aber auch die Zellen der Haarfollikel, in der Anagenphase inhibieren und die Apoptose (Zelltod) induzieren. Durch die Blutversorgung der Haarfollikel erfolgt die Exposition der Zellen in der Anagenphase mit dem verabreichten Zytostatikum und führt dadurch zu einer vorzeitigen Telogenphase (Anagen Efflivium) bzw. einer Dystrophie der Haarfollikel. Da die Anagenphase im Haupthaar länger als in der Behaarung der Extremitäten oder Augenbrauen dauert, tritt die CIA klinisch früher am Kopf als an den Extremitäten, Augenbrauen, Pubis oder Axillen auf. Nach ein bis zwei Wochen der ersten Chemotherapiegabe fängt der Haarausfall an. Der Haarzyklus kann in den therapiefreien Intervallen in einer unregelmäßigen und ungleichzeitigen Form wieder auftreten. Die Haare fangen ein bis sechs Wochen nach der letzten Chemotherapiegabe wieder zu wachsen an. Die regenerierten Haare können andere Charakteristika haben als die Ursprünglichen: sie sind oft dünner, gewellter und heller.
Viele verschiedene Faktoren beeinflussen den Grad der Alopezie. Diese Faktoren werden in zwei Überbegriffen gruppiert: die therapie- und die patient*innenbezogenen Faktoren.
Therapiebezogenen Faktoren: Wahl des Zytostatikums (Tab. 1, e-only), Dosierung, Therapieschema, Verabreichungsarten (perorale Präparate verursachen eine wesentlich mildere Form des Haarausfalls), Applikationsdauer, Kombination mit anderen Zytostatika (Mono- ist z.B. milder als Polychemotherapie) und Kombination mit anderen Haarausfall-induzierenden Medikamenten (nicht Zytostatika), z.B. Heparin, ß-Blocker, hormonale Kontrazeptiva.
Patient*innenbezogenen Faktoren: Alter, Geschlecht, Ernährung, Komorbidität, sowie die physiologischen Charakteristika und der Zustand der Haare vor der Therapie. So haben ältere Menschen, Frauen, mangelernährte Patient*innen mit dünneren, schütteren, gefärbten, strapazierten und/oder dauergewellten Haaren ein erhöhtes Risiko.

Prävention der Alopezie

Seit 1960 werden verschiedene präventive Methoden für CIA erforscht und untersucht. Diese Maßnahmen sind lokal (mechanisch oder physikalisch) oder systemisch-medikamentös.
Mechanische und physikalische Methoden: Das Ziel ist es, die Blutversorgung der Haarkapillaren durch mechanische oder physikalische Maßnahmen zu vermindern, um die Exposition der Zelle mit dem Zytostatikum zu reduzieren. Diese Verfahren werden appliziert, solange eine hohe Konzentration des Zytostatikums im Blut vorhanden ist und sind deswegen nur bei Zytostatika mit einer kurzen Serumhalbwertzeit und schnellen Elimination möglich.
Die Tourniquets sind die erste vorgeschlagene mechanische Methode in der Geschichte. Dabei handelt es sich um die Applikation von äußerem Druck auf die Kopfhaut durch aufblasbare um-den-Kopf-liegende Bänder. Die Effektivität dieser Methode ist nur in nicht-qualifizierten Studien (letzte Studie im Jahr 1978) dokumentiert und die Anwendung der Tourniquets ist obsolet.
Scalp cooling ist eine weitere Methode, die eine Hypothermie (Unterkühlung) der Kopfhaut durch verschiedene Methoden (Gel-Kühlhauben, Kaltlufthelm, Hauben mit Thermozirkulation oder Eiskappe) erreicht. Die Kälte löst eine Vasokonstriktion und eine Verminderung der biochemischen Aktivität der Zellen aus. Um eine hohe Effektivität des scalp cooling zu erreichen, ist es erforderlich, die Kopfhaut vor, während und nach der Therapie auf mindestens 18-20°C herunter zu kühlen, was in der Praxis schwierig umzusetzen ist. Scalp cooling wird oft von Patient*innen als tolerabel jedoch unangenehm empfunden. Es ist bei Kalthypersensibilität, Kältehämagglutinationskrankheiten, Kryoglubulinaemia und Kryofibrinogenämie kontraindiziert. Das Risiko einer Kopfhautmetastase nach der Anwendung des scalp cooling wird immer wieder genannt. Es besteht aber keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz, um scalp cooling mit Kopfhautmetastasen in Zusammenhang zu bringen. Die Effektivität dieser Methoden wurde in vielen Studien untersucht. Shin et al. behaupten, dass die Kühlung der Kopfhaut während der Therapie das Risiko der CIA bedeutend mehr als anderen Methoden reduziert.
Medikamentöse Therapie: Medikamente, die einen präventiven Effekt bei CIA haben oder haben könnten sind: Substanzen mit protektivem Effekt für die Haarwurzel (topische Applikation von Minoxidil, AS101, α-Tocopherol), Inhibitoren der Cyclin-dependent Kinase (Thiol Solution) und Chemotherapie lokal-inaktivierende Stoffe (Imu-Vert, EGF, topische Cyclosporin, Calcitriol, usw.). All diese Medikamente befinden sich derzeit in experimentellen bzw. präklinischen Studien und es besteht derzeit keine medikamentöse Prophylaxe der CIA.

