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11.08.2021 | Onkologie | Nachrichten

Yoga lindert Ängste bei Chemo-induzierter Neuropathie

Autor:
Thomas Müller

Ängste, Stress, Depressionen – darunter leiden viele Frauen mit Chemotherapie-induzierten neuropathischen Beschwerden. Yoga kann einige der psychischen Begleiterscheinungen lindern, allerdings sind die Effekte nicht sehr groß.

Der Krebs ist überstanden, die Neuropathie bleibt – diese Erfahrung machen viele Patienten nach einer erfolgreichen Chemotherapie. Anbieten können Ärzte den Betroffenen allerdings nur wenig. Am ehesten scheint gegen eine Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN) noch Duloxetin zu wirken, hier gibt es jedenfalls die beste Evidenz, berichten Onkologen um Dr. Iris Zhi vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York. Jedoch ermögliche Duloxetin oft nur eine mäßige Schmerzlinderung bei deutlichen Nebenwirkungen, viele Patienten würden daher nichtpharmakologische Maßnahmen bevorzugen.

Zu diesen zählt auch Yoga. In Studien konnten Krebspatienten mit Yoga Ängste und Stress abbauen, Nebenwirkungen einer Krebstherapie wie Übelkeit, Schmerzen, Fatigue und Schlafprobleme lindern sowie die körperliche Balance und Flexibilität stärken. All das sollte auch für Betroffene mit CIPN relevant sein – hier kommt es neben psychischen Problemen häufig zu Stürzen und funktionellen Einschränkungen.

Ob Yoga dagegen tatsächlich etwas ausrichten kann, hat ein Team um Zhi in einer Pilotstudie geprüft, an der 41 Frauen mit CIPN teilnahmen. Fast alle waren an Brustkrebs erkrankt (93%), die übrigen hatten einen Ovarial- oder Endometriumtumor überlebt. Die Krebsdiagnose lag im Mittel vier Jahre zurück. Vier von fünf Frauen waren mit Paclitaxel behandelt worden, die übrigen mit Docetaxel, Carboplatin oder mehreren dieser Therapeutika.

21 der Frauen durften am Yoga teilnehmen, die übrigen 20 wiesen die Ärzte einer Wartegruppe zu. Trainiert wurde acht Wochen lang eine Stunde täglich per Videoanleitung, zweimal wöchentlich auch bei einem persönlichen Treffen. Die Ärzte um Zhi schauten nach vier, acht und zwölf Wochen in beiden Gruppen auf Angst- und Depressionssymptome, Schlafprobleme sowie Fatigue.

Etwas weniger Ängste und Stürze

Die deutlichsten Unterschiede ergaben sich bei der Angstsymptomatik, erfasst mit dem HADS-Score (0–21Punkte). Zu Beginn lag der Wert in beiden Gruppen etwas über 7 Punkte, mit Yoga war er nach acht Wochen um 1,6 Punkte gesunken, in der Wartegruppe um 0,3 Punkte, der Unterschied von 1,3 Punkten war statistisch signifikant und entspricht einer moderaten Effektstärke (Cohen’s d = 0,54). Nach zwölf Wochen sahen die Ärzte einen Unterschied von 1,9 Punkten (Cohen’s d = 0,62), was vor allem darauf zurückzuführen war, dass der HADS-Score in der Wartegruppe wieder anstieg. Besonders schienen Frauen mit einer klinisch relevanten Angststörung zu profitieren (HADS-Score mindestens 11 Punkte): Ihr Anteil ging in der Yoga-Gruppe um zwei Drittel zurück, nahm in der Kontrollgruppe hingegen zu.

Frauen in der Yoga-Gruppe hatten nach acht und zwölf Wochen auch weniger Depressionen, Schlafprobleme und Fatigue als diejenigen in der Wartegruppe, die Resultate waren aber alle statistisch nicht signifikant. Größere Unterschiede gab es auch nicht bei der Schmerzmedikation: Frauen mit Yoga änderten ihren Schmerzmittelgebrauch nicht häufiger als solche ohne.

In einer zuvor veröffentlichten Auswertung der Studie konnten die Forscher um Zhi eine etwas stärkere Schmerzreduktion in der Yoga-Gruppe nachweisen (minus 2 Punkte auf einer 10-Punkte-Analogskala), doch auch hier war der Unterschied zur Wartegruppe nicht signifikant. Allerdings ließ sich in der Yoga-Gruppe ein signifikant reduziertes Sturzrisiko belegen, auch wurden deutlich weniger Neuropathie-bedingte funktionelle Einschränkungen festgestellt.

Ein Manko ist wie immer in solchen Studien der Vergleich mit einer Wartegruppe: Im Therapiearm ist von einem deutlichen Placebo-, im Kontrollarm von einem Nocebo-Effekt auszugehen. Solche Effekte können die Resultate erheblich verzerren.

*HADS: Hospital Anxiety and Depression Scale

Literatur
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