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Insbesondere bei Pflegebedürftigkeit sind soziale Beziehungen eine wichtige Quelle praktischer, emotionaler und pflegerischer Unterstützung. Da ältere lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und inter* (LSBTI*) Personen häufig allein leben und selten Kinder haben, erhalten nicht-verwandtschaftliche Beziehungen einen wichtigen Stellenwert. Welche – möglicherweise kompensatorisch wirkende – Strategien der Bewältigung von Pflegeereignissen bei nicht-heterosexuellen Personen bestehen, ist bislang kaum Gegenstand der Alternsforschung.
Ziel der Arbeit
Untersucht werden die Rolle sozialer Unterstützung für ältere LSBTI*-Personen in der Langzeitpflege und die resultierenden Konsequenzen für den Umgang damit.
Methoden
Das internationale Scoping-Review erfolgte mit den wissenschaftlichen Datenbanken: APA PsycINFO, CINAHL, Psychology and Behavioral Sciences Collection, PSYNDEX Literature with PSYNDEX Tests, BASE, Livivo, PubPsych, PubMed und Google Scholar. Es wurden 19 Arbeiten für die Analyse identifiziert.
Schlussfolgerung
Drei zentrale Themen zu sozialen Netzwerken und Pflege von älteren LSBTI*-Personen wurden herausgearbeitet: soziodemografische Herausforderungen, Unterstützungsressourcen sowie Altenhilfestrukturen und Strategien für eine gute Pflegequalität. Wahlfamilien sind das Rückgrat sozialer Unterstützung von LSBTI*-Personen, werden jedoch bei Pflegereignissen auch als fragil erlebt. Strategien für eine gute Pflegequalität betreffen das Sichtbarmachen der non-konformen sexuellen oder geschlechtlichen Identität, Stigmamanagement in Einrichtungen der Langzeitpflege und eine vorausschauende Pflegeplanung. Um eine kompensatorische Wirkung wahlfamiliärer Beziehungen bei LSBTI*-Senior:innen zu erzielen, sind eine diversitätssensible Gesundheitsversorgung und Angehörigenarbeit nötig. Wie dies bisher angegangen wurde, und welche Inhalte eine zukünftige gerontologische Diversitätsforschung haben sollte, wird diskutiert.
Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Einleitung
Ältere und hochaltrige lesbische, schwule, bisexuelle, trans*- und intergeschlechtliche (LSBTI*-) Personen haben Phasen der gesellschaftlichen Entwicklung, die sich durch Geschlechterverhältnisse und Umgangsweisen mit Sexualität stark verändern, und Repression erlebt. Während ältere LSBTI*-Personen mitunter Kinder und Ehepartner:innen durch Scheinheiraten oder sehr späte Coming-out-Prozesse hatten [20], leben jüngere Generationen mittlerweile vermehrt in Regenbogenfamilien (mindestens ein Elternteil ist LSBTI*). In zahlreichen Studien ist die Relevanz nicht-verwandtschaftlicher oder „wahlfamilialer“ Beziehungen nachgewiesen worden [18]. Diskriminierungen über den Lebensverlauf haben Auswirkungen auf die Gesundheit und den Zugang zur Gesundheitsversorgung sowie zur informellen Unterstützung [10‐12, 14]. Insbesondere bei Pflegebedürftigkeit sind soziale Beziehungen eine praktische, emotionale und pflegerische Unterstützung. Im höheren Erwachsenenalter sind soziale Beziehungen zu (Ehe)partner:innen und erwachsenen Kindern (Herkunftsfamilie/ „family of origin“) oft die wichtigsten Quellen der Unterstützung [33]. Ältere LSB(TI)*-Erwachsene haben vergleichsweise seltener (Ehe-)partner:innen oder Kinder [7, 19] und seltener intensivere Beziehungen zur eigenen Verwandtschaft (etwa zu Geschwistern, Nichten oder Neffen; [5, 18]), weshalb sie häufiger freundschaftliche bzw. wahlfamiliale Beziehungen („family of choice“) haben und diese als „Rückgrat der sozialen Unterstützung im Alter“ bezeichnet werden [4, 23]. Zusammenfassungen unter dem Akronym LSBTI* suggerieren bisweilen eine Homogenität, die für diese heterogene Bevölkerungsgruppe nicht gegeben sein muss. In dieser Literaturarbeit wird insbesondere im Ergebnisteil versucht, Unterschiede etwa zwischen sexueller und geschlechtlicher Identität zu verdeutlichen.