Subjektive Perspektive und psychosoziale Faktoren

Haare sind beim Menschen ein Teil des Körpers, die nicht nur eine physiologische, sondern auch eine soziale Funktion haben. Durch die Haare kann der Mensch etwas über Alter, Kultur, Erziehung, sozioökonomischen Zustand, Geschlecht, Religion, Beruf, Schönheit oder Persönlichkeit vermitteln. In diesem Sinne ist die Haarlosigkeit per se kommunikativ. Bei onkologischen Patient*innen ist die Haarlosigkeit durch die Stigmatisierung der Krebskrankheit ein öffentliches Zeichen der Tumorerkrankung. Bei Männern wird die Alopezie nicht immer mit Krebs verbunden, da die Glatze auch beim gesunden Mann in der Gesellschaft akzeptiert wird.
Psychosoziale Faktoren der CIA: Die Reaktion der Patient*innen ist individuell. Die CIA wird meistens als negativ empfunden, da sie eine Identitätskrise auslösen kann. Für einige Patient*innen wird es als die übelste Nebenwirkung der Chemotherapie empfunden. Grund dafür ist die Sichtbarkeit der Haarlosigkeit und die dadurch ständige Erinnerung an die Therapie und Krankheit. Auf der anderen Seite gibt es auch Patient*innen, die die Alopezie sogar als positiv wahrnehmen, da es für sie gleichbedeutend mit der Wirksamkeit der Chemotherapie ist.
Individuelle Faktoren wie die sozialen Bedingungen, Kultur, Werteskala des Lebens, Alter oder Geschlecht beeinflussen die psychologische Reaktion der Patient*innen auf CIA.
Es wird beobachtet, dass die psychische Belastung der Haarlosigkeit seltener bei palliativen Patient*innen auftritt, bei denen eine fortgeschrittene Tumorerkrankung vorliegt, als bei jenen, die eine adjuvante oder neoadjuvante Behandlung erhalten.
Die soziale Sphäre der Patient*innen wird auch von der Alopezie bzw. von den Veränderungen des Körperbildes beeinflusst. Alle Personen, die eine Beziehung zu den Patient*innen haben, werden individuell auf die Haarlosigkeit von Mutter/Vater, Ehepartner*in, Freund*in usw. reagieren und beeinflussen so positiv oder negativ die Psyche der Patient*innen. Manche Patient*innen werden öffentliche Plätze und Orte mit vielen Menschen meiden und ihren sozialen Kreis auf die nahestehenden Angehörigen reduzieren.
Kazuko et al. unterschied sechs verschiedene Phasen des Erlebens der CIA und fünf verschiedene psychosoziale Reaktions-Typen bei Patientinnen von 30 bis 36 Jahre mit Brustkrebs. Diese Klassifizierung soll ein Werkzeug sein, die Patient*innen objektiv zu evaluieren und die Risiko-Patient*innen auf psychische Erkrankungen zu detektieren, um mit Care-Support zu intervenieren.

