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01.12.2020 | Trauer | Nachrichten

Die Pflege trauert um Schwester Liliane Juchli

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Die professionelle Pflege hat eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten verloren. Im Alter von 87 Jahren ist am Montag in Bern Sr. Liliane Juchli, die große Pflegepionierin, nach einer Corona-Infektion verstorben.

Wie keine andere in den vergangenen Jahrzehnten hat die Schweizer Ordensfrau die Geschichte der Pflege mitgeschrieben und die Professionalisierung der Berufsgruppe vorangetrieben. Dabei stellte sie auch immer wieder grundsätzliche Fragen: Welche Pflege wollen wir und welche Pflege brauchen wir?

Kämpferin für eine menschliche und professionelle Pflege

Für die am 19. Oktober 1933 in Nussbaumen geborene Juchli war Pflege nicht zuletzt Beziehungsarbeit. Unter dem Leitspruch „Ich pflege als die, die ich bin“, machte sie deutlich, wie wichtig Würde und Achtsamkeit in der Pflege sind. Pflegende müssten zugleich auch für sich selbst Sorge tragen, um ihren Beruf gut ausüben zu können, mahnte sie.

Immer wieder kritisierte Juchli den allgegenwärtigen Effizienzgedanken, der das Arbeitsleben von Pflegenden heute prägt. Ganzheitliche Pflege wurde erst durch Juchli zum Credo. Mit dem Pflegemodell der ‚Aktivitäten des täglichen Lebens‘ begründete sie in den 1980ger Jahren ein neues und bis heute gültiges Pflegeverständnis. Ihr Lehrbuch – im Pflegejargon „der Juchli“ – war lange das Standardwerk der Pflegeausbildung und hat Generationen von Pflegenden in ihr Berufsleben begleitet.

Stets sah Juchli Pflegende als Akteure, die gestalten müssen. Sie rief die Berufsgruppe auf, sich einzumischen. Auch im hohen Alter hat die kämpferische Nonne sich für ihre Profession stark gemacht und gerade auch junge Menschen im Beruf begeistert. Bei Veranstaltungen für den Pflegenachwuchs wurde sie regelrecht gefeiert.

In ihrem mehr als 50-jährigen beruflichen Wirken hat Juchli die Pflege im gesamten deutschsprachigen Raum geprägt. Dafür wurde sie vielfach gewürdigt und ausgezeichnet. So erhielt Juchli für ihre Pionierleistungen für die Professionalisierung der Berufsgruppe und ihr jahrzehntelanges Engagement in der Pflegeausbildung im Mai 2018 das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland.

Verbände trauern um die Pflegepionierin

Pflegeverbände reagieren mit großer Trauer auf den Verlust der Ausnahmepersönlichkeit. So würdigt der Schweizer Pflegeverband SBK Juchli als „unermüdliche Kämpferin für eine professionelle und menschenwürdige Pflege“. Sie habe Generationen von Pflegefachpersonen im deutschsprachigen Raum geprägt und inspiriert. Auch der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) betont die großen Verdienste der Ordensfrau für die Berufsgruppe: „Sr. Liliane Juchli war eine der mutigsten und inspirierendsten Pflegefachfrauen im deutschsprachigen Raum“, erklärt DBfK-Präsidentin Christel Bienstein, die Juchli über 40 Jahre kannte. „Wie vielen anderen Pflegefachpersonen auch, hat sie mir Kraft und Zuversicht vermittelt, wenn ich zweifelte und aufgeben wollte.“ (ne)

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