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Zwischen „Mutterpflichten“ und „einfach nur Sohn sein“

Einblicke in eine qualitative Studie zur Rollenwahrnehmung junger pflegender Angehöriger in Deutschland

  • Open Access
  • 17.03.2026

Zusammenfassung

Hintergrund

In Deutschland gibt es 2,4 Mio. pflegende Angehörige unter 45 Jahren. Die Bedürfnisse dieser Gruppe sind in der Forschung bisher unterrepräsentiert. Der Einfluss einer Pflegesituation in der eigenen Familie und der Doppelbelastung auf die veränderten Erwartungen an junge pflegende Angehörigen wurde bisher nicht untersucht.

Zielsetzung

Ziel der Studie war es, das innere Erleben der Selbst- und Rollenwahrnehmung junger pflegender Angehöriger zu ermitteln.

Materialien und Methoden

Es wurden halbstrukturierte Interviews mit Expert:innen im Gesundheitswesen (n = 17) und jungen pflegenden Angehörigen (18 bis 45 Jahre) (n = 26) durchgeführt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz analysiert.

Ergebnisse

Die befragten Personen nehmen deutliche Rollenkonflikte wahr, die sich aus unterschiedlichen Erwartungen an ihre Person ergeben. In einigen Familien führt die Pflegesituation zu einer Umkehrung der Eltern-Kind-Rolle, sodass junge pflegende Angehörige elterliche Aufgaben übernehmen. Das Geschlecht der Betreuungsperson spielt dabei keine Rolle. Das Thema der Rollenidentifikation wurde bisher nicht flächendeckend in Beratungssituationen aufgegriffen. Professionelle Anbieter von Unterstützungsangeboten sollten jungen Pflegenden aller Geschlechter helfen, ihre Rollen zu identifizieren und geeignete Angebote zu etablieren.

Schlussfolgerungen

Bei der Analyse und Auswertung der Daten kristallisierten sich drei neue Themen heraus: Einige junge Pflegende fühlen sich verpflichtet, die Pflege (allein) zu übernehmen, die Rollen sind innerhalb der Familie manchmal vertauscht, und sie haben Probleme, sich von der Pflegesituation zu lösen. Die Unterstützungsdienste bieten momentan keine ausreichende Unterstützung für die festgestellten Herausforderungen. Beratende Personen im Gesundheitswesen sollten Interventionen entwickeln, um jungen Pflegenden zu helfen, die Selbst- und Rollenwahrnehmung zu verbessern und das Gefühl zu verringern, Pflege leisten zu müssen. Auf diese Weise kann die Lebensqualität der jungen pflegenden Angehörigen verbessert werden.

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.

