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23.08.2021 | Sars-CoV-2 | Nachrichten

COVID-Impfdurchbruch: Erhöhtes Risiko bei niedrigem Antikörpertiter

Autor:
Dr. Beate Schumacher

Infektionen mit SARS-CoV-2 trotz vollständiger Impfung mit BNT162b2 (Biontech/Pfizer) sind laut einer Studie aus Israel selten und verursachen keine oder wenige Symptome. Ob es dazu kommt, scheint vom Titer der neutralisierenden Antikörper abzuhängen.

Die mRNA-Vakzine BNT162b2 schützt zwar sehr wirksam, aber eben nicht zu 100% vor COVID-19. Das heißt, es kann, wie bei allen Impfungen, zu Durchbruchinfektionen kommen. Die gute Nachricht ist, dass COVID-Durchbrüche offenbar in der Regel asymptomatisch oder leicht verlaufen, wie eine Studie bei Krankenhausangestellten in Israel ergeben hat. Bei einigen Patienten können die Beschwerden allerdings länger anhalten. Ein Indikator dafür, wem trotz vollständiger Impfung eine SARS-CoV-2-Infektion droht, könnte der Studie zufolge die Höhe der neutralisierenden Antikörper bzw. der IgG-Antikörper gegen das Spike-Protein sein.

Von mehr als 11.000 vollständig geimpften Mitarbeitern des Sheba Medical Center in Tel Hashomer waren innerhalb von vier Monaten 1497 wegen verdächtiger Symptome oder Kontakt zu Infizierten per RT-PCR auf SARS-CoV-2 getestet worden, bei 39 Personen (0,4%) fiel der Test positiv aus. Ein Drittel von ihnen blieb durchgängig beschwerdefrei, die übrigen zwei Drittel hatten leichte Symptome, am häufigsten Husten und Schnupfen, Myalgien und Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns. Jeder fünfte Infizierte berichtete nach sechs Wochen über Long-COVID-Symptome wie anhaltenden Geruchsverlust, Husten, Fatigue oder Schwäche.

Einige Patienten vermutlich zeitweise infektiös

Die meisten Patienten hatten sich mit der damals dominierenden Alpha-Variante (B.1.1.7) infiziert. Da drei Viertel von ihnen zumindest bei einer RT-PCR einen Ct-Wert unter 30 aufwiesen, also weniger als 30 PCR-Zyklen zum Nachweis der Nukleoprotein-RNA nötig waren, waren sie vermutlich zeitweise infektiös. Soweit nachvollziehbar, steckte aber keiner der Infizierten weitere Personen an. Das spricht für die auch sonst beobachtete geringere Infektiosität von geimpften COVID-Patienten, allerdings mussten sich die Infizierten auch in Quarantäne begeben

Um den Zusammenhang zwischen humoraler Immunantwort und Durchbruchinfektion zu verstehen, wurde eine Fall-Kontroll-Studie angeschlossen. Als „Fälle“ wurden 22 Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion herangezogen, bei denen maximal eine Woche vor der Infektion die Antikörpertiter bestimmt worden waren. Als Kontrollen dienten jeweils vier bis fünf Mitarbeiter (insgesamt 104), die zum selben Zeitpunkt gegen COVID geimpft, aber gesund geblieben und bei denen monatlich die IgG-Titer bestimmt worden waren.

Weniger neutralisierende Antikörper bei Infizierten

Der Vergleich zeigte einen deutlichen Unterschied: Die Titer neutralisierender Antikörper waren bei den Infizierten nur etwa ein Drittel so hoch wie bei den Kontrollen (36%). Sie korrelierten außerdem mit dem Ct-Wert, d. h., Infizierte mit besonders niedrigen Titern hatten auch niedrigere Ct-Werte, sprich eine erhöhte Viruslast. Eine besonders enge Korrelation zu den Durchbruchinfektionen zeigte sich bei niedrigen Peak-Titern von neutralisierenden Antikörpern, Angaben dazu lagen allerdings nur von zwölf Infizierten vor. Die IgG-Antikörper gegen Spike-Protein (S) waren bei den Infizierten ebenfalls vermindert: Sowohl Spitzen- als auch Vorinfektionstiter waren nur etwa halb so hoch wie bei den gesunden Kontrollpersonen.

Für die Ärzte um Moriah Bergwerk vom Sheba Medical Center ist das das wichtigste Ergebnis ihrer Studie: „Niedrige Titer von neutralisierenden und S-spezifischen IgG-Antikörpern können als Marker für Durchbruchinfektionen dienen.“ Solche Marker sind essenziell, um feststellen zu können, ob ein Geimpfter geschützt ist und wann ein Booster fällig wird. Neutralisierende Antikörper waren in der Studie das bessere Korrelat für einen Impfschutz, S-spezifische IgG-Antikörper haben aber den Vorteil, dass sie einfacher zu bestimmen sind. Es bleibt allerdings die Frage, ob wirklich der Rückgang der Antikörper-Titer das entscheidende Maß für die Gefahr einer Infektion darstellt oder ob die nicht vor allem davon abhängt, wie gut die initiale Immunreaktion ausgefallen ist. Da die maximalen Antikörpertiter aber nur bei wenigen Infizierten geschätzt werden konnten, lässt sich diese Frage nicht beantworten.

Literatur

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