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18.07.2022 | Onkologie | Online-Artikel

Krebs in der Schwangerschaft meist ohne Folgen fürs Kind

verfasst von: Robert Bublak

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Erkrankt die werdende Mutter in der Schwangerschaft an Krebs, ist die Furcht groß, Tumor und Therapie könnten dem Kind Schaden zufügen. Alles in allem scheint die Furcht jedoch unbegründet zu sein, wie eine dänische Studie nahelegt.

In einer von 1.000 bis 1.500 Schwangerschaften erhält die Mutter laut Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) eine Krebsdiagnose. „Die häufigsten Krebserkrankungen sind gynäkologische Tumoren (darunter vor allem Brustkrebs, gefolgt von Gebärmutterhalskrebs), Schilddrüsenkarzinome, Erkrankungen des blutbildenden Systems (z. B. Leukämien, Lymphdrüsenkrebs) und das Melanom“, so die DGHO.

Sofern die Schwangerschaft fortgesetzt werden kann, haben die Kinder ein erhöhtes Risiko beispielsweise für Frühgeburt und neonatale Mortalität (Greiber IK et al. BJOG 2022;129:1492–1502). Wie aber sieht es mit den längerfristigen Folgen für die Kinder aus? Die Gynäkologin Iben Greiber vom Reichskrankenhaus Kopenhagen ist der Frage im Zuge einer Kohortenstudie nachgegangen.

Eine Ausnahme gibt es

Von rund zweieinhalb Millionen zwischen 1978 und 2018 lebendgeborenen Kindern wurden 690 (0,03%) von Müttern zur Welt gebracht, bei denen während ihrer Schwangerschaft Krebs diagnostiziert worden war. Verglichen mit nicht exponierten Kindern war die Mortalität der Kinder, deren Mütter Krebs gehabt hatten, im Studienzeitraum insgesamt nicht erhöht. Auch gab es bei ihnen nicht mehr kongenitale Malformationen, noch war ihr Risiko für psychiatrische Erkrankungen wie ADHS oder Autismus-Spektrum-Störungen oder somatische Krankheiten erhöht. Das galt für Krebs ebenso wie für respiratorische, kardiovaskuläre, urologische und neurologische Leiden – mit der einzigen Ausnahme von endokrinen Schilddrüsenerkrankungen und Typ-1-Diabetes, die rechnerisch doppelt so oft vorkamen. Betroffen waren 12 von 665 exponierten Kindern (1,8%).

Von den 378 Kindern (0,03%), die in der Zeit zwischen 2002 und 2018 intrauterin mit einer Krebserkrankung der Mutter konfrontiert gewesen waren, waren 42 mit Chemotherapie in Kontakt gekommen. Malformationen oder somatische Krankheiten traten auch bei ihnen nicht häufiger auf als bei nicht krebsexponierten oder zwar krebs-, aber nicht Chemotherapie-exponierten Kindern.

„Wir fanden keinen Anstieg der somatischen oder psychiatrischen Krankheitslast von Kindern, die in utero einer Krebserkrankung ihrer Mutter ausgesetzt waren“, bilanzieren Greiber et al. ihre Ergebnisse. Eine Exposition gegenüber Chemotherapie habe man bei Kindern, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten geboren worden seien, nicht mit abträglichen gesundheitlichen Folgen in Verbindung bringen können. Eingeschränkt wird die Aussagekraft durch möglicherweise fehlklassifizierte Diagnosen, die eine Verzerrung in Richtung eines Nulleffektes bewirken könnten; die Tatsache, dass Krebsdiagnosen in der Schwangerschaft selten vorkommen; und die geringe Zahl der Endpunktereignisse.

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Literatur

Greiber IK et al. Long-Term Morbidity and Mortality in Children After In Utero Exposure to Maternal Cancer. J Clin Oncol 2022; https://doi.org/10.1200/JCO.22.00599