Frühere Untersuchungen zeigen, dass ältere LSBTI*-Personen aus Angst vor Diskriminierung eher zögern, formelle Pflegedienste in Anspruch zu nehmen und ein starkes, antizipiertes Unbehagen insbesondere gegenüber Einrichtungen der Langzeitpflege mit hohem Institutionalisierungsgrad und niedrigen Betreuungsquoten besteht [16, 18, 24, 31]. Vor diesem Hintergrund wird dieser Beitrag analysieren, wie in der bisherigen Alterns- und Pflegeforschung die soziale Unterstützung bei möglichen und eingetretenen Pflegeereignissen sowie für eine gute Lebens- und Pflegequalität untersucht und bewertet wurde. Dabei fokussieren wir stationäre Einrichtungen mit Blick auf Handlungsempfehlungen, doch wurden auch ambulante und informelle Pflegeformen in den Studien berücksichtigt. Daraus entstehende Konsequenzen für die Gesundheitsversorgung werden diskutiert.
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Methoden
Um die Fragestellung zu untersuchen, wurde eine umfassende Literaturrecherche in Form eines Scoping-Review durchgeführt [28, 30]. Die Literaturrecherche erfolgte zwischen September 2024 und Februar 2025 in den wissenschaftlichen Datenbanken Ebsco (mit APA PsycArticles, Psychology and Behavioral Sciences collection, APA PsycINFO, PSYNDEX Literature und PSYNDEX Test), PubMed, CINAHL, BASE, Livivo, PubPsych sowie Google Scholar. Die Suchstrategie wurde explorativ entwickelt; sie kombinierte die Bool-Operatoren AND und OR und fokussierte folgende vier Themenbereiche: sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität (z. B. „LGBT*“, „lesbian“, „gay“, „bisexual“, „trans*“, „intersex“), Alter (z. B. „older adults“, „geriatric“, „senior“, „aged 65+“), Langzeitpflege (z. B. „long-term care“, „residential care“, „nursing homes“, „home care“, „palliative care“) sowie soziale Unterstützung (z. B. „social support“, „social networks“, „caregiver“, „friend“ „family“). Ein Beispiel für die verwendete Suchlogik lautet: (LGBT OR lesbian OR gay) AND (older adults OR geriatric) AND (long-term care OR home care) AND (social support OR caregiver). Die Begriffe in Klammern sind Beispiele für die in der Suche – auch auf deutsch – verwendeten Schlagwörter.
Die Auswahl der Studien erfolgte anhand der in Tab. 1 definierten Ein- und Ausschlusskriterien. Die Einbeziehung von Personen ab 40 Jahren erfolgt, da eine mögliche Planung pflegerischer Versorgung früher relevant wird [32]. Eingeschlossen wurden Arbeiten, die soziale Unterstützung durch Partner:innen, (Wahl‑)Familie, Freund:innen oder Community-Mitglieder sowie Prozesse der Langzeitpflegeplanung, Inanspruchnahme formeller Pflege und Umsetzung informeller Betreuungsarrangements thematisierten. Pflege umfasste häusliche, stationäre und palliative Versorgung. Publikationen, die ausschließlich gesundheitliche Ungleichheiten oder medizinische Leistungen fokussierten, wurden ausgeschlossen. Die endgültige Auswahl umfasste 19 Studien, die in Tab. 2 zusammengefasst sind.