Einleitung

Deutschland gehört weltweit zu den Spitzenreitern bei der Alterung der Gesellschaft, das zeigt sich an sinkenden Geburtenraten (Statistisches Bundesamt [destatis] 2024b) und einer steigenden Lebenserwartung (Statistisches Bundesamt [destatis] 2024a). Im Jahr 2017 waren 3,4 Millionen Personen pflegebedürftig (Statistisches Bundesamt [destatis] 2018), bis 2055 geht die Pflegevorausberechnung des Statistischen Bundesamtes von 6,8 Millionen. pflegebedürftigen Personen aus (destatis 2023). Dies ist v. a. auf die Geburtenstarken Jahrgänge von 1950–1969 zurückzuführen, die in diesen Jahren voraussichtlich von Pflegebedürftigkeit betroffen sein werden (Statistisches Bundesamt [destatis] 2023). Etwa 5,7 Millionen. Menschen der deutschen Bevölkerung waren Ende 2023 pflegebedürftig im Sinne des SGB XI (Statistisches Bundesamt [destatis] 2024c). Bereits jetzt sind pflegende Angehörige in Deutschland ein wichtiger Faktor in der Betreuung pflegebedürftiger Personen. Es wird über sie als der größte Pflegedienst Deutschlands gesprochen (Ehrlich und Kelle 2019; Wetzstein et al. 2015).
In Deutschland werden 4,1 Millionen Personen von pflegenden Angehörigen betreut. Fast 50 % der pflegenden Angehörigen sind unter 41 Jahre alt (Büscher et al. 2023). Die Vereinbarkeit von Pflege, Beruf und Familie spielt in dieser Altersgruppe eine große Rolle, denn mehr als die Hälfte der pflegenden Angehörigen unter 41 Jahren geben an, zumindest in Teilzeit zu arbeiten (Büscher et al. 2023). Trotz der hohen Zahl junger pflegender Angehöriger in Deutschland ist diese Gruppe bisher kaum untersucht worden.
Neben dem Start ins Berufsleben spielt die Familie eine wichtige Rolle im Leben der jungen Menschen. Laut der Shell-Jugendstudie sind Familie und soziale Beziehungen nach wie vor wichtige Werte für fast alle jungen Menschen (Albert et al. 2020). Daher kann davon ausgegangen werden, dass dies auch für junge Erwachsene im weiteren Verlauf ihres Lebens von hoher Relevanz ist. Darüber hinaus gaben 80 % der in der Studie befragten jungen Menschen an, dass sie das Leben genießen wollen. Nach Ansicht der Autoren bedeutet dies, dass berufliche und private Aktivitäten klar getrennt werden sollten, um beiden gleichermaßen gerecht zu werden (Albert et al. 2020). Im deutschen Gesundheitswesen wird erwartet, dass die Pflege in der Familie stattfindet (Ehrlich und Kelle 2019; Lüdecke 2006), was bedeutet, dass v. a. junge pflegende Angehörige sich im Spannungsfeld zwischen ihren eigenen Lebensvorstellungen und den Erwartungen, die gleichzeitig von Verwandten oder der Gesellschaft an sie gestellt werden, befinden.
Pflegende Angehörige aller Altersstufen sind teilweise stark belastet (Del-Pino-Casado et al. 2021; Gräßel und Behrndt 2016; Posch-Eliskases et al. 2015; Siemens Betriebskrankenkasse 2018). Bereits 2016 wurde das Thema Entlastungsangebote zur Reduktion der subjektiven Belastung für pflegende Angehörige im Pflegereport thematisiert. Die Unterstützungsangebote der Pflegekassen setzen auf vielen verschiedenen Ebenen an (Gräßel und Behrndt 2016). So gibt es Angebote, die die Versorgung der pflegebedürftigen Personen in den Vordergrund stellen (z. B. Tagespflege, ambulante Pflegedienste), andere Angebote fokussieren die pflegenden Angehörigen direkt (z. B. Pflegekurse, Pflegeberatungen oder Selbsthilfegruppen) (Gräßel und Behrndt 2016). Diese vielseitigen Angebote werden auch 2026 von den Pflegekassen noch angeboten. Sie sind im SGB XI verankert und werden teilweise von regionsspezifischen Regelungen ergänzt.
Pflegende Angehörige nehmen im Rahmen ihrer pflegerischen Aufgaben eine besondere Rolle in der Familie ein. Das heißt, sie sind nicht nur Tochter, Sohn oder Tante, sondern auch pflegende:r Angehörige:r. Mit dieser weiteren Rolle gehen auch spezifische Identitätsbildungsprozesse einher, die die pflegenden Angehörigen bewusst oder unbewusst erleben. Diese Spannung wird auch im symbolischen Interaktionismus von Mead beschrieben, dessen Kern die Identitätsbildung durch soziale Interaktion ist. Auf diese Weise treten subjektive Interpretationen und Handlungspläne in den Vordergrund (Reiger 2007). Demnach sind die Handlungen von Menschen in erster Linie das Ergebnis ihrer individuellen Definition und Wahrnehmung einer Situation. Das gilt auch für die Interaktion mit anderen Menschen. Dieses gemeinsame Verständnis einer Situation beeinflusst die weiteren Interaktionen zwischen den beteiligten Personen (Reiger 2007).
In seiner Rollentheorie beschreibt Dahrendorf soziale Rollen als Verhaltensregeln, die unabhängig von der einzelnen Person sind. Der Inhalt einer sozialen Rolle ist also nicht vom Individuum abhängig, sondern wird durch die Erwartungen der Gesellschaft als Ganzes bestimmt. Wenn Individuen sich entscheiden, sich bestimmten Erwartungen und Anforderungen zu entziehen, geschieht dies nicht ohne Schaden für die zurücktretende Person (Dahrendorf 2010). Die Theorie der sozialen Rollen geht davon aus, dass die Erwartungen an eine Rolle in Kann‑, Soll- und Muss-Erwartungen unterteilt werden, die aus der Perspektive von Außenstehenden erfüllt werden, wenn jemand diese Rolle übernimmt. So werden auch an junge pflegende Angehörige von verschiedenen Personen, z. B. von der Familie, der pflegebedürftigen Person und auch von ihnen selbst, Erwartungen gestellt, die erfüllt werden sollten, um der sozialen Norm zu entsprechen (Dahrendorf 2010). Besondere Herausforderungen entstehen, wenn diese Erwartungen aufeinanderprallen und nicht erfüllt werden können. Dies kann sich sogar zu einer Rollenkrise ausweiten, in der die jungen pflegenden Angehörigen die an sie gestellten Erwartungen nicht erfüllen können, und führt zu einer Situation, die sie zunehmend überfordert (Dahrendorf 2010). Einen Fokus auf den Identitätsbildungsprozess und die Rollenwahrnehmung von jungen pflegenden Angehörigen im deutschsprachigen Raum gab es bislang nicht.
Dieses Vorwissen sollte bei der Konzeption neuer Angebote berücksichtigt werden, um den unterschiedlichen Bedürfnissen von jungen pflegenden Angehörigen gerecht zu werden. Der Identitätsbildungsprozess von pflegenden Angehörigen wurde bisher nur wenig untersucht (Funk 2019; Hudelmayer und Grath 2024). Es gibt beispielsweise kaum Unterstützungsangebote, die die jungen pflegenden Angehörigen bei der Identifikation mit der neuen Rolle als pflegende Angehörige zu identifizieren. Die fehlende Identifikation als junge:r pflegende:r Angehöriger wirkt sich Studien zu folge jedoch negativ auf die Inanspruchnahme von weiterführenden Unterstützungsangeboten aus (Funk 2019; Hudelmayer und Grath 2024). Eifert et al. (2015) belegen, dass eine erhöhte Selbstidentifikation als pflegende:r Angehörige:r mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einhergeht, Unterstützungsangebote anzunehmen (Hudelmayer und Grath 2024).
Die Aufgabe der Sicherstellung der pflegerischen Versorgung wurde mit der Gründung der Pflegeversicherung vor ca. 30 Jahren an diese delegiert (Schwinger et al. 2024). Dazu arbeiten die Pflegekassen eng mit den Ländern und Kommunen zusammen. So soll eine ortsnahe, regional angepasste, qualitativ hochwertige Versorgung der Versicherten gewährleistet werden (Schwinger et al. 2024). Es besteht jedoch eine erhebliche Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage, die zu einem ungedeckten Bedarf von Unterstützungsangeboten für junge pflegenden Angehörige in Deutschland führt.

Ziel

Ziel der Studie ist es, zu analysieren, wie junge pflegende Angehörige sich selbst in ihrer Rolle als Pflegeperson wahrnehmen, und welchen Einfluss die Pflegesituation auf die Wahrnehmung ihrer Rolle innerhalb der Familie hat. Hierzu wurde folgende Forschungsfrage formuliert: Wie nehmen sich junge pflegende Angehörige in Ihrer Rolle als Pflegende wahr?