Coping mit CIA

Der psychologische und soziale Impact der Alopezie konfrontiert der Patient*innen mit einer neuen Situation, welche eine Verarbeitung, das so genannte Coping erfordert. Bei vielen Patient*innen, die unter einer Veränderung ihres Körperbildes leiden, lässt sich auch eine Änderung ihrer Werteskala feststellen. Sie bewältigen ihre neue Situation, indem materielle Werte an Wichtigkeit verlieren, während die spirituellen Werte wie Würde, Leben und Liebe an Wichtigkeit zunehmen. Auf diesen Aspekt des Menschseins stützen diese Patient*innen ihr Selbstkonzept und erfahren eine Reifung ihrer Persönlichkeit, verstärktes Selbstwertgefühl und Identität. Diese Neuanpassung der Werteskala des Lebens kann eine wirksame Strategie des Copings mit CIA sein.
Es gibt verschiedene psychologische Prozesse mit einem Problem umzugehen, um es zu überwinden, und nach einer unruhigen Phase wieder Stabilität und die damit verbundene Lebensqualität wiederzuerlangen. Zwei Akzeptanzprozesse, die verschiedene Autor*innen im Kontext der Alopezie bei onkologischen Patient*innen beschreiben, werden im Folgenden behandelt: der körperliche Trauerprozess und "Embodying Identity".
Der Haarausfall ist ein Verlust, der als Trauerprozess beschrieben werden kann. Der Verlust ist nicht nur der von Haaren, sondern vor allem vom Körperbild abhängig. Lluch-Hernández et al. unterscheiden sechs Etappen in diesem körperlichen Trauerprozess (Duelo Corporal) (Tab. 2 e-only). Der Trauerprozess kann normal oder pathologisch sein, je nach Proportion zwischen dem auslösenden Faktor und den Symptomen, der Intensität der Reaktion, der Dauer der Manifestation und dem individuellen Handeln und Tun.
Koszalinski und Williams analysieren einen anderen Prozess, der sich nicht mit der Veränderung des Körperbildes, sondern mit der Identität der Patient*innen beschäftigt. Sie beschreiben einen drei-Schritte-Weg, der dazu führt die körperlichen oder physischen Alterationen so zu akzeptieren, dass ein neues subjektives Verständnis oder eine gestärkte Identität entstehen. Der Ausgangspunkt der Erfahrung der Körperbildänderung ist "das bin ich nicht". Das kognitive Erkennen von sich selbst mit der Veränderung widerspricht der ersten Darlegung: "aber, das bin ich"; und schließlich folgt die Akzeptanz oder Inkorporation in eine verstärkte Identität: "das bin ich".

