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07.09.2021 | Rahmenbedingungen | Nachrichten

Tarifstreit: Vivantes schägt Verdi Modellprojekt vor

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Mit einem Modellprojekt will die Geschäftsführung von Vivantes Belastungen im Pflegebereich reduzieren. Das Angebot war Grundlage eines Gesprächs mit der Gewerkschaft Verdi, die unbefristete Streiks in den landeseigenen Kliniken Berlins ankündigte.

Der Vorschlag von Vivantes sieht vor, dass sich der Leistungsumfang der Krankenhäuser nach dem vorhandenen Personal richtet. So soll die zu erbringende Behandlungsleistung nach festgelegten Personalbemessungsgrundlagen gedeckelt werden. Als Bemessungsgrundlage könnten die Pflegepersonaluntergrenzenverordnung und/oder die PPR 2.0 dienen. Ziel sei die Verbesserung der Versorgungsqualität bei gleichzeitiger Begrenzung der Belastung für Pflegekräfte.

„Wir sind uns mit ver.di darüber einig, dass unser Gesundheitssystem dringend Veränderung benötigt“, erklärte am Montag Dorothea Schmidt, Personalgeschäftsführerin bei Vivantes. Mit dem vorgestellten neuen Modell sehe man die Möglichkeit, diese Veränderung gemeinsam auf den Weg zu bringen.

Unbefristet Streiks ab Donnerstag?

Die Gewerkschaft Verdi hatte am Montagmorgen die Ergebnisse einer Urabstimmung bekannt gegeben. Die Gewerkschaftsmitglieder bei Charité und Vivantes stimmten demnach „mit überwältigender Mehrheit“ für einen unbefristeten Streik. So votierten rund 98% der Pflegefachpersonen für die Arbeitsniederlegung.

„Das Votum zeigt, dass die Beschäftigten es ernst meinen. Sie wollen verbindliche Tarifregelungen, die wirkliche Verbesserungen bringen“, erklärt Meike Jäger, zuständig für den Fachbereich Gesundheit bei Verdi. Damit droht in Berlins landeseigenen Krankenhäusern ab Donnerstag ein unbefristeter Pflegestreik.

Um einen geordneten Streik zu ermöglichen, sei Verdi weiterhin zum Abschluss von Notdienstvereinbarungen bereit, die sowohl die Patientensicherheit als auch das Streikrecht der Beschäftigten garantieren, betonte Tim Graumann, der die Notdienstverhandlungen führt. „Ich hoffe sehr, dass Vivantes nicht erneut versucht, mit juristischen Tricks gegen die eigenen Beschäftigten und ihr Streikrecht vorzugehen." Dafür gäbe es weder in der Belegschaft noch in der Bevölkerung oder bei den politischen Entscheidungsträgern Verständnis.

Drei Bausteine für Verbesserungen

Vivantes setzt beim vorgeschlagenen Modell auf drei Bausteine: „Wir wollen die Arbeitsbedingungen verbessern, Belastung von vorne herein vermeiden und die Ausbildung fördern“, erläuterte Schmidt. Konkret soll die Leistung dem verfügbaren Personal angepasst werden. Daneben sieht das Vivantes-Modell den kompletten Verzicht auf Leasing und eine deutlich flexiblere Arbeitseinteilung vor. Zudem wird die Qualität der Ausbildung u.a. durch verbesserte Praxisanleitung und kontinuierliches Feedback gefördert. Vorgesehen seien „umfangreiche Investitionen“.

Laut Vivantes stellen diese Pläne den Konzern im bestehenden Gesundheitssystem vor "enorme wirtschaftliche Herausforderungen“. Daher müssten gemeinsam mit Verdi Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden. Zudem pocht der Konzern auf eine Befristung der Projektlaufzeit zur Erprobung sowie eine unabhängige wissenschaftliche Begleitung.

Die Verdi-Gewerkschaftsmitglieder bei Charité und Vivantes fordern die Entlastung von Pflegekräften. Die Tarifverhandlung waren nach einem Warnstreik ergebnislos geblieben.

Am Mittwoch soll das nächste Treffen stattfinden. Für den Fall, dass Verdi zu Streiks aufruft, will Vivantes die Gespräche aussetzen. (ne)

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