Methodik

Studiendesign und theoretischer Zugang

Vor jedem Interview wurden den befragten Personen Zweck und Inhalt der Studie erläutert. Die befragten Personen haben eine schriftliche Einverständniserklärung zur Teilnahme unterschrieben, nachdem eine informierte Zustimmung eingeholt worden war.
Die dem interpretativ-hermeneutischen Forschungsparadigma (Kurt und Herbrik 2022) folgende Studie wurde als qualitative Studie konzipiert, um dem explorativen Forschungsinteresse gerecht zu werden. Der gewählte qualitative Ansatz ermöglicht es, Einblicke in die vielschichtigen Herausforderungen der zu untersuchenden Zielgruppe der jungen pflegenden Angehörigen zu gewinnen (Perkhofer et al. 2016).
Um die Forschungsfrage beantworten zu können, wurden leitfadengestützte Einzelinterviews mittels halbstrukturierter Fragebogen mit einer hohen narrativen Komponente durchgeführt, um jungen pflegenden Angehörigen (18 bis 45 Jahre) und Expert:innen aus dem Gesundheitswesen Raum für eigene Erfahrungen und Gedanken zu geben (Misoch 2015, 2019).
Expert:innen sind in diesem Zusammenhang Personen, die junge pflegende Angehörige in der Pflegesituation zu Unterstützungsangeboten beraten. So kann sichergestellt werden, dass neben der Angehörigenperspektive auch Fachwissen und spezialisiertes Handlungs- und Erfahrungswissen aufweisen.
Dieses Fragebogendesign ermöglichte es sowohl den befragten jungen pflegenden Angehörigen als auch den befragten Expert:innen, ihre Gedanken anzusprechen, sodass verschiedene Facetten sichtbar wurden. Um eine möglichst große Streuung innerhalb der Stichprobe zu erreichen, wurde ein breites Spektrum von jungen pflegenden Angehörigen und Expert:innen im Gesundheitswesen in Deutschland befragt.
Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden zwei halbstrukturierte Interviewleitfäden mit narrativen Elementen entwickelt, um sowohl bei jungen pflegenden Angehörigen als auch bei Expert:innen detaillierte Einblicke in relevante Themenbereiche zu gewinnen (Misoch 2015, 2019). Die Leitfadenentwicklung erfolgte kollaborativ von zwei Forschenden (AK und NS). Beide Forscherinnen haben zuvor mehrere Jahre in der Patient:innen-Versorgung gearbeitet und bereits Vorerfahrungen in der qualitativen Forschung. Die Auswertung der Interviews und Interpretation der Ergebnisse erfolgten von einer Forscherin (AK).
Die Erstellung des Fragebogens folgte dem SPSS-Schema von Helfferich (2022). Zunächst wurden auf Basis der zuvor durchgeführten Literaturrecherche die Interviewkategorien deduktiv hergeleitet und umfassende Fragen formuliert. Die Validierung der Fragen auf ihre Funktion als Erzählaufforderungen und ihr Potenzial zur Erkenntnisgenerierung erfolgte mittels der Think-Aloud-Methode (Häder 2019) durch eine fachexterne Person; ungeeignete Fragen wurden eliminiert oder überarbeitet. Dabei wurde sich streng an der Forschungsfrage orientiert. Abschließend wurden die validierten Fragen nach inhaltlichem Zusammenhang strukturiert und zu übergeordneten Erzähl-Impulsen subsumiert, die das spontane Erzählen fördern sollten. Konsistent mit der methodischen Empfehlung (Helfferich 2022) wurde der Leitfaden für junge pflegende Angehörige mit mehr Impulsen versehen, um die geringere Interviewerfahrung dieser Gruppe zu kompensieren.
Die Hauptthemen für die Interviews mit jungen pflegenden Angehörigen umfassten folgende Themengebiete:
1.
Person und Alltag der jungen pflegenden Angehörigen,
 
2.
Beschreibung der Versorgungssituation, darunter fallen die Beschreibung des Pflegearrangements sowie die Herausforderungen und Belastungen durch die Übernahme der Pflegesituation und
 
3.
Erleben von Rollenanforderungen an junge pflegende Angehörige.
 
Der Leitfaden für Expert:innen wurde adaptiert und um die Beschreibung der Versorgungssituation junger pflegender Angehöriger und deren Unterstützungsbedarf aus Perspektive der Expert:innen ergänzt. Folgende Hauptkategorien wurden formuliert:
1.
Berührungspunkte mit jungen pflegenden Angehörigen,
 
2.
Beschreibung der Versorgungssituation mit Beschreibung der Pflegearrangements, Bedürfnisse und Herausforderungen sowie Belastungen für die jungen pflegenden Angehörigen durch die Pflegesituation und
 
3.
Erleben von Rollenanforderungen an junge pflegende Angehörige aus Perspektive der Expert:innen.
 
Ein Pretest des gesamten Fragebogens zur Qualitätssicherung der erhobenen Daten erfolgte gemäß Standard-Pretest (Häder 2019; Lenzner et al. 2015). Der Standard-Pretest, auch als Beobachtungs-Pretest bezeichnet, gehört zu den gängigsten Strategien der Feldtestung und lässt sich mit relativ geringem Zeitaufwand durchführen (Häder 2019); aus diesem Grund wurde dieses Vorgehen gewählt. Sowohl der Interviewleitfaden für junge pflegende Angehörige als auch der für Expertinnen und Experten wurden im Rahmen des Standard-Pretests auf Validität und Verständlichkeit geprüft. Besonderes Augenmerk lag auf auffälligen Mustern oder Problemen bei der Beantwortung der einzelnen Fragen sowie auf der Klarheit der Formulierungen (Häder 2019). Die Testung erfolgte unter möglichst realen Bedingungen mit jeweils einer Person aus dem Forschungsfeld. Es mussten keine Anpassungen der Forschungsfragen vorgenommen werden.

Datenverwaltung

Die Daten wurden unter Einhaltung der Datenschutzbestimmungen (DSGVO) gespeichert.
Die digital aufgezeichneten Interviews wurden zunächst pseudonymisiert (z. B. I‑jpA‑1 für Interview eines der jungen pflegenden Angehörigen) und händisch nach den Transkriptionsregeln von Dressing und Pehl (Dresing und Pehl 2018) transkribiert. Interviewinhalte, die Rückschlüsse auf eine Person zulassen, wurden anonymisiert.

