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07.06.2021 | Schwangerschaft | Online-Artikel

Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors wird Kassenleistung

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Wenn sich das Blut von Mutter und ihrem Ungeborenen in Bezug auf den Rhesusfaktor unterscheidet, kann es gefährlich werden. Ist die Schwangere Rhesus-negativ, ihr Kind aber Rhesus-positiv, kann es bei Blutkontakt zu einer schweren Unverträglichkeitsreaktion beim Kind kommen. Ab dem 1. Juli ist die fetale Rhesusfaktorbestimmung nun eine Kassenleistung.

Der Rhesusfaktor ist eine Blutgruppeneigenschaft, die genetisch vorbestimmt ist. Ist der Rhesusfaktor negativ, fehlt ein bestimmtes Protein auf den roten Blutkörperchen. Positiv bedeutet, dass der Faktor auf den Blutkörperchen vorhanden ist. Bei Schwangeren, die das Blutgruppenmerkmal Rhesus-negativ aufweisen und deren Kinder Rhesus-positiv sind, kann es zu einer Unverträglichkeit des Blutes kommen, weil die Mutter Antikörper gegen den Rhesusfaktor des Kindes bildet. Diese gelangen über die mütterliche Plazenta in das Blut des Kindes. Dies kann in der Folge zum Abbau roter Blutkörperchen und damit zu einer Blutarmut, einem Sauerstoffmangel oder sogar einer schweren Neugeborenengelbsucht führen. Eine Spritze mit Anti-D-Immunglobulin in der Schwangerschaft und nach der Entbindung senkt das Risiko einer Antikörperbildung bei der Mutter deutlich. Sind jedoch Kind und Mutter beide Rhesus-negativ, hat dies keine Auswirkungen und es wird keine entsprechende Behandlung benötigt.

Schwangere mit negativem Rhesusfaktor D können ihr Blut jetzt auf den Rhesusfaktor D des ungeborenen Kindes testen lassen, um gezielt eine gegebenenfalls erforderliche Anti-D-Prophylaxe zu erhalten. Möglich ist dies bei Ein-Kind-Schwangerschaften ab der zwölften Woche. Die hierfür erforderliche fachgebundene genetische Beratung und die Laboruntersuchung werden zum 1. Juli als neue Gebührenordnungspositionen in den EBM aufgenommen.

Mit der Anpassung des Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) haben Rhesus D-negative Schwangere ab dem 1. Juli Anspruch auf den Test, den der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) vergangenes Jahr als neue Kassenleistung beschlossen hatte.

Gezielte Anti-D-Prophylaxe

Bisher erhalten alle Rhesus D-negativen Schwangeren eine Anti-D-Prophylaxe. Die fetale Rhesusfaktorbestimmung ermöglicht nun eine gezielte Prophylaxe, wenn ein Rhesus D-positives Kind erwartet wird, denn nur dann besteht das Risiko einer Sensibilisierung der Mutter. Die medizinisch unnötige Gabe von Blutprodukten (Anti-D-Immunglobulin) an Rhesus D-negative Schwangere, die ein Rhesus D-negatives Kind erwarten, kann somit vermieden werden.

Der G-BA hatte 2020 beschlossen, den nicht invasiven Pränataltest aus mütterlichem Blut bei Rhesus D-negativen Frauen in die Mutterschafts-Richtlinien aufzunehmen. Der Beschluss gilt nur für Einlings-, nicht jedoch für Mehrlingsschwangerschaften. Wie der G-BA damals mitteilte, ist die Datenlage bei Mehrlingsschwangerschaften für eine Bewertung nicht ausreichend.

Für den Pränataltest wird eine Blutprobe der Schwangeren benötigt. Das mütterliche Blut enthält Erbmaterial des Kindes, das sich zur Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors eignet. Getestet werden darf frühestens ab der 12. Schwangerschaftswoche.

Da es sich um eine vorgeburtliche genetische Untersuchung handelt, gelten die ärztlichen Aufklärungs- und Beratungsverpflichtungen nach den Vorgaben des Gendiagnostikgesetzes. Die erforderliche Qualifikation ist die „fachgebundene genetische Beratung“. Grundsätzlich darf die fachgebundene genetische Beratung bei nicht invasiven Pränataltests (NIPT) nur durch Humangenetiker sowie durch die Gynäkologen erfolgen, welche über die entsprechende Qualifikation nach dem Gendiagnostikgesetz (GenDG) und den Richtlinien der Gendiagnostik-Kommission verfügen. Im vergangenen Herbst wurde das nicht-invasive Verfahren zur Bestimmung des Rhesusfaktors bei ungeborenen Kindern in die Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen.

www.kbv.dewww.dgti.de


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