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04.03.2018 | Suchterkrankungen | Onlineartikel

Alkohol, Rauchen, Medikamente: Sucht in der Pflege

Autor:
Lukas Schmülling

Sucht ist definiert als ein nicht zu bändigendes Verlangen nach dem Konsum einer Substanz oder einer Tätigkeit. Der Süchtige verliert dabei die Kontrolle über Zeitpunkt, Dauer und Intensität des Konsums.

Charakteristische Symptome einer Sucht sind Abhängikeit (Dependenz), Toleranzentwicklung und Entzugserscheinungen bei Nichtzufuhr der Droge. Meist geht eine Beeinträchtigung der Alltagskompetenz und des Soziallebens des Betroffenen mit der Sucht einher, da der Erkrankte sein Leben nach der Befriedigung dieses Bedürfnisses richtet.

Mann trinkt Bier (Symbolbild) © Udo Kroener / Fotolia

Drogen, Sucht, Abhängigkeit: Was ist das?

Süchte lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: stoffgebundene und nicht-stoffgebundene Süchte.

Eine stoffgebundene Sucht bedeutet, dass der Organismus von einer chemischen Substanz (zum Beispiel Alkohol, Nikotin, Cannabis) abhängig ist.

Unter nicht-stoffgebundenen Süchten versteht man das exzessive Ausleben von Tätigkeiten wie Glücksspiel oder Sport, aber auch die übermäßige Nutzung von sozialen Medien.

Am Anfang steht der Abusus

Was ist Sucht? Am Anfang jeder Sucht steht der Abusus, also der Missbrauch der Droge. Ein Abusus ist aber noch nicht gleichzusetzen mit einer Sucht. Er beschreibt lediglich ein verantwortungsloses Umgehen mit Suchtmitteln. So macht ein Abend, an dem jemand zu viel Alkohol trinkt, den Betreffenden nicht zum Alkoholiker.

Meist entstehen Süchte in Verbindung mit psychischen Belastungen. Der Betroffene macht die Erfahrung, dass der Konsum der Droge ihm hilft, den Belastungen seiner Außenwelt - aus seiner Sicht - besser standhalten zu können. Auch wird der Rausch eingesetzt, um sich Konflikten zu entziehen.

Ursachen von Sucht: Forscher vermuten genetisches Risiko

Vor allem junge Menschen gelten als Risikogruppe: Sie suchen noch ihre eigene Identität – und das Austesten und mitunter das Überschreiten von Grenzen ist fester Bestandteil der persönlichen Entwicklung vieler Jugendlicher.

Auch spielt das Ansehen bei Jugendlichen unter Gleichaltrigen eine große Rolle. Gilt dort der Konsum von Cannabis, Alkohol, Zigaretten oder anderer Drogen als cool, kann das den Einzelnen veranlassen, es selbst zu versuchen.

Warum manche Menschen eine Suchterkrankung entwickeln und andere nicht, ist bis heute noch nicht vollständig geklärt. Man geht aber davon aus, dass es eine starke genetische Komponente gibt, die Menschen für die Entstehung einer Sucht anfällig macht.

Auch psychische Aspekte spielen eine maßgebliche Rolle. Vor allem der erlernte Umgang mit Konflikten beeinflusst einen Menschen in seinem späteren Konfliktverhalten. Werden Konflikte nicht ausgetragen, so wird der Betroffene jede Konfrontation meiden und ist daher anfälliger für Suchtmittel.

Sucht und Pflege: ein Problem auf mehreren Ebenen

Pflegekräfte sind in ihrem Arbeitsalltag mit dem Thema Sucht konfrontiert. Einerseits betreuen sie Suchtkranke nicht nur in den psychiatrischen Bereichen, sondern auch auf somatischen Stationen. Eine Sucht kann in vielerlei Gestalt auftreten und bleibt oft auch unerkannt.

