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2018 | Ratgeber | Buch

Schmerz, lass' nach!

Eine Einführung in die Grundbegriffe der Schmerzmedizin

herausgegeben von: Prof. Dr. Joachim Kirsch

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

Buchreihe : WissenKompakt Medizin

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Über dieses Buch

Das vorliegende Buch der Reihe WissenKompakt Medizin beantwortet auf sehr anschauliche Weise die häufigsten Fragen zum Thema "Schmerz" und hilft so, das Alltagsphänomen "Schmerz" aus medizinischer Sicht zu verstehen. Wer von uns hat nicht schon einmal rasch zu einer Tablette gegriffen, um den lästigen Kopfschmerz loszuwerden? Wie wirken solche Medikamente? Wie sieht es mit den Nebenwirkungen aus? Was kann und sollte man tun, wenn Schmerzmittel nicht mehr helfen?

Schmerzen sind nicht gleich Schmerzen. Meist handelt es sich um Warnsignale, die uns darauf aufmerksam machen sollen, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass eine Gewebeschädigung droht oder dass wir uns bereits verletzt haben.

Dieses kleine Buch legt dar, dass es sich bei der Schmerzempfindung um eine unserer Sinneswahrnehmungen handelt, die mit Sehen, Riechen oder Schmecken vergleichbar ist. Es wird erläutert, wie Schmerzen in der Körperperipherie entstehen, wie es zur Sensibilisierung von schmerzempfindlichen Nervenendigungen kommen kann und warum sich Schmerzen nicht wie andere Sinneswahrnehmungen bei längerem Bestehen anpassen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Was ist das eigentlich, Schmerz?
Zusammenfassung
Schmerz ist nach der Definition der Internationalen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (IASP) „ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potenzieller Gewebeschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird. Der akute Schmerz tritt entweder unmittelbar nach einem akuten Ereignis oder im Rahmen einer Entzündung auf. Er hat in diesen Situationen eine Warnfunktion. Schmerzen, die über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten insbesondere auch nach Beseitigung der vermeintlichen Ursachen und vermeintlich abgeschlossenem Heilungsprozess bestehen bleiben, sind chronische Schmerzen. Der chronische Schmerz hat biologische (z. B. Schmerz bedingte Funktionseinschränkung), psychische (z. B. Störung von Stimmung und Befindlichkeit) und soziale (z. B. Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit) Folgen und ist als eigenständige Krankheit zu bewerten.
Jens Keßler, Hubert Bardenheuer
2. Wo Schmerzen behandelt werden
Zusammenfassung
Das Zentrum für Schmerztherapie und Palliativmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg ist eine Sektion der Klinik für Anästhesiologie und erfüllt die universitären Aufgaben des Fachgebietes in Lehre, Forschung und klinischer Versorgung. Das Zentrum für Schmerztherapie und Palliativmedizin ist eines der vier überregionalen Schmerzzentren in Baden-WürttembergSchmerzzentren in Baden-Württemberg und übernimmt die ambulante Versorgung von erwachsenen Patienten und Kindern mit chronischen, tumorbedingten und nicht-tumorbedingten Schmerzen. Patienten mit aktiver und weit fortgeschrittener Tumorerkrankung, bei denen der Schwerpunkt der Behandlung auf dem Erhalt der Lebensqualität durch Schmerzreduktion liegt, werden nach einem ganzheitlichen Therapiekonzept von Palliativmedizinern des Universitätsklinikums und spezialisierten Fachpflegekräften in der Palliativstation des Krankenhauses St. Vincentius behandelt.
Jens Keßler, Hubert Bardenheuer
3. Was für Schmerzen habe ich eigentlich?
Zusammenfassung
Eine, wenn nicht die wichtigste Funktion von Schmerzen, ist die Warnung vor einer drohenden oder bereits manifesten Schädigung – eine für das Überleben eines Organismus absolut notwendige Funktion. Man kann Schmerzen nach unterschiedlichen Kriterien einteilen; einerseits nach dem Ort ihrer Entstehung bzw. nach dem Ort, wo sie wahrgenommen werden, andererseits nach den physikalischen und/oder molekularen Mechanismen, die ihrer Entstehung zu Grunde liegen.
Joachim Kirsch
4. Von Nerven und Nervenzellen

Zum Zentralnervensystem werden das Gehirn und das Rückenmark gerechnet. Beide bestehen aus grauer und weißer Substanz. Die graue Substanz wird von den Zellkörpern (Somata) der Nervenzellen (Neurone) gebildet, die eingebettet sind in Gliazellen. Eine deutsche Bezeichnung für Glia lautet „Nervenkitt“, denn in konventionellen histologischen Färbungen erscheint die Glia als mehr oder weniger amorphe Masse, wie Kitt, in der lediglich die Zellkerne farblich herausgehoben werden. In der weißen Substanz befinden sich Nervenfasern, die umgeben sind von einer Art Isolierschicht. Die Isolierung besteht wiederum aus spezialisierten Gliazellen, die im ZNS Oligodendrozyten, im peripheren Nervensystem aber Schwann-Zellen genannt werden. Nervenzellen kommunizieren an hochspezialisierten Kontaktstrukuren, den Synapsen, miteinander.

