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01.09.2022 | Wundmanagement bei chronischen Wunden | Pflege Praxis Zur Zeit gratis

Worauf es bei der Behandlung chronischer Wunden ankommt

verfasst von: Astrid Probst

Erschienen in: Heilberufe | Ausgabe 9/2022

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Zusatzmaterial online: Zu diesem Beitrag sind unter https://​doi.​org/​10.​1007/​s00058-022-2909-7 für autorisierte Leser zusätzliche Dateien abrufbar.
Bewährtes und Innovatives Um Wunden erfolgreich zu therapieren, bleiben das interdisziplinäre Team und eine korrekte Diagnose entscheidend. Darüber hinaus ist neben einer Reihe etablierter Therapien die lokale Behandlung mit kaltem Plasma eine innovative Möglichkeit.
Akute Wunden heilen in der Regel in einem Zeitraum von drei bis vier Wochen ab. Ab einem Zeitraum von acht Wochen und mehr spricht man von einer chronischen Wunde. Damit es bei Patienten mit chronischen Wunden zu einer Heilung kommt, ist es wichtig, ein Therapieziel zu vereinbaren. Das Therapieziel lässt sich in kurativ und palliativ einteilen. Das oberste Ziel ist die Abheilung der Wunde, dies wird als kuratives Therapieziel bezeichnet. Beim palliativen Therapieziel steht die Leidenslinderung durch gute Symptomkontrolle im Vordergrund. Das festgelegte Therapieziel muss erreichbar und realistisch sein. Dafür ist es wichtig, dass die Patienten in diesen Prozess mit einbezogen werden. Durch ein ganzheitliches Patientenassessment können die Punkte identifiziert werden, die gegebenenfalls zu einer Verzögerung der Wundheilung führen können.
Des Weiteren ist die Adhärenz des Patienten in seiner Behandlung wichtig. Dies bedeutet, dass der Patient die beschlossene Therapie in seinen Lebensalltag integriert. Dabei ist er aktiv in die Entscheidungsfindung eingebunden und erhält eine individuelle Patientenedukation. Diese umfasst u.a. die möglichen lokalen Behandlungsoptionen seiner chronischen Wunde.

Was ist vor der lokalen Wundbehandlung zu klären?

Bevor man sich mit der lokalen Behandlung einer Wunde auseinandersetzt, müssen ein paar grundlegende Dinge geklärt werden. Die ABCDE-Regel wird für eine strukturierte Diagnostik der Ursachen chronischer Wunden verwendet (Tab. 1). Nachdem die Ursache der Wunde identifiziert wurde, wird eine geeignete Therapie mit dem Patienten besprochen.
Tab. 1
: ABCDE-Regel für strukturierte Diagnostik der Ursachen
A
Anamnese (Anamnesis)
B
Bakterien (Bacteria)
C
Klinische Untersuchung (Clinical examination)
D
Durchblutung (Defective vascular system)
E
Extras (Extras)
aus Dissemond und Kröger, 2020, S. 65
Im Rahmen der Therapiebesprechung kann man die entsprechende Wundversorgungsart für den Patienten auswählen (Abb. 1, e-only). Nach dieser richten sich dann die Möglichkeiten der lokalen Wundversorgung.

Welche Möglichkeiten gibt es, eine Wunde lokal zu therapieren?

