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23.07.2020 | Sars-CoV-2 | Nachrichten

ICN – Pflegefachpersonen weltweit besser schützen

Pflegekräfte sind besonderen Gefahren ausgesetzt und müssen wesentlich besser vor Infektionen mit Sars-CoV-2 geschützt werden. Das machte die Mitgliederversammlung des International Council of Nurses (ICN) deutlich, die erstmals rein digital stattfand.

Neuer Inhalt © Robert Leßmann / stock.adobe.comHochwertige Schutzausrüstung für Pflegekräfte ist weltweit nach wie vor Mangelware.

„Es ist tragisch, dass wir so viele Pflegekräfte durch die Pandemie verloren haben”, erklärte ICN-Präsidentin Anette Kennedy im Nachgang der Versammlung vergangene Woche in Genf. Trotz der Risiken seien Pflegekräfte weiter überall im Einsatz, wo sie gebraucht würden. "Es ist inakzeptabel, dass von ihnen erwartet wird, ohne adäquaten Schutz in Gefahrenbereichen zu arbeiten", betonte Kennedy weiter.

Erst am Freitag hatte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus auf einer Pressekonferenz erschreckende Zahlen bekannt gegeben: Demnach betreffen  weltweit rund 10% aller bekannten Covid19-Fälle Mitarbeiter des Gesundheitswesens. Das sind rund  1,3 Millionen Pflegekräfte und Ärzte.

Kennedy kritisiert die schlechte Versorgung von Pflegefachpersonen mit hochwertiger Schutzausrüstung, über die auf der Mitgliederversammlung nationale Pflegeverbände aus allen Regionen der Welt berichteten. In manchen Ländern müssen Pflegende lediglich mit Masken und Handschuhen ausgestattet Covid-19-Patienten versorgen, die in dieser Situation erforderliche Schutzkleidung und Visiere fehlen.

Die ICN-Präsidentin ruft die Länder dazu auf, Vorbereitungen für eine zweite Covid-19-Infektionswelle zu treffen und ihrer Pflicht nachzukommen, Patienten und das Pflegepersonal zu schützen.

ICN beklagt schlechte Datenlage

Offenbar fehlen in vielen Ländern verlässliche Zahlen zu den Erkrankungsraten bei medizinischem Personal. Wie Howard Catton, ICN-Geschäftsführer, mitteilt, will der Weltverbund der Pflegenden daher auch weiter Daten über Erkrankungen und Todesfälle unter Pflegenden sammeln, solange dies nicht in den einzelnen Ländern geschieht.

Catton: „Wir rufen die Regierungen auf, systematisch diese Daten zu sammeln und mit der WHO abzugleichen. Nur so sind wir in der Lage, Pflegekräfte und die Menschen, die sie versorgen, zu schützen.“

Gewalt gegen Pflegekräfte weiteres Problem

An den virtuellen Meetings der Mitgliederversammlung nahmen laut ICN 65 nationale Pflegeverbände mit mehr als 120 Delegierten teil und gaben dabei einen Situationsbericht. Neben dem Mangel an vollständiger und hochwertiger Schutzausrüstung, stellt auch Gewalt gegen Pflegende ein Problem dar. So kommt es in manchen Ländern zu Aggression und Übergriffen gegenüber Pflegekräften aus Angst, diese könnten die Infektionen in die Gemeinden hineintragen.

Solch ein Verhalten sei völlig inakzeptabel. Der ICN fordert die Regierungen auf, für die Sicherheit von Pflegekräften zu sorgen und solche Vergehen angemessen zu verfolgen. Notwendig sei aber auch bessere Aufklärungsarbeit. (ne)

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