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Erschienen in: Notfall +  Rettungsmedizin 5/2016

01.08.2016 | Leitthema

Versorgung von minderjährigen Flüchtlingen

Schwerpunkt Diagnostik und Prävention von Infektionskrankheiten

verfasst von: PD Dr. med. R. Kobbe, C. Kitz, S. Trapp, J. Pfeil, M. Hufnagel

Erschienen in: Notfall + Rettungsmedizin | Ausgabe 5/2016

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Zusammenfassung

Hintergrund

Minderjährige Flüchtlinge in Deutschland bilden eine besonders vulnerable Gruppe in unserer Gesellschaft. Dabei spielen Infektionskrankheiten eine wesentliche Rolle bei der medizinischen Versorgung. Aus infektiologischer Sicht sind Flüchtlinge keine gefährliche, sondern aufgrund der besonderen Lebensumstände eine gefährdete Gruppe. Auch in Krisensituationen erfordern ethische und ärztliche Verpflichtungen, ein Höchstmaß an medizinischer Versorgung zu erreichen. Die hier dargestellten Empfehlungen zur Infektionsdiagnostik und -prävention von Flüchtlingen im Kindes- und Jugendalter dienen dazu, den Impfschutz zu optimieren und Infektionskrankheiten, auch vor dem Hintergrund von Sammelunterkünften, Sprachbarrieren und unterschiedlichen kulturellen Auffassungen, zu diagnostizieren, behandeln und deren Weiterverbreitung zu verhindern.

Ziel und Ergebnisse

In den Erstaufnahmestellen sollten durch ein Kurzscreening (besser durch eine frühzeitige Basisuntersuchung) akute medizinische Probleme, potenziell übertragbare Infektionen (inklusive Tuberkulose), spezifische Impflücken, aber auch andere behandlungsbedürftige Erkrankungen erkannt und behandelt werden. Die Dokumentation aller Befunde ist essenziell, um Doppeluntersuchungen zu vermeiden und die weitere Behandlung zu optimieren. Hierfür ist eine funktionierende Kommunikationsstruktur zu schaffen. Nach Verteilung der Flüchtlinge auf die Kommunen sollen im Rahmen der ambulanten und evtl. stationären Versorgung die von der STIKO empfohlenen Standardimpfungen vervollständigt und Flüchtlinge in allen medizinischen Bereichen mit dem gleichen medizinischen Niveau versorgt werden wie die einheimische Bevölkerung. Wegen einer höheren Prävalenz von multiresistenten Erregern (MRE) in den Herkunftsländern ist bei stationären Aufnahmen in vielen Fällen ein MRE-Screening empfohlen.
Fußnoten
1
Im aktuellen Positionspapier der Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) werden außerdem noch Serologien gegen Lues (TPPA/TPHA), bei Kindern < 2 Jahren; Hepatitis C (nur Antikörper) und Schistosomiasis (bei Herkunft aus Endemiegebieten Süd- und Mittelamerikas, Afrikas, Asiens), Strongyloidiasis (bei persistierender Eosinophilie (> 500/µl, immer bei > 1500/µl) trotz Behandlung mit Mebendazol, danach Abklärung durch pädiatrischen Infektiologen oder Tropenmediziner); Trypanosoma cruzi (bei Herkunft aus wenig entwickelten Gebieten Süd- und Mittelamerikas) empfohlen [7].
 
Literatur
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Zurück zum Zitat Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) (2015) Mitteilungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut/August 2015. Epidemiol Bull 34:327–362 Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) (2015) Mitteilungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut/August 2015. Epidemiol Bull 34:327–362
Metadaten
Titel
Versorgung von minderjährigen Flüchtlingen
Schwerpunkt Diagnostik und Prävention von Infektionskrankheiten
verfasst von
PD Dr. med. R. Kobbe
C. Kitz
S. Trapp
J. Pfeil
M. Hufnagel
Publikationsdatum
01.08.2016
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Notfall + Rettungsmedizin / Ausgabe 5/2016
Print ISSN: 1434-6222
Elektronische ISSN: 1436-0578
DOI
https://doi.org/10.1007/s10049-016-0180-7

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