Umfrage zu Online-Hype "Tradwives" Mehrheit junger Frauen lehnt traditionelle Rollenbilder ab
- 29.10.2025
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Trotz Social-Media-Trends wie den „Tradwives“ teilt die große Mehrheit junger Frauen in Deutschland ein gleichberechtigtes Rollenverständnis. Nur knapp jede Fünfte vertritt traditionelle Vorstellungen von Weiblichkeit und Familie, wie eine neue Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigt.
Der Online-Hype um die sogenannten „Tradwives“ (von „traditional wife“) hält sich hartnäckig: Auf Social Media inszenieren Frauen ein Leben nach klassischen Geschlechterrollen – als Ehefrau, Mutter und Hausfrau. Der Eindruck liegt nahe, dass sich ein Trend hin zu traditionellen Werten abzeichnet. Tatsächlich aber zeigt eine Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), dass der Hype um traditionelle Rollenbilder und häusliche Lebensentwürfe die Realität junger Frauen in Deutschland kaum widerspiegelt. Demnach befürworten fast zwei Drittel der Frauen im Alter von 20 bis 30 Jahren ein gleichgestelltes Rollenverständnis.
Die Mehrheit steht für Gleichberechtigung
Die Analyse beruht auf Befragungen von 2.709 Frauen über das familiendemografische Panel FReDA in den Jahren 2021 und 2023. 62,2 Prozent der Befragten wurden dabei als „konsistent egalitär“ eingestuft. „Sie stehen für eine partnerschaftliche Arbeitsteilung bei Familie und Beruf und befürworten gleichstellungsbezogene Grundsätze“, erklärt Mitautorin Dr. Sabine Diabaté vom BiB.
Etwa 19,3 Prozent der jungen Frauen vertreten laut Studie ein „vereinbarkeitsorientiertes“ Rollenmodell. Diese Gruppe befürwortet Gleichstellung grundsätzlich, hält aber eine Vollzeiterwerbstätigkeit von Müttern für schwer mit den Bedürfnissen von Kindern vereinbar.
Rund 18,5 Prozent der Befragten äußern Einstellungen, die dem „Tradwife“-Ideal ähneln. Sie idealisieren Ehe und Mutterschaft und betrachten Fürsorgearbeit als zentrale Lebensaufgabe von Frauen. Dazu gehört etwa die Überzeugung, dass ein Kleinkind unter der Berufstätigkeit seiner Mutter leide oder dass Frauen ohne Kinder kein erfülltes Leben führen könnten.
Traditionelle Überzeugungen bleiben Minderheitenphänomen
Die vertiefte Analyse zeigt, dass religiöse Orientierung, Familienstatus und Bildungsgrad maßgeblich mit traditionellen Rollenbildern zusammenhängen. Frauen, die sich selbst als religiös bezeichnen, verheiratet sind oder bereits Kinder haben, vertreten häufiger ein traditionelles Rollenverständnis. Auch niedrig und mittel gebildete Frauen neigen stärker zu solchen Überzeugungen als hochgebildete. „Höher gebildete Frauen machen im Durchschnitt eher beruflich Karriere und sind häufiger finanziell unabhängig. Womöglich sind sie dadurch egalitärer eingestellt und hinterfragen traditionelle Rollenbilder – oder sie wählen gerade wegen ihrer egalitären Überzeugungen emanzipatorische Lebensentwürfe“, erläutert Mitautorin Dr. Leonie Kleinschrot.
Insgesamt zeigt die Untersuchung: Während traditionelle Weiblichkeitsbilder auf Social Media sehr präsent sind, bleiben sie gesellschaftlich ein Randphänomen. Die Mehrheit junger Frauen in Deutschland lebt und denkt gleichberechtigt.