Befragte junge pflegende Angehörige

Um die Forschungsfrage zu beantworten, wurden Ein- und Ausschlusskriterien für die Studie festgelegt.
Einschlusskriterien:
  • Zielgruppe: pflegende Angehörige,
  • Altersspanne: 18 bis 45 Jahre,
  • zu untersuchendes Setting: häusliche Umgebung,
  • unterstützte Personen: (Groß‑)Eltern, (Ehe‑)Partner:innen.
Ausschlusskriterien:
  • Personen unter 18 Jahren oder über 46 Jahre,
  • keine Unterstützung im häuslichen Umfeld,
  • pflegende Eltern.
Pflegende Angehörige im Alter von 18 bis 45 Jahren befinden sich in einer wichtigen Übergangsphase zum mittleren Erwachsenenalter. Sie sind bereits mit zentralen Entwicklungsaufgaben wie dem Berufseinstieg, der Familiengründung und der Etablierung einer Karriere konfrontiert. Die Pflege von Angehörigen stellt für diese Personengruppe daher eine zusätzliche Herausforderung dar. Die Rollenentwicklung dieser Personengruppe stand bisher nicht im Forschungsinteresse.
Für die Rekrutierung der Studienteilnehmer:innen wurde die Strategie des Convenience Sampling gewählt. Diese Methode erweist sich als adäquat, insbesondere wenn das Forschungsinteresse auf der Erfassung individueller Wahrnehmungen und Einstellungen der Zielgruppe liegt (Golzar et al. 2022). Angesichts des erschwerten Zugangs zur spezifischen Population junger pflegender Angehöriger wurde ein pragmatischer Ansatz verfolgt, der darauf abzielte, eine möglichst große und zugängliche Stichprobe zu generieren (Golzar et al. 2022).
Der Rekrutierungsprozess verlief mehrstufig. Zunächst wurden die potenziellen Interviewpartner:innen persönlich angesprochen (AK und NS) oder über Personen, die in Kontakt mit jungen pflegenden Angehörigen stehen, auf die Studie aufmerksam gemacht. Einige Kontakte wurden auch über die befragten Expert:innen hergestellt. Parallel wurden Aufrufe zur Teilnahme an Universitäten und Schulen für Berufsausbildungen gemacht. Die Rekrutierung fand außerdem über verschiedene Kommunikationskanäle und Social-Media-Plattformen (z. B. Facebook) statt. Durch diese diversifizierte Rekrutierungsstrategie wurde intendiert, die Beschränkung der Stichprobe auf das persönliche Netzwerk der Forschenden zu vermeiden und die Erreichbarkeit einer heterogeneren Gruppe junger pflegender Angehöriger zu optimieren.

Interviewte Expert:innen aus dem Gesundheitswesen

Die interviewten Personen wurden von den Forschenden (AK und NS) direkt angesprochen. Bei der Auswahl der Personen wurde auf ein hohes Maß an Diversifizierung der Rollen geachtet, um einen breiten Einblick in die Arbeit mit jungen pflegenden Angehörigen zu erhalten. Die Auswahl wurde über das Expert:innennetzwerk der Forscher (AK und NS) getroffen.
Die Expert:innen bekundeten ein starkes Interesse an der Teilnahme an der Studie; es war jedoch bemerkenswert, dass kein Vertreter eines Verbandes für pflegende Angehörige bereit war, sich interviewen zu lassen, obwohl die beiden größten Verbände in Deutschland angeschrieben wurden. Ein Interview mit diesen Verbänden wäre aufgrund ihrer Erfahrung und ihres Einblicks in die Gruppe der jungen pflegenden Angehörigen von großem Nutzen für die Studie gewesen.

Datenerhebung

Die Datenerhebung fand von Oktober 2022 bis Januar 2023 statt. Die Interviews wurden deutschlandweit persönlich oder telefonisch geführt.
Zu Beginn wurden die befragten jungen pflegenden Angehörigen gebeten, sich vorzustellen und die Pflegesituation zu beschreiben. Die Vorstellung wurde als Einstieg in das narrativ-geprägte leitfadengestützte Interview gewählt. Abschließend wurden soziodemografische Daten (Alter, Erwerbsarbeitszeit, Wohnsituation zur pflegebedürftigen Person) vervollständigt, sofern diese im Gespräch noch nicht umfassend erfasst wurden. Nach Beendigung des Interviews wurde den Teilnehmenden aktiv eine Vermittlung an weiterführende Unterstützungsangebote oder bei Bedarf ein Folgetermin angeboten, was rege in Anspruch genommen wurde. Die Interviews fanden alle nach vorheriger Terminvereinbarung in einem ruhigen Setting ohne Unterbrechungen via Telefon oder Video statt. Es gab keine Unterbrechungen während der Interviewsituation.
Der Einstieg in die Expert:innen-Interviews erfolgte analog zu den Interviews mit den jungen pflegenden Angehörigen, wobei der angepasste Leitfaden verwendet wurde. Auch hier wurden nach dem Gespräch Notizen angefertigt, die gemeinsam mit den Interviews abgelegt und weiterverarbeitet wurden. Die Gespräche fanden ebenfalls nach vorheriger Terminvereinbarung in einem ruhigen Setting via Telefon oder Video ohne Unterbrechungen statt.
Wenn die interviewten Personen wichtige soziodemografische Daten während des Interviews nicht genannt hatten, wurde dies in einer Nachfrage am Ende erhoben. Es wurden spezifische Fragen zu bestehenden Herausforderungen und Belastungen sowie zu gewünschten Unterstützungsleistungen gestellt. Darüber hinaus wurden sie befragt, welche Unterstützungsleistungen sie in der Vergangenheit in Anspruch genommen hatten, und wenn sie sich entschieden hatten, diese nicht in Anspruch zu nehmen, warum. Wenn keine neuen Themen auftauchten oder die interviewte Person das Gefühl hatte, alles gesagt zu haben, wurde das Interview beendet. Grundlage dafür war der zuvor entwickelte halbstrukturierte Interviewleitfaden.

Datenauswertung

Es wurde ein mehrstufiger Prozess zu Kategorisierung und Kodierung nach Kuckartz (Kuckartz und Rädiker 2024; Ruin 2019) inhaltsanalytisch (MaxQDA V24) unter Berücksichtigung des Vorwissens der Forscherin (Ruin 2019) durchgeführt.
Die qualitative Datenanalyse erfolgte mittels strukturierender Inhaltsanalyse nach Kuckartz (Kuckartz und Rädiker 2024). Der Prozess umfasste deduktive Kategorienbildung, basierend auf der Literatur, und induktive Erweiterung durch Subkategorien. Nach initiierender Textarbeit mit Memos und Fallzusammenfassungen wurden thematische Hauptkategorien deduktiv aus den Forschungsfragen und induktiv aus dem Material entwickelt. Das Codesystem wurde durch konsensuelle Validierung (Mruck 2000) von zwei Forschenden (AK und NS) getestet und anschließend zur Codierung des gesamten Materials verwendet, wobei Mehrfachcodierungen zulässig waren. Die Qualitätssicherung erfolgte durch iterative Diskussionen in unterschiedlichen Forschungsteams. In weiteren Schritten wurden Subkategorien induktiv am Material gebildet und durch Ankerbeispiele belegt. Das gesamte Material wurde abschließend mit dem differenzierten Kategoriensystem erneut codiert. Die abschließende Phase umfasst die Analyse und Visualisierung der Daten.