Tab. 1
Ein- und Ausschlusskriterien des Scoping-Review
Kriterien
Einschluss
Ausschluss
Population
– LSBTI+-Personen ab 40 Jahren
– Informelle Pflegepersonen/soziale Kontakte der oben genannten Personen
– Jüngere Erwachsene
– Ausschließlich heterosexuelle Stichproben
– Stichproben, die ausschließlich aus Gesundheits- oder Sozialfachkräften bestehen
Studiendesign und Publikationsart
Quantitative und qualitative Studien; „peer-reviewed journals“
Publikationszeitraum
2004–2024
Sprache
Deutsch- und englischsprachige Studien
LSBTI lesbisch, schwul, bisexuell, trans* und inter*
Tab. 2
Übersicht der analysierten Studien (in alphabetischer Reihenfolge)
Erfahrungen zu sozialer Inklusion, rechtlichen Rahmenbedingungen und Unterstützungsnetzwerken im Alter
AUS Australien, CAN Kanada, CHN China, UK Vereinigtes Königreich, USA Vereinigte Staaten von Amerika, ZAF Südafrika CLSA Canadian Longitudinal Study on Aging
Wie bei Scoping-Reviews üblich, wurde keine explizite Beurteilung der Qualität der einzelnen Studien vorgenommen, jedoch wurden ausschließlich Peer-reviewed-Beiträge einbezogen, die im Hinblick auf unsere Untersuchungsfragen entsprechend den Kriterien der Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses (PRISMA, [30]) untersucht wurden. Der Prozess ist im PRISMA-Flussdiagramm dargestellt (Abb. 1).
Abb. 1
Flussdiagramm gemäß den Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses (PRISMA)
Die inkludierten Studien variierten bezogen auf das Studiendesign und wurden hauptsächlich im angloamerikanischen Raum durchgeführt (8 in den USA, 5 in Kanada, eine in Australien). Jeweils eine Studie aus China, Südafrika und Deutschland konnten die Literaturstudie erweitern.
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Die folgenden Ergebnisse basieren auf einer strukturierenden inhaltlichen Analyse, die aus der Forschungsfrage abgeleitet wurde und sich nachfolgend entsprechend in drei zentrale Themenkategorien gliedert.
Soziodemografisch bedingte Herausforderungen im Alter
Zahlreiche Studien weisen die oben genannten soziodemografischen Besonderheiten für die Unterstützungspotenziale bei älteren LSBTI*-Personen auf; diese sind durch häufiges Alleinleben sowie geringes Vorhandensein von Partner:innen und Kindern geprägt [3, 7, 9, 19]. Ältere LSBTI*-Personen ab 50 Jahren haben wenige intensive/belastbare Beziehungen zur eigenen Verwandtschaft wie zu Geschwistern, Nichten oder Neffen [2, 4, 15]. Wahlfamiliale Beziehungen werden von zahlreichen Studien als besonders bedeutsam – und teilweise kompensatorisch – für ältere LSBTI*-Personen angesehen [1, 7, 9, 15, 19, 23]. Eine britische Studie beschreibt nicht-verwandtschaftliche Beziehungen als „reference to the ‚family-like‘ bond of these relationships. It has been noted elsewhere that even those who have lived lives outside conventional boundaries invoke a core notion of ‚family‘ to describe the depth of their friendships“ [1, S. 913]. Doch verweisen verschiedene Studienautoren darauf, dass soziale Netzwerke von LSBTI* häufig altershomogen sind und die Hilfebedarfswahrscheinlichkeit dadurch als fragil bewertet werden [4, 22, 25]. Bei trans* Personen werden zudem Herausforderungen finanzieller Art im Alter hervorgehoben [8]. Lesbische Befragte in Städten haben häufiger als Frauen in ländlichen Gemeinden mehrere (und nicht lediglich singuläre) Unterstützungsquellen [3], und lesbische Frauen scheinen im Vergleich zu schwulen Männern belastbarere soziale Netzwerke aufzuweisen [8]. Eine andere kanadische Studie nimmt nicht (wie häufig) nur LSB-Personen, sondern auch heterosexuelle Ältere ins Sample auf und stellt im Vergleich zu heterosexuellen Männern wiederum fest: „with respect to caregiving, gay and bisexual men were more likely to report providing support in comparison to heterosexual men“ [19, S. 13].
