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17.01.2018 | Politik | Nachrichten

Tiefe Depression bei den Pflegeberufen

Mangelndes Selbstwertgefühl, fehlende gesellschaftliche Wertschätzung, düstere Zukunftsperspektiven der Pflege: Das sind Ergebnisse des ersten "Care Klima-Index".

Ueberlastete Pflegekraft (Symbol) © ViktorCap / Getty Images / iStock

Die Arbeitssituation und Perspektiven der Pflegeberufe werden überwiegend negativ beurteilt. Dies ist das Ergebnis des ersten "Care Klima-Index", der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Er basiert auf einer Repräsentativumfrage von insgesamt 2016 Personen. Darunter 644 professionell Pflegende, aber auch Pflegebedürftige, deren Angehörige sowie Ärzte und Vertreter von Krankenkassen. Die Ergebnisse im einzelnen:

  • 56 Prozent der Pflegeprofis sehen die gesellschaftliche Wertschätzung ihres Berufs als niedrig an.
  • 91 Prozent der Pflegeberufe beklagen einen niedrigen Stellenwert der Pflege in der Politik.
  • 59 Prozent sagen, das Pflegestärkungsgesetz II habe keinen Einfluss auf ihren Arbeitsalltag, 19 Prozent berichten von Erschwernissen.
  • Digitale Innovationen wie altersgerechte Assistenzsysteme spielen im Pflegealltag fast keine Rolle; zwei Drittel der Pflegeberufe können ihre Bedeutung nicht einschätzen.
  • Alle Befragten einschließlich der Pflegebedürftigen, ihrer Angehören und der Ärzte zu 51 Prozent beurteilen die Pflegequalität als mittelmäßig, 28 Prozent sogar als mangelhaft.
  • 80 Prozent der Pflegekräfte halten die personelle Ausstattung nicht für ausreichend; dieser Meinung sind auch 72 Prozent der Ärzte.

Deutscher Pflegerat fordert mehr Investitionen

Als Konsequenz forderte der Präsident des Deutschen Pflegerats, Franz Wagner, mehr Investitionen in die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und in die Ausbildung sowie die Verringerung der Teilzeitarbeit.

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) gesteht erheblichen Nachholbedarf der Politik. Er sieht aber auch die Pflegeberufe selbst in der Verantwortung, vor allem beim Aufbau einer Selbstverwaltung.

In diesem Zusammenhang kündigte Laumann ein Gesetz an, das die Errichtung einer Kammer mit weitgehenden Befugnissen zur Übernahme staatlicher Aufgaben zum Ziel habe. (HL)

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