Datenverwaltung

Die Daten wurden unter Einhaltung der Datenschutzbestimmungen (DSGVO) gespeichert.
Die digital aufgezeichneten Interviews wurden zur anonymisiert (z. B. I‑jpA‑1 für Interview eins der jungen pflegenden Angehörigen) und händisch nach den Transkriptionsregeln von Dressing und Pehl (Dresing und Pehl 2018) transkribiert. Interviewinhalte, die Rückschlüsse auf eine Person zulassen, wurden ebenfalls anonymisiert. Die händische Transkription ermöglicht es, bereits zu diesem Zeitpunkt in das gewonnene Datenmaterial einzutauchen.
Zur methodischen Strukturierung der qualitativen Studie, einschließlich der Datenaufbereitung und -darstellung, wurde die COREQ-Checkliste (Tong et al. 2007) verwendet, was zugleich die Qualitätssicherung unterstützte.

Ergebnisse

Befragte Stichprobe

Es wurden 26 junge pflegende Angehörige aus verschiedenen Regionen Deutschlands befragt, die sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten leben. Das Alter reichte von 22 bis 45 Jahren (Tab. 1: Interviewte junge pflegende Angehörige). Die Befragten wiesen eine sehr hohe Heterogenität in ihren Lebenssituationen auf, wobei sowohl Studenten als auch Vollzeitbeschäftigte vertreten waren. Die familiären Situationen und Betreuungsarrangements sind sehr unterschiedlich. Einige Befragte lebten noch mit der zu pflegenden Person zusammen, andere lebten bei der eigenen Familie, und wieder andere Befragte lebten in einer anderen Stadt als die zu pflegende Person. Insgesamt wurden 837 min an Daten transkribiert und ausgewertet. Das kürzeste Interview dauerte 11 min, das längste 88 min. Die durchschnittliche Gesprächsdauer lag bei 32 min.
Tab. 1
Interviewte junge pflegende Angehörige
Interviewte junge pflegende Angehörige (njpA = 26)
Geschlecht
Weiblich
19
Männlich
7
Alter in Jahren
18–29
5
30–39
8
40–45
4
Nicht spezifiziert
7
Deutsch
Muttersprache
21
Keine Muttersprache
5
Vorwissen
Kein Vorwissen
19
Vorwissen aus der pflege weiterer Angehöriger
0
Professionelles Vorwissen
6
17 Experten, die mit jungen pflegenden Angehörigen arbeiten, wurden befragt. Dabei wurde darauf geachtet, dass ein breites Spektrum an Berufsgruppen befragt wurde (Tab. 2: interviewte Expert:innen aus dem Gesundheitswesen). Insgesamt wurden 575 min an Daten transkribiert und ausgewertet. Das kürzeste Interview dauerte 13 min, das längste 76 min. Die durchschnittliche Interviewdauer lag bei 34 min.
Tab. 2
Interviewte Expert:innen aus dem Gesundheitswesen
Interviewte Expert:innen (nExp = 17)
Funktion
Beratung junger pflegender Angehöriger
9
Kontaktperson für pflegende Angehörige in einem Unternehmen
1
Fachkraft für Soziale Arbeit
2
Medizinische Fachangestellte
1
Content gestaltende Person im Bereich Pflegende Angehörige
1
Physiotherapierende Person
1
Person aus der Nachbarschaftshilfe
1
Rechtsvertretung mit Schwerpunkt Sozialrecht
1
Geschlecht
Weiblich
16
Männlich
1
Zur Beantwortung der Fragestellung: „Wie nehmen sich junge pflegende Angehörige in ihrer Rolle als Pflegende wahr?“ wurden die nachfolgend beschriebenen Subkategorien herangezogen:
1.
subjektive Erwartungen junger pflegender Angehöriger an sich selbst,
 
2.
wahrgenommene Rollenerwartungen von pflegebedürftigen Personen an junge pflegende Angehörige,
 
3.
wahrgenommene Rollenerwartungen anderer Familienmitglieder an junge pflegende Angehörige,
 
4.
wahrgenommene Rollenerwartungen von an der Versorgung beteiligten Personen gegenüber jungen pflegenden Angehörigen.
 

Rollenerwartungen

Nach der oben beschriebenen Rollentheorie ist die Rolle der pflegenden Angehörigen durch soziale Erwartungen, die die Individuen beeinflussen, geprägt. Das Datenmaterial zeigt unterschiedliche Erwartungen an junge pflegende Angehörige.

Die Erwartungen junger pflegender Angehöriger an sich selbst

Die Lebenssituation junger pflegender Angehöriger ist von einer tiefen Ambivalenz und starken Rollenkonflikten durchdrungen. Sie erleben eine innere Zerrissenheit, die so weit geht, dass sie sich wünschen, die Situation möge durch den Tod des Angehörigen ein Ende finden, empfinden jedoch unmittelbar darauf ein starkes schlechtes Gewissen angesichts dieser Gedanken. Obwohl die Pflege als immense Herausforderung und als purer Stress wahrgenommen wird, wird sie oft bewusst in Kauf genommen, um Zeit mit der pflegebedürftigen Person verbringen zu können. Die Situation wird dabei aus Pflichtgefühl akzeptiert, da die Haltung vorherrscht, dass irgendeiner die Aufgabe ja machen muss.
Dieser Druck, beiden Rollen – der eigenen Lebensführung und der Pflegerolle – gerecht werden zu wollen, spiegelt sich in dem Versuch wider, unterschiedliche Erwartungen miteinander zu vereinbaren. Der gravierendste Konflikt liegt zwischen dem, was die jungen pflegenden Angehörigen tun wollen, und dem, was sie durch die Übernahme der Pflegesituation tun müssen. Die Priorität liegt unumstößlich darauf, dass die Situation beim pflegebedürftigen Angehörigen gut läuft. Dies hat zur Folge, dass eigene Lebenspläne und berufliche Verpflichtungen immer zurückstecken müssen, denn die Leichtigkeit der Jugendphase geht verloren. Statt „Flausen im Kopf“ (I-jpA-10, Pos. 17) zu haben, kümmern sie sich um ihre Angehörigen. Folglich richten viele ihr Leben komplett nach der pflegebedürftigen Person aus, sodass sie kein eigenes Leben mehr haben. Dieses Verhalten wird durch das Gefühl der Pflicht und der Scham, die Pflege nicht allein bewältigen zu können, verstärkt, was die Nutzung von Unterstützungsangeboten erschwert.
Dennoch zeigen sich bei einigen jungen pflegenden Angehörigen Fähigkeiten zu Distanzierung und Grenzziehung. Sie betonen ihre eigene Lebensperspektive, indem sie erkennen, dass sie ihr ganzes Leben noch vor sich haben und sich nicht nur auf das Wohl der/des pflegebedürftigen Angehörigen konzentrieren können. Dabei spielt die wichtige Erkenntnis eine Rolle, dass Selbstpflege die Voraussetzung dafür ist, langfristig überhaupt fähig zu sein, Hilfe zu leisten.
Zusammenfassend zeigt sich, dass junge pflegende Angehörige extrem hohe Erwartungen an sich selbst stellen, was zu einem Dilemma zwischen dem Wunsch nach einem eigenen Leben und der Hingabe zur Pflege führt.

