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Erschienen in: Heilberufe 7-8/2020

01.07.2020 | Pflege Praxis Zur Zeit gratis

Wissenschaft in 5 Minuten

Erschienen in: Heilberufe | Ausgabe 7-8/2020

Stress auf der Arbeit begünstigt PAVK

Londoner Forscher haben herausgefunden, dass ein stressiger Job die Gefahr einer Klinikeinweisung wegen peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) erhöht.
Untersucht wurden in elf Studien 139.132 Personen. 23,4% davon berichteten zu Beginn über negativen Arbeitsstress. Innerhalb einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von zwölf Jahren waren 667 (0,2-1,8% der Teilnehmer) Arbeitnehmer wegen einer PAVK in stationärer Behandlung. Das Risiko von belasteten Personen war in der multivariaten Analyse aller Studien 1,4-mal höher als das von Arbeitnehmern, die keinen Stress im Job empfanden.

Symptome bei Männern und Frauen sind ähnlich

Wie sehr unterscheiden sich die Symptome des aktuen Kornarsyndroms bei Männern und Frauen wirklich? Die Unterschiede sind geringer als lange angenommen, so das Ergebnis einer großen niederländischen Metaanalyse von 27 Studien der letzten 20 Jahre mit Daten von mehr als einer Million Patienten. Die Studienautoren plädieren deshalb dafür, nicht länger von "typischen" und "atypischen" Symptomen zu sprechen. Trotz Unterschieden gibt es viele Überschneidungen bei den Symptomen. Brustschmerzen und Schwitzen sind der Analyse zufolge allerdings bei Männern häufiger, Übelkeit und Atemnot bei Frauen.
American Heart Association 2020; 9:e014733. https://​doi.​org/​10.​1161/​JAHA.​119.​014733

Nephritis signalisiert schweren Verlauf

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 kann auch die Nieren des Patienten in Mitleidenschaft ziehen. Eine Nephritis frühzeitig zu entdecken, könnte sogar dazu beitragen, schwere Krankheitsverläufe vorherzusagen und die Behandlung entsprechend anzupassen. Darauf weisen Ärzte um Oliver Gross von der Universität Göttingen hin. Die Nephritis ist nach ihrer Einschätzung durch eine Infektion von Nierenzellen mit SARS-CoV-2 verursacht. Die schlechte Prognose von COVID-19-Patienten mit Nephritis führen sie vor allem auf ein Capillary-Leak-Syndrom zurück, das in Hypervolämie, Atemversagen und Tod münden kann. Bei allen Patienten mit COVID-19-Verdacht/-Nachweis solle daher der Urin auf Leukozyten, Albumin und rote Blutkörperchen untersucht werden, um intensivpflich-tige Verläufe rechtzeitig zu antizipieren. Wenn keiner der Werte auffällig ist, könne von einem geringen Risiko für eine Dekompensation ausgegangen werden. (DE)

Schwangere gegen Pertussis impfen

Für einen besseren Schutz von Neugeborenen sollen werdende Mütter künftig gegen Keuchhusten geimpft werden. Die neue STIKO-Empfehlung gilt unabhängig von etwaigen Vorimpfungen für jede Schwangerschaft. Säuglinge im Alter bis zu drei Monaten sind bei einer Infektion mit Bordetella pertussis am häufigsten von schweren Verläufen betroffen; mehr als zwei Drittel von ihnen müssen in der Folge auch stationär behandelt werden. Der bisher in Deutschland verfolgte Ansatz, die Säuglinge durch Impfung von Kontaktpersonen vor einer Ansteckung zu bewahren (Kokon-Strategie), hat sich laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) als nicht ausreichend wirksam erwiesen.
Neue Empfehlung: Im Zeitraum von 2014 bis 2018 sind den Angaben der STIKO zufolge pro Jahr durchschnittlich 111 von 100.000 Säuglingen in den ersten drei Lebensmonaten an Pertussis erkrankt. Die STIKO hat aus diesem Grund im März eine neue Impfempfehlung für Schwangere beschlossen. Die Pertussisimpfung mit einem Tdap-Kombinationsimpfstoff soll idealerweise zu Beginn des dritten Trimenons und spätestens zwei, besser vier Wochen vor dem voraussichtlichen Entbindungstermin erfolgen. Bei hohem Risiko für eine Frühgeburt sollte die Impfung jedoch ins zweite Trimenon vorgezogen werden. Diese Empfehlung gilt für jede Schwangerschaft, unabhängig davon, ob und wie lange oder kurz davor die Frau gegen Keuchhusten geimpft wurde.
Sorge, dass die Impfung in utero die Wirkung von Routineimpfungen im Säuglingsalter mindert ("Blunting"), ist laut STIKO nicht angebracht. (bs)
Epidemiologisches Bulletin 13/2020 vom 26. März 2020