Perspektive der Pflege: Care-Support bei Patient*innen

Im Verlauf der Krebserkrankung, von der Erstdiagnose bis zur Genesung, Rehabilitation oder dem Tod, sind die Pflegenden für eine adäquate Betreuung und Begleitung der onkologischen Patient*innen maßgeblich. Viele Therapien werden ambulant verabreicht, Patient*innen müssen zu Hause das Management der Nebenwirkungen übernehmen. Deshalb spielt die Förderung der Selbstpflege eine Rolle. Dorothea Orem definiert die Selbstpflege nach ihrem Pflege-Modell als die "erlernte, zielgerichtete Aktivität von Individuen, um Faktoren zu regulieren, die ihre eigene Entwicklung oder lebenswichtige Funktionen, ihre Gesundheit oder ihr Wohlbefinden beeinträchtigen". Eine adäquate Information, Beratung und Schulung von Seiten der Pflegenden ermöglicht den Patient*innen die Selbstpflege. Die kommunikative Kompetenz der Pflegenden, die patient*innenzentriert sein soll, ist eine unverzichtbare Bedingung für einen onkologischen Care-Support. Voraussetzung ist eine professionelle Beziehung, die auf Respekt und Empathie basiert. Die Aufgaben der Pflegenden bei Patient*innen mit CIA werden in drei Punkten zusammengefasst: Anamnese, über die Alopezie zu informieren und die Schulung und Beratung.
Anamnese: Eine strukturierte und ausführliche Anamnese in einem persönlichen Gespräch führt dazu, die Krebserkrankung und die subjektive Bedeutung des Haarausfalls zu verstehen, die familiäre und soziale Situation kennenzulernen und eine optimale pflegerische Intervention planen zu können. Beim Erstgespräch vermitteln die Patient*innen viele Informationen über sich selbst und ihre Umgebung. Es ist notwendig weitere Gespräche zu führen und die Interventionen an die Informationen anzupassen.
Über Alopezie informieren: Eine professionelle und rechtzeitige Aufklärung über eine mögliche CIA ist ein wichtiges Mittel, den Patienten*innen auf den Haarausfall vorzubereiten, was zu einer Verminderung der Belastungen und Entwicklung von Coping-Strategien führt. Vor Therapiebeginn müssen die Patient*innen darüber aufgeklärt werden, ab wann mit dem Haarverlust zu rechnen bzw. welcher Grad der Alopezie zu erwarten ist und welche Möglichkeiten der Unterstützung, der Hauptbedeckungen es gibt. Die wahrscheinliche Reversibilität, die Charakteristika der neu wachsenden Haare usw. sind ebenso Inhalte der initialen Information.
Beratung und Schulung: Patient*innen über Alopezie aufzuklären und zu schulen ermöglicht die richtige Selbstpflege und adäquates Coping. Es gibt verschiedene Empfehlungen, aber nur wenige sind wissenschaftlich nachgewiesen. Meistens sind es Tipps für den Alltag, die je nach Geschmack individuell adaptiert bzw. angenommen werden können.
Für die Haarpflege während der Chemotherapie wird die Verwendung von mildem vitaminreichem Shampoo und weichen Haarbürsten empfohlen. Es wird dringend vom Färben, einer Dauerwelle, Heizlockenwicklern und Gummibändern abgeraten. Des Weiteren führt häufiges Haarewaschen und Frisieren zu vermehrtem Haarausfall. Durch einen Kurzhaarschnitt kann ein Haarausfall eventuell kurzfristig etwas kaschiert werden. Andere haben doch lieber lange Haare, da kahle Stellen eventuell so bedeckt werden können. Ein sofortiges Abrasieren kann den Patient*innen die Erfahrung ausfallender Haare ersparen. Perücken sind für manche Patient*innen eine Option und ein wichtiges Mittel für das Coping mit Alopezie. Den Patient*innen wird empfohlen ein Fachgeschäft vor Beginn des Haarausfalls aufzusuchen, um eine an die Naturhaarfarbe und Länge angepasste Perücke anfertigen lassen zu können. Die Kunsthaarperücken sind heutzutage kaum vom Naturhaar zu unterscheiden. Naturhaarperücken sind teurer und schwieriger zu pflegen, aber eine bessere Option für lange Haare. Über andere Möglichkeiten der Kopfbedeckung, wie Haartücher mit verschiedenen Bindearten oder Mützen, sind Patient*innen ebenfalls zu informieren. Die kahle Kopfhaut muss vor der Sonne geschützt werden. Der beste Schutz, wenn die Perücke nicht angenommen wird, ist eine Kopfbedeckung in Form einer Haube oder eines Tuches. Es ist auch die alleinige Verwendung eines Sonnenschutzes eine Option. Die Kopfhaut ist mit normaler Hautcreme zu pflegen.