Unterstützungsressourcen und Hilfearten
Werden wahlfamiliale Unterstützungspotenziale im Alter nach verschiedenen Hilfearten differenziert, sind diese Netzwerke insbesondere bei der emotionalen und praktischen Unterstützung (etwa haushälterisch) die wichtigste Stütze. Doch je intimer die Form der Hilfeart (pflegerische Leistungen), desto geringer ist die Chance auf wahlfamiliale Unterstützung [23]. Trans* Personen fühlen sich seltener in LSB Communities eingebunden und sind auf transspezifische Netzwerke angewiesen [8]. Sind Partner:innen vorhanden, sind diese meist die Hauptunterstützungsressource [5, 9], mit denen die Pflegeplanung – häufiger als bei Freund:innen – ein Thema ist [6, 9]. De Vries et al. halten zur „End-of-life“-Versorgung kritisch fest: „chosen families were not significantly related to end-of-life preparations; they may not be the untapped resource that has often been proposed“ [9, S. 93]. Auf kulturelle Unterschiede verweisen Studien aus China [21] und Südafrika [29], wonach verwandtschaftliche Unterstützung auch bei LSBTI*-Personen zentral bleiben (sollen). Während verschiedene Studien Isolation und Ausgrenzung insbesondere im Kontext der Gesundheitsversorgung betonen [3, 15, 27], hebt die südafrikanische Studie hervor, dass ältere LSBT*-Personen trotz struktureller Benachteiligungen häufig soziale Einbindung und Unterstützung durch Familie, Freund:innen und Communities erfahren [29]. Auch hier werden – differenziert in Hinsicht auf Bedarfe innerhalb der LSBTI*-Bevölkerungsgruppe – für die Alternsforschung Forschungsdesiderate festgestellt.
Versorgungsstrukturen – Strategien für eine gute Lebens- und Pflegequalität
Die oben beschriebenen soziodemografischen Situationen älterer LSBTI*-Personen lassen eine größere Abhängigkeit von formalen Leistungen der Gesundheitsversorgung erkennen [22], weshalb den Regeldiensten eine hohe Verantwortung bei der Gewährleistung einer guten Lebens- und Pflegequalität für ältere LSBTI*-Personen zukommt [2, 3, 5]. Da die sexuelle und/oder geschlechtliche Identität in professionellen Settings nicht immer offenkundig wird, übersehen oder aufgrund von Tabusierungen beschwiegen werden, gehört ein Sichtbarmachen von Differenz (hier zu sexueller oder geschlechtlicher Identität) zum Gegenstand der Strategien älterer LSBTI*-Personen, die für eine gute Lebens- und Pflegequalität eingesetzt werden. Die Ergebnisse der eingeschlossenen Studien zeigen, dass es für die Befragten immer wieder nötig wurde, proaktiv Teilhabe herzustellen, um Lebensweltbezüge etwa zu LSBT* Communities auch im (hohen) Alter zu gewährleisten [15, 17, 19]. Studien zur Versorgung älterer trans* und inter* Personen berichten von einem erheblichen Einfluss früherer negativer Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem auf das spätere Leben und das Vertrauen in Versorgungseinrichtungen [8, 17, 22]. Es werden Diskrepanzen zwischen LSBT*-freundlichen Prinzipien und der tatsächlichen Praxis im Gesundheitssystem, die die Relevanz personenzentrierter Versorgung unterstreichen, erkennbar [8, 27]. In cis-heteronormativ erlebten Settings können die Bedarfe von LSBTI*-Personen – oftmals unabsichtlich – negiert, nicht erkannt oder für irrelevant erachtet werden (als Herausforderungen werden in den Studien insbesondere soziale Teilhabe, Angehörigenarbeit, demenzielle Erkrankungen sowie Traumata über den Lebensverlauf erwähnt). Daher wird in zahlreichen Studien eine diversitätssensible Versorgungsstruktur, die etwa Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem, soziodemografische Besonderheiten und Lebensweltkenntnisse berücksichtigt, empfohlen, um im Alter eine gute Pflege- und Lebensqualität zu ermöglichen und Diskriminierungen vorzubeugen [2, 5, 15, 17, 22, 25‐27].
