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14.11.2021 | Sars-CoV-2 | Nachrichten

Krebs und COVID-19: Welche Gruppen besonders gefährdet sind

Autor:
Joana Schmidt

Für Krebspatienten bedeutet die Coronapandemie eine schwere zusätzliche Belastung. Unter anderem beim Mortalitätsrisiko gibt es jedoch Unterschiede je nach Tumorentität und Therapiestatus.

COVID-19 ist noch lange nicht besiegt. Umso wichtiger ist es, die Prognose von infizierten Krebspatienten einschätzen zu können, die durch ein geschwächtes Immunsystem und Komorbiditäten oft besonders gefährdet sind. Studien weisen auf ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bei dieser Gruppe hin, jedoch stammen die Daten meist aus kleinen Untersuchungen. In einer großen Analyse wurde jetzt die Prognose von COVID-19-Patienten mit und ohne Krebs verglichen, unter Berücksichtigung von Krebsart und Zeitpunkt der Therapie.

Für die Studie wurden elektronische Patientenakten von rund 507.000 an COVID-19 erkrankten US-Amerikanern analysiert. Ein Team um Prof. Mariana Chavez-MacGregor von der Universität Texas in Houston teilte die Kranken in drei Gruppen: Personen ohne Krebs, Krebspatienten ohne kürzlich erfolgte Krebsbehandlung und Krebspatienten, die innerhalb der drei Monate vor der COVID-19-Diagnose eine systemische oder Strahlentherapie erhalten hatten. Dann ermittelten die Mediziner das jeweilige Risiko für Mortalität, maschinelle Beatmung, Intensivpflichtigkeit oder Hospitalisierung innerhalb der 30 Tage nach der COVID-19-Diagnose.

Von den COVID-19-Patienten hatten mehr als 14.000 (3%) Krebs. Von diesen waren gut 4.000 (30%) kürzlich behandelt worden. Insgesamt waren mehr als 55% der Kohorte Frauen, das Durchschnittsalter lag bei 48 Jahren.

Erhöhtes Sterberisiko bei kürzlich behandelten Krebspatienten

Nicht adjustierte Analysen ergaben ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-Verlauf bei Patienten mit Krebs, unabhängig vom Zeitpunkt der Therapie. Zum Beispiel betrug die Mortalitätsrate 1,6% bei Patienten ohne Krebs, 5,0% bei Krebspatienten ohne Therapie in naher Vergangenheit und 7,8% bei kürzlich behandelten Krebspatienten.

Nach Adjustierung auf Störfaktoren zeigte sich bei Personen mit länger zurückliegender Krebstherapie jedoch eine ähnliche oder sogar bessere Prognose als bei denen ohne Krebs: Bezüglich Mortalität und Intensivpflichtigkeit gab es keine signifikanten Unterschiede, während ihr Risiko beatmet werden zu müssen, sogar um 39% niedriger war.

Bei Krebspatienten, die erst kürzlich behandelt worden waren, zeigten sich dagegen signifikante Nachteile: Ihr Sterberisiko war um 74%, das Risiko für eine Aufnahme auf die Intensivstation um 69% und das für einen Klinikaufenthalt um 19% erhöht.

Schlechte Prognose bei hämatologischer Erkrankung plus Metastasen

Verglichen mit Patienten mit nicht metastasierten soliden Tumoren hatten diejenigen mit metastasierten soliden Tumoren und Patienten mit malignen hämatologischen Neoplasien eine schlechtere Prognose – besonders, wenn beides zutraf. Ihr Mortalitätsrisiko war jeweils signifikant um etwa das Doppelte gesteigert und ihr Risiko für eine Hospitalisierung signifikant um 37% bzw. 44% erhöht.

Kürzlich erfolgte systemische Therapien, insbesondere Chemo- und Chemoimmuntherapien, waren mit unerwünschten Ereignissen assoziiert. Unabhängige Faktoren, die mit unerwünschten Ereignissen einhergingen, waren höheres Alter, männliches Geschlecht, dunkle Hautfarbe, Adipositas und eine hohe Anzahl an Komorbiditäten.

In einer Subgruppenanalyse zu soliden Tumoren beobachteten die Forscher bei den Patienten mit Krebs des Verdauungstrakts ohne kolorektale Karzinome oder mit Lungenkrebs ein höheres Mortalitätsrisiko als bei denen mit Brustkrebs. In einer weiteren Analyse zu malignen hämatologischen Neoplasien hatten Patienten mit Lymphomen gegenüber an Leukämie Erkrankten ein geringeres Risiko für Mortalität, Intensivpflichtigkeit und Hospitalisierung.

Chavez-MacGregor und Kollegen zufolge können die Ergebnisse zu einer besseren Risikostratifikation beitragen.

Literatur

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