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09.12.2020 | Demenz | Nachrichten

Kommunikationsplattform für Demenz-WGs

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Im Rahmen des Projekts INFODOQ wurde an der Hochschule RheinMain (Hessen) in den vergangenen drei Jahren eine Online-Plattform für Demenz-Wohngemeinschaften entwickelt. Mit INFODOQ Mobile soll die Dokumentations- und Kommunikationsplattform flexibler werden.

Selbstverwaltete Wohn-Pflege-WGs sind aufgrund der hohen Koordinations- und Abstimmungsaufgaben auf funktionierende Kommunikationsinstrumente angewiesen. Gegenwärtig gibt es in Hessen etwa 15 selbstverwaltete Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz, zwei davon waren in die Entwicklung und Evaluation von INFODOQ eingebunden.
„Mit INFODOQ wollen wir die Betreuungsdokumentation entbürokratisieren und gleichzeitig ein effektives und nutzerfreundliches Informations-, Kommunikations- und Organisationsinstrument für das Verantwortungsdreieck mit Angehörigen beziehungsweise rechtlichen Betreuerinnen und Betreuern, Vermieterinnen und Vermietern sowie Pflegediensten entwickeln“, erklärt Prof. Dr. Ludger Martin vom Fachbereich Design Informatik Medien das Vorhaben.

Mobile-Version näher an der Praxis

Während der Projektlaufzeit wurde klar, dass INFODOQ noch stärker an die Bedarfe und Bedürfnisse der Nutzer angepasst werden soll. Aktuell ist die Nutzung von INFODOQ nur an PC oder Laptop sowie nur online möglich. Das Ziel von INFODOQ Mobile ist es, noch flexibler in den Alltag der Anwender integriert zu werden und zu mehr Barrierefreiheit beizutragen. Die prototypische Online-Applikation soll nun auch als Smartphone-App zur Verfügung stehen. „Es geht darum, mit wenigen Fingerbewegungen eine Pflegemaßnahme zu dokumentieren und zentral zugänglich zu machen, etwa für Angehörige“, so Martin.
Zusätzlich sollen moderne Interaktionsmethoden integriert werden. Dazu zählt die Möglichkeit, mit der App arbeiten zu können, wenn das Smartphone offline ist. Eine weitere Funktion soll ein digitales Schwarzes Brett sein, wo Fotos und Rezepte hochgeladen oder Umfragen erstellt werden können. „Die Kommunikation wird dadurch noch transparenter, Entscheidungen können schneller getroffen, auftretende Probleme zeitnah behoben werden. Angehörige können nicht nur tagesaktuell über die Aktivitäten auf dem Laufenden gehalten werden, sondern sie sparen sich auch das Nachschlagen in der Akte, wenn sie zu Besuch kommen. Der Mehrwert: mehr Zeit für die Angehörigen während der Besuchszeit“, sagt Martin.

Mehr Zeit für Bewohner

Gegenwärtig wird INFODOQ in zwei hessischen Demenz-WGs von Angehörigen sowie den Pflege- und Betreuungsdiensten angewendet. Die Nutzer sind neben den Diensten meist Angehörige der Bewohner im Alter ab etwa 50 Jahren. Sie gaben an, ihre Smartphones nahezu rund um die Uhr und für sämtliche Online-Aktivitäten zu nutzen, zugleich haben sie zu Hause häufig keinen PC zur Verfügung.
„Auch Pflege und Betreuungsdienste arbeiten immer mehr über mobile Datenerfassungssysteme, so dass eine mobile App die WG-Abläufe effizienter gestalten kann. Hinzu kommt, dass effiziente Abläufe dazu beitragen, dass mehr Zeit zur qualitativen Begleitung der Menschen mit Demenz zur Verfügung steht und somit genutzt werden kann, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern“, erklärt Martin.
Träger des Modellprojektes und Kooperationspartner der Hochschule RheinMain ist die Hans und Ilse Breuer-Stiftung. Gefördert wird es vom Hessischen Sozialministerium und einem Verbund gesetzlicher Krankenkassen. (ub)

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