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03.07.2020 | Qualitätssicherung | Nachrichten

Niedersachsen schafft Beschwerdestelle für Whistleblower

Niedersachsen will ein Whistleblowing-System in der Pflege einrichten. Die Beschwerdestelle soll zentral im Gesundheits- und Sozialministerium angesiedelt werden und auch anonymen Hinweisen nachgehen.

Anlässlich von mutmaßlichen Misshandlungen  in einer Celler Pflegeeinrichtung zieht Niedersachsens Sozialministerin, Carola Reimann (SPD), erste Konsequenzen. Sie kündigte an, eine Beschwerdestelle einzurichten. Dorthin sollen sich Pflegende, Pflegebedürftige sowie deren Angehörigen wenden,  wenn sie Missstände oder Anhaltspunkte für eine Gefährdung feststellen.

Viele  Pflegende befürchten berufliche Nachteile oder Repressalien, wenn sie beobachtete Missstände anprangern. Daher soll die geplante Beschwerdestelle neutral und unabhängig arbeiten und auch anonyme  Hinweise verfolgen. „Ich sehe hier einen wichtigen Baustein, um die Qualität der pflegerischen Versorgung in Niedersachsen weiter zu verbessern“, erklärte Reimann.

Reimann warnte zugleich davor, Pflegekräfte unter „Generalverdacht“ zu stellen: „Allein in Niedersachsen leisten über 130.000 Frauen und Männer einen sehr wichtigen Einsatz!“

Anfang der Woche hatte die Süddeutsche Zeitung über Missstände in einem Celler Pflegeheim berichtet. Nach mutmaßlichen Misshandlungen von Bewohnern durch drei Pflegekräfte ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft. Das niedersächsische Sozialministerium wurde Mitte Juni durch die Pflegekammer über eine anonyme Beschwerde zu dem Heim in Kenntnis gesetzt.

Begehung von Heimen durch Pflegefachkräfte begleiten

Die Präsidentin der niedersächsischen Pflegekammer, Nadya Klarmann, zeigte sich erschüttert über die Berichte: „Solche Missstände sind nicht zu akzeptieren“. Die Kammerversammlung werde mit Hochdruck an Lösungen arbeiten, wie künftig mit solchen Vorfällen umgegangen werden soll. Auch Klarmann plädiert für eine neutrale Anlaufstelle: „Beschäftigte der Einrichtungen haben oft Angst, ihre Arbeit zu verlieren oder aus dem Team ausgeschlossen zu werden“. Zudem forderte sie, dass im Interesse der Pflegequalität, die Begehung von Heimen durch Aufsichtsbehörden standardmäßig durch Pflegefachpersonen begleitet wird. Das sei bisher noch viel zu selten der Fall. (ne)


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