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21.06.2022 | Versorgungsforschung | Nachrichten

Der Qualifikationsmix macht’s

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Vielfältige Kompetenzen in Pflegeteams tragen in allen Settings wesentlich zu einer bedarfsgerechten Versorgung bei. Das geht aus dem Förderprogramm „360° Qualifikationsmix in der Pflege“ der Robert Bosch Stiftung hervor. 

Pflegekammer (Symbolbild) © levelupart / stock.adobe.comGemeinsam für den Patienten: Wenn gemischt qualifizierte Pflegeteams an einem Strang ziehen, profitieren Patienten und Pflegende.

Das Programm wurde vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP) in Köln intensiv begleitet und die Ergebnisse in einem jetzt veröffentlichten Abschlussbericht zusammengefasst. Von 2019 bis Anfang 2022 haben nach Angaben der Robert Bosch Stiftung sieben Projekteinrichtungen an acht Standorten neue Konzepte der erweiterten pflegerischen Versorgungspraxis entwickelt, erprobt und implementiert. 

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Gemischte Teams aus beruflich ausgebildeten Pflegenden, Assistenten und akademisch qualifizierten Pflegefachleuten haben dabei zusammengearbeitet. Insgesamt waren rund 50 Versorgungseinheiten mit 160 Projektbeteiligten und tausenden von Patienten und Pflegebedürftigen in verschiedenen Krankenhäusern, einem Universitätsklinikum, einer psychiatrischen Einrichtung, zwei Pflegeheimen und einem ambulanten Pflegedienst einbezogen. Laut Bericht wurden im Verlauf des Programms zwei neue, akademische Qualifikationsprofile erfolgreich entwickelt und in der Pflegepraxis erprobt: 

  • Pflegefachleitungen mit Bachelorabschluss, die auf Stationen und Wohnbereichen für Qualitätsverbesserungen und Innovationen in der Praxis sorgen sollen, sowie
  • Pflegeexperten mit Masterabschluss, die in spezifischen und besonders komplexen und kritischen Pflegesituationen hinzugezogen werden und Versorgungsabläufe übernehmen.

Trotz anfänglicher Skepsis und Vorbehalte in den Teams gegenüber studierten Pflegenden hätten sich in den Einrichtungen überall Akzeptanz und gute Kooperationen durchgesetzt, heißt es. Dazu beigetragen haben aus Sicht des DIP transparente Praxiskonzepte, eine gute Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen sowie begleitende Austausch- und Reflexionsangebote.

Im Ergebnis würden die akademisch qualifizierten Pflegekräfte zu einer „stärker wissenschaftsfundierten und evidenzbasierten pflegerischen Versorgung und zur Qualitätssicherung“ in den Pflegeteams beitragen. Sie planen und steuern komplexe Pflegeprozesse, beraten Patienten, Angehörigen und Kolleg:innen, setzen Forschungs- und Entwicklungsprojekte um und fördern so Innovationen in den Einrichtungen. Zudem würden die neuen Berufsprofile attraktive Karrieremöglichkeiten mit besserer Vergütung bieten und somit zur Aufwertung der Pflege betragen

Qualifikationsmix machbar und effektiv

„Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass die erweiterte pflegerische Versorgungspraxis mittels eines klugen Qualifikationsmix machbar und effektiv ist, erfolgreich und nachhaltig implementiert werden kann und positive Wirkungen für Patienten und Pflegebedürftige, aber auch für die Pflege und die Organisationen selbst hat“, fasste Professor Frank Weidner vom DIP, der das Programm wissenschaftlich begleitet hat, zusammen. „ Nun ist die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen und Finanzierungsmöglichkeiten für die Gewinnung, Qualifikation und den Einsatz akademisch ausgebildeter Pflegefachpersonen in der Praxis gesetzlich auf den Weg zu bringen.“

150.000 akademische ausgebildete Pflegende erforderlich

Um einen erweiterten Qualifikationsmix deutschlandweit in den verschiedenen Sektoren durchzusetzen, werden nach Berechnungen des DIP nach und nach mindestens 150.000 studierte Pflegekräfte benötigt. Bis dahin kann es noch lange dauern. Würden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass in Deutschland ab 2027 in jedem Jahr rund 10.000 Menschen ein berufsbefähigendes Pflegestudium aufnehmen und davon rund ein Drittel ein spezialisiertes Masterstudium anschließen, könnten die benötigten akademisch qualifizierten Pflegefachpersonen bis 2045 zur Verfügung stehen. (ne)

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