Volkskrankheit Diabetes mellitus
- 19.11.2025
- Diabetes mellitus
- Online-Artikel
Heinrich der VIII., englischer König im 16. Jahrhundert litt mutmaßlich schon an Diabetes mellitus. Leider wusste es niemand und so wurde dieser arme, entsetzlich dicke Mann mit, für uns heute, abenteuerlichen Therapien gequält.
100 Jahre später, hat dann ein gewisser Thomas Willis festgestellt, dass bei bestimmten Erkrankungserscheinungen der Urin des Patienten “honigsüß” schmecke. Neben Dampfbädern, Brechwurzel und Lebertran wurde aber immerhin auch schon eine zuckerfreie Diät angeordnet. Und so, begann die Historie der Zuckerkrankheit, heute Diabetes mellitus genannt.
Der Diabetes mellitus ist die häufigste Stoffwechselerkrankung in den Industrienationen. Allein in Deutschland sind rund 11 Millionen Menschen davon betroffen - Tendenz steigend. Spitzenreiter sind übrigens Länder wie China und Indien.
Wie wirkt sich die Erkrankung aus? Welche Diabetesformen gibt es und wie werden sie behandelt?
Beim Diabetes mellitus, handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, die sich in erster Linie durch eine chronische Hyperglykämie auszeichnet. Es werden zwei Hauptformen unterschieden: Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2.
Der Diabetes mellitus Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, die meist bereits im Kindes- und Jugendalter auftritt. Die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) werden vom körpereigenen Immunsystem angegriffen und gehen unter. Wenn eine ausreichende Insulinversorgung des Körpers nicht mehr gewährleistet ist, bricht die Erkrankung aus und es kommt auf Grund zu hoher Blutzuckerwerte zu den typischen Symptomen.
Der Diabetes mellitus Typ 2 hingegen tritt meist im höheren Lebensalter auf. Anders als beim Typ 1-Diabetes ist anfangs die Insulinsekretion der Betazellen nicht beeinträchtigt, sondern die Insulinempfindlichkeit (Insulinsensitivität) der Körperzellen. Man spricht auch von Insulinresistenz. Die Insulinsekretion ist zunächst sogar erhöht, um die mangelnde Wirkung des Hormons auszugleichen. Im Verlauf der Erkrankung nimmt die Insulinsekretion der Betazellen aber immer weiter ab und es entsteht ein relativer Insulinmangel. Häufigste Anzeichen sind:
- Vermehrtes Durstgefühl
- Häufiger Harndrang
- Müdigkeit und Schwäche
- Wundheilungsstörungen
- höhere Infektanfälligkeit
- Sehstörungen
- Ketoazidose
Labordiagnostik
- Blutzuckermessung von Nüchternblutzucker bis Tagesspiegel
- Langzeitwert HbA1c
- Glukosetoleranztest
Die Behandlung erfolgt zunächst mit oralen Antidiabetika (OAD), einer Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion. Orale Antidiabetika erhöhen - abhängig vom Wirkstoff - die Insulinsensitivität der Zellen, reduzieren die Glukoseaufnahme oder erhöhen die Glukoseausscheidung. Wenn die Therapie mit OAD nicht ausreicht, weil beispielsweise eine Gewichtsreduktion oder Ernährungsumstellung nicht möglich oder bei gebrechlichen Patienten nicht praktikabel ist, erfolgt die Insulinsubstitution. Unabhängig vom Diabetes-Typ zielt die Therapie darauf ab, sowohl Hyper- wie auch Hypoglykämien zu vermeiden.
Folgeerkrankungen
Potenzielle Folgeerkrankungen unterscheiden sich nicht bei den verschiedenen Diabetes-Typen. Allerdings treten sie bei Typ-1-Diabetikern in der Regel Jahre nach der Erstdiagnose auf. Dagegen machen sie sich bei Typ-2-Diabetikern häufig bereits zum Zeitpunkt der Diagnose bemerkbar. Typische Krankheitsbilder sind Makroangiopathien (z.B. KHK und pAVK), Mikroangiopathien (z.B. Nephropathie und Retinopathie) oder periphere Neuropathien (Sensibilitätsstörungen oder Polyneuropathien). Folglich sind kardiale Erkrankungen, chronische Niereninsuffizienz, Sehbeeinträchtigungen oder das diabetische Fußsyndrom typische Krankheitsbilder, welche im Rahmen der Pflege von Diabetikern regelmäßig berücksichtigt werden müssen.
Eine besondere Form des Diabetes ist der Schwangerschaftsdiabetes, der etwa 5 von 100 Schwangere betrifft. Die Symptome bei der werdenden Mutter sind ähnlich des herkömmlichen Diabetes.Jedoch reichen oft Bewegung und Ernährungsumstellung aus. Die Kinder sind oft deutlich größer und schwerer, aber in der Regel gesund.
Aufgaben der Pflege
Durch das Zusammenwirken einer chronischen Erkrankung und altersbedingter Einschränkungen stellen pflegebedürftige Diabetiker eine therapeutisch und pflegerisch vielseitig anspruchsvolle Patientengruppe dar. Zu typischen Aufgabe der Pflege gehören beispielsweise die Prävention von Dekubital-Ulzera, Pneumonien, Harnwegsinfekten, Stürzen und Fußulzera (Diabetisches Fußsyndrom). Des Weiteren zählen auch die Überwachung des Blutzuckerspiegels durch regelmäßige BZ-Kontrollen und das Verabreichen von Insulin nach einem von einem Arzt verordneten Schema, zu den täglichen Pflegeaufgaben. Ebenso ist, bei entsprechender Qualifikation, eine Schulung und Beratung des Patienten sinnvoll. Ziel dabei ist stets die größtmögliche Selbstversorgung.
Wie immer, aber in diesem Fall ganz besonders, ist die Complaince des Patienten von entscheidender Bedeutung um diese Erkrankung optimal zu behandeln und ein gutes Leben mit dieser Krankheit zu ermöglichen.
Diabetes-Fortbildung für Pflegekräfte
Für Pflegekräfte existieren verschiedene Fortbildungsmöglichkeiten im Bereich Diabetes. Die meisten Veranstaltungen vermitteln je nach Ziel der Fortbildung in unterschiedlichem Umfang Grundwissen zur Pathophysiologie, Folgeerkrankungen, Therapien, Medikamentengabe, Stoffwechselkontrollen sowie zur Beratung und Anleitung.
Zeitgemäß sind für Pflegekräfte im stationären und ambulanten Bereich die Weiterbildung zur Diabetes Pflegekraft.