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23.07.2017 | Politik | Nachrichten

Pflege geht alle an

Das Thema Pflege ist nicht nur für die Berufsgruppe selbst relevant. Es beschäftigt auch die Bevölkerung in hohem Maße. In den Wahlprogrammen der Parteien zur Bundestagswahl findet es aber kaum statt, bemängelte das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) vor kurzem.

Am 24. September wird ein neuer Bundestag gewählt. Laut einer repräsentativen Befragung des ZQP ist das Thema Pflege für die Wähler sehr wichtig. Nach Ansicht der Stiftung wird es in den Wahlprogrammen der Parteien aber nur wenig aufgegriffen. „Das könnte ein Fehler sein“, erklärt das ZQP und verweist auf seine Befragung, die bereits Ende Februar für Aufmerksamkeit sorgte. Daraus geht hervor, dass für fast die Hälfte (43 Prozent) aller Deutschen die Lebenssituation älterer und pflegebedürftiger Menschen sehr wichtig für ihre Wahlentscheidung ist. In der Altersgruppe 50+, der größten Wählergruppe, geben dies sogar 53 Prozent der Befragten an.

„Auf den zurückliegenden Pflegereformen können wir uns nicht ausruhen“, mahnt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. Die Generation der „Baby-Boomer“ werde immer stärker mit der eigenen Pflegebedürftigkeit konfrontiert. „Darum müssen wir heute diskutieren, wie die Versorgung morgen aussehen kann“, so Suhr weiter. Das ZQP hat auch einen Blick auf die demographischen Trends geworfen. Die zeigen, wie groß die gesellschaftliche Herausforderung Pflege tatsächlich wird: „Immer weniger erwerbsfähige Menschen werden in Deutschland leben. Damit wird die Bevölkerungsbasis, die Pflege leisten oder finanzieren kann, immer schmaler“, heißt es. Schon heute gäbe es teilweise erhebliche Versorgungslücken.

Wunsch: Gute pflegerische Versorgung

Das ZQP hatte die Studienteilnehmer auch befragt, was für sie eine gute Versorgung zuhause ausmacht. So hält die überwiegende Mehrheit (73 Prozent) der 2.000 Studienteilnehmer eine gute Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst für sehr wichtig. Auch Aspekte der Mobilität und Teilhabe spielen eine große Rolle. Eine zentrale Grundlage guter Pflege sei zudem die Sicherheit der Pflegebedürftigen, erläutert Suhr. Der Schutz vor Gewalt in der Pflege, vor Hygienemängeln oder Medikationsfehlern müsse dringend verbessert werden.

DBfK klopft Wahlprogramme ab

Auch der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) macht deutlich, dass sich die Politik beim Thema Pflege keineswegs ausruhen kann, auch wenn einige wichtige Gesetze auf den Weg gebracht wurden. „Das heißt nicht, dass die Probleme der Pflege nun gelöst sind, ganz im Gegenteil“, betont DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel.  Die Arbeitsbedingungen der professionell Pflegenden hätten sich weiter verschlechtert, und von tragfähigen Lösungen für steigenden Pflegebedarf sei Deutschland weit entfernt. Der Verband hat die Wahlprogramme der im aktuellen Bundestag vertretenen Parteien auf Aussagen zu Pflegethemen abgeklopft und in einer Synopse zusammengefasst (hier als PDF). Damit will der DBfK dazu anregen, Politikern kritische Frage zu stellen und sich nicht mit unverbindlichen Antworten zufrieden zu geben. (ne)