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Anämie in der Schwangerschaft Bei leerem Eisenspeicher: Infusion statt Tablette

Ein leerer Eisenspeicher während der Schwangerschaft Schwangerschaft birgt Gesundheitsrisiken für Mutter und Kind. Behandelt wird er in der Regel mit Tabletten – das reicht oft nicht aus. In der Anämie-Ambulanz in Würzburg wird daher auf Eiseninfusionen gesetzt.

Müde und abgeschlagen: die Symptome eines Eisenmangels werden in der Schwangerschaft häufig als Begleiterscheinung abgetan. Unbehandelt bergen leere Eisenspeicher jedoch ein Gesundheitsrisiko für Mutter und Kind. Darum hat ein interdisziplinäres Team des Universitätsklinikum Würzburg 2020 neues Behandlungskonzept ins Leben gerufen. Im Februar dieses Jahres therapierten sie in der Anämie-Ambulanz die tausendste Schwangere mit einer intravenösen Eiseninfusion.

Leere Eisenspeicher

Während der Schwangerschaft steigt der Eisenbedarf von Frauen durch das wachsende Blutvolumen sowie die Versorgung der Plazenta und des Kindes. Zusätzlich belastet der Blutverlust um die Geburt die Eisenspeicher.  Ein Mangel erhöht das Risiko für Frühgeburten, eine verlangsamte Entwicklung des ungeborenen Kindes sowie eine Wochenbettdepression.  

„Ein Eisenmangel ist die häufigste Ursache einer Anämie in der Schwangerschaft. Er bleibt jedoch häufig unerkannt oder wird nicht ausreichend behandelt, obwohl eine effektive Therapie möglich ist“, erklärt Prof. Dr. Patrick Meybohm, Klinikdirektor der Anästhesie. Ein Bluttest liefert mit Hämoglobin- und Ferritinwerten eine zuverlässige Diagnose. „Die Behandlung der tausendsten Patientin zeigt, wie relevant dieses Krankheitsbild ist.“

Eisentabletten wirken nicht schnell genug

Zunächst wird ein diagnostizierter Mangel meist mit Tabletten behandelt. „Orale Eisenpräparate können aber vor allem einen schweren Eisenmangel nicht zuverlässig ausgleichen. Zudem wirken sie langsam“, sagt Patrick Meybohm. Zudem könnten sie Nebenwirkungen wie Verstopfung verursachen. Die intravenöse Eisengabe hingegen ermöglicht eine schnelle Auffüllung der Eisenspeicher.

„Bei den meisten Patientinnen genügt eine einmalige Infusionsgabe, um die Eisenwerte zu stabilisieren. Je nach Befund und Schwangerschaftswoche kann kurz vor der Geburt eine erneute Gabe sinnvoll sein, um dafür optimale Voraussetzungen zu schaffen“, erläutert Prof. Peter Kranke, der die geburtshilfliche und gynäkologische Anästhesie am UKW leitet. Nach der Geburt ist eine erneute Kontrolle der Eisenwerte sinnvoll, sodass bei Bedarf eine erneute Therapie verordnet werden kann.

Die Anämie-Ambulanz versorgt jedoch nicht nur Schwangere. Auch Menschen, die vor größeren Operationen stehen, werden hier behandelt. Diese Präventionsmaßnahme kann postoperativen Mangelzuständen vorbeugen und das Risiko für Bluttransfusionen reduzieren. Ebenso werden Patientinnen und Patienten mit bestehendem Mangelzustand unabhängig von Schwangerschaft und Operation behandelt, etwa infolge chronischer Erkrankungen, Entzündungen, Verletzungen oder bestimmter Ernährungsweisen. (kaw)

© Stefan Krummer / UKWKarina Reinhard, leitende Anämie Nurse, führt bei der schwangeren Patientin Antonia Krißmer eine Ultraschallkontrolle nach der Eiseninfusionsgabe durch. © Stefan Krummer / UKW.

© Annika Wolf / UKWGruppenfoto des Behandlungsteams mit Mutter Antonia Krißmer und Sohn Levi. Neben ihnen stehen die Anämie Nurses Lisa Eberle (links) und Karina Reinhard, dahinter Prof. Dr. Peter Kranke (links) und Prof. Dr. Patrick Meybohm. © Annika Wolf / UKW

Pressemeldung des Uniklinikum Würzburg

Bildnachweise
Karina Reinhard, leitende Anämie Nurse, führt bei der schwangeren Patientin Antonia Krißmer eine Ultraschallkontrolle nach der Eiseninfusionsgabe durch/© Stefan Krummer / UKW