Ausbildung 3D-Modelle für die Hebammenkunde
- 01.08.2025
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Praxisnahe Lehrformate für die Ausbildung in der Geburtshilfe werden im Rahmen einer Schwerpunktprofessur an der Fakultät Gesundheit und Soziales der Technischen Hochschule Aschaffenburg erforscht.
In dem interdisziplinären Projekt wurden 3D-gedruckte Modelle des Gebärmutterhalses in unterschiedlichen Konsistenzen hergestellt und für die Ausbildung im Skills Lab von Fachpersonen beurteilt. Ziel war es, Studierenden der Hebammenkunde das vaginale Ertasten des Muttermundes in einem geschützten und ethisch unbedenklichen Rahmen zu ermöglichen, noch bevor erste Untersuchungen an Schwangeren erfolgen.
3D-gedruckte Modelle vom Muttermund für die Hebammenkunde, © Hemma Pfeifenberger, TH Aschaffenburg
Für die Beurteilung des Geburtsfortschritts spielt neben Weite und Öffnung des Muttermundes auch die sich verändernde Festigkeit des Gewebes eine Rolle. Hier setzt das Projekt an: Die gedruckten 3D-Modelle weisen verschiedene Konsistenzen auf, die die Beschaffenheit des Muttermundes während des Geburtsvorgangs simulieren. Ermöglicht wird dies durch verschiedene Füllmaterialien aus elastischem Filament – einem verformbaren Kunststoff, der für den 3D-Druck verwendet wird.
Die Entwicklung der Modelle erfolgte interdisziplinär. Hemma Pfeifenberger, Professorin für Hebammenkunde an der TH Aschaffenburg, entwarf verschiedene digitale Modellvarianten am Computer. In enger Zusammenarbeit mit Sebastian Kraus von der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik wurden diese Entwürfe dann in zehn verschiedenen Konsistenzen in 3D gedruckt. Die Herstellungskosten betragen dabei nur wenige Cent pro Modell.
Fachliche Beurteilung der Modelle
Um die Realitätsnähe der Modelle zu prüfen und deren Übereinstimmung mit verschiedenen Gewebekonsistenzen zu bewerten, wurden sie von Fachpersonen begutachtet. Es war die Frage zu klären, welche Füllung welche Gewebebeschaffenheit am besten abbildet.
Im ersten Durchlauf erhielt das Projekt 87 Bewertungen, die vor allem auf Rückmeldungen von Hebammenstudierenden und erfahrenen Hebammen beruhen. Bereits daraus ließen sich klare Tendenzen ableiten, welche Strukturen den Gebärmutterhals besonders realistisch darstellen. Zudem wurde deutlich, dass erfahrene Hebammen die Konsistenzen differenzierter und präziser beurteilen als Studierende. Im nächsten Projektschritt sollen die Modelle verstärkt durch Ärztinnen und Ärzte evaluiert werden, um Unterschiede in Wahrnehmung und Einschätzung zwischen den Berufsgruppen zu erforschen.