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25.03.2018 | Pflegewissenschaft | Nachrichten

Agnes Karll: Reformerin der deutschen Pflege

Agnes Karll war Frauenrechtlerin, leidenschaftliche Interessenvertreterin und Reformerin der deutschen Pflege. Am 25. März wäre sie 150 Jahre alt geworden.

Agnes Karll © Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe e. V. (DBfK)

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) erinnert deshalb an seine Verbandsgründerin: „Ihr Verdienst ist der Schritt in die Professionalisierung des Pflegeberufs, der Weg in die Selbständigkeit und Selbstverantwortung, die deutliche Betonung der fachlichen Kompetenz der Pflegenden und die Absicherung beruflicher Risiken. Sie gehörte zu den Frauen, die für eine umfängliche Bildung eintraten, um das Durchstoßen der gläsernen Decke für die Übernahme verantwortlicher Aufgaben zu ermöglichen“, erklärt Christel Bienstein, die Präsidentin des DBfK.

Auf rauen Wegen zu den Sternen

Die 1868 geborene Agnes Karll begann mit 19 Jahren, als Pflegerin zu arbeiten. Dabei erlebte sie, was für beruflich pflegende Frauen Ende des 19. Jahrhunderts Alltag war: Arbeitstage bis zu 20 Stunden, kaum Freizeit, Abhängigkeit vom Wohlwollen des Arbeitgebers, allenfalls ein geringes Taschengeld, Willkür der Vorgesetzten, fehlende soziale Absicherung, mangelnde Ausbildung.

Agnes Karll hatte früh internationale Erfahrungen sammeln können. Mit der Gründung der „Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands“ (BOKD) – Vorläuferin des DBfK - im Januar 1903 in Berlin begann sie, ihre Vision einer unabhängigen Pflegeprofession mit definiertem Berufsbild, guten Arbeitsbedingungen und geregelter Ausbildung bis hin zur Akademisierung umzusetzen. Dass sie verbreitet auf Unverständnis stieß und gegen heftige Widerstände kämpfen musste, zeigt ihr bekannt gewordener Wahlspruch: „Per aspera ad astra – auf rauen Wegen zu den Sternen.“

Situation heute wäre eine Enttäuschung für Agnes Karll

Agnes Karlls Anliegen und Ziele sind, so der DBfK, bis heute unverändert bedeutsam und aktuell. Die Pflegeprofession in Deutschland habe noch längst nicht die Autonomie und den Stellenwert im Gesundheitssystem erreicht, der nötig wäre, um gute Pflege für jeden, der sie braucht, sicherzustellen. Der Frauenberuf Pflege sei hierzulande nach wie vor gekennzeichnet durch hoch belastende Arbeitsbedingungen, niedriges Lohnniveau, das Risiko berufsbedingter Erkrankungen und Altersarmut sowie geringe Autonomie und fehlende Mitentscheidung auf allen Ebenen des Gesundheitswesens. Und der Anschluss an internationales Niveau der Pflegebildung ist nach Einschätzung des DBfK noch lange nicht geschafft. Dass gerade in Deutschland beruflich Pflegende vor diesem Hintergrund ihre Situation beklagen, sich aber dann passiv zurückziehen anstatt aktiv und gemeinsam für Verbesserungen zu kämpfen, wäre eine Enttäuschung für diese weitsichtige und mutige Frau.

Aus Anlass des Jubiläums hat der DBfK eine umfangreiche Informationsseite zu Leben und Werk Agnes Karlls zusammengestellt: www.dbfk.de/de/ueber-uns/150ster-Geburtstag-Agnes-Karll.php

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