Erwartungen der pflegebedürftigen Personen an die jungen pflegenden Angehörigen

Die Erwartungshaltung der pflegebedürftigen Personen gegenüber den jungen pflegenden Angehörigen ist stark differenziert. Einerseits basieren die Erwartungen auf familiären und kulturellen Verpflichtungen, die sich aus dem Gedanken speisen, dass die Eltern sich früher um ihre Kinder gekümmert haben oder einer allgemeinen kulturellen Pflicht zur Pflege. Andererseits resultiert der Wunsch nach innerfamiliärer Pflege aus dem Unwohlsein mit externer Hilfe. Dies führt dazu, dass professionelle Unterstützung wie ein Pflegedienst aktiv abgelehnt wird, weil die Anwesenheit fremder Personen nicht erwünscht ist.
Zudem existieren moralische Verpflichtungen und emotionale Erpressungen. In manchen Fällen übernehmen junge Pflegende die häusliche Pflege nach Drohungen der pflegebedürftigen Person, was von Expert:innen als eine aus einem Versprechen gegenüber dem Angehörigen resultierende Pflicht gesehen wird.
Die Aufgabenteilung in Paarbeziehungen wird durch die häusliche Pflegesituation zusätzlich verkompliziert. Aufgrund der räumlichen Nähe fällt es den jungen pflegenden Angehörigen schwer, eine klare Trennung zwischen der eigentlichen Pflege und den regulären Haushaltsaufgaben zu ziehen. Die Differenzierung zwischen den eigenen Aufgaben und denen für die pflegebedürftige Person verschwimmt zunehmend. Die pflegenden Angehörigen übernehmen tendenziell alle anfallenden Tätigkeiten und helfen bei allem, wenn sie zu Hause sind. Dabei bleibt unklar, inwieweit die Pflegebedürftigkeit die bereits bestehende Verteilung der hauswirtschaftlichen Aufgaben innerhalb der Paarbeziehung verschoben hat.

Erwartungen anderer Familienmitglieder an junge pflegende Angehörige

Die Erwartungshaltung der pflegebedürftigen Personen gegenüber den jungen pflegenden Angehörigen ist stark differenziert. Einerseits basieren die Erwartungen auf familiären und kulturellen Verpflichtungen, die sich aus dem Gedanken speisen, dass die Eltern sich früher um ihre Kinder gekümmert haben oder einer allgemeinen kulturellen Pflicht zur Pflege. Andererseits resultiert der Wunsch nach innerfamiliärer Pflege aus dem Unwohlsein mit externer Hilfe. Dies führt dazu, dass professionelle Unterstützung wie ein Pflegedienst aktiv abgelehnt wird, weil die Anwesenheit fremder Personen nicht erwünscht ist.
Zudem existieren moralische Verpflichtungen und emotionale Erpressungen. In manchen Fällen übernehmen junge Pflegende die häusliche Pflege nach Drohungen der pflegebedürftigen Person, was von Expert:innen als eine aus einem Versprechen gegenüber dem Angehörigen resultierende Pflicht gesehen wird.
Die Aufgabenteilung in Paarbeziehungen wird durch die häusliche Pflegesituation zusätzlich verkompliziert. Aufgrund der räumlichen Nähe fällt es den jungen Pflegenden schwer, eine klare Trennung zwischen der eigentlichen Pflege und den regulären Haushaltsaufgaben zu ziehen. Die Differenzierung zwischen den eigenen Aufgaben und denen für die pflegebedürftige Person verschwimmt zunehmend. Die pflegenden Angehörigen übernehmen tendenziell alle anfallenden Tätigkeiten und helfen bei allem. Dabei bleibt unklar, inwieweit die Pflegebedürftigkeit die bereits bestehende Verteilung der hauswirtschaftlichen Aufgaben innerhalb der Paarbeziehung verschoben hat.

Erwartungen an die an der medizinischen Behandlung beteiligten Personen

Ein Teil der jungen pflegenden Angehörigen wird von der pflegebedürftigen und der therapierenden Person regelmäßig in medizinische Entscheidungsfindungen involviert, einschließlich der Wahl von Behandlungsmethoden. Diese zugeschriebene Verantwortung führt bei den jungen pflegenden Angehörigen häufig zu massiver Überforderung, da ihnen die notwendige medizinische Fachkenntnis fehlt. Eine Befragte beschreibt eindrücklich die daraus resultierende Hilflosigkeit und den psychischen Druck, weil von ihr erwartet wird, anstelle des Patienten weitreichende Entscheidungen zu treffen.
Die geäußerte Überforderung steht im deutlichen Kontrast zur erwarteten Rolle der jungen Pflegenden und resultiert aus der fehlenden Kompetenzwahrnehmung. Die Verantwortung, weitreichende Entscheidungen für eine andere Person treffen zu müssen, erhöht den psychischen Druck zusätzlich. Aus Sicht der jungen pflegenden Angehörigen wäre eine Delegation dieser Entscheidungen an die Ärzt:innen (aufgrund ihrer Fachkompetenz) oder an die pflegebedürftige Person (zur Wahrung der Selbstbestimmung) sinnvoller.