Joachim Kirsch
5. „Schmerznerven“ – wie aus Schädigungen von Körpergewebe Schmerzen werden
Zusammenfassung
Menschen und Tiere haben spezielle Warnsysteme, die Signale an das Gehirn senden, um vor Schädigungen der verschiedenen Gewebe des Körpers, wie beispielsweise Haut oder Muskel, zu schützen. Im Gehirn werden - neben der Schmerzempfindung - Reaktionen eingeleitet, die von schnellen Schutzreflexen bis zu komplexen Lernvorgängen reichen. Die "Schmerznerven" (Nozizeptoren) des Menschen reagieren auf verschiedene mechanische, chemische und thermische Reize und leiten elektrische Signale über das Rückenmark zu verschiedenen Regionen des Gehirns. Dieses nozizeptive System weist zudem einige Besonderheiten auf, beispielsweise unterschiedliche Qualitäten der Schmerzempfindung, fehlende Anpassung (Adaptation) bei andauernden Reizen, Entstehung erhöhter Schmerzempfindlichkeit (Sensitivierung) sowie potenzielle plastische Veränderungen an den Nervenzellen, die auch beim chronischen Schmerz eine wichtige Rolle spielen.
Andreas Draguhn, Oliver Kann
6. Alles eine Frage der Nerven
Zusammenfassung
Anatomisch betrachtet gehören die Nerven zum sogenannten peripheren Nervensystem. Sie gehen jedoch vom Zentralnervensystem aus, zu dem neben dem Gehirn auch das Rückenmark gehört. Dementsprechend unterscheidet man Hirnnerven und Rückenmarksnerven (Spinalnerven). Das Rückenmark ist segmental gegliedert, die Grundarchitektur dieser Segmente ist identisch. Man kann mehrere aufsteigende Bahnsysteme unterscheiden, darunter auch die „Schmerzbahn“. Der Thalamus des Zwischenhirns ist die erste Relaisstation für sensible Reize. Die Verarbeitung nozizeptiver Reize erfolgt im Gehirn nicht in einem spezialisierten „Zentrum“ sondern in mehreren Hirnregionen, dem „Schmerznetzwerk“.
Joachim Kirsch
7. Schmerz, lass’ nach!
Zusammenfassung
Es kann vorkommen, dass Menschen trotz objektiv schwerer, akuter Verletzungen zunächst über keine nennenswerten Schmerzen berichten. Verantwortlich für diese scheinbar paradoxe Situation ist die Aktivierung eines körpereigenen neuronalen Systems, das vom Gehirn ausgehend über mehrere Zwischenstationen die synaptische Übertragung nozizeptiver Reize im Rückenmark hemmt. Wichtige Schaltstationen des deszendierenden schmerzhemmenden Systems sind das zentrale Höhlengrau im Mesencephalon sowie der Locus caeruleus und die Raphekerne. Diese Nervenzellen benutzen Neurotransmitter bzw. Neurotransmitterezeptoren, die pharmakologisch beeinflusst werden können und dadurch wichtige Zielstrukturen für eine Pharmakotherapie von Schmerzen darstellen.
Joachim Kirsch
8. Wie man Schmerzen behandelt
Zusammenfassung
Bevor therapeutische Maßnahmen geplant und eingeleitet werden, muss die Zuordnung zu einem bestimmten Schmerztyp und den zugehörigen Schmerzmechanismen durch eine sorgfältige Erhebung der Anamnese gesichert werden. Neben der Schmerzdauer, dem Schmerzbeginn und seiner zeitlichen Entwicklung und dem Schmerzcharakter müssen auch die relevanten Begleitsymptome erfragt werden. Die Schmerzintensität wird über Skalen erfasst. Sie erlauben auch, den Erfolg einer Schmerztherapie abzu schätzen. Die Pharmakotherapie von Schmerzen stellt ledigleich ein Puzzleteil von vielen für die ganzheitliche Behandlung von Patienten mit Schmerzen dar. Insbesondere bei der Behandlung chronischer Schmerzen kommt eine Vielzahl von Behandlungsmethoden zum Einsatz.
Jens Keßler, Hubert Bardenheuer
Backmatter
Metadaten
Titel
Schmerz, lass' nach!
herausgegeben von
Prof. Dr. Joachim Kirsch
Copyright-Jahr
2018
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-55358-9
Print ISBN
978-3-662-55357-2
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-55358-9