Definition und Grade der CIA

Die Alopezie ist der Zustand der Haarlosigkeit oder Kahlheit. In der Literatur wird die Alopezie aber meistens als Prozess bezeichnet, bei dem es zu einem Ausfall der Kopfhaare und/oder Körperbehaarung kommt. Wenn die Ursache der Alopezie ein Zytostatikum ist, spricht man von einer CIA.
Die CIA kann mild, komplett und in wenigen Fällen irreversibel sein. Die WHO kategorisiert die CIA in vier Grade: Grad I ist minimaler Haarausfall, Grad II die moderate Alopezie, Grad III die komplette aber reversible Alopezie, Grad IV die komplette und irreversible Alopezie.

Phasen und psychosoziale Reaktions-Typen auf CIA

Sechs Phasen des Erlebens der CIA:

  • Reaktion auf die Aufklärung des Arztes
  • Reaktion auf den Anfang der ausfallenden Haare
  • Reaktion auf Intensivierung der ausfallenden Haare
  • Reaktion auf die komplett ausgefallenen Haare
  • Verhalten des Copings
  • Effekt der Alopezie auf die interpersonalen Beziehungen der Betroffenen

Fünf psychosoziale Reaktions-Typen:

  • Erhaltung oder Forderung der interpersonellen Beziehungen (Priorität der Behandlung)
  • Agitierten interpersonellen Beziehungen vor allem in der dritten und vierten Phase
  • Reduktion der interpersonellen Beziehungen
  • Unterbrechung der interpersonellen Beziehung bzw. die Isolation
(Kazuko et al., 2014)

Checkliste: So informieren Sie über Alopezie

  • Was ist die Alopezie?
  • Wie entsteht die Alopezie?
  • Welches Risiko des Haarausfalls besteht unter welcher Chemotherapie?
  • Wie werden die Haare ausfallen? (schnell, langsam usw.)
  • Wann beginnt der Haarausfall und wann hört er auf?
  • Wo fängt das Haar an auszufallen? Welcher Grad der Alopezie ist zu erwarten?
  • Welche Symptome oder Beschwerden sind mit dem Haarausfall assoziiert?
  • Wie kann der Haarausfall vermieden/minimiert werden?
  • Wie werden die Haare wieder wachsen?
  • Verändern sich die Haare nach CIA?
  • Welche psychosozialen Auswirkungen sind möglich?
  • Welche möglichen Effekte der Alopezie auf Körperbild/Sexualität kann es geben?
  • Welche Coping Strategien mit Alopezie sind anzuraten?
  • Welche kopfschützende Maßnahmen und Pflegemaßnahmen des Kahlkopfes sind empfehlenswert?
  • Wann, wie und wo ist die Verwendung der Perücke angebracht? Welche Informationen über die Perücke, Perückenstudio und Pflege sind notwendig?
  • Wie geht man um mit den verschiedenen Arten der Kopfbedeckung?
  • Welche Unterstützungsressourcen gibt es?
(Batchelor, 2001)

Pflege einfach machen

Die Kenntnis der objektiven und subjektiven Aspekte der CIA, eine hohe Kommunikationskompetenz, die evidenzbasierte Pflege und eine multidisziplinäre Zusammenarbeit sind Voraussetzungen, um Patient*innen eine hochqualifizierte und kompetente pflegerische Unterstützung anbieten zu können.
Eine strukturierte und ausführliche Anamnese, eine professionelle und zeitgerechte Aufklärung über die mögliche CIA und eine adäquate Beratung und Schulung sind wichtige Mittel zu Verminderung der Belastung und fördern die Entwicklung von Coping Strategien.

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Metadaten
Titel
Mit Haarausfall umgehen
verfasst von
Marisol Azuara
Publikationsdatum
01.01.2022
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Heilberufe / Ausgabe 1/2022
Print ISSN: 0017-9604
Elektronische ISSN: 1867-1535
DOI
https://doi.org/10.1007/s00058-021-2194-x

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