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18.10.2018 | Pflegegrade | Nachrichten

Studie: Pflegegrade erlauben kaum Rückschlüsse auf nötige Pflegezeit

Pflegestufen und Pflegegrade erklären bei Heimbewohnern nur bedingt die tatsächlich benötigten Betreuungszeiten. Das geht aus einer kürzlich abgeschlossenen Studie der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PHTV) hervor. 

„Ein zentrales Ergebnis der Studie zeigt, dass die Pflegestufen und übergeleiteten Pflegegrade die erfasste Pflege- und Betreuungszeit nur zu 21 Prozent erklären können“, sagte Studienleiter Professor Albert Brühl, PTHV,  bei der Präsentation der Studienergebnisse in Vallendar. Bei Bewohnern, die seit 2017 nach dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff in Pflegegrade eingestuft wurden, sei der Anteil mit 10 Prozent noch geringer. Ein Bewohner mit einem hohen Pflegegrad müsse also nicht zwangsläufig mehr Pflege- und Betreuungszeit erhalten als ein Bewohner mit niedrigem Pflegegrad.

Begutachtungskriterien versus Pflegepraxis

Der geringe Erklärungsgehalt des Pflegegrades sei insbesondere deshalb problematisch, weil die Pflegegrade zur Berechnung der Personalausstattung in den Heimen herangezogen würden. „Hier können wir sehen, dass die personelle Ausstattung und damit die für die einzelnen Bewohnerinnen und Bewohner zur Verfügung stehende Pflege- und Betreuungszeit von der Fähigkeit einer Einrichtung abhängig ist, die Bewohner in einen möglichst hohen Pflegegrad eingestuft zu bekommen“, fasste Brühl die Problematik zusammen. Trotz gleicher gesetzlicher Rahmenbedingungen für die Einrichtungen führe dies zu deutlichen Unterschieden in der Personalausstattung. Die Kriterien der Pflegebegutachtung führten also nicht zu einer der Pflegepraxis entsprechenden Einschätzung von Pflegebedürftigkeit.

Im Forschungsprojekt „PiBaWÜ – Pflege in Baden Württemberg. Entwicklung struktur- und prozessorientierter Qualitätsindikatoren in der Langzeit-Pflege“ – hatten Wissenschaftler der PTHV und der Hochschule Esslingen drei Jahre lang den Zusammenhang von Pflegebedürftigkeit (Pflegegraden), Pflegequalität und Personalausstattung untersucht. Am Projekt beteiligt waren 58 stationäre Pflegeeinrichtungen und 54 Pflegeschulen. Die wichtigsten Ergebnisse wurden am 9. Oktober in einer Abschlussveranstaltung vorgestellt. (ne)

 

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