Rollendefinition innerhalb der Familie

Die Wahrnehmung der eigenen Rolle innerhalb der Familie ist bei jungen pflegenden Angehörigen sehr heterogen. Das Spektrum reicht von der Akzeptanz der Rolle als pflegende Person bis hin zur Ablehnung dieser Rolle, wobei lediglich eine rein familiäre Beziehung innerhalb der Pflegesituation beibehalten wird. Der Rollenwechsel zwischen der pflegebedürftigen Person und dem jungen Pflegenden findet auf einem Kontinuum statt. Dieses reicht von dem Wunsch, einfach nur Sohn oder Tochter zu bleiben, bis hin zu einer Umkehrung der Rollen, bei der der junge Pflegende die elterlichen Pflichten übernimmt.
Alle jungen Pflegenden beschreiben ihre Position zwischen diesen beiden Extremen. In einigen Fällen wird der Rollenwechsel als ein passiver, unbewusster Prozess beschrieben, der einfach passiert ist. Entweder bleiben die ursprünglichen Rollen zwischen den beteiligten Personen gleich, oder die Pflegesituation führt zu einem vollständigen Rollentausch. Die genauen Gründe, warum es in manchen Beziehungen zu diesem Tausch kommt und in anderen nicht, gehen aus den Interviews nicht hervor. Als mögliche Einflüsse werden jedoch alte Rollenmodelle sowie die Tatsache genannt, dass die jungen Pflegenden diesen Rollentausch mit sich selbst ausmachen müssen. Ein Rollentausch wurde nicht bei den pflegenden Ehegatten festgestellt, wofür die Interviews ebenfalls keine Erklärung liefern.

Diskussion

Die vorliegende Studie beleuchtet die komplexen Herausforderungen junger pflegender Angehöriger und legt die strukturellen, emotionalen und rollenspezifischen Spannungsfelder offen, in denen sich diese vulnerable Gruppe bewegt. Die Ergebnisse bestätigen und erweitern bestehende Literatur und liefern essenzielle Ansatzpunkte für die zukünftige Konzeption von Unterstützungsleistungen.
Die Studie zeigt, dass junge pflegende Angehörige sich häufig nicht als pflegende Angehörige wahrnehmen und dies Einfluss auf die Beziehung und weitere Lebensbereiche der jungen pflegenden Angehörigen hat. Die durch soziale Prägungen und innere Barrieren entstandene Dauerbelastung und das dadurch entstehende Gefühl der Überforderung führen dazu, dass sich die jungen pflegenden Angehörigen von bestehenden Unterstützungsangeboten nicht angesprochen fühlen, dass sie sich häufig nicht mit der neuen Rolle als pflegende Angehörige identifizieren. Methodische Einschränkungen ergeben sich aus der Zusammensetzung der Stichprobe. Es kann davon ausgegangen werden, dass überwiegend engagierte junge pflegende Angehörige an den Interviews teilgenommen haben (Selection Bias). Die Erhebungsstichprobe wurde genutzt, um in einigen Aspekten eine theoretische Sättigung zu erreichen. Daten zu kulturell bedingten Rollensituationen innerhalb der Pflegesituation wurden zu diesem Zeitpunkt nicht erhoben, sodass diesbezüglich weiterer Forschungsbedarf besteht. Aufgrund des methodischen Ansatzes wurde auch nicht untersucht, wie die pflegebedürftige Person Rollenveränderungen wahrnimmt, oder wie sich die Beziehung im Vergleich zu vor der Pflegesituation verändert hat. Um einen tieferen Einblick in die Beziehungsdynamik zu erhalten, wären weitere Forschungen mit dokumentarischen und biografischen Methoden unter Einbeziehung sowohl der pflegenden Angehörigen als auch der pflegebedürftigen Person notwendig.
Die Rollenwahrnehmung wird definiert durch soziale Normen, die als kollektiv geteilte und sozial konstruierte moralische Standards verstanden werden (Gutzwiller-Helfenfinger 2013). Diese Normen legen das erwartbare Verhalten für junge pflegende Angehörige sowie deren soziales Netzwerk fest. Junge pflegende Angehörige nehmen in der Gesellschaft eine zentrale Rolle ein. Dieser Rolle werden durch soziale und gesellschaftliche Prägungen bestimmte Erwartungen zugeschrieben (Dahrendorf 2010; Feichtner 2020). Welchen Einfluss eine vorangegangene Parentifizierung der pflegenden Angehörigen auf das Rollenverständnis bei einem Rollentausch innerhalb der Familie hat, ist noch unbekannt.
Die frühzeitige Unterstützung bei der Rollenidentifikation als junge:r pflegende:r Angehörige:r wird von Expert:innen als zentraler Aspekt bei der fehlenden Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten angesehen.
Die Rollenübernahme bei jungen pflegenden Angehörigen ist hochkomplex, da sie durch ein Geflecht eigener und fremder Erwartungen (Dahrendorf 2010) charakterisiert ist. Die Rollen variieren hinsichtlich ihrer Entstehung (zugefallen, zugeschrieben, erworben) und ihrer Flexibilität (ablegbar, nicht ablegbar) und lassen sich in Soll‑, Kann- und Muss-Erwartungen differenzieren. Zentral in der Analyse stehen die tiefe Ambivalenz und das psychosoziale Dilemma der jungen pflegenden:r Angehörige:r. Die Zerrissenheit zwischen dem Wunsch nach einem eigenen Leben und der Hingabe zur Pflege führt zu einem immensen Stresslevel und dem Gefühl, kein eigenes Leben mehr zu haben. Diese innere Zerrissenheit wird durch eine hohe Selbsterwartung verstärkt, die die jungen pflegenden Angehörigen zur alleinigen Bewältigung drängt und die Inanspruchnahme von Entlastung als persönliches Versagen empfinden lässt.
Dieser Befund wird durch den Erwartungsdruck der pflegebedürftigen Person verstärkt. Die Ablehnung externer Hilfen durch die Pflegebedürftigen – begründet in familiärer Pflicht, kulturellen Normen oder emotionaler Abhängigkeit – zementiert die Rolle der/des junge:n pflegenden:r Angehörige:r als alleinige:r Versorger:in. Die unbeabsichtigte emotionale Erpressung (z. B. durch Drohungen) führt zu einer moralischen Verpflichtung, die den Druck zur Pflegeübernahme auch gegen das eigene Wohl legitimiert.
Ein häufig beobachteter Mechanismus ist der Rollenwechsel oder die Rollenumkehr, der oft innerhalb des familiären Konstrukts stattfindet. Hierbei werden Verantwortlichkeiten von den Eltern auf die Kinder übertragen, sodass junge pflegende Angehörige Rollen übernehmen, die traditionell älteren Familienmitgliedern zugeschrieben werden (Fleitas Alfonzo et al. 2022). Dieser Übergang, der von der Rolle des Kindes zur Betreuungsperson führt, kann durch die fehlende Abgrenzung zur Pflegesituation und bestimmte Charaktereigenschaften (Identifikation mit Verantwortungsübernahme) begünstigt werden.
Die gleichzeitige Einnahme mehrerer Rollen (Kind, Partner:in, Arbeitnehmer:in) führt zu Spannungen und Herausforderungen – insbesondere dem Intrarollenkonflikt – beim Versuch, allen Erwartungen gerecht zu werden. Rollendistanzierung (Goffman 1973), definiert als die Fähigkeit, sich von der zugeschriebenen Rolle zu lösen (Dreitzel 1980), ist ein möglicher Mechanismus zur Wahrung der persönlichen Autonomie und des Selbstschutzes (Lüdecke 2006). Bei jungen pflegenden Angehörigen, die sich in die Rolle gedrängt fühlen, stellt dies einen wahrscheinlichen Grund für die unterschiedliche Akzeptanz oder Ablehnung der Pflegerolle dar.
Die Ergebnisse zur Rollenwahrnehmung zeigen ein Spektrum, das von der Ablehnung der Pflegerolle zugunsten des Beziehungsfokus (z. B. „einfach Sohn sein“) bis zur vollständigen Rollenumkehr (Übernahme elterlicher Pflichten) reicht. Der häufig als passiv („ist einfach passiert“) empfundene Rollenwechsel deutet auf ein Gefühl der Machtlosigkeit und Überwältigung hin, was in der Literatur als Ausdruck einer mangelnden Selbstidentifikation als pflegende Person diskutiert wird.
Diese fehlende Rollenklarheit wird in Paarbeziehungen besonders ersichtlich, wo die Grenzen zwischen Haushalt und Pflege verschwimmen. Die Tendenz, alle Aufgaben zu übernehmen, ist ein deutliches Zeichen für die Auflösung persönlicher Grenzen und trägt zu psychischer und physischer Überlastung der jungen pflegenden Angehörigen bei.
Zusammenfassend besteht ein signifikanter Bedarf an gezielter Information und Beratung zur Verbesserung der Rollenidentifikation und zur adäquaten Versorgung der jungen pflegenden Angehörigen.
Die Interpretation der Studienergebnisse profitiert maßgeblich von der ständigen Reflexion der Autorin in unterschiedlichen interprofessionellen Forschungsgruppen sowie von der Expertise in der methodischen Analyse qualitativer Daten. Die Befunde zur ablehnenden Haltung pflegebedürftiger Personen gegenüber externer Hilfe spiegeln auch eine häufig in der Praxis beobachtete Barriere wider und unterstreichen die Notwendigkeit von zielgruppenspezifischen Case-Management-Strukturen.

