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29.01.2021 | #KongressPflege | Nachrichten

KAP – erste Erfolge und bleibende Herausforderungen

Die Corona-Pandemie hat die Missstände in der Pflege noch einmal zusätzlich verschärft und wie ein Brennglas deutlich gemacht. Bei der Eröffnung des Kongresses Pflege 2021 diskutierten Vertreter aus Pflege und Politik über alte und neue Herausforderungen.

Kongresseröffnung © Nils HasenauPolitik und Pflege diskutieren auf dem Kongress Pflege 2021:  (v.l.n.r.) Moderator Professor Heinz Lohmann, DPR-Vizepräsidentin Christine Vogler, Familienministerin Franziska Giffey und Arbeitsminister Hubertus Heil. Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, war zugeschaltet. 

Die Corona-Pandemie stellt für professionell Pflegende eine weitere enorme Belastung in einer seit langem angespannten Arbeitssituation dar. Zwischen Angst und Pflichtbewusstsein waren sie in den vergangenen Monaten hin- und hergerissen. Das berichtete Sabine Brase, Pflegedirektorin des Klinikums Darmstadt, bei der Eröffnung des Kongresses Pflege 2021, der in diesem Jahr virtuell stattfindet. Täglich würden die Pflegenden mit dem Leid der Patienten konfrontiert – und das ohne jede Rückzugsmöglichkeit, so Brase.

„Beim Sterbeprozess als einzige Kontaktperson dabei zu sein, das belastet übermäßig“, sagte Brase. „Ich mache mir echt Sorgen, wie es den Pflegenden nach der Pandemie geht.“ Pflegemanagement und Krankenhausleitungen seien jetzt gefordert, die Mitarbeiter mit geeigneten Maßnahmen zu unterstützen. Von der Politik erwarteten die Pflegenden, dass sie die Weichen stelle. Applaus alleine reiche nicht. Brase: „Pflegende wollen Wertschätzung, die sich auch in Entgelt und Mitbestimmungsrecht ausdrückt.“

Große Leistungsbereitschaft für das Gesundheitswesen

Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung dankten gleich drei Bundesminister den professionell Pflegenden für den enormen Einsatz in der Corona-Pandemie. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sowie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn betonten gleichermaßen die große Leistungsbereitschaft der Berufsgruppe und deren Bedeutung für ein funktionierendes Gesundheitswesen. Die Pandemie habe dies noch einmal klar gezeigt. „Uns allen ist bewusst, wie wichtig Pflegekräfte für unsere Versorgung sind und wie außerordentlich groß ihre Kompetenz und der persönliche Einsatzwille sind“, erklärte Spahn per Videobotschaft. Die Bundesregierung wolle den Pflegeberuf stärken und weitere Pflegekräfte gewinnen.

Bemühungen um bessere Arbeitsbedingungen gehen weiter

Spahn verwies auf erste konkrete Verbesserungen, die im Rahmen der Konzertierten Aktion Pflege (KAP) erreicht werden konnten. Neben höheren Mindestlöhnen gebe es auch hinsichtlich neuer Stellen Erfolge: Nach 13.000 zusätzlichen Stellen für Pflegefachpersonen in der stationären Altenpflege, seien zum 1. Januar 20.000 zusätzliche Stellen für Pflegehilfskräfte geschaffen worden. „Sorgen wir nun gemeinsam dafür, dass diese zusätzlichen Stellen auch besetzt werden“, sagte Spahn.

Der Gesundheitsminister will auch die Aufgabenverteilung zwischen Pflegefachpersonen und Assistenzkräften künftig neu regeln. Er sicherte den Einrichtungen zudem Unterstützung bei Maßnahmen zur Personal- und Organisationsentwicklung zu. Auch digitale Anwendungen sollen verstärkt zum Einsatz kommen. Es gehe aber um mehr: „Pflege muss gleichberechtigt mit Ärzteschaft, Krankenhäusern und Apotheken in die Telematik-Infrastruktur eingebunden werden“, sagte Spahn. „Der gesetzliche Rahmen dafür steht“.

Bundesarbeitsminister Heil betonte, dass höhere Mindestlöhne in der Pflege nur ein erster Schritt sein können. Er strebt einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag in der Branche an. Zudem müsse diskutiert werden, wie sehr Rationalisierungs- und Effizienzdruck im Gesundheitswesen dazu beigetragen haben, dass die Arbeitsbedingungen in der Pflege immer schwieriger werden. Pflegende würden zurecht gute und attraktive Arbeitsbedingungen erwarten, so Heil. „Respekt für die Pflege darf sich nicht in warmen Worten erschöpfen.“

Steigende Ausbildungzahlen ...

Ministerin Giffey bekräftigte, dass sich die beteiligten Ministerien mit der KAP gemeinsam verpflichtet hätten, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern. „Ich bin stolz darauf, dass wir drangeblieben sind und die Maßnahmen auch unter den schwierigen Bedingungen der Pandemie weiter umsetzen“, erklärte sie. Das Familienministerium koordiniert die Ausbildungsoffensive der KAP. Ziel ist es, bis 2023 die Zahl der Auszubildenden und der Ausbildungsplätze in der Pflege um zehn Prozent zu steigern. Für das Ausbildungsjahr 2019/2020 konnte Giffey deutschlandweit 57.000 neue Pflege-Auszubildende vermelden. Das entspreche einem Anstieg um 5,9 Prozent. „In Bayern lag der Anstieg bereits bei zehn Prozent, in Sachsen-Anhalt bei 11,5 Prozent“, so die Familienministerin. Giffey räumte ein, dass es noch nicht sofort überall mehr Arbeitskräfte gebe, aber in Zukunft werde  sich die Situation verbessern. 

... und hohe Abbrecherquoten

Die Vize-Präsidentin des Deutschen Pflegerates (DPR), Christine Vogler, gab zu bedenken, dass auch die hohe Abbrecherquote unter Pflegeauszubildenden berücksichtigt werden müsse. Vogler reagierte dabei auch auf den Vorschlag aus der Politik, Pflegeauszubildende verstärkt in die Durchführung von Schnelltests in Pflegeeinrichtungen einzubinden. „Die angesprochenen Auszubildenden befinden sich seit einem Jahr im Corona-Ausbildungsmodus“, betonte Vogler. Sie seien schon jetzt vielerorts in die Pandemiebekämpfung eingebunden, ohne dass dies wahrgenommen würde. Bereits seit Jahrzehnten liege auf den Auszubildenden eine unglaubliche Verantwortung der pflegerischen Umsetzung, auch weil sie angerechnet würden auf die Stellenschlüssel.

Nach aktuellen Zahlen beenden 28 Prozent der angehenden Pflegefachpersonen die Ausbildung nicht. „Wir schaffen es in einem Jahr gerade mal –  wenn wir gut sind – 40.000 Pflegekräfte auszubilden“, sagte Vogler. 500.000 Pflegekräfte würden jedoch in den nächsten zehn Jahren aus dem Beruf ausscheiden. „Wir müssen uns hinsetzen und einen Plan machen für die Zukunft.“ (ne)

Live-Webinare bis zum 19. Februar

Aufgrund der Pandemie findet der von Springer Pflege veranstaltete Kongress Pflege 2021 als rein virtuelle Veranstaltung statt. Noch bis zum 19. Februar 2021 erwarten die rund 6.000 Teilnehmenden insgesamt 11 Live-Webinare zu den verschiedensten aktuellen Themen. 


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