Diskussion
Die in diesem Scoping-Review vorgesehene breite Herangehensweise hat 19 Studien mit unterschiedlichen Schwerpunkten ergeben; diese beleuchten den Forschungsstand zur Relevanz sozialer Netzwerke für die Organisation von Pflege von älteren LSBTI*-Personen und die Rolle wahlfamilialer Unterstützungsressourcen. Die internationalen Studien aus vier Kontinenten betonen grundsätzlich die hohe Bedeutung wahlfamilialer Beziehungen bei LSBTI-Personen im Alter. Dabei werden innerhalb der Gruppe von LSBTI* Unterschiede thematisiert, die Hilfearten und Unterstützungsniveaus oder Erfahrungen über den Lebensverlauf mit (wahl-)familialen Beziehungen betreffen [3, 7, 9, 19]. Beim Erleben von Versorgungsstrukturen werden Reaktionen auf lebenslaufbezogene Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem erkennbar [15, 27]; gleichwohl adressieren bisherige Untersuchungen Strategien und Umgang nur randständig. Es werden Forschungsdesiderate benannt, die insbesondere für trans*- und intergeschlechtliche Personen, für bildungsferne, einkommensschwache und alleinstehende ältere Lesben und Schwule sowie für bisexuelle Senior:innen erkennbar werden, zumal diese auch in den inkludierten Studien häufig nicht explizit untersucht werden.
Es zeigen sich in den Studien Herausforderungen für eine kompensatorische Wirkung wahlfamilialer Beziehungen bei LSBTI*-Senior:innen, wenn diese auf Versorgungsstrukturen treffen, die durch traditionelle Akteur:innen wie erwachsene Kinder (und, wenn vorhanden, Partner:innen) geprägt oder dominiert sind. Insbesondere bei der Gestaltung des Lebensendes werden verstärkt Cis-Heteronormativitäten sichtbar, und Wahlfamilien lassen eine fragile Belastungsfähigkeit insbesondere bei Pflegeereignissen erkennen. Wie LSBTI* mit ihren Strategien und Ressourcen verlässliche soziale Netzwerke aufbauen und wie tatsächlich inklusive Versorgungsstrukturen erreicht werden können, sollte verstärkt Gegenstand gerontologischer Diversitätsforschung werden [1, 5, 8, 9].
Fazit für die Praxis
Aufgrund soziodemografischer Herausforderungen wie Alleinleben erhalten soziale Netzwerke, insbesondere nicht-verwandtschaftliche, eine zentrale Bedeutung für ältere LSBTI*-Personen.
Neben dem Umgang und dem Sichtbarmachen einer non-konformen sexuellen oder geschlechtlichen Identität ist eine vorausschauende Pflegeplanung ein relevanter Aspekt in Hinsicht auf Unterstützungsressourcen und Strategien in dieser Bevölkerungsgruppe.
Um die Unterstützungspotenziale bei älteren LSBTI* zu fördern, ist eine diversitätssensible Gesundheitsversorgung und Angehörigenarbeit nötig.
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt
M.M. Acosta und R. Lottmann geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht. Diese Literaturrecherche ist Teil der DFG-geförderten Studie „Bewältigung von Pflegeereignissen im wahlfamilialen Kontext am Beispiel von LSBT* Pflegebedürftigen – Relevanz sozialer Netzwerke in der Pflege“ (PflewaK).
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Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
Open Access This article is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 International License, which permits any non-commercial use, sharing, distribution and reproduction in any medium or format, as long as you give appropriate credit to the original author(s) and the source, provide a link to the Creative Commons licence, and indicate if you modified the licensed material. You do not have permission under this licence to share adapted material derived from this article or parts of it. The images or other third party material in this article are included in the article’s Creative Commons licence, unless indicated otherwise in a credit line to the material. If material is not included in the article’s Creative Commons licence and your intended use is not permitted by statutory regulation or exceeds the permitted use, you will need to obtain permission directly from the copyright holder. To view a copy of this licence, visit http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/.
Hinweis des Verlags
Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Soziale Netzwerke und Pflege von älteren lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und inter* Personen
Scoping-Review zu wahlfamilialen Unterstützungsressourcen
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