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse der Studie sind wichtig, um ein besseres Verständnis der Rollen und der sich verändernden Beziehung zwischen den jungen pflegenden Angehörigen und der pflegebedürftigen Person als Folge einer Pflegesituation zu erhalten. Sie liefern auch wichtige Informationen über notwendige Unterstützungsleistungen für Angehörige, um die neue Rolle und die notwendige Unterstützung innerhalb der familiären Beziehung zu akzeptieren.
Durch die Befragung junger pflegender Angehöriger und von Expert:innen aus dem Gesundheitswesen, die diese Personengruppe beraten, konnte der Einfluss von Erwartungen auf sozial definierte Rollen und daraus resultierende Rollenkonflikte bei jungen pflegenden Angehörigen untersucht werden. Es konnte ein differenziertes Bild der Rollenwahrnehmung mit vielen unterschiedlichen Perspektiven gewonnen werden.
Die Befunde implizieren drei zentrale strategische Anpassungen:
1.
Präventive Rollenidentifikation: Zukünftige Unterstützung muss frühzeitig und präventiv ansetzen, um junge pflegende Angehörige, die sich noch nicht als Pflegende identifizieren, zu erreichen. Die Förderung der Selbstidentifikation muss als zentrales Element in die Aufgaben der Pflegestützpunkte (§ 7c SGB XI) integriert werden.
 
2.
Multidimensionale Unterstützung: Benötigt wird ein mehrstufiges Case-Management durch qualifizierte Fachkräfte (z. B. Community Health Nurses), das sowohl psychoedukative Maßnahmen (zur Stärkung der Resilienz) als auch die Steigerung der pflegerischen Kompetenz umfasst.
 
3.
Bedarfsgerechte Strukturreform: Die Politik ist gefordert, strukturelle und finanzielle Barrieren abzubauen. Dies umfasst die gesetzliche Stärkung der Pflegekompetenz (z. B. eigenverantwortliche Verordnung von Hilfsmitteln) sowie die Nutzung telepflegerischer Angebote zur Sicherstellung schneller, vertrauensvoller und flexibler Beratung, um dem hohen sozioökonomischen Risiko dieser Gruppe, insbesondere bei Frauen, entgegenzuwirken.
 
Die Studie liefert somit die Basis für die Entwicklung eines umfassenden und zielgruppengerechten Unterstützungsmodells, das die jungen pflegenden Angehörigen in ihrer komplexen Lebensrealität ernst nimmt. Zukünftige Forschung sollte sich verstärkt auf die Beziehungsdynamik aus der Perspektive der pflegebedürftigen Person sowie die kulturellen und genderspezifischen Faktoren konzentrieren, um ein noch tieferes Verständnis der Rollenkonflikte zu erlangen.

Förderung

Die Datenerhebung erfolgte im Forschungsprojekt „Komplexe Pflege: Innovative Bildungs- und Unterstützungskonzepte für Menschen mit komplexem Pflegebedarf in der ambulanten Versorgung“, das durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg gefördert wurde (Förderkennzeichen: AZ 33-5279.5/7). Die Studie wurde von der Ethikkommission der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft genehmigt (Nr. 22-018).

Interessenkonflikt

A. Kaltenbach, N. Meng, U. Lindwedel, P. Jahn und P. König geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
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Hinweis des Verlags

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Titel
Zwischen „Mutterpflichten“ und „einfach nur Sohn sein“
Einblicke in eine qualitative Studie zur Rollenwahrnehmung junger pflegender Angehöriger in Deutschland
Verfasst von
Anna Kaltenbach
Nina Meng
Ulrike Lindwedel
Patrick Jahn
Peter König
Publikationsdatum
17.03.2026
Verlag
Springer Vienna
Erschienen in
HeilberufeScience
Elektronische ISSN: 2190-2100
DOI
https://doi.org/10.1007/s16024-026-00446-7
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