In der Altenpflege können Pflegekräfte auf problematische Verhaltensweisen treffen. Doch nicht bei jedem auffälligen Gebrauch etwa von Alkohol oder Medikamenten müssen die Fachkräfte einschreiten. Entscheidend ist, ob dabei ein Risiko für die Gesundheit der Betroffenen besteht – und ob der Konsum die Lebensqualität beeinträchtigt.

Dabei ist das Problem nicht zu vernachlässigen. Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen weisen beispielsweise 15 Prozent der Über-60-Jährigen einen riskanten Alkoholkonsum auf; zwei bis drei Prozent der Männer sowie 0,5 bis ein Prozent der Frauen gelten als Alkoholabhängig.

Auch Medikamentenabhängigkeit ist eine häufig auftretende Suchterkrankung bei älteren Menschen. Dies betrifft zum Beispiel Schlaf- und Beruhigungsmittel. Der Berliner Alters-Studie zufolge nehmen etwa 25 Prozent der Über-70-Jährigen Psychopharmaka ein. Wie neuere Erhebungen zeigen, erhalten in Alten- und Pflegeheimen mehr als 15 Prozent der zu Pflegenden Benzodiazepine. Das Problem dieser Medikamente ist die rasche Gewöhnung und das damit einhergehende Abhängigkeitsrisiko.

Pflegende als Risikogruppe für Suchterkrankungen

Doch auch Pflegende selbst sind eine Risikogruppe für Suchterkrankungen. Durch ihren regelmäßigen Kontakt mit Suchtstoffen (zum Beispiel opioide Schmerzmittel und Amphetamine) ist hier ein Missbrauch verhältnismäßig leicht möglich. Dieser kann, trotz aufwändiger Kontrollmechanismen, gegenüber Kollegen und Vorgesetzen, oft genug vertuscht werden.

Neben der Möglichkeit des Zugriffs auf Suchtmittel gibt es weitere Gründe, die Pflegekräfte zu einer Risikogruppe machen. Dazu zählen die häufig anhaltend hohe Arbeitsbelastung, Störungen des zirkadianen Rhythmus durch Schichtdienst sowie eine hohe Arbeitsfrustration.

Entzug: Behandlung von Sucht

Sucht ist eine chronische Erkrankung. Das bedeutet, dass der Süchtige immer süchtig sein wird. Das Hauptproblem ist dabei nicht, wie oft angenommen der körperliche Entzug, sondern die psychische Verarbeitung der Abhängigkeit (psychischer Entzug).

Das plötzliche Absetzen des Suchtmittels gilt als gefährlich. Vor allem bei Alkohol können schwere Entzugserscheinungen auftreten. Dazu zählen neben Übelkeit, allgemeiner Unruhe und Depression auch zerebrale Krampfanfälle und Blutungen durch Leberschäden.

Um diese Komplikationen zu umgehen, wird heute ein kontrollierter Entzug durchgeführt. Der Süchtige soll dabei eine Kontrolle über seinen Substanzkonsum erlangen und dadurch an Unabhängigkeit gewinnen.

Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) haben Abhängigkeit und Substanzmissbrauch – im Vergleich zu anderen chronischen Erkrankungen – gute Behandlungschancen. Dabei ist, so die DHS, nicht nur die dauerhafte Abstinenz ein Behandlungserfolg. Schließlich hängt die Erfolgsprognose vom Stadium der Erkrankung ab – und davon, ob der Diagnose auch eine angemessene Therapie folgt.

Literatur

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.03.2018 | Suchterkrankungen | PflegeKolleg | Ausgabe 3/2018

Psychiatrische Notfälle und Krisensituationen

01.03.2018 | Altenpflege | PflegeKolleg | Ausgabe 3/2018

Im Alter medikamentenabhängig

01.03.2018 | Suchterkrankungen | PflegeKolleg | Ausgabe 3/2018

Suchtkranke im Akutkrankenhaus identifizieren

01.03.2018 | Suchterkrankungen | PflegeKolleg | Ausgabe 3/2018

Riskantem Suchtmittelkonsum von Pflegenden vorbeugen

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