Milch schützt doch nicht

Helfen Milchprodukte Frauen im Übergang zur Menopause im Sinne einer Osteoporoseprävention? US-Forscher sind der Sache nun auf den Grund gegangen. Eine Gruppe von Ernährungswissenschaftlern und Epidemiologen, angeführt von Taylor Wallace (George Mason University, Fairfax), hat die Daten von rund 3.300 Teilnehmerinnen auf den Zusammenhang zwischen dem Konsum von Milchprodukten, der Knochendichte und dem Frakturrisiko hin analysiert. Die Frauen waren zu Beginn der Studie 1996 zwischen 42 und 53 Jahre alt und befanden sich vor oder in der frühen Perimenopause. Die Nachbeobachtungsphase erstreckte sich über zehn Jahre.
Wenig hilfreich: Wallace und Kollegen teilten die Probandinnen in vier Kategorien ein, entsprechend der Zahl der Portionen an Milchprodukten, die sie täglich zu sich nahmen. Diese Angaben setzten die Forscher in Beziehung zum Verlust der Knochenmineraldichte über zehn Jahre hinweg, gemessen per Doppel-Energie-Röntgen-Absorptiometrie an Femurhals und Lendenwirbelsäule. Doch gleich, wie der Menopausenstatus der Frauen zu Beginn der Studie war - es ließen sich keine signifikanten Unterschiede in der Entwicklung der Knochendichte in Abhängigkeit vom Verzehr von Milchprodukten feststellen. Auch mit Blick auf nichttraumatische Frakturen war kein Unterschied zu erkennen. Allerdings war der Konsum unter den Studienteilnehmerinnen insgesamt gesehen relativ schwach ausgeprägt, nur 7% erfüllten die empfohlene Vorgabe von täglich drei Portionen an (Mager-)Milchprodukten.
(rb)
Wallace TC et al. Dairy intake is not associated with improvements in bone mineral density or risk of fractures across the menopause transition: data from the Study of Women's Health Across the Nation. Menopause 2020.

Mobilitätsförderung wichtiger als Tabletten

In der Übersichtstudie zur Verbesserung der Medikation in Langzeitpflegeeinrichtungen für Senioren stellten Sebastian Voigt-Radloff und Kollegen heraus, dass allein durch einen interprofessionellen Medikamentencheck keine wesentliche Verbesserung für die Bewohner erwirkt werden kann. Zu diesem Ergebnis kamen sie nach der Sichtung von zwölf Studien mit insgesamt 10.953 Bewohnern in 355 Pflegeeinrichtungen in zehn Ländern. Zu einer Steigerung der Lebensqualität und Reduktion der Krankenhaustage käme es erst, wenn neben der Reflektion des Medikamentenplans noch weitere Maßnahmen wie Mobilitätsförderung ergriffen würden.

Beeinflussung der Lebensqualität

Die Studien, die zu einer Verbesserung der medikamentösen Versorgung von Heimbewohnern sorgen sollen, haben oft das gleiche Muster: Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass die Senioren in der Langzeitpflege in vielen Fällen medikamentös falsch eingestellt sind und zu viele oder zum Teil die falschen Medikamente erhalten. So kommt es nicht selten zu Wechselwirkungen, die zu Nebenwirkungen wie Stürzen, unnötige Sedierung, Niereninsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und zerebralen Insulten führen - die meist von einem Apotheker identifiziert werden. Jener gibt entsprechend seiner Einschätzung der Angemessenheit der Medikation Empfehlungen an den behandelnden Hausarzt, der daraufhin meist den Medikamentenplan ändert, der wiederum von Pflegenden umgesetzt wird. Als Outcome werden nicht nur die Veränderungen am Medikamentenplan ermittelt, sondern auch, welche Auswirkungen die Veränderung der Medikation für die Lebensqualität, die Mobilität, die soziale Teilhabe und Liegedauer in Kliniken hat.
Die Studienautoren empfehlen, dass die Angemessenheit des Arzneimittelregimes kein primäres Ergebnis einer Intervention sein sollte. Wichtig seien auch Endpunkte des Aktivitätsgrades, der sozialen Teilhabe und der Reduktion der notfallmäßigen Krankenhausaufenthalte.
Voigt-Radloff, S et al. (2020): Maßnahmen zur Optimierung von Medikamentenverordnungen für ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen. Z Gerontol Geriat 53, 37-43
Kommentar: Inzwischen haben sowohl die Pflegenden als auch die Angehörigen von Heimbewohnern entdeckt, dass Apps für Computer und Smartphone entwickelt wurden, die die Wechselwirkungen verschiedener Medikamente aufzeigen. Folgt man dem vorliegenden Review, ist der Erkenntnisgewinn solcher Apps jedoch sehr begrenzt. Man kann also nicht davon ausgehen, dass sich Lebenssituation und -qualität von Heimbewohnern bessern, wenn man ihre Medikation einer sorgfältigen Analyse unterzieht und dementsprechend anpasst. Lebensglück und Zufriedenheit hängen eben doch von viel mehr ab als von einer Pille zu viel oder zu wenig. Insofern ist der Tenor dieser Studie zu begrüßen, dass in Zukunft mutimodale arzt- und pflegegeleitete Programme finanziell unterstützt werden sollen, die sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Komponenten enthalten.

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Metadaten
Titel
Wissenschaft in 5 Minuten
Publikationsdatum
01.07.2020
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Heilberufe / Ausgabe 7-8/2020
Print ISSN: 0017-9604
Elektronische ISSN: 1867-1535
DOI
https://doi.org/10.1007/s00058-020-1539-1

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