Es bieten sich verschiedene Optionen der Therapie. Im folgenden ein Überblick:
Anwendung verschiedener Wundauflagen: Eine Möglichkeit der lokalen Wundbehandlung sind geeignete Wundauflagen. Um die geeignete Wundauflage für den Patienten und seine Wunde auszuwählen, sollte man die Wirkungsweise der Wundauflage kennen. Es gibt nicht die eine Wundauflage, mit der man alle Stadien einer chronischen Wunde behandeln kann. Hier ist das regelmäßige Assessment der Wunde und des Patienten in seiner Gesamtheit wichtig, um aus den Kategorien der Wundauflagen die geeignete auszuwählen. Diese Kategorien werden wie folgt unterteilt:
  • Wunddistanzgitter
  • Transparente Polyurethane
  • Alginate
  • Hydrofaser
  • Schaumverbände
  • Hydrogele
  • Hydroaktive Wundauflagen
  • Hydrokolloide
  • Hydropolymere
  • Superabsorbierende Wundauflagen
  • Wundauflagen für lokal infizierte Wunden
Darüber hinaus gibt es spezielle Wundauflagen, die ebenfalls die Wundheilung positiv beeinflussen sollen. So gibt es Wundauflagen, die Hyaloron enthalten oder aus Fischhaut gewonnen werden. Hier muss eine gezielte Indikationsstellung durch den Arzt erfolgen. Die Verfasserin setzt diese Wundauflagen nicht ein, daher wird auf eine Bewertung verzichtet.
Behandlung von chronischen Wunden mit lokalem Sauerstoff: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine chronische Wunde lokal mit Sauerstoff zu behandeln. Seit 2017 gibt es dazu einen Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur "Hyperbaren Sauerstofftherapie zur zusätzlichen Behandlung des diabetischen Fußsyndroms". Zur Bewilligung der Therapie müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:
  • Läsion des diabetischen Fußsyndroms muss bis zur Gelenkkapsel oder der Sehne vorgedrungen sein.
  • Eine leitliniengerechte Wundversorgung muss in einer zur Behandlung des diabetischen Fußes qualifizierten Einrichtung durchgeführt worden sein. Des Weiteren darf keine Wundheilungstendenz erkennbar sein.
  • Eine antibiotische Therapie muss im Falle einer Infektion der Läsion eingeleitet sein.
  • Bei Vorliegen einer relevanten makroangiopathischen Komponente des Fußsyndroms muss vor der Durchführung der hyperbaren Sauerstofftherapie sichergestellt sein, dass alle geeigneten Möglichkeiten angioplastischer oder operativer Verfahren ausgeschöpft worden sind, um die bestmögliche Durchblutung des Fußes zu gewährleisten.
  • Während des Zeitraumes der hyperbaren Sauerstofftherapie darf kein belastbarer Hinweis darauf bestehen, dass die Maßnahmen der Druckentlastung und der leitliniengerechten Wundversorgung nicht durchgeführt werden können.
Inzwischen gibt es verschiedene gängige Therapien mit Sauerstoff. Natrox ist in Deutschland noch nicht verfügbar, Granulox kann verordnet werden. Die Behandlung der chronischen Wunde mit diesen Anwendungen werden in Einzelfallentscheidungen durch die jeweilige Krankenkasse des Betroffenen geprüft. Die Studienlage für Sauerstofftherapie und Wundheilung wurde in einem Positionsdokument der EWMA (European Wound Management Association) im Jahr 2017 beschrieben. Vor Verabreichung der Therapie wird empfohlen, die lokale Sauerstoffversorgung im Gewebe zu messen, um Patienten zu identifizieren, die davon profitieren.
Behandlung mit kaltem Plasma (cold atmospheric plasma - CAP): Eine neue innovative Therapie ist die lokale Behandlung mit kaltem Plasma. Die Anbieter haben zum Teil bereits Studien vorgelegt, zum Teil werden gerade Studien durchgeführt. Kaltes Plasma wird auch als vierter Aggregatzustand neben fest, gasförmig und flüssig bezeichnet. Unter kaltem Plasma versteht man teilweise ionisiertes Gas, welches bei Raumtemperatur und atmosphärischem Druck durch elektrische Ladungen produziert wird. Das damit erzeugte Plasma wird in heißes und kaltes Plasma unterschieden. Zur Wundbehandlung wird kaltes Plasma verwendet. Dieses kalte Plasma besteht aus einer Mischung verschiedener biologisch aktiver Agenten, die zum Beispiel Reactive Oxygen Species (ROS), Ozon und auch aufgeladene Atome, Ione, Elektronen und elektromagnetische Felder und vieles mehr umfassen. Diese verschiedenen Komponenten arbeiten zusammen und führen so zu einer Reihe verschiedener biologischer Effekte auf der Haut. So kann kaltes Plasma u.a. einen antiinflammatorischen, schmerzlindernden, antibakteriellen, gewebestimulierenden und weitere Effekte haben. Kaltes Plasma kann auf zwei Wegen erzeugt werden - dielektrische Barriereentladung (DBD) und den Atmosphärendruck-Plasmajet (APPJ).
Bei der Behandlung nach dem DBD-Prinzip ist die Behandlungsfläche größer, allerdings muss das Gerät sehr nah an die Zieloberfläche gebracht werden. Der erzeugte Strom fließt durch den Körper. Hier fungiert das behandelte Gewebe als Elektrode. Beim APPJ-Prinzip ist der Abstand zwischen Gerät und Behandlungsbereich weniger kritisch. Die Wirkstoffe werden erzeugt, ohne dass der Körper als Plasmaelektrode fungiert. Vor jeder Plasmabehandlung sollte ein Wunddebridement durchgeführt werden. Plasma tötet Keime und Bakterien ab und fördert die Proliferation und Migration von Keratinozyten und Fibroblasten. Dadurch können chronische Entzündungen in schlecht heilenden Wunden in einen aktiven Wundheilungsprozess umgewandelt werden. Diese Therapie ist eine gute Behandlungsoption bei stagnierenden Wunden, bei denen die Ursache bekannt ist und die Therapie ebenfalls möglich ist. Im deutschsprachigen Raum sind verschiedene Anbieter mit dieser Therapie auf dem Markt.

Pflege einfach machen

Für die Behandlung von Menschen mit chronischen Wunden sind auch weiterhin ein interdisziplinäres Team und eine Diagnose entscheidend, nur dann kann sie erfolgreich sein. Vor der lokalen Wundbehandlung ist die Ursache der Wunde zu identifizieren.
Große Neuigkeiten auf dem Bereich der lokalen Wundbehandlung gab es in den letzten drei Jahren nicht. Interessante Ansätze sind jedoch die lokale Behandlung mit Sauerstoff und die kalte Plasmatherapie.
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Metadaten
Titel
Worauf es bei der Behandlung chronischer Wunden ankommt
verfasst von
Astrid Probst
Publikationsdatum
01.09.2022
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Heilberufe / Ausgabe 9/2022
Print ISSN: 0017-9604
Elektronische ISSN: 1867-1535
DOI
https://doi.org/10.1007/s00058-022-2909-7

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