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Erschienen in: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 2/2019

07.03.2019 | Themenschwerpunkt

Sozioökonomische Determinanten der Mortalität hochaltriger Männer in Österreich

verfasst von: Ph.D. Johannes Klotz, MSc Tobias Göllner, Mag. Nicole Gumprecht

Erschienen in: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie | Ausgabe 2/2019

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Zusammenfassung

Hintergrund

Während sozioökonomische Unterschiede in der Sterblichkeit im mittleren Lebensalter gut erforscht sind, ist über deren Ausmaß in der hochaltrigen Bevölkerung wenig bekannt. Surveys und Follow-up-Studien von Volkszählungen sind in dieser Altersgruppe mit Zuverlässigkeits- und Gültigkeitsproblemen behaftet.

Ziel der Arbeit

Durch Verknüpfung statistischer Informationen aus Registerdaten soll untersucht werden, in welchem Ausmaß bei hochaltrigen Männern in Österreich Sterblichkeitsunterschiede nach sozioökonomischen Variablen wie Bildung und Einkommen bestehen und inwieweit diese durch unterschiedliche Gesundheitszustände erklärbar sind.

Material und Methoden

Die Datensätze zu den bei der österreichischen Registerzählung 2011 erfassten Männern im Alter von 80 bis 99 Jahren werden um Informationen aus Steuer- und Sozialversicherungsdaten angereichert und mit den Sterbefällen im Zeitraum bis 5 Jahre nach der Zählung verknüpft. Relative Sterberisiken werden mittels Cox-Regression geschätzt. Der Gesundheitszustand wird durch die Pflegestufe operationalisiert.

Ergebnisse

Auch bei hochaltrigen Männern bestehen signifikante Mortalitätsunterschiede nach sozioökonomischem Status: Bei der Bildung zeigt sich ein kontinuierlicher Effekt, beim Einkommen ein Armutseffekt. Kontrolliert man neben dem Alter zusätzlich die Pflegestufe, zeigen sich keine sozioökonomischen Unterschiede mehr. Das höhere Sterblichkeitsniveau niedrig gebildeter bzw. einkommensschwacher hochaltriger Männer ist also Folge ihres schlechteren Gesundheitszustands.

Schlussfolgerung

Im Alter über 80 Jahren ist der Gesundheitszustand der relevante Einflussfaktor auf die Sterblichkeit. Maßnahmen zur Verringerung sozioökonomischer Mortalitätsunterschiede müssen also in früheren Lebensphasen ansetzen, um das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit in sozial benachteiligten Gruppen zu verringern.

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Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie

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Fußnoten
1
Das österreichische Einkommensteuerrecht basiert auf dem Prinzip der Individualbesteuerung (anstelle der in den meisten Ländern üblichen Haushaltsbesteuerung). Aus den Steuerdaten ist also nur das persönliche (steuerpflichtige) Einkommen bekannt. Etwa 10 % der Frauen dieser Altersgruppe verfügen über kein eigenes Einkommen, wobei dieser Anteil mit steigendem Alter abnimmt (14 % bei den 80-Jährigen). Zudem macht bei Frauen in Paarbeziehungen das persönliche Einkommen oft nur einen geringen Teil des Haushaltseinkommens aus. Eine Operationalisierung des sozioökonomischen Status über das persönliche Einkommen wäre also bei den Frauen sehr ungenau. Schichtspezifische Differenzen in der Mortalität fallen bei den Männern in der Regel quantitativ größer aus als bei den Frauen, das grundlegende Muster ist jedoch vergleichbar [6, 7, 9]. Nicht zu verwechseln mit der schichtspezifischen Differenz innerhalb eines Geschlechts ist der generelle Mortalitätsunterschied zwischen den Geschlechtern; zu Letzterem: [12].
 
2
Allgemeines Sozialversicherungsgesetz.
 
3
In den Daten ist die Pflegestufe auch für einige Beamte enthalten, welche bei der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau versichert sind. Allerdings ist dies nur eine (zudem selektive) Teilmenge aller Beamten.
 
4
Darunter ist zu verstehen, dass z. B. die zu einem bestimmten Zeitpunkt 90-Jährigen i. Allg. eine selektivere Population in Bezug auf die Ausgangskohorte darstellen als die zum selben Zeitpunkt 80-Jährigen im Vergleich zu ihrer Ausgangskohorte. Nicht damit zu verwechseln ist der Anstieg des Sterberisikos ein- und desselben Individuums mit zunehmendem Alter; dieser ist im vorliegenden Modell implizit im Baseline Hazard modelliert.
 
5
In Anbetracht der gesetzlichen Regelung des Pflegegeldes ist jedoch von einer engen Korrelation zwischen Pflegegeldbezug und Gesundheitszustand auszugehen. Siehe dazu auch die Annahmen zur Kompression der Morbidität in [21].
 
6
Anspruch auf Pflegegeld hat, wer über mindestens 6 Monate einen Pflegebedarf von durchschnittlich mehr als 65 h im Monat hat. Die Einstufung richtet sich nach dem Umfang des Pflegebedarfs. Die Entscheidung über die zuerkannte Pflegestufe trifft der Versicherungsträger auf Basis eines Sachverständigengutachtens (Arzt/Ärztin, diplomierte Pflegefachkraft).
 
7
Alternativ könnten bei einer Querschnittsaufnahme festgestellte Alterseffekte auch Kohorteneffekte sein. Es gibt jedoch keinen Hinweis, dass Kohorteneffekte hier von Bedeutung sind.
 
Literatur
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Metadaten
Titel
Sozioökonomische Determinanten der Mortalität hochaltriger Männer in Österreich
verfasst von
Ph.D. Johannes Klotz
MSc Tobias Göllner
Mag. Nicole Gumprecht
Publikationsdatum
07.03.2019
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie / Ausgabe 2/2019
Print ISSN: 0948-6704
Elektronische ISSN: 1435-1269
DOI
https://doi.org/10.1007/s00391-019-01523-5