Skip to main content
main-content

15.12.2020 | Sars-CoV-2 | Nachrichten

Forschung zu COVID-19 in Pflegeeinrichtungen

Die Langzeitpflege ist von der Pandemie besonders stark betroffen. Bisher fehlt jedoch eine systematische Datenerhebung. Nun wird eine Task-Force mit leitender Rolle der Pflegewissenschaft gefordert.

Neuer Inhalt © Alessandra Schellnegger / SZ Photo / picture allianceBewohner von Pflegeeinrichtungen gehören zur vulnerabelsten Gruppe in der Corona-Pandemie. Wie können sie besser geschützt werden?

Medienberichten zufolge könnten bis zu zwei Drittel der COVID-19 assoziierten Todesfälle in Deutschland auf Alten- und Pflegeheime entfallen. Doch es gibt bisher keine systematische Datenerhebung zur Bewertung von Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie in Deutschland. Deshalb muss ein spezifischer Fokus auf die wissenschaftliche Untersuchung dieses Bereiches höchste Priorität erhalten, wobei die Pflegewissenschaft eine Führungsrolle übernehmen sollte. Dieser Forderung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk) schlossen sich deshalb nun auch der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) und die Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP) an.


Infektionsgeschehen pflegewissenschaftlich untersuchen

Das EbM-Netzwerk forderte vergangene Woche erneut und nachdrücklich, sich um eine wissenschaftliche Herangehensweise für den Erkenntnisgewinn zur Versorgung dieser besonders vulnerablen Gruppe pflegebedürftiger Menschen zu bemühen. Eine rationale Grundlage durch Einbeziehung der Pflegeforschung müsse mit höchster Priorität etabliert werden.

Der DBfK unterstützt diese Forderung: „Wir wissen spätestens seit dem Frühjahr 2020, dass vor allem hochaltrige und pflegebedürftige Menschen die COVID-19 Todesraten bestimmen. So sind insbesondere Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen betroffen. Pflegende in Altenpflegeeinrichtungen schützen diese Risikogruppe mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln“, sagt Dr. Martin Dichter, Mitglied des DBfK-Bundesvorstandes und Vorsitzender des DBfK Nordwest. „Insgesamt wissen wir viel zu wenig über die ergriffenen präventiven Maßnahmen des Infektionsschutzes und deren Folgen“, so Dichter weiter.

Auch die DGP fordert systematische pflegewissenschaftliche Forschung zum Infektionsgeschehen unter COVID-19 in der Langzeitpflege: „Im Angesicht der COVID-19-Krise wurden zurecht Milliarden an Forschungsgeldern ausgeschüttet. Die wenigen Projekte im besonders stark betroffenen Bereich der Langzeitpflege mussten jedoch meist ohne Förderung durchgeführt werden. Diese Projekte haben erste wichtige Erkenntnisse zur Versorgungssituation in der Langzeitpflege hervorgebracht, dennoch ist das Wissen zur Situation und den Rahmenbedingungen in der Langzeitpflege auch im vierten Quartal der COVID-19 Krise lückenhaft“, so die DGP in einer Stellungnahme vom 11. Dezember.

Leitlinien zur Unterstützung der Pflegepraxis

Die DGP hat mit der von ihr herausgegebenen S1-Leitlinie „Soziale Teilhabe und Lebensqualität in der stationären Altenhilfe unter den Bedingungen der Covid-19 Pandemie“ einen ersten wissenschaftlichen Beitrag zur Unterstützung der Versorgung geleistet, eine weitere S1-Leitlinie für den ambulanten Langzeitpflegebereich wird in Kürze erscheinen. Diese Empfehlungen nun datenbasiert weiterentwickeln zu können, und somit einen Beitrag zur Optimierung der Versorgungssituation zu leisten, ist das erklärte Ziel der DGP. (jb)

Bildnachweise