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18.04.2019 | Politik | Nachrichten

Niedersachsen: Notstand in der ambulanten Pflege

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Einen ambulanten Pflegedienst zu finden, wird in Niedersachsen immer schwieriger. In manchen Regionen gibt es bereits gravierende Versorgungslücken. 

Viele Pflegedienste in Niedersachsen können keine neuen Patienten annehmen. Das geht aus Zahlen der Landtagsfraktionen von Grünen und FDP hervor. Gemeinsam fordern sie die Landesregierung auf, das Problem anzugehen.

Mit einem Entschließungsantrag haben die Landtagsfraktionen von Grünen und FDP die Landesregierung aufgefordert, dem drohenden Pflegenotstand in Niedersachsen entgegenzuwirken. Sozialministerin Reimann (SPD) müsse endlich ihre Eingriffs- und Handlungsmöglichkeiten nutzen.

„Tag für Tag wird deutlich, dass es gravierende Versorgungslücken gibt. Nach uns bisher vorliegenden Zahlen werden täglich ca. 230 Menschen von Pflegediensten abgelehnt!“, so die gesundheits- und pflegepolitische Sprecherin der Grünen, Meta Janssen-Kucz. Das System der Selbstverwaltung sei „vor die Wand gefahren“. Die Pflegedienste würden in den Verhandlungen mit den Krankenkassen immer den Kürzeren ziehen.

„Ministerin Reimann muss auch die Stimme der Pflegeanbieter hören“, forderte die pflegepolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Sylvia Bruns. Diese hätten Schwierigkeiten, eine gerechte Entlohnung und auskömmliche Wegepauschalen durchzusetzen.

„Es brennt heute schon“

Auch die Pflegekammer Niedersachsen hat sich in die Diskussion eingeschaltet und untermauert sie mit eigenen Zahlen. Mit dem Ende 2018 veröffentlichten „Bericht zur Lage der Pflegefachberufe in Niedersachsen“ hat die Pflegekammer erste Daten aus dem Pflegefachregister vorgelegt. Demnach kommen in dem norddeutschen Flächenland durchschnittlich 11 Pflegefachkräfte auf 1.000 Einwohner. Allerdings gibt es regional große Unterschiede. Vor allem auf dem Land erreichen manche Kreise nur knapp die Hälfte des Durchschnittswertes. „Es brennt heute schon in einigen Teilen Niedersachsens“, sagte Kammerpräsidentin Sandra Mehmecke am Mittwoch. Verschärft werde die Situation dadurch, dass viele Pflegekräfte nur in Teilzeit arbeiteten, so Mehmecke. Zudem würden in den nächsten 15 Jahren bis zu 43 Prozent der aktuell tätigen Pflegekräfte aus Altersgründen den Beruf verlassen. 

Mehmecke bescheinigte einigen Teilen des Landes „eine dramatische Unterversorgung“. Zahlreiche ambulante Pflegedienste müssten aufgrund von Personalmangel regelmäßig Anfragen von Pflegebedürftigen ablehnen. Die Kammerpräsidentin kritisierte: „Es fehlt an soliden Daten zum tatsächlichen Bedarf an professionellen Pflegeleistungen.“ Daher wolle sich die Pflegekammer für eine fundierte Erhebung zum Pflegebedarf in den einzelnen Regionen einsetzen. Zusammen mit den eigenen Daten bestünde dann erstmals eine aussagekräftige Grundlage auch für politische Entscheidungen. (ne)

 

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