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15.06.2017 | Immunologie | Nachrichten

Journal Club

HIV-Infektion: Lebenserwartung hat sich fast normalisiert

Dank moderner antiretroviraler Therapien (ART) ist eine HIV-Infektion bei uns zur chronischen Krankheit geworden. Konsequent behandelt dürfen die Patienten mittlerweile auf ein langes Leben hoffen. Ein 20-Jähriger, der heute eine ART beginnt, könnte 78 Jahre alt werden, schätzen Forscher.

Analysen der Daten von europäischen und nordamerikanischen Patientengruppen haben gezeigt, dass HIV-infizierte Menschen heute deutlich länger leben, als noch in den 1990er Jahren. Die Lebenserwartung kommt jener in der Gesamtbevölkerung sehr nahe. Das berichtet jetzt ein internationaler Forscherverbund im Online-Magazin The Lancet HIV.  Dieser hatte Daten von 88.504 HIV-Patienten ausgewertet, die zwischen 1996 und 2010 mit einer antiretroviralen Therapie (ART) begonnen hatten. 

In diesem Zeitraum stieg die Lebenserwartung einer 20-jährigen Frau mit HIV, die eine ART beginnt, um neun Jahre, die eines 20-jährigen Mannes um zehn Jahre auf schätzungsweise 68 Jahre, so Adam Trickey von der Universität Bristol. Für einen 20 Jahre alten Patienten, der heute nach einem Jahr Behandlung eine CD-4-Zellzahl von über 350/Mikroliter aufweist, prognostizieren die Forscher sogar eine Lebenserwartung von 78 Jahren.

© spukkato / Getty Images / iStock

Diese positive Entwicklung hat nach Ansicht der Forscher verschiedene Gründe: Einerseits bestätigt sie die heutige Praxis, eine ART bei allen HIV-Patienten unmittelbar nach Bekanntwerden der Diagnose zu beginnen. Die Medikamente sind effektiver und verträglicher und das Therapieregime einfacher geworden. Auch für den Fall von Resistenzentwicklungen existieren Behandlungsalternativen. Und nicht zuletzt schreiben Trickey und seine Kollegen: „Mit der Erfahrung, dass HIV-positive Menschen alt werden können, screenen Ärzte intensiver und behandeln Begleiterkrankungen aggressiver.“

Die Forscher sehen aber auch einen großen Wermutstropfen: Die positiven Resultate treffen nur zu auf entwickelte Länder und dort auf Patienten mit hohem sozioökonomischen Status. Die Mehrheit HIV-bedingter Todesfälle betrifft Menschen, die überhaupt nicht behandelt werden.

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